Als
allerseits
anerkannter
Literarhistoriker
ist August
Koberstein
auch heute
noch
bedeutend.
In seiner
Heimat
Pommern aber
mit
naturbedingter,
vorwiegend
ländlicher
Struktur
blieb er
weitgehend
unbekannt.
Seine
Vaterstadt
Rügenwalde,
dort
gelegen, wo
die Wipper
als kleiner
Küstenfluß
in die
Ostsee
mündet, war
einst sogar
Mitglied der
Hanse und
Ende des 18.
Jahrhunderts
ein
Städtchen
von etwa
2.500
Einwohnern.
Kobersteins
Mutter
stammte aus
Westpreußen,
sein Vater
war Lehrer
am
Kadettenhaus
in Stolp
gewesen,
dann in
Rügenwalde
und seit
1802 Pastor
in Glowitz,
Kreis Stolp.
Der junge
August
Koberstein
erhielt nach
dem Besuch
der
heimatlichen
Grundschule
seine erste
höhere
Bildung
gleichfalls
im Stolper
Kadettenhaus
und
anschließend
am Friedrich
Wilhelm-Gymnasium
in Berlin
(1812-16).
Dort begann
er 1816 auch
sein
Studium,
hörte neben
Mathematik
Philologie,
Philosophie,
Geschichte
und
Archäologie.
Nach
Ableistung
seines
Einjährig-freiwilligen
Militärdienstes
kam er am 3.
August 1820
als dritter
”Adjunkt”
(Gehilfe
eines
Beamten) zur
Landesschule
mit Internat
Pforte bei
Naumburg an
der Saale
(1136 als
Zisterzienser-Kloster
gegründet,
seit 1543
als
Schulpforta
berühmt
gewordene
sächsische
Fürstenschule)
in der
preußischen
Provinz
Sachsen, der
er trotz
mancher
verlockender
Angebote
fast 50
Jahre lang
treu blieb.
Lehrte er
anfänglich
Mathematik
und
Geschichte,
waren seine
Fächer dann
Deutsch und
Französisch;
Professor
wurde er
schon 1824,
und im
selben Jahr
heiratete er
die Tochter
eines
Berliner
Professors.
Unter dem
Eindruck und
Einfluß
bedeutender
Lehrer wie
der Gebrüder
Grimm und
des
Germanisten
Lachmann,
mit denen er
Verbindung
aufnahm,
erfolgte
eine immer
stärkere
Hinwendung
Kobersteins
zur
Philologie,
verstanden
als reine
Sprach- und
Literaturwissenschaft.
Den Maßstab
für die
Pädagogik
und die
praktische
Lehrtätigkeit
setzte der
berühmte
David Ilgen,
seit 1802
Rektor der
Pforte.
Diesem hat
Koberstein
dann auch
sein
Hauptwerk
gewidmet,
das er
zunächst nur
als
Leitfaden
für den
Gymnasialunterricht
gedacht
hatte und
1827 in der
1. Auflage
herausbringen
konnte. 20
Jahre später
– in der 4.
Bearbeitung
– wurde es
dann in drei
Bänden zu
einem
umfassenden
Nachschlagewerk
mit dem
Titel
Grundriß der
Geschichte
der
deutschen
Nationalliteratur.
Zum Gebrauch
auf
gelehrten
Schulen
entworfen.
Begonnen
hatte seine
schriftstellerische
Aktivität
aber schon
1823 mit
einer Arbeit
Über das
wahrscheinliche
Alter und
die
Bedeutung
des Gedichts
vom
Wartburgkrieg.
Auf Anregung
Jakob Grimms
hat er auch
über die
Sprache des
österreichischen
Dichters
Peter
Suchenwirt
gearbeitet.
Die
Erkenntnisse
seiner
Lehrtätigkeit
faßte er
zusammen in
seiner
Laut- und
Flexionslehre
der
mittelhochdeutschen
und
neuhochdeutschen
Sprache,
die aber
erst 1862 in
Halle
erschien.
Koberstein
konnte sich
auf ein
hervorragendes
Gedächtnis
verlassen,
besaß
eisernen
Fleiß und
ein großes
Feingefühl,
den
vielfachen
Eigenheiten
unserer
Schriftsteller
verstehend
und doch
maßvoll
wertend
gerecht zu
werden. So
wurde er
bald selbst
eine
anerkannte
Autorität,
deren Rat
und Urteil
gefragt war.
Seine
Entwicklung
fiel in die
Zeit der
Romantik,
für deren
eigenständige
Geistesrichtung
die Namen
der Gebrüder
Schlegel wie
auch Ludwig
Tieck mit
viel
bewegendem
Wollen, doch
nur wenig
Fertigem
stehen; ihr
Einfluß läßt
sich auch
bei
Koberstein
erkennen.
Durch Tieck,
den er
mehrmals in
Dresden
besuchte,
bekam er
auch Zugang
zum Theater
und erwies
sich selbst
als ein
Künstler im
Vorlesen.
1857 verlieh
ihm die
Philosophische
Fakultät der
Universität
Breslau die
Ehrendoktor-Würde
(quod
Germanicarum
litterarum
historiam
studio
diurno et
fructuosissimo
exploravit
librisque
egregiis
illustravit),
und 1870
noch wurde
er
Ehrenmitglied
der
'Göttinger
gelehrten
Gesellschaft'.
– Immer ist
der
gebürtige
Pommer, der
in seiner
Gymnasialzeit
die
Befreiungskriege
erlebt
hatte, ein
treuer
Preuße
geblieben,
doch war es
ihm nicht
vergönnt,
die
Schaffung
des
Deutschen
Reiches
durch
Bismarck
noch zu
erleben. Der
bisher so
gesunde Mann
mußte seit
1869 in
seiner
Lehrtätigkeit
zunehmend
Zwangspausen
einlegen und
zog zu
seiner
Tochter ins
nahe Kösen,
wo er wenige
Monate vor
dem
50jährigen
Jubiläum
seines
Eintritts in
die geliebte
Pforte
starb. Auf
dem Friedhof
dort ruht er
neben seiner
Frau, die
ihm einen
Sohn und
zwei Töchter
geschenkt
hatte.
Werke:
Über das
wahrscheinliche
Alter und
die
Bedeutung
des Gedichts
vom
Wartburgkriege
(1823). –
Grundriß zur
Geschichte
der
deutschen
Nationalliteratur.
Zum Gebrauch
auf
gelehrten
Schulen
entworfen
(1827, 2.
Aufl. 1830,
3. Aufl.
1837). Die
4. Aufl.,
jetzt 3 Bde.
1847-66, die
5. Aufl.,
Hrsg. K.
Bartsch, in
5 Bdn.
1872-75. –
Über die
Sprache des
österr.
Dichters P.
Suchenwirt,
Lautlehre
(1828). –
Quaestiones
Suchenwirtianae
(1842). –
Über die
Betonung
mehrsilb.
Worte in
Suchenwirts
Versen
(1843). –
Über die
Sprache d.
österr.
Dichters P.S.
Abh. der
Konjugation
(1852). –
Vermischte
Aufsätze z.
Literaturgesch.
u. Ästhetik
(1858). –
Hrsg.
Heinrich von
Kleists
Briefe an
seine
Schwester
Ulrike
(1860).
Nachlaß:
Berlin,
Berlin-Brandenburgische
Akademie der
Wissenschaften.
Lit.:
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Neue
Deutsche
Biographie
(mit
weiterer
Lit.).
Bild:
Deutsches
Museum
München.
Friedrich
Birkholz