Vor 25
Jahren, am
13. Juni
1977, starb
nach langer,
schwerer
Krankheit
der Leiter
des
Staatlichen
Archivlagers
in Göttingen
und
ehemalige
Vorsitzende
der
Historischen
Kommission
für ost- und
westpreußische
Landesforschung,
Archivdirektor
a. D. Dr.
Hans
Koeppen,
erst im 64.
Lebensjahr.
Zwar in der
Eifel
geboren,
wuchs er in
Stralsund
auf, der
Heimatstadt
seiner
Eltern. Nach
dem Abitur
und einem
Semester
Geodäsie in
Berlin, der
Fachrichtung
seines
Vaters,
studierte er
in Würzburg
und vor
allem an der
Heimatuniversität
Greifswald
Geschichte,
Germanistik
und Latein.
Dort
betreute der
bekannte
Mediävist
Adolf
Hofmeister
seine
Dissertation
zur
mittelalterlichen
Geschichte
von
Stralsund,
mit der er
1938
promoviert
wurde.
Danach
beteiligte
er sich im
Preußischen
Staatsarchiv
zu Stettin
an
Vorbereitungsarbeiten
für das
Pommersche
Urkundenbuch,
ehe er
1939/41 am
letzten
Lehrgang des
Instituts
für
Archivwissenschaft
in
Berlin-Dahlem
teilnahm,
der bereits
durch ersten
Militärdienst
verkürzt
war. Krieg
und
sowjetische
Kriegsgefangenschaft
unterbrachen
seine
berufliche
und
wissenschaftliche
Entwicklung
bis 1949.
Nach
wiedererlangter
Freiheit
ging Koeppen
nach
Niedersachsen.
Nach einer
ersten
archivarischen
Aufgabe beim
Michaeliskloster
Lüneburg
wurde er
noch 1950
beim
Staatsarchiv
Wolfenbüttel
eingestellt,
seit 1952
als
Staatsarchivassessor.
In diesem
Jahr stand
er zugleich
vor der
Frage, ob er
das
verwaiste
Stadtarchiv
Lüneburg
behalten
oder zum
Staatlichen
Archivlager
in Goslar
gehen
sollte.
Diese
Dienststelle,
die gerade
das Land
Niedersachsen
von der
britischen
Besatzungsmacht
übernommen
hatte,
verwahrte
eine Reihe
von
Archivbeständen,
die infolge
kriegsbedingter
Auslagerung
in die
spätere
Britische
Zone gelangt
waren. Das
waren vor
allem
Archivalien
des
Preußischen
Staatsarchivs
Königsberg
mit den
mittelalterlichen
Beständen
des
Deutschen
Ordens, aber
auch aus
Reval,
Schwerin und
Zerbst.
Diese übten
auf Koeppen
die größere
Anziehungskraft
aus, so daß
er sich nach
Goslar
versetzen
ließ, wo
inzwischen
Kurt
Forstreuter
(1897–1979)
– vormals in
Königsberg
und in
Berlin –
Direktor
geworden war
(vgl. OGT
1989, S.
45–48). Mit
diesen
Beständen
machte er
1953 den
Umzug nach
Göttingen
mit, wo die
Merkelstraße
seine neue
Heimat
wurde. Bei
den nun
einsetzenden
Ordnungs-
und
Verzeichnungsarbeiten
richtete
sich sein
besonderer
Einsatz auf
den
frühneuzeitlichen
Bestand „Etats-Ministerium“
(Akten der
Oberratsstube
bzw.
Regierung
des
Herzogtums
Preußen aus
den Jahren
1525–1804).
Auch als er
nach
Forstreuters
Pensionierung
dessen
Nachfolger
als
Archivdirektor
wurde,
setzte er
diese
Arbeiten
ungebrochen
fort, bis
seine letzte
schwere
Erkrankung
ihn erlahmen
ließ.
Eingebunden
in die
Arbeitsprogramme
der
niedersächsischen
Archivverwaltung,
setzte er
sich für die
Sicherungsverfilmung
der ihm
anvertrauten
Bestände ein
und betrieb
auch einen
Mikrofilmtausch
mit dem
Generaldirektor
der
polnischen
Staatsarchive,
der nur
zufällig mit
seinem
Ausscheiden
zum Erliegen
kam.
Als
typischer
Historikerarchivar
suchte Hans
Koeppen die
Quellen
seines
Archivs auch
durch
wissenschaftliche
Veröffentlichungen
zu
erschließen.
