Betritt ein
Besucher das
Arbeitszimmer
des
Apostolischen
Visitators
Prälat
Winfried
König in der
Krummen
Straße in
Münster,
begegnet er
keineswegs
einem in
Ehren
ergrauten
Kleriker,
sondern
einem
freundlich
lächelnden
Priester,
der Ruhe und
Gelassenheit
ausstrahlt.
Und noch ein
Zweites
erfährt der
Besucher,
wenn
Winfried
König seinen
Schreibtisch
verläßt und
ihm
gegenüber
Platz nimmt,
um sich
aufmerksam
den
jeweiligen
Sorgen und
Anliegen zu
widmen. Der
Apostolische
Visitator
der
schlesischen
Katholiken
in
Deutschland
ist in den
20 Jahren
seiner
Amtsführung
nicht
realitätsfern
und
verbittert
geworden,
sondern
statt dessen
Seelsorger
mit
Bodenhaftung
geblieben.
Sowohl vom
Äußeren her
als auch im
Geiste jung
geblieben zu
sein und
sich auf
Augenhöhe
mit seinen
Gesprächspartnern
zu begeben –
das sind
zwei
zentrale
Beobachtungen,
die wohl
jeder macht,
der sich
einmal
länger mit
dem
Apostolischen
Visitator
der
katholischen
Schlesier
unterhalten
hat. Dabei
versucht
Prälat König
selbst stets
bescheiden
im
Hintergrund
zu bleiben
und
diplomatisch
zu handeln,
wenngleich
er bei
gegensätzlicher
Ansicht
schon einmal
unnachgiebig
sein und
deutlich
seine
Meinung
äußern kann.
Pädagogisches
Geschick und
menschliches
Einfühlungsvermögen
sind
Charakterzüge,
die den zwar
im
westfälischen
Haltern
geborenen,
jedoch in
Gläsendorf
im
schlesischen
Kreis
Grottkau
aufgewachsenen
Theologen
bereits in
jungen
Jahren
auszeichneten.
Durch die
Vertreibung
über den
Raum
Hildesheim
schließlich
ins
Münsterland
verschlagen,
prägte ihn
hier in den
1950er
Jahren der
Kontakt zur
„Aktion
Junges
Schlesien“ (AJS).
Dieser
Jugendverband
der
katholischen
Schlesier
versammelte
damals unter
Leitung des
späteren
Münsteraner
Diözesan-Vertriebenenseelsorgers
Oskar
Franosch
hunderte
junger
Christen zu
Begegnungstagen
auf der
Jugendburg
Gemen bei
Borken.
Das hier
erfahrene
Gemeinschaftsbewußtsein
der
Schlesier,
über die
Vertreibung
und den
Neuanfang im
Westen
hinaus, ließ
Winfried
König
während des
Theologiestudiums
in Münster
und
Innsbruck
sowie nach
der 1960
empfangenen
Priesterweihe
nie den
Kontakt zu
seinen
Landsleuten
verlieren.
Nach einem
Jahr als
Kaplan in
Rheine
schien für
den Sohn
eines
Lehrers
zunächst der
Weg des
priesterlichen
Erziehers
vorgezeichnet
– als
Präfekt am
Bischöflichen
Internat
Collegium
Johanneum
auf Schloß
Loburg in
Ostbevern
und ab 1968
als Präses
des
Bischöflichen
Pius-Kollegs
in Coesfeld.
In einer
Zeit, in der
die
Beschäftigung
mit den
deutschen
Ostgebieten
von immer
mehr
Menschen in
der
Bundesrepublik
als überholt
angesehen
wurde,
schwamm
Winfried
König
buchstäblich
gegen den
Strom des
Zeitgeistes.
Er verließ
1977 Schule
und Internat
und widmete
sich
hauptamtlich
der Aufgabe
eines
Diözesan-Vertriebenenseelsorgers
im Bistum
Münster.
Drei Jahre
später
folgte ein
kurzes
Intermezzo
in der
Pfarrseelsorge
– als Propst
im
Wallfahrtsort
Telgte –,
bevor ihn
Papst
Johannes
Paul II. im
November
1982 zum
Apostolischen
Visitator
für die
Priester und
Gläubigen
aus dem
Erzbistum
Breslau in
Deutschland
ernannte.
Gleichzeitig
wurde König
auch zum
Leiter der
Katholischen
Arbeitsstelle
(Nord) für
Heimatvertriebene
und
Aussiedler
der
Deutschen
Bischofskonferenz
mit dem
Dienstsitz
in Münster
bestellt.
