Wenige
Tage nach seinem 80. Geburtstag verstarb nach einem Schlaganfall
der Missionsdirektor i.R., Prof. D. Siegfried Knak in Berlin.
Fast 40 Jahre hat er im Dienst der Leitung der Berliner Mission
gestanden; von 1910-1921 als Heimatinspektor und dann bis 1949
als Direktor. Während dieser Zeit besuchte er intensiv die
Gemeinden im damaligen Ostpreußen, Memelland, Schlesien und
Pommern, aber auch viele europäische Länder und die
verschiedenen Missionsgebiete der Berliner Mission. Die Liebe
zur Mission war ihm schon in die Wiege gelegt. Die Losung am Tag
seiner Geburt (Jes. 52,7 „…die Füße der Boten, die da Frieden
verkündigen“) hatte geradezu providentielle Bedeutung für sein
Leben und seine Arbeit. In dem Vorwort zur Lebensbeschreibung
seines Großvaters Gustav Knak (1806-1878) bekannte er dankbar,
daß dieser und sein Amtsvorgänger in der Berliner Mission,
Hermann Theodor Wangemann, „Führer zum Glauben und zum Dienst“
geworden seien.
Als
ältester Sohn des Pfarrers Johannes Knak (1842-1899), der von
1885 bis zu seinem Tode Komiteemitglied der Berliner Mission und
nebenamtlich Dezernent für China war, wurde Siegfried Knak in
Zedlitz/Schlesien geboren. Seine Mutter war die Tochter des
Gutsbesitzers Alexander Andreae in Roman/Pommern. Er besuchte
das berühmte Internat Schulpforta, um nach dem Abitur in Berlin
und Halle ein Theologiestudium abzuschließen. Sein frühes
Interesse an der Mission verband sich mit dem theologischen
Einfluß Martin Kählers (1835-1912). 1901 übernahm Knak ein
Pfarramt in Ribbekardt/Pommern. Nach mehrjähriger Tätigkeit als
Gemeindepfarrer, dazu zählte auch sein Kriegseinsatz als
Feldprediger 1915-1918, trat er in den Dienst der Berliner
Mission. Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges hatten ihm das
Versagen der Kirche in der Sozialen Frage, die mangelnde
Verankerung im Volkstum, deutlich gemacht. Er sah daher in der
Respektierung völkischen Empfindens und völkischer Eigenart die
Basis missionarischen Wirkens, auch die Voraussetzung für eine
Aussöhnung nach dem Weltkrieg. So schrieb er schon 1919, daß die
„Tat der Heidenmission“ die „einzige Grundlage [sei], auf der
ein Völkerbund entstehen könnte.“ Dabei distanzierte er sich
sowohl vom Pazifismus wie auch vom Sozialismus. So ist es auch
nicht verwunderlich, daß Knak dem Nationalsozialismus positiv
gegenüber stand. „Unser Herz jauchzt dieser neuen Bewegung als
ein Geschenk Gottes entgegen“, schrieb er 1933. Im Hinblick auf
die Mohamedanische Mission (1938) sah er im Nationalsozialismus
einen „Anschauungsunterricht“, der den Blick auf den Islam und
das „Wesen seiner Gruppensolidarität“ schärft und dazu zwingt,
„den Widerstand auf der mohamedanischen Seite noch höher
einzuschätzen als bisher.“ Bei aller Wertschätzung des
NS-Regimes wandte er sich mit aller Entschiedenheit gegen den
pseudoreligiösen „Mythus des 20. Jahrhunderts“ des Alfred
Rosenberg und die „Gotteskenntnis“ der Ludendorffs. Er
bezeichnete die Religion des Blutes als „Wunschgebilde oder
Fruchterzeugnisse der menschlichen Seele.“ Seine Haltung
gegenüber den „Deutschen Christen“ war anfänglich eher positiv,
änderte sich aber später. Bereits 1933 vertrat Knak die Meinung,
daß das gesamte deutsche evangelische Missionswesen eine
Angelegenheit der Deutschen Evangelischen Kirche (Reichskirche)
sei. Er wollte deshalb die Äußere Mission dem Reichsbischof
unterstellen – Pastor Fritz von Bodelschwingh (1877-1946) in
Bethel-Bielefeld war mehrheitlich gewählt, von Hitler jedoch
nicht bestätigt worden. Vom Geistlichen Ministerium über eine
Missionskammer und die Missionsräte sollte die Mission nun nach
dem Führerprinzip hierarchisch strukturiert werden. Karl
Hartenstein und Walter Freytag widersetzten sich solchen Plänen
und führten die Mission als „Kirche in Bewegung“ in das Lager
der Bekennenden Kirche. Knak unterstützte nach anfänglichem
Widerstand diesen Weg, wobei er bis zum Ende der NS-Herrschaft
zwischen Bekennender Kirche und Deutschen Christen zu vermitteln
suchte. Er trat dem „Bruderrat“ der Bekennenden Kirche bei und
war dessen Missionsvertreter. Ebenso war er Mitglied im
Bruderrat der 1934 von Pastor von Bodelschwingh gegründeten
„Arbeitsgemeinschaft missionarischer und diakonischer Verbände“.
