Knakrick
verbrachte
die
Jugendzeit
in
Wünschelburg
(Grafschaft
Glatz),
bestand am
Gymnasium zu
Glatz das
Abitur,
studierte in
Tübingen, wo
er sich der
„Guestfalia“,
einer der
ältesten und
vornehmsten
Korporationen
des
Cartell-Verbandes
der
farbentragenden
katholischen
deutschen
Studentenverbindungen
(CV),
anschloß,
danach in
München und
Breslau
Rechtswissenschaft,
legte das
Referendarexamen
ab und wurde
zum Dr. jur.
promoviert.
Er genügte
der
Wehrpflicht,
war
Referendar
am
Amtsgericht
Wünschelburg
und am
Landgericht
Glatz und
stand im
Ersten
Weltkrieg
von Anfang
an als
Artillerieoffizier
im Felde
(Eisernes
Kreuz 1.
Klasse).
Nachdem
Knakrick
seine
Ausbildung
in
Waldenburg,
Neisse und
Berlin
(Kammergericht)
fortgesetzt
hatte,
bestand er
1920 das
Assessorexamen,
ging an das
Landesfinanzamt
Oberschlesien
in Oppeln
und stieg
zum
Regierungsrat
auf. Von
1923 bis
1925 wirkte
er als
Steuersyndikus
der
Industrie-
und
Handelskammer
in Oppeln,
dann begann
mit seiner
Wahl zum
Ersten
Bürgermeister
von Beuthen
O/S, der
bald die
Amtsbezeichnung
Oberbürgermeister
erhielt, der
erfolgreichste
Abschnitt
seines
Lebens. Die
Stadt
Beuthen
hatte durch
den nach dem
deutschen
Sieg in der
Oberschlesischen
Volksabstimmung
des Jahres
1921
erlassenen
Genfer
Schiedsspruch,
der die
Teilung des
Landes
enthielt,
schwere
Schädigungen
erlitten.
Die
Stadtteile
Friedenshütte,
Eintrachthütte
und
Schwarzwald
mit 18000
Einwohnern
und einem
Drittel des
städtischen
Steueraufkommens
waren an
Polen
gefallen,
fast alte
Verkehrswege
zerschnitten
und viele
ostoberschlesische
Flüchtlinge
in die Stadt
geströmt.
Mit großer
Schaffenskraft
und Dynamik
widmete sich
Dr. Knakrick
den vor ihm
liegenden
großen
Aufgaben.
Zur
Linderung
der
Wohnungsnot
entstanden
ein
städtisches
Obdachlosenasyl
und ein 180
Wohnungen
umfassendes
Familienasyl
(Übergangswohnheim).
Als
Hauptträger
des sozialen
Wohnungsbaus
in Beuthen
wurde die in
städtischer
Hand
befindliche
Gemeinnützige
Wohnungsbaugesellschaft
(Gewo)
gegründet.
Die Stadt
half der
Industrie
bei der
Errichtung
neuer
Schachtanlagen,
förderte den
Bahnhofsneubau,
erweiterte
das
Verkehrsnetz
der
städtischen
Straßenbahn
um über 11
km und
modernisierte
den
städtischen
Schlachthof.
Besondere
Energie
setzte
Knakrick für
die
Verbesserung
der
schulischen
und
kulturellen
Verhältnisse
ein. So
erstand ein
monumentaler
Neubau für
die von
Kattowitz
nach Beuthen
verlegte
Staatsbauschule
und ein
neues
Gebäude für
das
staatliche
Realgymnasium.
Nach
intensiven
Bemühungen
gelang es,
daß Beuthen
der Standort
der zweiten
Pädagogischen
Akademie
Preußens für
katholische
Studierende
wurde,
wodurch sich
das Ansehen
der Stadt in
Oberschlesien,
wo es weder
eine
Universität
noch eine
Technische
Hochschule
gab, und
darüber
hinaus
steigerte.