Den
Ernennungen
folgten
zahlreiche
Ehrungen:
Der Heilige
Stuhl
verlieh dem
Apostolischen
Visitator
der
Schlesier
die Würde
eines
Päpstlichen
Ehrenprälaten
(1984) und
eines
Apostolischen
Protonotars
(1989). Nach
Erhebung des
deutschen
Restteils
der
Erzdiözese
Breslau zum
Bistum
Görlitz
wurde König
dort
Ehrendomkapitular
(1997),
schließlich
zeichneten
auch die
schlesischen
Landsmannschaften
den
ranghöchsten
Repräsentanten
der
schlesischen
Vertriebenen
und
Aussiedler
in
Deutschland
aus.
Daneben gab
es auch
schmerzliche
Einbrüche,
die
zweifelsohne
mit
Reibungsverlusten
verbunden
waren.
Erwähnt
seien nur
der Verlust
des
Stimmrechts
der
Visitatoren
in der
Deutschen
Bischofskonferenz
1984 und
deren
endgültiger
Ausschluß
aus diesem
zentralen
Gremium für
die
katholische
Kirche in
Deutschland
1999.
Doch all
dies sind
nur
nüchterne
Fakten,
nachzulesen
im Buch der
Geschichte
und an
dieser
Stelle
keineswegs
mit dem
Anspruch auf
Vollständigkeit
aufgezählt.
Wenn es zu
Lebzeiten
einer
wichtigen
Persönlichkeit
gilt,
Zwischenbilanz
zu ziehen,
dann stehen
vielmehr die
inhaltlichen
Schwerpunkte
des Wirkens
im
Mittelpunkt.
Bei Prälat
König fällt
eine solche
Standortbestimmung
angesichts
eines
immensen
Arbeitsprogramms,
das von
Gottesdiensten
und
Andachten
auf
Heimattreffen,
über große
Vertriebenen-
und
Aussiedlerwallfahrten,
bis hin zu
Vorträgen,
der
Mitarbeit in
verschiedenen
Gremien und
der
Kontaktpflege
nach Polen
reicht,
äußerst
schwer.
„Traditionen
pflegen –
Neues
bewegen“,
unter diesem
Motto ließe
sich die
Fülle der
Aufgaben
zumindest
programmatisch
subsumieren,
die der
katholische
Theologe in
den zwei
Jahrzehnten
seiner
Tätigkeit
als
Apostolischer
Visitator
wahrgenommen
hat.
Nur zwei
Aspekte, die
eine Wahl
dieser
Maxime
belegen
können,
seien hier
angeführt:
Zum einen
verbindet
Winfried
König eine
herzliche
Beziehung
mit dem
Bischof von
Oppeln,
Erzbischof
Alfons
Nossol, weil
„dieser
seine
Oppelner
Diözesanen
in
besonderer
Weise
bestimmt und
befähigt
[sieht], ein
Modell
deutsch-polnischer
Verständigung
und
Versöhnung
zu leben“.
Dieses
Modell der
Verständigung,
von dem
Prälat König
in einem
Beitrag für
die
Festschrift
zum
40jährigen
Priesterjubiläum
Nossols
schrieb,
findet seine
Realisierung
u.a. in
regelmäßig
in Münster
durchgeführten
Sprachkursen
der
angehenden
Oppelner
Neupriester.
Zum anderen
verbinden
sich
Traditionsstränge
mit neuen
Aufbrüchen
in der
„Gemeinschaft
für
deutsch-polnische
Verständigung“
(gdpv), der
Jugendinitiative
im
Heimatwerk
Schlesischer
Katholiken.
„Diese
Arbeit
begrüße ich
sehr,
versucht sie
doch gerade
unter jungen
Menschen,
der
Verständigung
und
Zusammenarbeit
Wege zu
bereiten.
Geschichtliche,
kulturelle
und
religiöse
Fragen
werden als
Herausforderungen
und Aufgaben
für die
Zukunft
empfunden,
setzen aber
auch die
ehrliche
Auseinandersetzung
mit der
Vergangenheit
und die
aufrichtige
Überwindung
von
Trennendem
voraus“,
schrieb der
Apostolische
Visitator
der gdpv
1995 ins
Stammbuch.
Wo alte
Brücken
zwischen
West und Ost
durch das
allmähliche
Aussterben
der
Erlebnisgeneration
abbrechen,
geht für den
bald im
achten
Lebensjahrzehnt
stehenden
Priester die
Suche nach
neuen
Brückenpfeilern
weiter, die
das
kirchliche
Erbe
Schlesiens
in Ost und
West am
Leben
halten. Die
Kunst des
Zuhörens und
der
Diplomatie
ist dabei
sein
wichtigstes
Kapital.
Lit.:
Johannes
Gröger:
Apostolische
Visitatur
Breslau 1972
bis 1992,
in:
Heimatbrief
der
Katholiken
aus dem
Erzbistum
Breslau
1/1993, S.
3–6. – Ders.:
Apostolische
Visitatur
Breslau u.
Die
Arbeitsstelle
für
Heimatvertriebene
(Nord) e. V.
der
Deutschen
Bischofskonferenz,
in:
Gesellschaft
für
Ostdeutsche
Kulturarbeit
Münster
(Hg.):
Neuanfang in
Münster.
