Konrad von
Kardorff
wurde auf
dem Gut
Niederrabnitz
bei Oels als
Sohn des
bekannten
Politikers
Wilhelm von
Kardorff
geboren.
Schon als
Schüler des
Gymnasiums
in Oels und
der
Ritterakademie
zu Liegnitz
zeigte er
künstlerisches
Talent. Der
berühmte
Münchner
Malerfürst
Lenbach
wurde
befragt, ob
der Junge
Talent habe.
Nach der
positiven
Aussage
wurde
Kardorff
nach München
auf die
Akademie
geschickt
und
studierte
bei Fehr und
Herterich.
Er schloß
sich der
ungarischen
Künstlergruppe
in Nagybanya
an. 1898
ging der
junge
Schlesier
wie Erler,
Spiro,
Purrmann und
Moll nach
Paris und
besuchte die
Académie
Julian. 1900
war er
wieder in
München als
Schüler des
hervorragenden
Porträtisten
Ludwig von
Löffitz. Im
Herbst 1901
machte er
sich in
Berlin
selbständig.
„Damals
entstand das
erste
Porträt
meines
Vaters, mit
dem ich
unbegreiflicherweise
einigen
Erfolg
hatte, jetzt
ist das Bild
vollkommen
schwarz
geworden.
Vorher hatte
ich schon in
der Münchner
und in der
neu
gegründeten
Berliner
Secession
ausgestellt.
Die Sachen
habe ich
später alle
sorgfältig
vernichtet,
sie waren zu
schlecht“,
so
berichtete
er August
Grisebach.
Kardorff
wollte
wieder nach
Paris, doch
der Vater
verordnete
Italien. Er
blieb
längere Zeit
in Venedig,
fasziniert
von dem
Licht. Mehr
noch zog es
ihn aber
nach dem
Norden, nach
Holland, wo
er in
Noordwyck
mit Max
Liebermann
zusammentraf.
Dieser wurde
ihm Freund
und Vorbild.
Daneben
bewunderte
er die
französischen
Impressionisten,
vor allem
Manet,
dessen
Arbeiten er
in Paris und
in Berlin
studierte.
Kardorff war
äußerst
kritisch
seinen
Arbeiten
gegenüber.
„Durchschnittlich
war es
erschreckend,
wie viele
Sachen ich
verdarb, ehe
nur das eine
oder andere
einigermaßen
gelang. Wenn
ich im
Winter ein
oder zwei
Porträts
fertig
bekam, so
war das
viel. Mit
Fanatismus
kratzte ich
nach den
Sitzungen
alles wieder
ab. Keiner
wollte mir
mehr
sitzen.“ Was
Kardorff
dann
bestehen
ließ, zeigte
höchste
Qualität.
Das Porträt
seines
Vaters von
1905/06
wurde sofort
von den
Berliner
Museen
gekauft.
Kardorff
verband die
traditionelle
Porträtkunst,
die er vor
allem bei
Löffitz
erlernt
hatte, mit
impressionistischen
Elementen zu
einer
beeindruckenden
Farbkomposition,
die die
jeweilige
Person
charakterisierte.
Während er
im Porträt
seines
Vaters noch
einen
neutralen
Hintergrund
wählte,
bezog er in
späteren
Jahren den
Lebensraum
bewußt ein.
In einem
Kinderbildnis
hat das
Mädchen
seine Puppe
eng
umschlungen,
sitzt fast
thronend auf
einem Sessel
mit einem
duftigen,
hellen
Bezug, auf
dem
Schmetterlinge
und Vögel
zwischen
Blumen
erscheinen.
Der neben
ihr stehende
Knabe wird
von einem
dunkleren
Wandstück
hinterfangen.
Sein
Matrosenhemd
korrespondiert
farblich mit
den
Postkutschen
der Tapete.
Wenn auch
der
Breslauer
Professor
für
Kunstgeschichte,
Richard
Muther, in
seiner
Geschichte
der Malerei
bemängelte,
Kardorff
hätte „ein
aus Paris
bezogenes
Monokel“
auf, so hält
er durchaus
einen
Vergleich
mit Renoirs
besten
Kinderbildnissen
aus. Auch
seine
Landschaften,
das „Königin-Augusta-Ufer“
oder der „Calandrelli-Platz“,
sind eine
ganz
eigenständige
Umsetzung
der
Tendenzen
des
französischen
Impressionismus.
