Er wurde als
Nikolaus
Günther
Nakszynski
geboren,
nahm später
aber den
Künstlernamen
Klaus Kinski
an, den er
bis etwa
1968 Kinsky
schrieb. Im
Jahre 1931
verzog die
Familie nach
Berlin, wo
er nach
eigener
Angabe in
einem Heim
leben und
sich das
Schulgeld
zum Besuch
des
Prinz-Heinrich-Gymnasiums
durch
Gelegenheitsarbeiten
verdienen
mußte. Viele
Einzelheiten
aus seiner
Kindheit und
seinem
späteren
Leben lassen
sich nicht
mit
Sicherheit
klären.
Nachdem er
die Schule
aus
Obertertia
oder
Untersekunda
verlassen
hatte, kam
er in ein
Wehrertüchtigungslager
in die
Niederlande
und
anschließend
in die
Wehrmacht,
aus der er
floh. Nach
einiger Zeit
wieder
gefaßt,
geriet er
bei
Kriegsende
in britische
Kriegsgefangenschaft.
Im
Gefangenenlager
wirkte er an
Theateraufführungen
für die
Häftlinge
mit und
erhielt nach
seiner
Entlassung
auch ohne
Schauspielausbildung
erste
Engagements
an Theatern
in Tübingen
und
Baden-Baden.
Schon 1946
holte ihn
der
Regisseur
Bolesław
Barlog nach
Berlin, wo
Kinski in
Gerhart
Hauptmanns
„Die Ratten“
auftrat. In
den
folgenden
Jahren
spielte er
an anderen
Berliner
Bühnen und
erhielt bei
den Berliner
Festwochen
1952 für
seine
Darstellung
in Hans
Werner
Henzes
Ballettpantomime
„Der Idiot“
nach Fedor
Dostojewski
glänzende
Kritiken. Da
er sich mit
Barlog
überwarf,
gab Kinski
an
verschiedenen
Orten
Gastspiele,
trat aber
schon 1959
zuletzt auf
einer
Theaterbühne
auf. In den
folgenden
Jahren
arbeitete er
als
Rezitator
von
Gedichten,
insbesondere
von
Friedrich
von Schiller
und den
Franzosen
François
Villon und
Arthur
Rimbaud.
Während
dieser sehr
guten, oft
aber auch
eigenwilligen
Rezitationen
kam es
wiederholt
zu ersten
exzentrischen
Ausfällen
und
Publikumsbeschimpfungen
durch
Kinski, für
die er
später
bekannt
werden
sollte.
Seine erste
eigene
Inszenierung
des
Einpersonenstücks
„Die
geliebte
Stimme“ von
Jean Cocteau
in einem
Saal am
Berliner
Kurfürstendamm
wurde wegen
Erregung
öffentlichen
Ärgernisses
durch die
Polizei
gewaltsam
abgesetzt.
Daraufhin
reiste
Kinski
wieder als
Rezitator
und
„Ein-Mann-Wanderbühne“
mit Erfolg
durch den
deutschsprachigen
Raum und
produzierte
im Laufe der
nächsten
Jahre 25
Schallplatten
mit seinen
Rezitationen.
Seine 1969
begonnene
Rezitationsreise
mit Texten
aus dem
Neuen
Testament
erregte so
großen
Widerspruch,
daß Kinski
sie 1971
nach
Tumulten
abbrach.
Schon seit
1948 trat er
in ersten
kleinen
Filmrollen
auf, so als
Transvestit
in Roberto
Rossellinis
„La Paura“
und als
geisteskranker
Prinz Otto
in Helmut
Käutners
„Ludwig
II.“. In
Edgar-Wallace-Verfilmungen
spielte er
eine Reihe
von Schurken
und
Psychopathen,
bis ihm 1966
mit der
Rolle des
Anarchisten
Kostojed in
„Doktor
Schiwago“
der
internationale
Durchbruch
als
Filmschauspieler
gelang. Doch
schon bald
erregte er
als Filmstar
in Rom durch
sein
exzentrisches
und
ausschweifendes
Leben mit
Alkohol und
Frauen immer
wieder
Ärgernis.
