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Karl Christian Erdmann entstammte der herzoglichen Linie
Württemberg-Oels. Diese war 1647 durch die Eheschließung des Prinzen
Sylvius Nimrod von Württemberg-Weiltingen mit einer Tochter Herzog Karl
Friedrichs von Oels, durch dessen Tod 1647 das böhmisch-schlesische Haus
Podiebrad erloschen war, gestiftet worden.
Karl Christian Erdmann wurde 1716 in Wilhelminenort im schlesischen
Fürstentum Oels, der Residenz seines Vaters Christian Ulrich
(1691-1734), der mit Charlotte Philippine Gräfin von Redern verheiratet
war, geboren. Seine Eltern brachten Karl Christian Erdmann mit seiner
Schwester zunächst nach Halle, um sie im dortigen Pädagogium im
evangelischen Bekenntnis erziehen zu lassen. Auf Wunsch des regierenden
Herzogs von Württemberg kamen 1722 beide Kinder zur weiteren Ausbildung
an den Stuttgarter Hof. Nach einem anschließenden Studium an der
Universität Tübingen schlug Karl Christian Erdmann die militärische
Laufbahn ein, wie damals üblich, wenn keine Apanage vorhanden war. Als
Rittmeister eines schwäbischen Kavallerieregiments nahm er 1733 während
des polnischen Thronfolgekrieges an den Kämpfen am Oberrhein teil und
wurde 1734/35 Obrister des Schwäbischen Reichskreises. Karl Alexander,
seit 1733 Herzog von Württemberg und bereits 1712 katholisch geworden,
schickte den Prinzen für seine weitere Laufbahn an den Kaiserhof, wohl
um ihm, nach einer gewünschten Konversion, eine katholische Gemahlin zu
vermitteln. So hielt sich Karl Christian Erdmann 1734 zunächst als
„kaiserlicher Obrister“ in Wien auf. Er entzog sich jedoch dem
Konfessionswechsel und wich 1736 in die Dienste des dänischen Königs
Christian VI. aus, zunächst als Generalmajor der Kavallerie, ab 1739 als
Kommandant der Leibgarde zu Pferd in Kopenhagen. Nachdem ihm 1744/45
nach der Abdankung des Herzogs Karl Friedrich und dem Tode des Herzogs
Karl von Bernstadt das Fürstentum Oels im inzwischen von Preußen
annektierten Schlesien zugefallen war, wechselte Karl Christian Erdmann
in die königlich-preußische Armee über, in den Rang eines
Generalleutnants der Kavallerie mit der Ehrenbezeichnung eines
Statthalters von Breslau. Seither widmete er sich, nunmehr regierender
Herzog von Oels und Bernstadt, hauptsächlich der Verwaltung seines
schlesischen Besitzes, den er mit einer drückenden Schuldenlast
übernommen hatte.
Karl Christian Erdmann hielt sich in den nächsten Jahren bis zum Tod
König Christians VI. von Dänemark noch abwechselnd in Oels und
Kopenhagen auf. Während die Belehnung mit Oels bereits am 18. Januar
1744 in Berlin „mit gewöhnlichen Ceremonien“ stattgefunden hatte, konnte
Karl Christian Erdmann die Belehnung mit Bernstadt immer wieder
hinauszögern. Allem Anschein nach hoffte er auf eine militärische und
politische Niederlage Preußens, aus der Oels vielleicht als souveränes
Herzogtum hervorgehen würde. Als sich diese Erwartungen auch im
Siebenjährigen Krieg nicht erfüllten, wurde die offizielle Belehnung mit
dem gesamten Herzogtum schließlich im Dezember 1764 in Berlin doch noch
vollzogen. Da Karl Christian Erdmann und seine Gemahlin Marie Sophie von
Solms-Laubach nicht mehr auf männliche Erben hoffen konnten, war das
Ende der Linie Württemberg-Oels vorauszusehen. Ihre Tochter Friederike
Sophia hatte 1768 Friedrich August von Braunschweig-Lüneburg, einen
Neffen des preußischen Königs, geheiratet, so daß dieser als künftiger
Erbe von Oels mitbelehnt wurde. Danach wiederum sollte Oels an das
Stammhaus Württemberg übergehen, „an welchem ich [Karl Chr. E.] so
natürlichen als billigen Antheil nehme“. Auch seine im Staatsarchiv
Breslau erhaltenen Briefe in die württembergische Hauptstadt bezeugen
Karl Christian Erdmanns Verbundenheit mit der schwäbischen Heimat seiner
Familie.
