Gotthard
Kettler, der
letzte
Ordensmeister
Livlands und
Gründer
des
Herzogtums
Kurland,
entstammte
einem alten
westfälischen
Adelsgeschlecht.
Nachdem er
eine
Zeitlang
Hofjunker
des Kölner
Erzbischofs
gewesen war,
begab er
sich in den
1530er
Jahren nach
Livland.
Diese im
Hochmittelalter
entstandene
deutsche
Kolonie, die
das Gebiet
des heutigen
Lettland und
Estland
umfaßte,
bestand aus
dem Staat
des
Deutschen
Ordens, dem
Erzbistum
Riga und
drei weitern
bischöflichen
Herrschaftsgebieten.
Indem der
junge
Westfale
dort in den
Deutschen
Orden
eintrat,
öffnete sich
ihm der Weg
zu
politischer
Macht.
Nach der
Bekleidung
anderer
Ordensämter
wurde
Gotthard
1554 Komtur
von Dünaburg.
Damit
gehörte er
zu den
einflußreichen
„Gebietigern“
des Ordens
in Livland.
Im Jahre
1558
übertrug man
ihm mit
Fellin die
wichtigste
livländische
Komturei.
Noch im
selben Jahre
wurde er
Koadjutor,
d.h.
vorherbestimmter
Nachfolger
des
damaligen
Ordensmeisters
Wilhelm von
Fürstenberg,
und 1559
löste er
diesen in
seinem Amte
ab.
Schon zuvor,
Anfang 1558,
waren die
Truppen
Ivans des
Schrecklichen
in Livland
eingefallen.
Damit begann
der große
Livländische
Krieg, der
zum Zerfall
des
altlivländischen
Staatenbundes
führte.
Teile des
Landes
gelangten an
Dänemark
oder
unterwarfen
sich
Schweden,
während
Kettler die
Anlehnung an
Polen
suchte. Am
28.11.1561
kam es zum
Abschluß
eines
Unterwerfungsvertrags
mit dem
polnischen
König
Sigismund
August, und
am 5.3.1562
legte der
seiner
Gesinnung
nach längst
evangelische
Meister den
Ordensmantel
für immer
ab. Er
wurde, unter
polnischer
Lehnshoheit
stehend,
Herzog „zu
Churland und
Semgallen“.
Gleichzeitig
mußte er
sich damit
einverstanden
erklären,
daß andere
Gebiete des
nun
aufgelösten
Ordens unter
direkte
polnische
Herrschaft
gelangten.
Für
sein
Herzogtum
Kurland hat
Gotthard
unermüdlich
gewirkt. Er
schuf dort
eine neue
Verwaltung
und ließ
zahlreiche
Kirchen
bauen.
Erwähnenswert
ist, daß er
den Druck
eines
gottesdienstlichen
„Handbuchs“
in der
Sprache
seiner
lettischen
Untertanen
gefördert
hat. Auch
dem
Schulwesen
und der
Armenversorgung
wandte er
besondere
Aufmerksamkeit
zu. Im Jahre
1566 führte
er Anna, die
Tochter
Herzog
Albrechts
VII. von
Mecklenburg,
heim. Ihre
Nachkommen,
unter denen
der
Manufaktur-,
Flotten-
und
Koloniengründer
Jakob
(1642-1681)
hervorragte,
regierten
das
Herzogtum
bis 1737;
später
(1795) wurde
es dem
russischen
Reich
einverleibt.
Während
Gotthards
Leistungen
beim Aufbau
Kurlands
allseits
erkannt
worden sind,
hat man ihn
im Hinblick
auf seine
Rolle bei
der
Auflösung
des Ordens
und bei der
Unterwerfung
unter Polen
früher als
„Abenteurer“
und sogar
als
„Verräter“
bezeichnet.
Er war
jedoch im
Gegenteil
ein Realist,
der klarer
als andere
sah, dass
sich die
Ordensherrschaft
nicht mehr
aufrechterhalten
ließ. Und
wenn er
Polen
weitgehende
Zugeständnisse
machte,
erklärt sich
dies damit,
daß Livland
seit 1558
dringend auf
polnischen
Schutz
gegenüber
den Russen
angewiesen
war. Die
neuere
Forschung
ist deshalb
mit Recht
von jenen
negativen
Urteilen
über
Gotthard
deutlich
abgerückt.
Lit.: R. Wittram, Baltische Geschichte. Die Ostseelande Livland, Estland,
Kurland 1180-1918,
München
1954; Fr. v.
Klocke,
Gotthard
Kettler, in:
ders.,
Westfalen
und
Nordosteuropa,
Wiesbaden
1964, S.
83-100; H.
Mattiesen,
Gotthard
Kettler und
die
Entstehung
des
Herzogtums
Kurland, in:
Baltic
History, hg.
v. A.
Ziedonis Jr.
u.a.,
Columbus,
Ohio 1974,
S.49-59.
Norbert
Angermann