Am 15. April 1969 wurde
Albert Klein
zum Bischof
der
evangelischen
Kirche in
Rumänien,
deren Kern
die
traditionsreiche
Kirche der
Siebenbürger
Sachsen ist,
gewählt. Er
übernahm
damit ein
Amt, das
durch
Jahrhunderte
alte
Überlieferung
geprägt ist
und zu
dessen
Aufgabenbereich
neben den
religiös-kirchlichen
auch die
kulturell-völkischen
Verpflichtungen
gehörten.
Die Kirche,
an deren
Spitze er
steht, ist
in den
sozialistischen
Staat
eingegliedert
und durch
die
Abwanderung
vieler ihrer
Mitglieder
gefährdet.
Sie muß sich
im
Spannungsfeld
zwischen
Tradition
und
Situation
bewähren.
Als Sohn
eines
Gymnasiallehrers
war A. Klein
zunächst
Schüler der
Schäßburger
Bergschule
und besuchte
hierauf die
letzten
Klassen am
Hermannstädter
Brukenthalgymnasium.
Früh wurde
er durch das
Gemeinschaftserlebnis
der
Jugendbewegung,
die sich der
Volkstumsarbeit
widmete und
die
Kenntnis der
Heimat förderte,
beeinflußt.
Auf die
Reifeprüfung
im Jahre
1928 folgte
die
einjährige
Dienstzeit
im
rumänischen
Heer, die
mit der
Beförderung
zum Leutnant
der Reserve
abgeschlossen
wurde. Ein
Praktikum in
einer
Hermannstädter
Maschinenfabrik
und ein
kurzer
Aufenthalt
in Marburg
als Student
der
Philosophie
und
Theologie
schlossen
sich an. Von
1930-1933
studierte A.
Klein Physik
und Chemie
in
Klausenburg
und war
1931/32
Vorsitzender
der dortigen
deutschen
Studentenvereinigung.
In Tübingen,
wo er sich
1933/ 34
aufhielt,
lehrte Karl
Heim, der
das Gespräch
des
christlichen
Glaubens mit
den modernen
Naturwissenschaften
vertiefte.
Von ihm
erhielt A.
Klein manche
Anregung.
Ausschlaggebend
war für ihn
die
Begegnung
mit einer an
der Bibel
orientierten,
den
persönlichen
Glauben in
den
Mittelpunkt
stellenden
Frömmigkeit,
wie sie von
der frühen
Oxforder
Gruppenbewegung
der 1930er
Jahre
gepflegt
wurde. Nach
einem
Aufenthalt
in Berlin
und der
Beendigung
seiner
Studien in
Klausenburg
(1936) kam
A. Klein für
ein Jahr als
Heimleiter
der
Deutschen
Burse nach
Tübingen.
1937-1944
war A. Klein
im
Schuldienst
in
Siebenbürgen
tätig. Er
lehrte
1937-1939
Chemie,
Physik und
Religion in
Mühlbach,
1939-1941 in
Hermannstadt.
1943/44 war
ihm das
Referat für
Schulaufsicht
über das
höhere
deutsche
Schulwesen
in Rumänien
übergeben
worden.
Zwischendurch
diente er
von
1941-1943 in
der
rumänischen
Armee.
Nach seiner Rückkehr
vom
Arbeitsdienst
in Rußland
und einer
vorübergehenden
Lehrtätigkeit
am
Brukenthalgymnasium
entschloß
sich A.
Klein, als
Pfarrer in
den
kirchlichen
Dienst zu
treten. 22
Jahre lang
war er im
Mühlbächer
Kirchenbezirk
in
verschieden
strukturierten
Gemeinden
tätig;
1946-1953 in
Dobring, wo
sich neben
der
volkskirchlichen
Tradition
auch eine
neupietistisch
geprägte
Frömmigkeit
auswirkte;
sodann von
1953-1958 in
Petersberg,
einer
Gemeinde, in
der
Stadtnähe
und
Industriearbeit
mitbestimmend
waren, und
schließlich
von
1958-1968 in
der Stadt
Mühlbach
selbst. Hier
galt es,
neben dem
Aufbau des
Gemeindelebens
die
sachgemäße
Renovierung
des
prachtvollen
Kirchenbaues
in Angriff
zu nehmen,
was
gründliche
baugeschichtliche
Studien
erforderte.
Mit der
Erstellung
von Predigt-
und
Unterrichtshilfen
und
zahlreichen
Vorträgen
war A. Klein
auch über
die Grenzen
seiner
eigenen
Gemeinden
hinaus
tätig. 1966
wurde er zum
Dechanten
des
Mühlbächer
Kirchenbezirks
gewählt.
1968 kam er
als
Stadtpfarrer
nach
Kronstadt,
wo er
allerdings
nur 14
Monate lang
wirkte.
