Als Sohn des
Pastors
Gottlieb von
Keußler und
seiner
Ehefrau Anna
Luise geb.
Hackel wuchs
Gerhard von
Keußler in
einem
musikliebenden
Elternhaus
auf, wo er
auch den
ersten
musikalischen
Unterricht
erhielt, der
ihn
befähigte,
bereits im
Alter von
acht Jahren
Organistendienst
zu
übernehmen.
1885 wurde
der Vater
nach St.
Petersburg
berufen, wo
Gerhard das
St.
Petri-Gymnasium
absolvierte.
Sein erstes
größeres
Jugendwerk
Der
schwarze
Engel
legte er
Anton
Rubinstein
vor, der ihn
zu weiterem
Schaffen
ermunterte.
Da sein
Vater
Gerhard für
zu jung für
das Studium
hielt, ging
er für zwei
Jahre als
Hauslehrer
zu der
Familie von
Wolff nach
Lettin, wo
auch der
spätere
Komponist
Kurt von
Wolff (von
Wolfurt)
sein Schüler
war. Von
1894 bis
1899
studierte er
an der
Universität
Dorpat
Botanik.
In einem
Konzert mit
dem Tenor
Alfred von
Fossard, in
dem er
eigene
Lieder und
Gesänge
aufführte,
verabschiedete
sich
Keußler im
Jahre 1899
von Dorpat.
Es war wohl
das erste
repräsentative
Konzert
seiner
Komponistenlaufbahn.
Er ging dann
nach
Leipzig, wo
er bis 1902
am
Konservatorium
studierte,
bei Carl
Reinecke
(Komposition),
Julius
Klengel
(Violoncello)
und Salomon
Jadassohn
(Kontrapunkt),
außerdem
belegte er
seit 1900 an
der
Leipziger
Universität
Kunstwissenschaft.
1902 wurde
er mit der
Schrift
Die Grenzen
der
Aesthetik
promoviert.
1906 bis
1918 war er
Dirigent des
Deutschen
Singvereins
in Prag,
später auch
des dortigen
Evangelischen
Gesangvereins,
außerdem
leitete er
die Konzerte
des
Musikerverbandes.
Großen
Zuspruch
fanden auch
seine
Vorlesungen
musikgeschichtlichen
und
musikästhetischen
Inhalts.
Sein Wirken
im
Musikleben
der Prager
Deutschen
war
beachtlich
und strahlte
weit über
die Stadt
hinaus.
Keußler
wurde auch
von den
Tschechen
sehr
geschätzt,
und er
leitete
“auch
Konzerte der
beiden
führenden
tschechischen
Symphonieorchester
Prags”. Die
Symphonie
A-Dur, das
sinfonische
Drama
Gefängnisse,
der 46.
Psalm
und das
Oratorium
Jesus aus
Nazareth
wurden in
Prag
uraufgeführt.
1908 trat er
in nähere
Beziehung zu
Gustav
Mahler,
anläßlich
der
Aufführung
von dessen
7.
Sinfonie
in Prag.
Alma
Mahler-Werfel
schrieb über
ihn: “Er war
Gustav
Mahler und
später mir
ein höchst
begabter
Weggenosse
gewesen”.
1913
unternahm
Keußler eine
Konzertreise
mit dem
Sänger
Alfred
Boruttau
nach Dorpat,
Riga und St.
Petersburg.
1918 ging er
nach
Hamburg, wo
er bis 1922
als Dirigent
der
Sing-Akademie
und der
Philharmonischen
Konzerte
tätig war.
In Hamburg
erlebten das
Marienoratorium
Die
Mutter
und das
symphonische
Drama Die
Geisselfahrt
ihre
Uraufführungen.
Aus Anlaß
seines 50.
Geburtstags
brachte die
Musikwelt
(V. Jg. Nr.