Die Arbeiten
am
Pommerschen
Urkundenbuch
hat er nicht
wieder
aufgenommen,
sondern
überließ
dies in der
Historischen
Kommission
für Pommern,
deren
Vorstand er
lange Zeit
angehört
hat, bereits
jüngeren
Kräften.
Zentral
wurde für
ihn die
Arbeit an
den
preußischen
Deutschordensbeständen.
Sowohl im
Auftrage der
von Rudolf
Grieser (bis
1964)
geleiteten
niedersächsischen
Archivverwaltung
als auch der
Historischen
Kommission
für ost- und
westpreußische
Landesforschung
stieg er
zunächst
beim
Preußischen
Urkundenbuch
ein. Dieses
hatte die
genannte
Kommission
nach ihrer
Gründung
1923
übernommen
und in
Königsberg
bis zum Ende
der
Regierungszeit
des
Hochmeisters
Dietrich von
Altenburg
1341
veröffentlichen
können.
Koeppen
bearbeitete
nun einen
zweiten
Halbband für
dessen
unglücklichen
Nachfolger
Ludolf König
sowie einen
weiteren
umfangreichen
Band für die
Amtszeit von
Heinrich
Dusemer,
womit er bis
zum Jahr
1351 kam. In
methodischer
Hinsicht hat
er für die
Urkundenbuchbearbeitung
zwei
Entscheidungen
wesentlich
beeinflußt.
Zunächst
ging es
darum, die
zeitlich
parallele
Aufspaltung
in
thematische
Urkundenbuchreihen
zu Gunsten
eines
Einheitsurkundenbuchs
aufzugeben,
weil eine
Fortführung
der
Nebenreihen
weniger
sinnvoll
erschien.
Für die
Jahre nach
1351
erwartete er
eine starke
Vermehrung
des
Materials.
In einer
Zeit, die
für die
Textverarbeitung
noch keinen
Rechnereinsatz
kannte und
in der die
Papierkosten
einen hohen
Stellenwert
hatten,
setzte er
durch, daß
künftig die
Mehrzahl der
Urkunden
durch
Vollregesten
mit
integrierten
Quellenzitaten
erschlossen
werden
sollte. Die
Ausführung
überließ er
Klaus Conrad
(1931–2002).
Wir wissen
heute, daß
der Preis
hoch war.
Neben den
inhaltlichen
Problemen,
die jede
Regestierung
aufwirft,
wurde die
Arbeit
erschwert
und die
Arbeitszeit
dadurch
bedeutend
verlängert.
Koeppen
selbst
wandte sich
nunmehr
verstärkt
einer
zweiten
Quellengruppe
zu, deren
Bearbeitung
Forstreuter
und ihm
ebenfalls
von der
Archivverwaltung
schon in den
50er Jahren
übertragen
worden war,
nämlich der
reichen
Korrespondenz
der
Ordensleitung
mit ihrem
ständigen
Gesandten,
dem
Generalprokurator
an der
päpstlichen
Kurie in
Rom. Da es
sich hier um
eine
Aktenedition
handelte,
wurde von
vornherein
ein Wechsel
zwischen
Volldrucken,
Regesten und
der für
diese
Edition
charakteristischen
Mischform
angewandt.
Während
Forstreuter
die
schwierigen
Anfänge der
Einrichtung
untersuchte
und die
frühen
Berichte in
einem ersten
Band bis zum
Jahre 1403
vorlegte
(1961),
bearbeitete
Koeppen die
wesentlich
umfangreicheren
Quellen des
frühen 15.
Jahrhunderts.
Von
1960–1971
legte er
zunächst in
drei
Teilbänden
das Material
der
Amtszeiten
von Peter
von Wormditt
und Johann
Tiergart
(1403–1428)
vor, ehe
Forstreuter
und Koeppen
die in
gemeinsamer
Arbeit
entstandenen
beiden
Teilbände
für die
Jahre
1429–1436
noch zu
ihren
Lebzeiten
veröffentlichen
konnten. Die
Arbeit am
Index ist
erst in
jüngster
Zeit als
elektronische
Datei
abgeschlossen
worden.
Diese
Edition
verdankt
ihren guten
Ruf der
ausführlichen
Kommentierung,
die so gut
wie jede
inhaltlich
ergänzende
Nachricht
aus dem
Königsberger
Ordensarchiv
berücksichtigt
und eine
außergewöhnliche
Quellenkenntnis
zeigt.
Koeppens
Arbeiten
zeichnet ein
hoher Grad
an
Zuverlässigkeit
aus.