Von seiner Mutter hatte Karl Christian Erdmann in Oberschlesien zwischen
Namslau und Oppeln zusätzlich ein umfangreiches Waldgebiet geerbt. Hier
hielt er sich bevorzugt zur Jagd auf und ließ 1748 einen Tiergarten
anlegen. Daneben, auf einer Rodung mitten im Wald im Schnittpunkt von
acht sternförmig zusammenlaufenden Schneisen, die ebenfalls zur Jagd
geschlagen worden waren, ließ er 1749 zunächst ein einfaches, hölzernes
Jagdschloß errichten, das er Carlsruhe nannte. Nach einem Brand wurde
das Schloß 1752/53 als Steinbau schmuckvoller und größer
wiederaufgebaut. Dieses Schloß, im Grundriß quadratisch,
zweieinhalbstöckig mit vier runden Ecktürmen, in der Mitte von einer
Kuppel gekrönt, diente von nun an dem Herzog als Residenz, von der aus
er sein Fürstentum Oels überwiegend regierte. Unter Mitwirkung des
herzoglichen Landbaumeisters Georg Wilhelm Schirrmeister, „Direktor
alles Bauwesens“ in Oels, entstand rund um das Schloß eine barocke
Gartenanlage mit französischem, später englischem Park, mit Hofgebäuden,
einer Orangerie, Alleen, Irrgärten und einer ausgedehnten
Teichlandschaft. In der Nähe des Schlosses wurde 1765-75 durch
Schirrmeister die Sophienkirche errichtet, ein bedeutendes Zeugnis der
evangelischen Kirchenbaukunst in Schlesien, auf ovalem Grundriß mit
Anbauten in der Längs- und Querachse, mit außen klassizistischer, innen
Rokoko-Ausstattung. Zudem ließ Karl Christian Erdmann im Park zu
Carlsruhe durch einen Stuttgarter Winzer einen Weinberg mit Winzerhaus
und Weinbergschlößchen
anlegen, für den 20000 Weinstöcke aus Burgund und Ungarn herangeschafft
wurden. Um das Schloß Carlsruhe, um das sich zunehmend Handwerker und
Kaufleute ansiedelten, entwickelte sich allmählich ein barockes
Residenzstädtchen mit einer großen Zahl von Bürgerhäusern, das in seinem
Namen und dem strahlenförmigen Grundriß der Schloßanlage an das badische
Vorbild erinnerte. Das Schloß selbst, das 1945 vernichtet wurde, ist mit
seinen acht Kavaliershäuschen am ehesten mit dem kurfürstlich kölnischen
Schloß Clemenswerth im niedersächsischen Emsland vergleichbar.
Seinen Besitz Carlsruhe hatte Karl Christian Erdmann noch kurz vor
seinem Tod zu einem Fideikommiß
erklärt und es seinem Neffen, dem Bruder des späteren Königs Friedrich
von Württemberg, Herzog Eugen Friedrich Heinrich (1758-1822), vermacht,
der sich dauernd in Carlsruhe aufhielt und die zweite schlesische Linie
des Hauses Württemberg begründete. Unter ihm wurde Carlsruhe mehr und
mehr zu einem kulturellen Zentrum ausgestaltet, mit eigenem Theater und
einem kleinen Orchester, an dem zeitweise auch der Violinvirtuose und
Komponist Carl Ditters von Dittersdorf wirkte.
Karl Christian Erdmann, mit dessen Tod das Herzogshaus Württemberg-Oels
nach beinahe 150jähriger Regierung erlosch, ist vor allem als Gründer
und Schöpfer von Carlsruhe bedeutend. In der Gruft in seinem geliebten
Carlsruhe wurde er am 20. Dezember 1792 beigesetzt.
Lit.:
Harald Schukraft: Die Linie Württemberg-Oels.
In: 900 Jahre Haus Württemberg. Leben und Leistung für Land und Volk.
Hrsg. v. Robert Uhland. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1984, S. 379-389.
– Handbuch der Historischen Stätten. Schlesien, hrsg. v. Hugo Weczerka.
Stuttgart 1977, S. 67-70. – Gesamlete[!] Nachrichten und Documente Den
gegenwärtigen Zustand des Herzogthums Schlesiens betreffend. 58stes
Stück. Anno 1744, S. 717f. (betr. Belehnung v. 18.1.1744). – Werner von
der Schulenberg: Die Lehnsverhandlungen über das Fürstentum Oels von
1742-1806. Sonderabdruck aus der Oelser Zeitung „Lokomotive an der
Oder“. 1906, S. 12f., 20f., 26ff. – Anton Balthasar König:
Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen welche sich in
preußischen Diensten berühmt gemacht haben. Bd. 4, 1791. Biographisches
Verzeichnis sämtlicher Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler von
1701 bis 1900. 1901. – Karl Gustav Heinrich Berner: Schlesische
Landsleute. Ein Gedenkbuch hervorragender in Schlesien geborener Männer
und Frauen aus der Zeit von 1800 bis zu Gegenwart. 1901. – Walter
Irrgang: Bemerkenswerte Parkanlagen in Schlesien (Veröffentlichungen der
Forschungsstelle Ostmitteleuropa in Dortmund, Reihe A, Nr. 33). Dortmund
1978, S. 39-59 (mit Verweisen auf die ältere Literatur). – J. C.
Görlitz: Neueste Olsnographie oder Beschreibung des
Herzoglich-Braunschweigischen Fürstenthums Oels ... Breslau 1837, S.
157-159.
– Einzelhinweise in: Zeitschr. des Vereins für Geschichte Schlesiens,
Bde. 4 (1862), S. 175, 178; 50 (1916), S. 163 f.
Matthias Weber
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