2 1925) ein
Heft heraus,
das
weitgehend
Keußler
gewidmet
war. Von
1922 bis
1933 lebte
er dann in
Stuttgart,
wo sich Carl
Leonhardt
(Uraufführung
Das große
Bündnis),
aber auch
zeitweilig
in Breslau
(Uraufführung
Symphonie
d-moll),
wo sich
Georg Dohrn
besonders
seines
Schaffens
annahmen.
1926 wurde
in Prag und
in Stuttgart
die “Gerhard
von Keußler
–
Gesellschaft”
zur
Förderung
seines
Schaffens
gegründet.
Die
Gesellschaft
wurde von
Keußler
selbst
aufgelöst,
als von ihm
im Dritten
Reich
gefordert
wurde,
jüdische
Mitglieder
auszuschließen.
Zahlreiche
Gastspiele
führten ihn
in viele
deutsche
Städte, aber
auch in die
Tschechoslowakei,
nach
Lettland,
Estland und
Griechenland.
1933 ging
von Keußler
nach
Australien,
wo er in
Melbourne
als
Musikdirektor
der
römisch-katholischen
St.
Patricks-Kathedrale
tätig war.
1935 kam er
nach
Deutschland
zurück und
übernahm
1936 eine
Meisterschule
für
Komposition
an der
Preußischen
Akademie der
Künste in
Berlin. Zu
seinen
Schülern
gehörten
auch die
deutschbaltischen
Komponisten
Helmuth von
Ulmann und
Gerhard
Kroeger.
1939 wurde
seine
Sinfonie
Australia
im Berliner
Funkhaus
aufgeführt
und über
Kurzwelle
nach
Australien
übertragen.
1941 zog er
sich nach
Niederwartha
bei Meißen
in das Haus
seiner
jüngsten
Schwester,
der Malerin
Lisbeth von
Keußler
(1879-1972),
zurück.
Keußler hat
seine Werke
vorwiegend
selbst
dirigiert,
ebenso war
er häufiger
Begleiter
seiner
Lieder und
Gesänge am
Klavier.
Beim
Gastspiel in
Riga 1931
führte er
neben
eigenen
Werken auch
das
Requiem
von Mozart
auf, dieses
nicht mit
der
Vervollständigung
durch
Süssmayer
(Sanctus,
Benedictus,
Agnus),
sondern in
einer von
ihm selbst
erarbeiteten
Fassung,
welche mit
späten
Messekompositionen
Mozarts das
Werk
ergänzte.
Die
Aufführung
wurde von
deutschen,
lettischen
und
russischen
Rigaer
Chören
gemeinsam
gestaltet,
und Keußler
leitete die
Proben in
allen drei
Sprachen mit
derselben
Geläufigkeit.
Bemerkenswert
ist auch
Keußlers
umfangreiches
schriftstellerisches
Werk, das
neben den
Dichtungen
zu seinen
Vertonungen
zahlreiche
Schriften zu
musikwissenschaftlichen
Themen, zur
Ästhetik und
Soziologie
umfaßt.
Keußlers
Musik ist
von einem
tiefen Ernst
erfüllt, der
jenseits des
Musikantischen
und
Effektvollen
liegt.
Darüber
hinaus sind
seine Werke
oftmals auch
schwer
verständlich,
schwierig
aufzuführen
und häufig
hinsichtlich
der
Besetzung
aufwendig.
Seine
Dichtungen,
die seine
Gedanken
philosophisch
umkleiden,
sind
ebenfalls
oftmals
gedankenschwer,
doch sind
Musik und
Wort in
seinem
Schaffen zu
einer
überzeugenden
Einheit
verschmolzen.
Keußler ist
“als
einsamer, in
Tönen
dichtender
Höhenwanderer
doch eine
besondere
Erscheinung
innerhalb
der letzten
deutschen
Spätromantik”
(Erwin Kroll).
Sein
erfolgreichstes
Werk war das
Oratorium
Jesus aus
Nazareth,
das zu
seiner Zeit
in zwölf
Städten 23
Aufführungen
erlebte.
Kurt von
Wolfurt
meinte, daß
von “seinen
Werken seine
großen
geistlichen
Oratorien
den ersten
Platz
behaupten.