Seine
Glanzzeit
waren wohl
die 60er
Jahre in
Göttingen,
als er die
Leitung des
Archivs
übernahm,
1965 Erich
Keyser als
Vorsitzenden
der
Historischen
Kommission
für ost- und
westpreußische
Landesforschung
ablöste, die
Ordnungs-
und
Verzeichnungsarbeiten
am „Etats-Ministerium“
vorantrieb
und seine
wissenschaftlichen
Bemühungen
besonders in
die
Prokuratorenberichte
steckte.
Auch
stimmlich
beherrschte
er die
Archivetagen
in der
Merkelstraße
3. Als Chef
galt er den
meisten
damals noch
als streng
und zuweilen
schwierig.
Das hinderte
nicht, daß
er
außerdienstlich
auf seine
Weise das
Leben zu
genießen
verstand.
Bei aller
Strenge
hatte er
auch Sinn
für
Situationskomik,
etwa wenn
die
Regimentsnotel
Herzog
Albrechts
von 1542 bei
einem Diktat
in den Ohren
der
Sekretärin
zum
Regimentstrottel
mutierte.
Angesichts
des
Temperaments,
das er
gerade in
jenem
Jahrzehnt
zeigte,
ahnten wohl
nur wenige
seine
gelegentlich
depressiven
Stimmungen.
Zum
Hintergrund
gehörte, daß
sich seine
junge
Familie, als
er aus der
Kriegsgefangenschaft
zurückkehrte,
inzwischen
anders
orientiert
hatte. Lange
lebte er mit
seiner
verwitweten
Mutter
zusammen.
Wieder
geheiratet
hat er spät
(1972),
vielleicht
zu spät, um
die Keime
seiner
schweren
Erkrankung
noch
abwehren zu
können. 1974
gab er den
Kommissionsvorsitz
auf. Er
erlebte, wie
das Land
Niedersachsen
die
Verwaltungsvereinbarung
mit der
Stiftung
Preußischer
Kulturbesitz
über die
Verwaltung
der
Königsberger
Archivbestände
aus
politischen
Gründen
kündigte,
die
schließlich
nach seinem
Tod nach
Berlin in
das Geheime
Staatsarchiv
Preußischer
Kulturbesitz
geholt
wurden
(1978/79).
Obwohl ein
Sammelband
von
Aufsätzen,
die Koeppens
wissenschaftlicher
und
archivarischen
Tätigkeiten
entsprungen
sind und die
ihn in
seinem
Arbeitsstil
nochmals
hätten
charakterisieren
können,
nicht
zustande
gekommen ist
und ihm
weitere
Arbeiten im
Ruhestand
verwehrt
wurden, wird
er im
Gedächtnis
derer, die
mit ihm
zusammen
gelebt und
gewirkt
haben, und
vor allem
durch seine
geleistete
Arbeit in
Archiv und
Landesgeschichte
des
Preußenlandes
weiterleben.
Lit.:
Nachrufe von
Udo Arnold,
in: Blätter
für deutsche
Landesgeschichte
113 (1977),
S. 484 f. –
Klaus
Conrad, in:
Baltische
Studien NF
63 (1977),
S. 83 f. –
Bernhart
Jähnig, in:
Der Archivar
31 (1978),
Sp. 140–143.
– Kurt
Forstreuter
in:
Altpreußische
Biographie
4, Marburg
1995, S.
1120.
Werke:
Führende
Stralsunder
Ratsfamilien
vom Ausgang
des 13. bis
zum Beginn
des 16.
Jahrhunderts,
Greifswald
1938
(Greifswalder
Abhandlungen
zur
Geschichte
des
Mittelalters;
10). –
Preußisches
Urkundenbuch
3/2–3
(1341–1345),
Marburg
1958–1961. –
Preußisches
Urkundenbuch
4
(1346–1351),
Marburg
1960–1964. –
Die Berichte
der
Generalprokuratoren
des
Deutschen
Ordens an
der Kurie,
Bd. 2: Peter
von Wormditt
(1403–1419),
Göttingen
1960. – Bd.
3/1–2:
Johann
Tiergart
(1419–1428),
Göttingen
1965–1971. –
Kurt
Forstreuter
mit bzw. und
H. K.:
4/1–2:
1429–1436,
Göttingen
1973–1976
(Veröffentlichungen
der
niedersächsischen
Archivverwaltung;
13, 21, 29,
32, 37).
Bild:
Baltische
Studien NF
63 (1977),
S. 83f.
Bernhart
Jähnig