Mit
seinen Gemälden der unbegrenzten Flächen und aperspektivischen
Räume nimmt Heinrich Klumbies einen besonderen Platz in der
modernen deutschen Kunstgeschichte ein. Begonnen hat er mit
figurativen Bildern und Landschaften, inspiriert von den
Landstrichen Ostpreußens, der Heimat seiner Eltern, sowie seiner
Studienorte und der Stätten seiner beruflichen Tätigkeiten, die
quer durch Deutschland führten.
In
Neutomischl, Provinz Posen, geboren, zog es ihn zunächst nach
Südwestdeutschland, wo er in der Stuttgarter Akademie sein
Kunststudium begann, es in Königsberg fortsetzte und es in
Berlin mit dem Staatsexamen abschloß.
Sein
Kriegseinsatz bei der Luftwaffe führte ihn über die Wolken in
den weiten Himmel, und das Erlebnis der unbegrenzten Räume
übertrug sich auf sein künstlerisches Schaffen. Seine erste
Anstellung als Kunsterzieher und Leiter einer Theatergruppe
erhielt er an der Karl-Marx-Schule in Berlin. Hier führte er mit
seinen Schülern Grabbes „Scherz, Satire, Ironie und tiefere
Bedeutung“ auf. Ferner Bert Brechts „Mann ist Mann“, zu dessen
Proben der Autor wiederholt zugegen war, sowie die
Brecht-Weil-Oper „Der Jasager“. Diese avantgardistische nach dem
Schöpfer des wissenschaftlichen Sozialismus benannte Schule war
den nationalsozialistischen Machthabern natürlich ein Dorn im
Auge und wurde geschlossen. In den folgenden Jahren wurde
Klumbies von Schule zu Schule versetzt, schikaniert und schied
aus dem Schuldienst aus. Seinen spärlichen Lebensunterhalt
verdiente er sich fortan als freier Maler und mit Berichten für
die Presse. Neben den „abstrakten“ Kompositionen, in die der
Maler geometrische Formen integrierte, entstanden realistische
Gemälde, einen alten Stuhl oder einen unbenutzten Tisch in einem
menschenleeren Raum darstellend, Symbolik der Einsamkeit und
Verlassenheit.
Auch in
Klumbies Alterswerk begegnet man keinen Menschendarstellungen
mehr. Allerdings spielte der Mensch im Alltag als Pädagoge und
Kollege eine wichtige Rolle, führte er doch als Lehrer an
Schulen und als Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe
seine Studenten bis zu seiner Pensionierung (1971) an die Kunst
heran. Er war Mitglied zahlreicher Künstlerverbände: Seccession
München, Künstlerbund Baden-Württemberg, Deutscher Künstlerbund,
Société Européenne de Culture sowie Künstlergilde Eßlingen,
deren Erster Vorsitzender er war (1959-1964).
Lit. (Auswahl): Gustav
Barthel, Deutsche Aquarelle der Gegenwart, Gütersloh 1957. –
Wilhelm Gall, Malerei des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1979. –
Heribert Losert, Profile der Zeit, München 1972. – Günther Ott,
Künstlerprofile – Im Osten geboren – Im Westen Wurzeln
geschlagen, hrsg. von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat,
Düsseldorf 1980. – Günther Wirth, Verbotene Kunst 1933-1945,
Stuttgart 1987. – Günther Ott, Mit dem Blick in unbegrenzte
Räume – Ein letzter Besuch bei Heinrich Klumbies, in: Jahrbuch
Weichsel-Warthe, Wiesbaden 1995.
Bild:
Privatarchiv des Autors.
Günther Ott