Seine Arbeit
im
Bischofsamt
wird von den
der Kirche
gestellten
Aufgaben und
von ihrer
geschichtlichen
Lage
bestimmt. Es
gilt, das
geistliche
und
gottesdienstliche
Leben zu stärken,
die
Beziehungen
zu den
christlichen
Kirchen zu
fördern und
eine klare
Orientierung
für die
Stellung im
staatlichen
Bereich zu
finden.
Von der Begegnung mit
Kreisen, die
auf die
Bedeutung
des
Gottesdienstes
für
das Leben
der Kirche
hinweisen,
übernahm der
Bischof die
Erkenntnis,
daß für den
Gottesdienst
und die
kirchlichen
Handlungen
neue, auf
allgemein
überliefertes
Gut und auf
bewährtes
kirchliches
Brauchtum
zurückgreifende
liturgische
Ordnungen
erarbeitet
werden
müßten. Die
fertiggestellten
Ordnungen
haben das
gottesdienstliche
Leben
vertieft und
sich als
hilfreich
erwiesen. Es
ergab sich
auch die
Notwendigkeit,
die Revision
des
kirchlichen
Liedgutes
durchzuführen.
So konnte
1979 das
neue
Gesangbuch
gedruckt
werden. Die
„Kirchlichen
Blätter“,
die seit
1973 als
Monatsschrift
erscheinen,
legen
Gewicht auf
zeitnahe
Verkündigung
und
entschiedenes
Glaubenszeugnis.
Die
Zusammenkünfte
der Pfarrer
und Vikare
zu
Rüstzeiten/die
unter der
Leitung des
Bischofs
stattfinden,
dienen der
Einübung in
die
geistliche
Zucht und
vertiefen
das
Verständnis
für Sendung
und
Berufung.
Der Bischof
ringt auch
um das
rechte
Verhältnis
von
Volkskirche
und Gemeinde
Christi: Es
möge
innerhalb
der Kirche
alles Raum
behalten,
was die
Heilige
Schrift zu
den
Lebensäußerungen
und zum
Wesen der
Gemeinde
Jesu zählt.
Die Teilnahme der
evangelischen
Kirche Rumäniens
an den
christlichen
Weltverbänden
enthebt sie
ihrer
Isolierung.
A. Klein war
von
1970-1977
Mitglied der
Studienkommission
des
Lutherischen
Weltbundes
und ist seit
1976
Mitglied des
Zentralkomitees
des
Ökumenischen
Rates der
Kirchen.
Gleichzeitig
werden in
regelmäßigen
Konferenzen
und
Gesprächen
die
zwischenkirchlichen
Beziehungen
im Lande und
das
brüderliche
Verhältnis
mit den
Mitgliedern
anderer
Kirchen
gepflegt.
Im Verhältnis
zur
„Obrigkeit“
hat dem
Bischof die
Erkenntnis geholfen, daß
zum
rumänischen
Volk und zum
rumänischen
Staat ein
von
ideologischen
Ressentiments
freies,
positives
Verhältnis
angestrebt
werden müsse.
Wenn auch
Spannungen mit der
staatlichen
Führung
nicht zu
vermeiden
sind, so hat
sich
doch
gezeigt, daß
die Kirche
ihren
Freiraum zu
nutzen
versteht und
durch persönlichen
Einsatz
ihrer
Mitglieder
und
die
Besinnung
auf das
Wesentliche
ihrer
Aufgabe ihre
Wirksamkeit
entfalten
kann.
Lit.:
Albert
Klein, Vom
Glauben
Stephan
Ludwig
Roths, in:
Auslanddeutschtum
und
evangelische
Kirche,
Jahrbuch, München
1939; A.
Klein,
Baugeschichte
der
evangelischen
Kirche in
Mühlbach,
in: Studien
zur
siebenbürgischen
Kunstgeschichte,
Siebenbürgisches
Archiv Bd.
13.
Köln-Wien;
A. Klein:
Ansprache
gelegentlich
der Wahl zum
Bischof
durch die
47.
Landeskirchenversammlung
1969, in:
Licht der
Heimat Nr.
316/17
Febr./März
1980; A.
Klein,
Berichte des
Bischofs zu
den
Landeskirchenversammlungen
1970, 1974,
1978, 1982
(Manuskripte,
Rundschreiben).
Über A.
Klein: Hans
Philippi,
Siehe, ich
mache alles
neu! Dem
neuen
Sachsenbischof
zum Gruß,
in: Licht
der Heimat
Nr. 186/Apr.
1969; Hans
Philippi, D.
Albert
Klein, 70
Jahre alt.
Bischof der
Sachsen, in:
Licht der
Heimat Nr.
316/17
Febr./März
1980; Die
Bischöfe der
evangelischen
Kirche A.B.
in
Siebenbürgen
II Köln-Wien
1980 S.
234-238 (mit
zusätzlichen
biographischen
Angaben);
Ludwig
Binder, Die
Kirche der
Siebenbürger
Sachsen.
Erlangen
1982, S.
107-112.
Ludwig
Binder
(1985)