Luigi
Kasimir war
ein
typischer Künstler,
der noch aus
der alten
Welt der
österreichisch-ungarischen
Monarchie
stammte.
Seine
Heimatstadt
war das
kleine
Städtchen
Pettau,
dessen
deutsch-slowenische
Mischbevölkerung
das typische
Provinzialleben
der k.u.k.
Monarchie
führte. Dort
wuchs er
auf, verließ
sie aber,
bevor sie
nach dem 1.
Weltkrieg
mit der
Südsteiermark
an
Jugoslawien
abgetreten
werden mußte,
obwohl es
Teil des
uralten
österreichischen
Kronlandes
war.
Sein Vater,
Alois
Kasimir,
stammte wie
seine Mutter
aus Pettau.
Seine Mutter
kam aus
einer Bäckerei,
der Vater
war
gelernter
Buchbinder,
danach
machte er
beim Militär
Karriere bis
zum
Leutnant,
quittierte
aber den
Dienst, um
heiraten zu
können, und
wurde Maler.
Er war der
einzige
Maler in
Pettau und
machte sich
einen guten
Namen für
seine
Landschaften
und
Architekturdarstellungen.
Da Pettau
für einen
Künstler
wenig
Berufschancen
bot, zog die
Familie
Kasimir um
1890 nach
Graz. Dort
ging Luigi
zur Schule,
verbrachte
aber die
Ferien noch
häufig bei
den
Großeltern
in Pettau.
Alois
Kasimir war
1890/91
Mitglied des
Deutschen
Künstler
Vereins Rom
und
Mitbegründer
der
Vereinigung
bildender
Künstler
Steiermarks.
Dieser
prägende
Einfluß des
Elternhauses
führte
Luigi, wie
seine
Schwester
Elsa, zur
Kunst. Von
1900 bis
1905
studierte er
an der
Allgemeinen
Maler schule
der Wiener
Akademie bei
Siegmund
L'Allemand.
1902 und
1903
entstanden
erste
Radierversuche.
1906/07
studierte er
schließlich
als
außerordentlicher
Hörer der
graphischen
Lehr- und
Versuchsanstalt
in Wien.
Ohne je
Schüler
einer
eigentlichen
Radierklasse
gewesen zu
sein,
entwickelte
er ab 1908
seinen
unverwechselbaren,
wuchtigen
Radierstil.
Seine
Hinwendung
zur
Darstellung
von
Stadtlandschaften
und
Ansichten
mit
architektonischen
Akzenten
geht nicht
zuletzt auf
einen
Künstlerfreund
des Vaters
zurück, den
Zeichenprofessor
der
Technischen
Hochschule
Graz
Heinrich
Bank. Dieser
begeisterte
ihn mit
Aquarellen
von
österreichischen
Schlössern
für die
Wiedergabe
von
Architekturmotiven,
währen dder
Vater schon
früh
sein
ausgeprägtes
perspektivisches
Empfinden
trainierte.
Nach ersten
Verkaufserfolgen
in Wien
erhielt er
von der
Commeterschen
Kunsthandlung
in Hamburg
den Auftrag
zu einer
Folge von
Hamburger
Ansichten,
die seinen
Ruhm als
Vedutisten
begründete
und ihm auch
eine hohe
Auszeichnung
in der
Heimat
einbrachte.
Die Folge
von Münchner
Ansichten
von 1910
festigten
sein
Ansehen, und
der Verleger
und
Studienfreund
Egon
Hanfstaengl,
der ihn auch
nach München
vermittelt
hatte,
sollte in
der Zukunft
noch viele
Anregungen
für das
Schaffen
Kasimirs
geben. Am
31.8.1911
heiratete
Luigi die
Tochter des
berühmten
Geologen
Rudolf
Hoernes,
Tanna (*
31.1.1887 in
Graz). Sie
war im
Gegensatz zu
Luigi
ausgebildete
Graphikerin.
Nach 1905
hatte sie
u.a. 3 Jahre
in Wien bei
dem
renommierten
Radierer
Ludwig
Michalek aus
Temeschburg
und in den
Sommermonaten
in Dachau
bei Adolf
Hölzel aus
Ölmütz und
in Torbole
bei dem
Berliner
Hans
Lietzmann
studiert.
Diese Ehe
war eine
glückliche
Verbindung,
die auch zu
einer engen
künstlerischen
Zusammenarbeit
führte.
Luigi
Kasimir war
enorm
produktiv.
Nach genauen
Vorstudien
hat er vor
allem in
Stich- und
Tonätzungen
Stadtansichten
und
Landschaften
als
graphische
Blätter
geschaffen.
Ihr hoher
dekorativer
Wert der oft
farbig
ausgeführten
Darstellungen,
ihre
atmosphärische
Dichte und
ihre
Genauigkeit
haben zu
großen
Verkaufserfolgen
geführt.
Wenn auch
sein Name
etwas in
Vergessenheit
geraten ist,
gehört er
doch zu den
am meisten
verbreiteten
Graphikern
des
deutschen
Kuturraumes,
und seine
Blätter
tauchen
heute noch
häufig im
Kunsthandel
und auf
Auktionen
auf. Sein
rund 1000
Ansichten
umfassendes
Œuvre fand
auch in
England und
in den USA
Anklang, wo
er in
Milwaukee
einen
eigenen
Verleger
hatte. Zu
seinen
Hauptwerken
gehören
neben den
österreichischen
Ansichten
auch Blätter
seiner
Heimatstadt
Pettau und
der südlich
davon
gelegenen
Landschaft
Kollos,
Ansichten
von Danzig,
der
Marienburg,
von Prag und
Krakau. Von
einer großen
Zahl von
deutschen
und
europäischen
Städten hat
er Verduten
geschaffen.
Zu den
Schwerpunkten
gehören aber
die
Hamburger,
Münchener,
Wiener,
Pariser und
New Yorker
Stadtbilder,
die er im
Laufe seines
Schaffens
immer weiter
vermehrt
hat.
Lit.: Thieme-Becker XIX, S. 582f., und Hans Vollmer, Allgemeines Lexikon der
Bildenden Künstler
des 20. Jh.
III, S. 21
f., mit
weiterführenden
Literaturangaben;
Heinrich
Fuchs, Die
österreichischen
Maler des
19. Jhs. II,
S. 100;
Monographien:
Heinz
Schüttler,
L.K., Wien
1944; A.
Lorenz, L.K.,
Wien 1949.
Rupert
Schreiner