„Er ist
selten
glücklich
veranlagt
und kann
deshalb auch
andere
glücklich
machen. Sein
Frohsinn ist
unverwüstlich,
und doch ist
er entfernt
von jeder
Oberflächlichkeit.
Allen
Menschen
kommt er mit
persönlichem
Interesse
entgegen,
dadurch
öffnen sich
ihm die
Herzen von
selbst.
Hochmut
kennt er
überhaupt
nicht; dazu
hat er einen
klaren
Blick.“
Diese
Charakteristik
aus
Jugendjahren
weist auf
die
besonderen
Gaben hin,
mit denen
Karl Magnus
v. Knebel
Doeberitz
Vertrauen
und
Zuneigung
von Menschen
der
unterschiedlichsten
sozialen
Prägung
gewinnen
sollte.
Als
drittes von
fünf Kindern
des
Gutsbesitzers
Edgar v.
Knebel
Doeberitz
und dessen
Frau Isidore
(geb. v.
Biel)
geboren,
strebte er
zunächst die
militärische
Laufbahn an,
bis der Tod
des älteren
Bruders ihn
zum Erben
von
Friedrichsdorf
machte. Noch
als Leutnant
bei den
Königin-Kürassieren
in Pasewalk
heiratete er
Elisabeth v.
Waldow,
Tochter des
damaligen
Oberpräsidenten
der Provinz
Pommern.
1914
übernahm
Knebel
Friedrichsdorf,
um jedoch
kurz darauf
mit seinem
Regiment in
den Krieg zu
ziehen. Er
kämpfte in
Frankreich,
Kurland und
Rumänien und
erlitt in
den letzten
Kriegstagen
in Belgien
eine schwere
Gasvergiftung.
Nach Hause
zurückgekehrt,
nahm er mit
Ideenreichtum
und
Organisationstalent
die
Modernisierung
des
Gutsbetriebs
in Angriff
und stellte
ihn auf
Veredlungswirtschaft
um.
Daneben
engagierte
er sich, wie
Vater und
Onkel vor
ihm, im
landwirtschaftlichen
Genossenschaftswesen
und in
politischen
Organisationen
der
Landwirtschaft.
Als sich
1918719
Bauern- und
Landarbeiterräte
formierten,
um den
Klassenkampf
in die
Landbevölkerung
zu tragen,
setzte
Knebel sich
dagegen als
Kreisvorsitzender
im
Pommerschen
Landbund für
das Prinzip
wirtschaftsfriedlicher
Gemeinsamkeit
und
berufsständischer
Solidarität
ein. Durch
Vermittlungsgeschick,
Gerechtigkeitssinn
und
Offenheit
erwarb er
sich breite
Anerkennung.
1926 wurde
er Direktor
der
Hauptgenossenschaft
der
pommerschen
landwirtschaftlichen
Genossenschaften,
zu deren
Aufschwung
er
wesentlich
beitrug.
Die
wirtschaftlichen
und
politischen
Krisen der
Weimarer
Zeit führten
ihn zu immer
umfassender
Tätigkeit.
Ihm ging es
um Stützung
der
ostelbischen
Landwirtschaft,
Beseitigung
der
Arbeitslosigkeit,
Verbesserung
der
Versorgung
der
Industriebevölkerung
und Kampf
gegen die
zunehmende
politische
Radikalisierung.
Der
Gedankenaustausch
mit
führenden
Herren aus
Landwirtschaft
und
Industrie,
Militär und
Verwaltung
bestärkte
ihn –
orientiert
an Friedrich
Julius Stahl
– in der
Überzeugung,
der Weg zur
Neuordnung
führe über
eine
konstitutionelle
Hohenzollern-Monarchie.
Die
ökonomischen
Krisen
schienen ihm
am ehesten
durch das
Prinzip
einer
Gemeinwirtschaft
mit
privatwirtschaftlichen
Elementen
überwindbar
zu sein. So
betrieb
Knebel mit
der ihm
eigenen
Dynamik und
Überzeugungskraft
die
Verständigung
zwischen den
gemäßigten
politischen
Kräften,
Sozialdemokraten,
Gewerkschaftern,
Zentrumspolitikern
und
Militärs.
Stresemann
betraute ihn
mit
Verhandlungen;
für Seeckt
und vor
allem
Schleicher
sondierte er
die
Vertrauenswürdigkeit
Hitlers. Mit
sicherem
Instinkt bei
der
Einschätzung
von Menschen
gab Knebel
nach der
Begegnung
mit Hitler
ein präzises
Bild, das in
der Warnung
gipfelte:
„Der Kerl
ist ein
Verbrecher.“
1932 zum
„Vizepräsidenten
des
Reichsbundes
der
Genossenschaften
als
Stellvertreter
von Andreas
Hermes
gewählt,
wurde Knebel
im Frühjahr
1933 ein
Opfer der
Gleichschaltung.
Unter
Verleumdungen
verhaftet,
kam er zwar
bald wieder
frei,
kämpfte
jedoch in
der Folge
vergebens um
seine
Rehabilitierung.
Nach
Niederlegung
seiner Ämter
widmete er
sich ganz
dem
konspirativen
Widerstand.
Zu Hitlers
Sturz
propagierte
er einen
Militärputsch
unter
Führung des
Kronprinzen.
Über Jakob
Kaiser fand
dieser Plan
Eingang in
Goerdeler-Kreis,
scheiterte
jedoch an
der
Ablehnung
des
Kronprinzen.
Mit Karl
Magnus v.
Knebel
Doeberitz
starb am
31.12.1942
einer der
wenigen
politisch
weitblickenden
Köpfe des
pommerschen
Junkertums
der
letzten
Stunde. Vor
der
Erkenntnis
der
Vergeblichkeit
seines
Bemühens und
der
Bestätigung
seiner
Schreckensvisionen
habe,
so
schrieb es
seine Frau,
Gott ihn in
Sicherheit
gebracht.
Lit.: Jens
Flemming,
Landwirtschaftliche
Interessen
und
Demokratie,
Bonn 1978;
Dieter
Gessner,
Agrarverbände
der Weimarer
Republik,
Düsseldorf
1976; Walter
Görlitz,
Widerstand
gegen den
Nationalsozialismus
in Pommern,
in:
Baltische
Studien, 48,
Hamburg
1961; Anna
Hermes, Und
setzet ihr
nicht das
Leben ein,
Stuttgart
1971;
Elfriede
Nebgen,
Jakob Kaiser
– der
Widerstandskämpfer,
Stuttgart
1967;
Gerhard
Ritter, Carl
Goerdeler
und die
deutsche
Widerstandsbewegung,
Stuttgart
1955;
Persönliche
Erinnerung
an K.M. v.
K.D.,
zusammengestellt
von
Elisabeth v.
Knebel
Doeberitz
(unveröffentlicht).
Bia v.
Doetinchem