Eingliederung
von
Flüchtlingen
und
Vertriebenen
in Münster
von 1945 bis
heute, 2.,
durchgesehene
Aufl.
Münster
1997, S.
359–366. –
Ders.: Als
„Wanderbischof“
durch die
Zeit. Prälat
König als
Apostolischer
Visitator
für die
Priester und
Gläubigen
aus dem
Erzbistum
Breslau, in:
Hubert
Unverricht
u. Gundolf
Keil (Hg.):
De Ecclesia
Silesiae.
Festschrift
zum
25jährigen
Bestehen der
Apostolischen
Visitatur
Breslau,
Sigmaringen
1997, S.
49–61. –
Stefanie
Krebs:
Verständigen,
Versöhnen,
Neugestalten.
Leitgedanken
des
Apostolischen
Visitators
Winfried
König, ebd.,
S. 67–70. –
Johannes
Gröger: 25
Jahre
Apostolische
Visitatur
Breslau. Ein
Rückblick,
in: Winfried
König (Hg.):
Kirche im
Dienst der
Schlesischen
Menschen. 25
Jahre
Apostolische
Visitatur
Breslau
(Schriftenreihe
der
Apostolischen
Visitatur
Breslau, Bd.
6), Münster
1998, S.
12–33. –
Ders.: „An
die Seelen
dieser
Menschen
herankommen“.
Formen und
Entwicklungen
katholischer
Vertriebenenseelsorge,
in: Michael
Hirschfeld
u. Markus
Trautmann
(Hg.):
Gelebter
Glaube –
Hoffen auf
Heimat.
Katholische
Vertriebene
im Bistum
Münster,
Münster
1999, S.
19–70. -
König,
Winfried,
in: Erwin
Gatz (Hg.):
Die Bischöfe
der
deutschsprachigen
Länder
1945–2001,
Berlin 2002,
S. 128.
Werke:
(Hg.)
Heimatbrief
der
Katholiken
des
Erzbistums
Breslau
(später: aus
dem
Erzbistum
Breslau),
Köln
1/1983–6/1999.
– Die
kirchenrechtliche
Lage und
seelsorgerische
Betreuung
der
Vertriebenen
in der
Bundesrepublik
Deutschland,
in: Dieter
Blumenwitz
(Hg.):
Flucht und
Vertreibung.
Vorträge
eines
Symposions
v.
19.–22.11.1985,
Köln 1987,
S. 317–332.
– (Hg.)
Schlesien in
Kirche und
Welt.
Heimatbrief
der
Katholiken
aus dem
Erzbistum
Breslau,
Münster, ab
1/2000 ad
multos annos.
– (Hg.)
Nachrichten
für die
schlesischen
Priester und
Ordensleute,
Jahreshefte
1985–1998. –
Schriftenreihe
der
Apostolischen
Visitatur
Breslau, Bd.
1–8, Münster
1989–2002. –
(Hg.)
Johannes
Kaps: Vom
Sterben
schlesischer
Priester
1945/46, 2.
erw. Aufl.
Köln 1988. –
(Hg.) St.
Hedwig, die
Patronin
Schlesiens,
Münster
1989. –
Beitrag der
katholischen
Kirche zum
europäischen
Einigungsprozeß,
aufgezeigt
am Beispiel
von
Schlesien,
in:
Jahresrückblick
1994 der
Gemeinschaft
für
deutsch-polnische
Verständigung,
Münster
1995, S.
10–14. – Die
Wahrheit in
Liebe tun,
in: Hubert
Dobiosch u.
Joachim
Piegsa
(Hg.):
Christsein
als
radikales
Füreinander.
Festschrift
für Bischof
Alfons
Nossol zum
40jährigen
Priesterjubiläum,
Augsburg
1997, S.
32f. - (Hg.)
Kirche im
Dienst der
Schlesischen
Menschen. 25
Jahre
Apostolische
Visitatur
Breslau
(Schriftenreihe
der
Apostolischen
Visitatur
Breslau, Bd.
6), Münster
1998. –
(Hg.): Erbe
und Auftrag
der
schlesischen
Kirche. 1000
Jahre Bistum
Breslau
(deutsch und
polnisch),
Dülmen u.
Piechowice
2001. –
Christliche
Identität im
Spannungsfeld
von
Verwurzelung
und
Aufbruch,
in: ebd., S.
406–409. –
Pastorale
Probleme in
Deutschland,
in: Michael
Hirschfeld
u. Christine
Kucinski
(Hg.), Via
Silesia.
Jahrbuch der
Gemeinschaft
für
deutsch-polnische
Verständigung
zur
deutsch-polnischen
Verständigung,
Münster
2002, S.
68f.
Bild:
Archiv des
Apostolischen
Visitators
Breslau,
Münster.
Michael
Hirschfeld