Diese Form
der
musikalischen
Aussage
entsprach am
meisten
seinem auf
Innerlichkeit
eingestellten
Wesen. Es
fragt sich
aber, ob
unsere dem
Amerikanismus
und vielen
Äußerlichkeiten
huldigende
Zeit
Keußlers
Werken
gerecht
werden kann.
Wir befinden
uns mitten
in einer
Zeitwende.
Der Abstieg
der Kultur
des
Abendlandes
vollzieht
sich in
unheimlich
schnellem
Tempo” (aus
Aufzeichnungen
und
Erinnerungen,
Pretoria
1951).
Keußler war
eine
auffallende
Erscheinung,
und so sagte
Busoni von
ihm, welcher
ihn nur vom
Sehen
kannte,
nicht aber
seine Werke:
“Wenn jemand
ein solches
Äußeres...besitzt,
der kann nur
Bedeutendes
geschaffen
haben”. Er
versuchte
möglichst in
Häusern mit
der Nummer 8
zu wohnen,
“in der
Oktave”, in
der
perfekten
Konsonanz.
Besonders
vehemente,
auffallende
Abneigungen
wurden ihm
nachgesagt.
Ohrringe
konnte er
nicht
ausstehen
und mancher
Frau hat er
die Ohrringe
abgenommen
mit der
Bemerkung:
“Das haben
Sie nicht
nötig”;
Zwiebel- und
Knoblauchgeruch
schlug ihn
schimpfend
oder gar
wortlos in
die Flucht,
aber auch
Knöpfe
mochte er
nicht. So
wäre man
geneigt zu
sagen, daß
über die
genannten
Schwierigkeiten
hinaus auch
solche
“auratischen
Eigenschaften”
die
Aufführung
seines
bedeutenden
Schaffens in
unserer Zeit
und wohl
auch
zukünftig
verhindern.
Werke:
Bühnenwerke
(Symphonische
Dramen),
Orchesterwerke,
Oratorien,
Gesänge.
Lit.:
Div.
Musiklexika.
– Paul Nettl:
Gerhard v.
Keußler, in:
Musikwelt V.
Jg. Hmbg.
1925. –
Ferdinand
Pfohl:
Gerhard v.
Keußlers
‘Zebaoth’,
ebd. – Hans
F. Schaub:
Gerhard v.
Keußler als
Liederkomponist,
ebd. – P.
Nettl: Zu
Keußlers
d-moll-Sinfonie,
ebd. – H.F.
Schaub: G.
v. Keußler,
in: Das
Orchester
III/8, 1926.
–
Zeitschrift
Auftakt
“Keußler-Heft”
IX, 5-6 Prag
1929,
Beiträge v.
J. Kricka,
E. Steinhard,
G. v.
Keußler, S.
v. Hausegger,
F. Stein, L.
Sachs u. L.
Heß. – Erwin
Kroll: Ein
deutscher
Musiker (z.
65.
Geburtstag
Keußlers),
in:
Allgemeine
Musikzeitung
30. Juni
1939. –
Oscar v.
Pander:
Nekrolog,
in:
Balt. Briefe
2 (1949) Nr.
12 S. 5. –
Egon
Siemens:
Gerhard von
Keussler. 1.
Musikalische
Werke und
Dichtungen,
2.
Bearbeitungen,
3.
Erinnerungen
an Gerhard
v. Keussler
Bd. 1-3,
Typoskript,
Stuttgart
1957. –
Gerhart v.
Westerman:
Drei
baltische
Musiker, in:
Balt. Hefte
6 1959, S.
153-55. –
Erik
Thomson:
Gedenktage
(G. v.
Keußler),
in: Jahrbuch
des balt.
Deutschtums
1974,
Lüneburg
1973, S. 17
f. – Helmut
Scheunchen
in:
Programmreihe
Malinconia-Synthese
der
Forschung
Nr. 64,
Darmstadt
1996.
Helmut
Scheunchen