Die Familie
des späteren
österreichischen
Generalstabsoffiziers
und
Bundespräsidenten
stammte aus
Kratzau
(heute:
Chrastava)
in
Nordböhmen
und ist
weitläufig
mit dem
preußischen
Freiheitsdichter
gleichen
Namens
verwandt,
der 1813 im
Gefecht bei
Gadebusch im
Kampf gegen
die
Franzosen
gefallen
ist. Theodor
Körners
Vater war
Berufssoldat
und zur Zeit
seiner
Geburt in
Komorn
stationiert.
Ab 1888
besuchte
Körner die
Militäroberrealschule
der
k. u .k.
österreichisch-ungarischen
Armee in
Mährisch-Weißkirchen
und
anschließend
die
Technische
Militärakademie.
Im Jahre
1900 wurde
Körners
Vater in den
erblichen
Adelsstand
erhoben und
durfte den
Titel
Edler von
Siegringen
führen, der
von diesem
Zeitpunkt an
auch dem
Sohn
zustand.
Nach dem
Abschluss
der
Militärakademie
wurde
Theodor
Körner, der
nunmehr den
Dienstgrad
eines Majors
hatte, für
den
Generalstabsdienst
als geeignet
befunden. Er
war im
Ersten
Weltkrieg
zeitweilig
Generalstabschef
der
Isonzo-Armee,
die sich
durch
besondere
Tapferkeit
auszeichnete.
Im Gegensatz
zu manchen
adligen
Offizieren
der
österreichisch-ungarischen
Armee
pflegte
Körner den
Kontakt zu
den
untergeordneten
Truppenführern
und hatte
stets
Verständnis
für die
Sorgen und
Nöte der
Mannschaften,
auch wenn er
nicht
sämtliche
Mängel zu
beheben
vermochte.
Nach der
militärischen
Niederlage
der
österreichisch-ungarischen
Monarchie im
Ersten
Weltkrieg
beteiligte
er sich am
Aufbau des
Bundesheeres
der jungen
Republik
Österreich,
der die
Siegermächte
verboten
hatten, sich
Deutsch-Österreich
zu nennen.
Er wurde
Leiter der
Präsidialabteilung
des
Staatsamtes
für
Heereswesen.
Es kam
jedoch
ständig zu
scharfen
Gegensätzen
mit den
christlich-sozialen
Wehrministern
der
österreichischen
Regierung,
die ihm
vorwarfen,
den
sozialdemokratischen
Einfluss im
Bundesheer
zu stärken.
Die
Siegermächte
hatten im
Friedensvertrag
von St.
Germain
1919, der am
16. Juli
1920 in
Kraft
getreten
war, der
Republik
Österreich
für ihr Heer
Beschränkungen
auferlegt,
die massive
Eingriffe in
den
Charakter
eines
souveränen
Staates
darstellten
und in
gewisser
Weise
vergleichbar
waren mit
den
militärischen
Beschränkungen
für das
Deutsche
Reich durch
den
Friedensvertrag
von
Versailles.
1923 fällte
der
Heeresinspekteur
Theodor
Körner ein
vernichtendes
Urteil über
das
Bundesheer:
„… was
dann
zurückbleibt
und
Bundesheer
heißt, ist
ein sich für
Paraden und
Ausrückungen
vorbereitender
Verein, der
in der
Tradition
der
Vergangenheit
lebt, sich
Luftschlössern
hingibt und
die
Öffentlichkeit
über die
traurige
Wirklichkeit
hinwegtäuscht.“
Sogar das
konservative
Blatt der
österreichischen
Offiziere,
die zumeist
„legitimistisch“
(habsburgtreu)
gesinnt
waren,
teilte die
Einschätzung
des
Sozialdemokraten
Körner. Die
Österreichische
Wehrzeitung
veröffentlichte
sein
Gutachten in
voller
Länge.
Der
christlich-soziale
Verteidigungsminister
Vaugoin
sorgte
schließlich
dafür, dass
Theodor
Körner 1924
vorzeitig
pensioniert
wurde; der
vorzeitige
Abschied
wurde ihm
durch die
Verleihung
des
Generalsrangs
„versüßt“.
Nach seiner
Entlassung
aus dem
aktiven
Militärdienst
widmete sich
Körner
vorrangig
dem Aufbau
des
Republikanischen
Schutzbundes,
der
paramilitärischen
Wehrorganisation
der
Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei
Österreichs.
Es ist
keineswegs
so, dass
Körner beim
Aufbau
dieser
Bürgerkriegsarmee
nur als
„Berater“
fungiert
hat. Binnen
kurzer Zeit
verstand er
es, auf der
Grundlage
seiner
militärischen
Erfahrungen
aus einem
dilettantischen
sozialistischen
Wehrsportverein
eine
schlagkräftige
und gut
ausgebildete
und
gerüstete
Truppe zu
formieren.
