Er fing mit
Lyrik an,
„Blütenzweig
der Jugend“
(1904), und
wurde unter
dem Begriff
„der rasende
Reporter“ –
so auch der
Titel eines
seiner
Bücher aus
dem Jahre
1925 – das
Vorbild für
Generationen
von
Journalisten,
die ihm
folgten. In
Prag begann
sein Leben
als Sohn
jüdischer
Eltern. Der
Vater war
Inhaber
einer
Stoffhandlung.
Seine
Sprache war
deutsch.
Kisch mag
schon früh
ein
unruhiger,
suchender
Geist
gewesen
sein; denn
das Studium
an der
Technischen
Hochschule
Prag brach
er ab. 1905
Volontär
beim „Prager
Tagblatt“,
danach
Besuch einer
privaten
Journalistenhochschule“
in Berlin.
1906-1913
Tätigkeit
bei der
deutsch-nationalen
„Bohemia“
als
Lokalreporter.
Erste
schriftstellerische
Versuche mit
Lyrik (1904)
und Prosa
(1906,1914).
1912
erscheint
K.s erste
Reportagesammlung
„Aus Prager
Gassen und
Nächten“.
Was seinem
Bericht über
den Tag
hinaus
Gültigkeit
gibt,
kündigt sich
hier bereits
an: gute
Beobachtungsgabe,
szenische
Lebendigkeit,
Lust zur
Provokation,
eine
antibürgerliche
Einstellung
– 1919 wird
Kisch
Mitglied der
KP. Seine
Wahrheitsliebe
wird zum
Programm.
Realität
geht vor die
Fiktion.
Sind Kischs
erste
Arbeiten
gefällige
Milieuschilderungen,
so werden
sie
späterhin
politische
Kampfansagen.
Kischs
zunächst
lokale
Berühmtheit
gewinnt
überregionale
Bedeutung,
als er die
Wahrheit um
den
Selbstmord
des Oberst
Redl
aufdeckt,
der ja
russischer
Spion war.
Kischs
Reportagestil
ist eine
Kombination
aus Fakten,
tatsächlichen
Begebenheiten,
Historie und
einem Schuß
Polemik.
Daher für
alle lesbar.
Je mehr die
Weltlage zu
kippen
droht, umso
mehr
engagiert
sich Kisch
auch
parteipolitisch.
So reist er
1925/26 nach
Rußland. Es
entstehen
die
Reportagen
„Zaren,
Popen,
Bolschewiken“
(1927). Sie
zeigen, wie
aus dem
Sympathisanten
ein
Parteigänger
wurde.
Kisch blieb
immer auf
der Suche
nach der
Wahrheit,
wie er sie
sah. Ob er
nun nach
Amerika
reiste, nach
China,
Australien
oder Mexiko,
„Entdeckungen
in Mexiko“
(1945), er
blieb immer
ein Anwalt
der
„Erniedrigten
und
Beleidigten“.
Seine
Reportagen
waren vor
allem
Dokumente
eines
sozialen
Gewissens.
Natürlich
geriet er
auch mit den
Nazis in
Konflikt. Im
Zusammenhang
mit dem
Reichstagsbrand
wurde er am
28.2.1933
verhaftet
und auf
Intervention
der Prager
Regierung
abgeschoben.
Er geht nach
Paris. Der
rasende
Reporter
engagiert
sich auch im
spanischen
Bürgerkrieg.
1939 wandert
er ins
zweite und
letzte Exil
aus, nach
Mexiko. 1946
endlich
Rückkehr
nach Prag.
Dort stirbt
dieser
unruhige
„linke“
Reporter,
der doch ein
Rechter war,
der mit
ehrlicher
Konsequenz
die
Inkonsequenz
der
Parteilichkeit
nicht
scheute, am
31. 3.1948.
Lit.:
Gesammelte
Werke in
Einzelausgaben
(Hrsg. v.
Bodo Uhse
und Gisela
Kisch), I.
Komödien;
Der
Mädchenhirt,
1960; H/1.
Aus Prager
Gassen und
Nächten,
Prager
Kinder, Die
Abenteuer in
Prag, 1968;
II, 2.
Prager
Pitaval;
Späte
Reportagen,
1969; III.
Zaren,
Popen,
Bolschewiken;
Asien
gründlich
verändert;
China
geheim,
1961; IV.
Paradies
Amerika;
Landung in
Australien,
1962; VII.
Marktplatz
der
Sensationen;
Entdeckungen
in Mexiko,
1967.
Auswahl:
Der tote
Hund und der
lebende
Jude, 1963.
Lexikon der
dt.
Gegenwartsliteratur,
München
1981; J.
Mühlberger:
Geschichte
der dt.
Literatur in
Böhmen,
München
1981;
dtv-Lexikon
der
Weltliteratur,
hr. v. G. v.
Wilpert,
München
1971.
Geissler,
R.: Die
Entwicklung
der
Reportage
E.E.K.s in
der Weimarer
Republik,
Köln 1982:
E.E.K., Hg.
v. H.L.
Arnold,
München
1980.
Arnfried
Thomas