Ewald Georg
von Kleist
wurde als
zweiter Sohn
des Joachim
von Kleist
auf dem
Rittergut
Vietzow
geboren (das
noch bis
1945 im
Besitz der
Familie
geblieben
ist). Die
‘Kleiste’
gehörten zum
alteingesessenen
pommerschen
Adel und
haben einige
herausragende
Persönlichkeiten
hervorgebracht
– Dichter,
Beamte und
Soldaten.
Die Mutter
Ewald
Georgs, der
sich selbst
stets Jürgen
nannte, war
Hedwig
Magdalene
von
Blanckenburg
aus Märkisch
Friedland;
auch dieses
Geschlecht
war bis 1945
in
Hinterpommern
mehrfach
begütert.
Von Ewald
Georg gibt
es im
Gymnasium
von
Neustettin
einen
eigenhändigen
Eintrag
unter dem 9.
November
1715, dem
später von
anderer Hand
der Zusatz
DECANUS
CAMINENSIS
beigefügt
worden ist,
womit seine
Person
eindeutig
bezeugt ist.
Sicher wurde
er bis dahin
von
Hauslehrern
unterrichtet,
wie das bei
Adelsfamilien
auf dem Land
üblich war.
Sein älterer
Bruder ist
schon jung
ohne
Nachkommen
verstorben.
Jürgen ist
in
Neustettin
bis Ostern
1718
geblieben,
um dann die
Schule in
Danzig
abzuschließen.
Im Oktober
1721 hat er
sich an der
Universität
Leiden
(gegründet
1575)
immatrikuliert,
um die
Rechte zu
studieren.
Ein Abschluß
des Studiums
ist ungewiß.
Ein Vetter
hatte 1722
auf die ihm
angetragene
Pfründe in
Cammin
verzichtet,
Jürgen
sprang
sofort ein
und wurde
damit
Camminer
Dom-Dekan.
Nomineller
Bischof von
Cammin war
nach der
schon 1534
in Pommern
eingeführten
Reformation
der
Landesherr,
nach dem
Aussterben
des
pommerschen
Herzoghauses
1637 und dem
Westfälischen
Frieden 1648
also dessen
Erbe,
Kurfürst
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg.
Er verfügte
daher über
die Ämter
und
Einkünfte
des Bistums.
Mit
geistlichen
Pflichten
war die
Würde des
Dekan damals
nicht mehr
verbunden.
Kleists
Stellung
dürfte
Verwaltungsaufgaben
umfaßt
haben,
möglicherweise
die
Beaufsichtigung
der
Domschule.
Auf jeden
Fall ließ
ihm seine
Stellung
Zeit, seinen
Neigungen
nachzugehen.
Diesen ist
schließlich
die
Entdeckung
des
elektrischen
Effekts mit
der
‘Kleist’schen
Flasche’ zu
verdanken,
die uns auch
als
‘Leidener
Flasche’ aus
dem
Physikunterricht
bekannt ist.
Das Wissen
über
Elektrizität,
die man
nicht
greifen,
aber
empfindlich
spüren kann,
war noch
sehr gering.
Jürgen von
Kleists
Entdeckung
datiert vom
11. Oktober
1745, er hat
sie noch im
selben Jahr
verschiedenen
Persönlichkeiten
mitgeteilt.
Daß
unabhängig
davon schon
Anfang 1746
auch in
Leiden
gleiche
Beobachtungen
gemacht und
mit
Öffentlichkeitswirkung
weitergegeben
wurden, hat
die
Benennung
‘Leidener
Flasche’
befördert;
rein
zeitlich
gebührt von
Kleist das
Primat, denn
Anfang 1746
war sein
Versuchsergebnis
schon in
Berlin,
Danzig und
Halle
bekannt. In
Berlin hat
man ihn zum
Mitglied
der auf
Initiative
von Leibniz
1700
gegründeten
Akademie der
Wissenschaften
ernannt.
Sein Erfolg
als
Wegbereiter
von
Kondensator
und Batterie
hat ihn für
die Nachwelt
im Wissen um
die
Elektrizität
bedeutend
gemacht; der
bekannte
Berliner
Physiker und
Professor
Slaby hat
ihn über 100
Jahre später
den „Vater
der modernen
(Marconischen)
Telegraphie“
genannt.
An Kleists
Wohnhaus am
Camminer
Domplatz
(von 1720
bis 1810
Dekanatskurie)
wurde
anläßlich
seines 150.
Todestages
eine
Gedenktafel
angebracht,
die an seine
Erfindung
und an 25
Jahre langes
Wohnen dort
erinnerte;
am 200.
Geburtstag
ließ die
Familie
darüber noch
das Wappen
derer von
Kleist
anbringen.
Jürgen von
Kleist hatte
1735
geheiratet.
Seine Frau,
aus dem
Hause von
Platen
gebürtig,
schenkte ihm
acht Kinder,
die aber zum
Teil jung
starben. Da
auch die
Überlebenden
ohne
Nachkommen
blieben,
erlosch mit
ihnen diese
Kleistsche
Linie.
Kleist ist
in Cammin
geblieben,
bis er im
August 1747
durch
königliche
Kabinettsordre
als
Präsident an
das
Hofgericht
in Köslin
berufen
wurde. Zwar
weiß man,
daß er auf
dem dortigen
alten
Friedhof
begraben
wurde, doch
sind weder
Kreuz noch
Stein
auffindbar.
Lit.:
Poggendorff:
Geschichte
der Physik,
Leipzig
1879. – C.
W. Haken:
Versuch
einer dipl.
Geschichte
von Cöslin,
Lemgo 1765.
– Kratz:
Geschichte
des
Geschlechts
von Kleist.
– Biogr.-lit.
Handwörterbuch
zur
Geschichte
der exakten
Wissenschaften.
1. Bd., 1863
Leipzig. –
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Bd. 16
(1882). –
Neue
Deutsche
Biographie,
Bd. 12
(1979).
Friedrich
Birkholz