Kardorff
stellt die
sonnendurchfluteten
Alleen dar,
in denen das
Berliner
Leben
pulsiert,
mit
Droschken
und Autos,
den hohen
repräsentativen
Gebäuden und
vielen
Menschen,
die vorüber
hasten oder
geruhsam auf einer Bank sitzen. Er malt auf heller Grundierung, so daß die
Farben
leuchten,
ohne
aufdringlich
zu sein.
Helle
Lichtflecken
spielen auf
dem Grau der
Straße,
kontrastiert
durch dunkle
Baumstämme.
Wenn er sich
im
„Schöneberger
Ufer im
Schnee“ mit
den
berühmten
Schneebildern
der
Franzosen
auseinandersetzt,
so zeigt das
Konsequenz,
aber auch
seine
künstlerische
Qualität.
1920 berief
August
Endell den
bereits weit
über
Deutschland
bekannten
Konrad von
Kardorff,
dessen
Bilder 1914
auf der
Baltischen
Ausstellung
in Malmö,
1917 im
Zürcher
Kunsthaus zu
sehen waren,
als Leiter
einer
Malklasse an
die
Breslauer
Kunstakademie.
1922 malte
er das
Porträt
seines
Kollegen Dr.
August
Grisebach,
in dem er
sich langsam
vom
Spätimpressionismus
entfernte
hin zu Neuen
Sachlichkeit.
1927 wurde
Konrad von
Kardorff an
die
staatliche
Schule für
Kunsterziehung
in Berlin
berufen. Der
Kontakt zu
Schlesien
riß aber
nicht ab. Zu
seinem 60.
Geburtstag
im Jahre
1937
veranstaltete
das
Schlesische
Museum der
Bildenden
Künste in
Breslau eine
repräsentative
Ausstellung,
die bis
heute letzte
Einzelausstellung
des
Künstlers.
Konrad
von Kardorff
gehörte zu
den wenigen
Professoren
der
Breslauer
Kunstakademie,
die nicht
als
„entartet“
diffamiert
wurden,
obwohl er
kompromißlos
zu Max
Liebermann
stand und
dies an
dessen Grab
demonstrierte.
Eine
lebenslange
Freundschaft
verband ihn
mit Hans
Purrmann,
mit dem er
Malerreisen
nach Ischia
und an den
Bodensee
unternahm.
Konrad von
Kardorff
erlebte den
Zweiten
Weltkrieg in
Berlin. In
den letzten
Kriegsmonaten
fiel fast
sein
gesamtes
Lebenswerk
den Bomben
zum Opfer:
Gemälde und
Zeichnungen,
die er
besonders
schätzte und
in seinem
Atelier und
seiner
Wohnung
verwahrte.
Der Künstler
überlebte
diesen
Verlust
nicht. Am
12. Januar
1945 starb
er, einen
Tag vor
seinem 68.
Geburtstag,
in Berlin.
Lit.:
Allg.
Lexikon der
bildenden
Künstler.
Von der
Antike bis
zur
Gegenwart.
Hg. von U.
Thieme und
F. Becker,
Leipzig
1907/08
(Nachdruck
München
1992) Bd.
19, S.
554–555. –
Allg.
Lexikon der
bildenden
Künstler im
20. Jh. Hg.
von H.
Vollmer,
Leipzig 1953
(Nachdruck
München
1992), Bd.
3, S. 18 mit
Literaturangaben.
– August
Griesebach:
Konrad von
Kardorff,
in: Künstler
Schlesiens,
I. Buch,
1925, S.
21–22 mit
Abb. –
Ausstellungskatalog:
Konrad von
Kardorff.
Ausstellung
zum 60.
Geburtstag –
Schlesisches
Museum der
bildenden
Künste,
Breslau
1937. – Hans
Purrmann:
Konrad von
Kardorff,
in:
Schlesien,
1961, S.
214–217 mit
Abb. – Peter
Wolfrum:
Konrad von
Kardorff,
in:
Ostdeutsche
Gedenktage
1995, Bonn
1994, S.
27–29. –
Idis B.
Hartmann:
Konrad von
Kardorff –
Ein
schlesischer
Impressionist,
in:
Schlesische
Nachrichten
4 (1995), S.
10.
Bild:
Selbstbildnis
1924 aus:
Schlesien,
1961.
Idis B.
Hartmann