Neben
verschiedenen
Affären war
er viermal
verheiratet.
Seine
Töchter Pola
aus erster
Ehe und
Nastassja
aus zweiter
Ehe wurden
ebenfalls
Schauspielerinnen.
Nur der
dritten
Ehefrau,
einer
Vietnamesin,
gelang es
zeitweise,
ihn zur
Aufgabe
seines recht
ausschweifenden
Lebens zu
bewegen.
Aber seine
Autobiographie
„Ich bin so
wild nach
deinem
Erdbeermund“
(1976, 18.
Auflage
1990) wurde
durch ihre
große
Offenheit
wieder ein
Skandal.
In seinen
rund 200
Filmrollen
mußte Kinski
oft
Bösewichte,
Schizophrene
und
Außenseiter
verkörpern,
wobei er
seine große
Wandlungsfähigkeit
bewies. Der
Regisseur
Werner
Herzog ging
nicht auf
Kinskis
Eskapaden
ein, sondern
forderte
künstlerische
Leistung von
ihm, so daß
die in
dieser
Zusammenarbeit
entstandenen
Filme
„Aguirre.
Der Zorn
Gottes“
(1972), „Nosferatu.
Phantom der
Nacht“
(1978),
„Woyzeck“
(1978),
„Fitzcarraldo“
(1981) und „Cobra
Verde“
(1987)
Kinski die
Anerkennung
der
Fachpresse
und der
Zuschauer
brachten.
Für „Nosferatu“
erhielt er
1979 ein
deutsches
Filmband in
Gold und
1980 die
Auszeichnung
als bester
Schauspieler
des Jahres.
Von Rom
siedelte er
1980 nach
Los Angeles
über und
erhielt 1982
die
amerikanische
Staatsbürgerschaft.
Deshalb
wirkte er in
den letzten
Jahren meist
in
Hollywood-Filmen
mit, für die
er aber nur
teilweise
gute
Kritiken
erhielt.
1985 trat er
in zwei
deutschen
Fernsehshows
als Gast auf
und schien
sich dabei
in der Rolle
des
aggressiven
und
provozierenden
Bürgerschrecks
zu gefallen,
der seine
sexuelle
Besessenheit
immer wieder
hochspielte.
Im Jahre
1987 konnte
er sich
einen Traum
erfüllen:
Für den Film
„Paganini“
hatte er
nicht nur
das Drehbuch
geschrieben,
sondern
führte auch
Regie und
spielte die
Hauptrolle.
Der
gelungene
Film wurde
beim
Filmfestival
1988 in
Cannes wegen
„zu viel
Pornographie“
jedoch vom
Wettbewerb
ausgeschlossen.
In den
letzten
Jahren wurde
es um den
sehr guten,
ausdrucksstarken,
aber auch
sehr
schwierigen
Schauspieler
etwas
ruhiger. Die
Wertschätzung,
die Klaus
Kinski nach
seinem Tod
nicht nur in
Deutschland,
sondern auch
in Polen
erfuhr,
bezeugen
Plänen für
ein eigenes
Museum in
seinem
Geburtsort
Zoppot. Im
Jahre 2001
wurde aus
seinem
Nachlaß ein
Gedichtband
mit dem
Titel
„Fieber.
Tagebuch
eines
Aussätzigen“
herausgegeben.
Die Gedichte
müssen nach
Kinskis
erstem Film
und vor
seiner
ersten
Rezitationstournee,
also um 1950
entstanden
sein.
Lit.:
Klaus
Bürger: K.K.,
in:
Altpreußische
Biographie.
Bd. V, 1.
Lieferung,
Marburg/Lahn
2000, S.
1615–1616
(dort
Nachweise).
– Albert
Ostermaier:
Neben der
Tonspur. Das
lyrische
Testament
des Klaus
Kinski, in:
Frankfurter
Allg.
Zeitung Nr.
227 vom
29.9.2001.
Klaus Bürger