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In Jochen Klepper hat sich die Bedeutung, die dem evangelischen
Pfarrhaus in der deutschen Literaturgeschichte zukommt, erneuert. Es war
nicht nur sein Ursprung, sondern es blieb auch maßgeblich für sein Leben
und sein dichterisches Schaffen. Das poetisch Wertvollste seines Werkes
sind seine eindringlichen, in der besten Tradition des evangelischen
Gemeindegesanges stehenden Kirchenlieder (veröffentlicht in dem Band
Kyrie. Geistliche Lieder von 1938). In seinem – unvollendet
hinterlassenen – Katharina-von-Bora-Roman Das ewige Haus (1951
posthum von Karl Pagel unter dem Titel Die Flucht der Katharina von
Bora herausgegeben) wurde ihm schließlich das Pfarrhaus selbst zum
Thema. Klepper fühlte in sich die Sendung, das Wirken Gottes in Welt und
Geschichte sichtbar zu machen, und diese ließ ihn nach seinem
Theologiestudium nicht den Pfarrberuf ergreifen, sondern sich der
schreibenden Zunft zugesellen. Er war zunächst in Breslau und dann in
Berlin als Mitarbeiter der kirchlichen Presse, für Tageszeitungen,
Zeitschriften und für den Rundfunk tätig. Sein Abschiedsgeschenk an
Schlesien, dem er väterlicherseits wie mütterlicherseits entstammte, war
sein 1933 erschienener mit bezwingendem Lokalkolorit versehener Roman
Der Kahn der fröhlichen
Leute
(1949 auch verfilmt).
Seine ihm mehr und mehr bewußte
Aufgabe führte Klepper zum historischen Roman, weil, wie er in seiner
Studie Der christliche Roman von 1940 schrieb, im Schicksal
geschichtlicher Menschen das Wirken Gottes weniger verschlüsselt sei,
als in dem der namenlosen. Der Held seines Hauptwerkes Der Vater
(1937) wurde König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der
„Soldatenkönig“, der sich zeit seiner Regierung als „Amtmann Gottes“
empfunden hatte. Aus christlichem Pflichtethos und ihm aufgegebenem
Leiden an der irdischen Welt gewinnt die Gestalt des Königs in der
Darstellung Kleppers menschliches Profil und Größe. Seine Herkunft wie
seine enge Bekanntschaft mit dem Preußentum aufgrund seiner intensiven
Vorstudien zu seinem Körner-Roman geboten Klepper gegenüber der
weltlichen Obrigkeit unbedingte Loyalität, woran die Tatsache zunächst
nichts änderte, daß ihm diese in der Gestalt des nationalsozialistischen
Regimes gegenübertrat. Andererseits aber schieden ihn das Preußentum und
die Bekanntschaft wie Freundschaft mit Angehörigen des geistigen
Widerstandes, so vor allem mit dem seinem Werk besonders nahestehenden
Reinhold Schneider, vom Nationalsozialismus. Dieser wurde Klepper
dadurch zum Schicksal, daß seine Ehefrau Hanni, geborene Gerstel,
jüdischer Abkunft war und er die amtliche Zumutung, sich von ihr
scheiden zu lassen, von sich wies. Bereits 1933 verlor er seine Stellung
beim Rundfunk, 1935 wurde ihm seine Tätigkeit für den Ullstein-Verlag,
die er statt dessen aufgenommen hatte, unmöglich gemacht, 1937 sah er
sich durch den Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer in der ihm
verbleibenden Existenz eines freien Schriftstellers auf das massivste
behindert; eine Sondergenehmigung der Fortführung seiner
schriftstellerischen Tätigkeit setzte ihn Kontrollen und Schikanen aus.
Aus dem Dienst in der Wehrmacht, der ihn 1941 nach Rußland führte
(Überwindung, Tagebücher und Aufzeichnungen aus dem Kriege, 1958
herausgegeben von seiner Schwester Hildegard Klepper), wurde er nach
einem knappen Jahr wegen „Wehrunwürdigkeit“ entlassen.
Kleppers Lage gestaltete sich vollends dadurch verzweifelt, daß
er zwei jüdische Stieftöchter hatte, deren ältere noch vor dem Krieg ins
Ausland gebracht worden war, während für die jüngere keine
Ausreiseerlaubnis mehr erwirkt werden konnte. Als die Deportation dieses
Kindes bevorstand, schied Klepper mit seiner Familie aus eigenem
Entschluß
aus dem Leben. Sein umfangreiches Tagebuch (Aus den Tagebüchern der
Jahre 1932 bis 1942, mit einem Geleitwort von Reinhold Schneider,
herausgegeben von Hildegard Klepper, 21970), das auch die
Auseinandersetzung des Christen Klepper mit dem Problem des Selbstmordes
spiegelt, trägt, gleich einem Motto seines Lebens, den Titel: Unter
dem Schatten deiner Flügel. Auf dem Friedhof in Berlin-Nikolassee
(Kirchweg) ist Jochen Klepper mit Frau und Kind begraben.
Weitere Werke:
In tormentis pinxit. Die Briefe und Bilder des Soldatenkönigs Friedrich
Wilhelm L, König von Preußen, Stuttgart und Berlin 1938. – Der König und
die Stillen im Lande. Begegnungen Friedrich Wilhelms I. mit August
Hermann Francke, Gotthilf August Francke, Johann Anastasius
Freylinghausen und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Stuttgart und
Berlin 1938. – Nachspiel. Erzählungen, Aufsätze, Gedichte, hrsg. von K.
Ihlenfeld. Stuttgart und Berlin 1960.
Lit.:
Waltraut Ingeborg Sauer-Geppert: Jochen Klepper. In: Neue deutsche
Biographie 12 (1980). Dort weiteres.
Bild:
Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat.
Peter Mast
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