Schon 1927
hatte der
Caritasverband
mit
Unterstützung
der Stadt in
Beuthen die
Fachschule
für soziale
Berufe ins
Leben
gerufen. Das
Oberschlesische
Landestheater
entstand und
verlangte
große
Bedeutung;
das
Oberschlesische
Landesmuseum
und die
Stadtbücherei
erfuhren,
planmäßige
Förderung.
Dem
Bedürfnis
der
Bevölkerung
nach Sport
und Erholung
dienten der
Bau des
Hindenburg-Kampfbahn
genannten
Stadions,
das 40000
Zuschauer
fassen
konnte, der
in Knakricks
Amtszeit
fallende
Baubeginn
des
Parkbades,
die
Umgestaltung
und
Erweiterung
des
Stadtwaldes
zum Park und
die
Förderung
von
Schrebergärten.
Knakrick war
eindeutig
der Motor
bei der
stürmischen
Entwicklung
der Stadt
Beuthen. Die
Durchsetzung
seiner
Gedanken
wurde
dadurch
erleichtert,
daß er –
trotz seines
als
Oberbürgermeister
vollzogenen
Eintrittes
in die
Zentrumspartei
– auch den
Kontakt zu
den Parteien
rechts und
links von
der Mitte
suchte und
fand. Für
die
Modernisierung
der
Verwaltung
entwarf er
eine überaus
zweckmäßige
Geschäftsordnung.
Knakrick
wurde 1933 –
in demselben
Jahre, in
dem Beuthen
durch
Überschreiten
der
100000-Einwohnermarke
zur
Großstadt
aufstieg –
von den
Nationalsozialisten
abgesetzt
und
verhaftet.
Er mußte
sich dann
mühselig
über die
Zeit
bringen.
1945 kam er
als
Flüchtling
nach Cham in
den
Bayerischen
Wald, wo er
als Notar
und als
Rechtsanwalt
tätig war.
1956 zog er
nach
München. Er
setzte sich
in
vorbildlicher
Weise als
„Vater der
Beuthener“
für seine
Landsleute
ein, z.B. im
Rahmen der
Patenschaft
Recklinghausen-Beuthen,
war ein
eifriger
Mitarbeiter
des „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer
Heimatblattes“,
erhielt 1957
das Große
Verdienstkreuz
des
Verdienstordens
der
Bundesrepublik
Deutschland
und wurde
1958 dadurch
geehrt, daß
man ihm Heft
19/20 der
„Mitteilungen
des
Beuthener
Geschichts-
und
Museumsvereins“
widmete. Dr.
Adolf
Knakrick
liegt auf
dem Münchner
Waldfriedhof
begraben.
Lit.:
Knakrick,
A.:
Selbstbiographie,
in:
Mitteilungen
des
Beuthener
Geschichts-
und
Museumsvereins,
H.
19/20,1958/59,
S. 13-16;
Schadewaldt:
Beuthens
Aufstieg zur
Großstadt.
Eine
Würdigung
der
Kommunalarbeit
des
Oberbürgermeisters
Dr.
Knakrick,
ebd., S.
17-26; vgl.
im selben
Heft auch S.
9-12 u.
27-42;
Albert
Stött, Georg
Michalke:
Oberbürgermeister
i. R. Dr.
jur. Adolf
Knakrick
(1886-1959),
ebd., H.
25/26,
1963/64, S.
232-238;
Eberhard von
Zalewski: In
memoriam Dr.
Adolf
Knakrick,
in:
Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer
Heimatblatt
9, 1959, H.
12, S. 5-6;
Alfons
Hayduk:
Adolf
Knakrick f,
in:
Schlesien
IV, 1959, S.
256; Alfons
Perlick:
Beuthen O/S,
2. Aufl.,
Recklinghausen
1982, v. a.
S. 25 u. 71.
Hans-Ludwig
Abmeier