Im Gegensatz
zu seinem
Vater, dem
bekannten
Politiker
der
Bismarckzeit,
Wilhelm von
Kardorff
(1828-1907),
wird der als
Maler
bekannte
Konrad von
Kardorff
nicht durch
einen
Artikel in
der Neuen
Deutschen
Biographie
gewürdigt.
Konrad von
Kardorff
nahm ohne
Umwege 1894
sein Studium
an der
Kunstakademie
in München
auf. Dort
war er
Schüler von
Friedrich
Fehr und von
Ludwig von
Löfftz. 1898
wechselte
er nach
Paris an die
Akademie
Julien.
Studienreisen
führten ihn
auch nach
Oberitalien
(Venedig).
1905 bis
1907 hielt
er sich in
Holland auf.
Bereits im
Jahre 1900,
als er
seinen
Wohnsitz
noch in der
bayerischen
Haupt- und
Residenzstadt
hatte,
erlangte er
mit einem
Selbstporträt
Beachtung in
der 1899
unter Max
Liebermann
konstituierten
Berliner
Sezession.
Im
folgenden
Jahr zog er
in die
Reichshauptstadt.
Hier war er
Mitglied
der Berliner
Sezession
und später
auch der
Freien
Sezession.
Wenn man
sich zudem
vergegenwärtigt, daß der
Maler,
Radierer,
Lithograph
und Essayist
Rudolf
Großmann
(1882-1941),
der
Architekt
Mies van der
Rohe, der
Schriftsteller
Rudolf
Borchardt
(1877-1945)
ebenso wie
der Verleger
und
Schriftsteller
Paul
Cassirer
(1871-1926)
und der
Physiker
Albert
Einstein zu
seinen
Freunden
zählten,
dann kann
man sich
leicht einen
Begriff von
der Weite
seines
geistigen
Horizontes
machen.
Schon die
zeitgenössischen
schlesischen
Kunsthistoriker
Franz Landsberger
und
Margarethe
Steinberg
stellten
fest, daß
Konrad von
Kardorff vom
Stil des
Malers und
Graphikers
Hans
Purrmann
(1880-1966)
beeinflußt
worden war.
Eine enge
persönliche
Beziehung
und eine
daraus
resultierende
künstlerische
Abhängigkeit
bestand
zwischen Kardorff und
dem Berliner
Maler Max
Liebermann.
Von den
wenigen
erhaltenen
Bildern
Kardorffs
zeugt seine
atmosphärisch
heitere
Berliner
Impression
von der Königin-Augusta-Straße
(dem
späteren
Tirpitz- und
heutigen
Reichpietsch-Ufer)
mit der
Calandrelli-Anlage
im Berliner
Tiergarten
von 1911 aus
dem
Berlin-Museum
für diese
Beeinflussung.
Während des
Direktorates
von August
Endell wurde
Konrad von
Kardorff
1920 an die
Kunstakademie
in Breslau
berufen. Er
war dort bis
1927 der
Leiter einer
Malklasse.
Seit 1927
war er
wieder in
Berlin in
der Funktion
eines
Professors
an der
Staatlichen
Schule für
Kunsterziehung.
Eine
menschlich
anrührende
und für den
noblen
Charakter
des
beruflich
bereits
arrivierten
Künstlers
bezeichnende
Begebenheit
soll hier
nicht
unerwähnt
bleiben. Im
Jahre 1935,
als sich
der gewalttätige nationalsozialistische Unrechtsstaat in
Deutschland
bereits
etabliert
hatte, starb
Max
Liebermann.
Nur vier
Künstler
erwiesen ihm
am Grabe die
letzte Ehre:
Konrad von Kardorff,
Käthe
Kollwitz,
Hans
Purrmann und
der Maler
Julian
Klein von
Diepold.
Es ist heute
leider
nurmehr
eingeschränkt
möglich,
sich vom
Schaffen
Konrad von
Kardorffs
ein
eigenständiges
Urteil zu
bilden. Sehr
vieles ist
während des
Zweiten
Weltkrieges
untergegangen.
Folgt man
der
Literatur,
dann war
Konrad von Kardorff in
erster Linie
ein
hervorragender
Porträtist,
danach ein
Landschaftsmaler,
vor allem
von Berliner
Straßenszenen.
Margarethe
Steinberg
schrieb
schon 1925
von ihm, er
sei "einer
der
sympathischsten
und
anerkanntesten
Vertreter
des
Impressionismus
norddeutscher
Prägung".
Immerhin
können wir
auch heute
noch Bilder
von ihm (in
den Museen
von Bremen,
Hamburg,
Heidelberg,
Rostock und
Danzig)
bewundern.
Lit.:
Günter
Krüger:
Breslauer
Kunstschulen
bis 1933,
in: 200
Jahre
Kunstschulen
in Breslau,
Ausstellungskatalog,
Wiesbaden-Breslau/Wrocław
1991, S.
11-15. -
Kunst in
Schlesien -
Künstler aus
Schlesien.
Malerei,
Graphik und
Plastik. 20.
Jahrhundert,
Ausstellungskatalog,
Würzburg
1985. -
Franz Landsberger:
Rundschau.
Bildende
Kunst, in:
Schlesische
Monatshefte,
Jg. 4, 1927,
S. 38-40. - Poelzig-Endell-Moll
und die
Breslauer
Kunstakademie
1911-1932,
Ausstellungskatalog,
Berlin-Mülheim/Ruhr-Darmstadt
1965. - Hans
Purrmann:
Konrad von
Kardorff,
in:
Schlesien,
Jg. 6, 1961,
S. 214-217.
- Ernst
Scheyer: Die
Kunstakademie
Breslau und
Oskar Moll,
Würzburg
1961. -
Margarethe
Steinberg:
Konrad von
Kardorff,
in:
Schlesische
Monatshefte,
Breslau
1925, S.
483-485. -
Thieme/Becker:
Künstlerlexikon,
Bd. 19,
Leipzig
1926, S.
554f. -
Vollmer:
Künstlerlexikon,
Bd. 3,
Leipzig
1956, S. 18.
Bild:
Selbstbildnis,
1924
Peter
Wolfrum