Sein Dissens zum Nationalsozialismus deutete sich schon 1935 mit
der von der Regierung verbotenen Schrift: „Ein Wort zur
Rassenfrage“ an. Darin vertrat er die nur von wenigen
Missionsleuten damals unterstützte These: „Christgläubige Juden
sind Glieder der Kirche Christi“.
Siegfried Knak war einer der führenden, international
anerkannten Missionsvertreter. Bereits 1935 wurde er in das
„Interim Comitee“ des internationalen Missionsrates gewählt. Er
hat nicht nur der Berliner Mission zwischen den Weltkriegen das
Gepräge gegeben, sondern der ganzen deutschen Mission seinen
Stempel aufgedrückt. Bereits 1924 wurde ihm der theologische
Ehrendoktor der Universität Halle verliehen. Knak nahm 1928 an
der Weltmissionskonferenz in Jerusalem teil; ebenso an der in
Tambaram/Südindien 1938. Die Berichterstattung über diese
Konferenz mißfiel der Regierung, und sie verbot alle
Missionszeitschriften bis auf die von Walter Freytag
herausgegebene „Evangelische Missionszeitschrift“, die bis 1944
noch erscheinen konnte. Nach dem Ausscheiden aus der
Missionsleitung wurde Knak 1950 Professor an der Kirchlichen
Hochschule in Berlin und Dozent an der Universität Halle sowie
im Seminar der Berliner Mission und im Burckhardthaus. In vielen
Vorträgen und Artikeln versuchte der leidgeprüfte Theologe
(seine beiden Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg) das Erbe der
pommerschen Erweckungsbewegung und die Lehre Martin Kählers für
seine Zeit fruchtbar zu machen, wobei er Völkermission
(Heidenmission) und Volksmission in enger Verbindung sah.
Werke
(Auswahl): Die Kirche als völkerverbindende Macht.
Magdeburg 1919. – Säkularismus und Mission, 1929. – Glaube und
Volkstum, in: Auslandsdeutschtum und evangelische Kirche.
Jahrbuch 1932. – Mission und nationale Bewegung, 1933. – Die
Evangelische Mission in Südafrika und Mission und Kirche im
Dritten Reich, in: Julius Richter (Hrsg.), Das Buch der
deutschen Weltmission in Wort und Bild, Nürnberg 1939, S. 75-81
und S. 254-258. – Die Kirche und die weltlichen Mächte, in:
Martin Schlunk (Hrsg.), Das Wunder der Kirche unter den Völkern
der Erde. Bericht über die Weltmissions-Konferenz in Tambaram/Südindien
1938, Berlin 1939, S. 149-159. – Zur Bedeutung des Volkstums für
die missionarische Aufgabe, in: Afrikanistische Studien.
Festschrift Diederich Westermann, Berlin 1955, S. 164 -173.
Lit.:
Karl Hartenstein, Zum 75. Geburtstag von Siegfried Knak, in:
NMZ 1950, S. 82. – Harald Kruska, Siegfried Knak in memoria, in:
Theol.Lit.Ztg. 1955, Nr. 9, Sp. 569f. – Walter Freytag,
Siegfried Knak, in: Evang.Miss.Zeitschrift, 12. Jg. NF, H. 1, S.
118f. – M. Bauer, Bibliographie Siegfried Knak, in:
Theol.Lit.Ztg. 1955, Nr. 9, Sp. 571f. – G. Brennecke, Knak,
Siegfried (1875-1955), in: RGG 3 (31959), Sp. 1679. –
Horst Bürkle, Knak, Siegfried, in: NDB 12 (1980), S. 150f. –
Knak, Siegfried, in: DBE 5 (1997), S. 612. – Karl Rennstich,
Knak, Siegfried, in: BBK 4 (1992), Sp. 112-115; Hans Luther,
Knak, Siegfried, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6,
31997, Sp. 154. – Frieder Ludwig, Knak, Siegfried,
in: RGG 4 (42001), Sp. 1461f.
Bild:
Evangelisches Zentralarchiv Berlin.
Guntram Philipp