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Als hervorragender Gelehrter und Pädagoge, als Kulturhistoriker und
Volkstumsforscher ein Sachkenner von hohen Graden, nicht zuletzt mit
einer von stiller Bescheidenheit und großem Fleiß ausgezeichneten
Lebensleistung bis in sein hohes Alter hinein, war Joseph Klapper eine
Persönlichkeit von ebenso seltener wie eigener Prägung. Als
Oberstudienrat für Deutsch und neue Sprachen an der Breslauer
Bender-Oberrealschule hat er in fast vier Jahrzehnten ganze Generationen
von Schülern zum Abitur begleitet, als Universitätslehrer für Latein und
als Lektor des Französischen manche seiner einstigen Schüler als seine
späteren Studenten gleichermaßen zu fördern gewußt.
Einer strenggläubigen Familie entstammend – sein Bruder war viele Jahre
hindurch Pfarrer an St. Hedwig in Breslau –, wurde Joseph Klapper am 11.
Mai 1880 in Habelschwerdt, der Heimatstadt Hermann Stehrs, geboren. Nach
dem Besuch des Gymnasiums in Glatz absolvierte er von 1900 bis 1904 ein
Studium der Neuphilologie an der Schlesischen
Friedrich-Wilhelm-Universität in Breslau und schloß es mit dem
Wissenschaftlichen Staatsexamen und der Promotion zum Dr. phil. ab. Nach
vorbereitender Lehrtätigkeit in Königshütte in Oberschlesien und am
traditionsreichen St. Matthias-Gymnasium in Breslau wurde er 1906 an der
Bender-Oberrealschule am Breslauer Lehmdamm als Studienrat angestellt
und 1926 zum Oberstudienrat und Fachberater beim Oberpräsidium
Niederschlesien ernannt.
Zwei Jahre zuvor hatte er sich an der Philosophischen Fakultät der
Universität Breslau für das Fach Lateinische Philologie des Mittelalters
habilitiert. Dort lehrte er – von 1929 an als außerplanmäßig beamteter
Universitätsprofessor – zwei Jahrzehnte hindurch bis zum bitteren Ende
1945. Nach der Vertreibung aus seiner schlesischen Heimat, über die er
seinen einstigen Breslauer Freunden und Wegbegleitern später mit
nachfühlbar tiefem Schmerz berichtet hat, fand er einen neuen, ihm
angemessenen Wirkungskreis in der Domstadt Erfurt, wo ihm 1945 als
Oberstudiendirektor die Leitung der Theo-Neubauer-Oberschule übertragen
wurde, die er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1950 innehatte.
Seit 1955 dozierte er als außerplanmäßiger Professor für Lateinische
Philologie, Paläographie und religiöse Volkskunde am
Philosophisch-Theologischen Studium im Erfurter Regionalpriesterseminar.
Die Titel seiner wissenschaftlichen Arbeiten, die er im Laufe seines
langen Lebens vorgelegt hat, sind kaum nachzählbar. Sie gehen weit über
das Hundert hinaus und umfassen vor allem Untersuchungen und
Darstellungen zur schlesischen Volksfrömmigkeit sowie zu den Grundlagen
schlesischer Wesensart allgemein. Sein Name bleibt besonders verbunden
mit seiner 1925 erstmalig in Breslau erschienenen Schlesischen
Volkskunde auf kulturgeschichtlicher Grundlage, die 1952 in
Stuttgart neu aufgelegt wurde, und seinem umfassenden Beitrag über
Schlesisches Volkstum im Mittelalter im Band I der vor der
Historischen Kommission für Schlesien herausgegebenen Geschichte
Schlesiens, deren erste beiden Auflagen noch vor dem Zweiten
Weltkrieg erschienen waren und die inzwischen in einer 3. Auflage von
1961 vorliegt. Seine Forschungen galten darüber hinaus den Handschriften
in der Breslauer Staats- und Universitätsbibliothek sowie im Breslauer
Domarchiv, die er mit nie versagender Geduld zu erforschen suchte und
aus denen er für die Wissenschaft wichtige Erkenntnisse über das Kultur-
und Klosterleben in Schlesien, vor allem in Oberschlesien, gewann.
Joseph Klapper, der kleine, drahtige Mann mit dem charakteristischen
Spitzbart und den immer hellwachen Augen, hat so in nimmermüder
Regsamkeit im Dienste seiner schlesischen Heimat gestanden. Er starb in
der Morgenfrühe des 17. September 1967 – es war ein Sonntag – in seinem
88. Lebensjahr. Nach einem feierlichen Requiem im Dom zu Erfurt am 22.
September wurde er auf dem Erfurter Hauptfriedhof beigesetzt. Im
Nachruf, den ihm einer seiner Freunde widmete, hieß es: „So gehörte
Joseph Klapper zu jenen letzten typischen Gelehrten, denen auch auf
ihrem Arbeitsgebiet das Sein alles und der Schein nichts besagte. Mit
seinem Tode hat die geistige Welt Schlesiens einen ihrer besten Künder
verloren".
Bild:
Domarchiv Erfurt
Heinz Rudolf Pritsche
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