In einer
erst nach
dem Zweiten
Weltkrieg im
Österreichischen
Militärarchiv
aufgefundenen
Akte heißt
es: „Die
Kampfkraft
des
Schutzbundes
war in den
ersten
Jahren
äußerst
gering. Mit
dem Eintritt
des Generals
a.D. Körner
in die
Schutzbundleitung
änderte sich
dies jedoch
mit einem
Schlage. So
wurde die
Disziplin
mit eiserner
Faust
gehoben, die
immer noch
bestehenden
Arbeiterwehren
dem
Schutzbund
eingegliedert,
... und
gleichzeitig
der
Schutzbund
selbst zu
einem – man
kann sagen –
stehenden
Heer –
umgewandelt,
das binnen
weniger Tage
auf
kriegsmäßigen
Stand
gebracht
werden kann.
Allmählich
wurde der
Schutzbund
der
Organisationsform
der k.u.k.
Armee
angepasst.
Auch die
Dienst- und
Kommandosprache
wurde von
der alten
Armee
übernommen
...“
Die
österreichische
Sozialdemokratie
war jedoch
politisch
zerstritten.
Ohne eine
klare
politische
Zielsetzung
vermochte
auch eine
gut
ausgerüstete
und
ausgebildete
Truppe
nichts
auszurichten.
Körner
widersetzte
sich dem
zunehmenden
Radikalisierungsprozess
der
österreichischen
Sozialdemokraten
und beendete
seine
Tätigkeit in
der Leitung
des
Republikanischen
Schutzbundes
im Jahre
1930 wegen
starker
politischer
Differenzen
mit dem
revolutionären
Schutzbundführer
Alexander
Eifler.
Nach dem
missglückten
Schutzbundaufstand
am 12.
Februar 1934
wurde er
kurzfristig
verhaftet,
aber bald
wieder
entlassen,
da man ihn
als
„gemäßigten“
Schutzbundführer
einstufte.
Nachdem
Anschluss
Österreichs
im März 1938
widmete sich
Theodor
Körner
militärwissenschaftlichen
und
militärhistorischen
Studien.
Seine schon
1937
begonnenen
Abhandlungen
über
Clausewitz
verfolgten
vor allem
den Zweck,
der
deutschen
militärischen
Führung die
Gefährlichkeit
eines
Angriffs auf
die
Sowjetunion
deutlich zu
machen.
1943 wurde
Körner auf
Anweisung
des
Reichssicherheitshauptamtes
das Betreten
des
Österreichischen
Militärarchivs
in Wien
verboten.
Diese
Anweisung
stammte von
Ernst
Kaltenbrunner
persönlich.
Damit war
Körner die
Abfassung
weiterer
militärhistorischer
Studien
unmöglich
gemacht
worden. 1944
wurde er im
Zusammenhang
mit dem
misslungenen
Anschlag auf
Adolf Hitler
vom 20. Juli
1944
verhaftet,
jedoch nach
kurzer Zeit
wieder
entlassen.
Man mag
darüber
rätseln,
weshalb
Körner keine
aktive Rolle
in der
österreichischen
Widerstandsbewegung
spielte,
aber sicher
war dem
pensionierten
General und
prononcierten
Sozialisten
klar, dass
er unter der
Beobachtung
der Gestapo
stand und
durch eine
Beteiligung
am aktiven
Widerstand
nur die
Freiheit und
das Leben
seiner
Gesinnungsgenossen
gefährdet
hätte. An
Mut fehlte
es Körner
jedenfalls
nicht, wie
die für den
deutschen
Generalstab
zur Lektüre
vorgesehenen
Clausewitz-Studien
deutlich
beweisen.
Am 17. April
1945, vier
Tage nach
der
Eroberung
Wiens durch
die Rote
Armee, wurde
Theodor
Körner
Bürgermeister
und
Landeshauptmann
von Wien.
Die Stadt
war
kriegszerstört,
litt unter
einem
erheblichen
Flüchtlingsproblem
und war
gezwungen,
die
Anordnungen
der
Besatzungsmächte
auszuführen.
Es war eine
schwierige
Zeit, und
nicht immer
stieß die
Amtsführung
des
Bürgermeisters
auf
Wohlwollen
und
Verständnis,
manchmal
wird sie als
schroff und
restriktiv
bezeichnet.
Körner
wusste
jedoch seine
russischen
Sprachkenntnisse
und seine
schon früher
dokumentierte
freundschaftliche
Einstellung
gegenüber
der
Sowjetunion
auszunutzen,
um vor allem
der
sowjetischen
Besatzungsmacht
Zugeständnisse
zugunsten
der
Bevölkerung
abzuringen.
Allmählich
besserte
sich die
Lage, auch
durch das
geschickte
Verhandeln
und
Taktieren
Theodor
Körners.
Die Sowjets
respektierten
den
ehemaligen
Offizier,
der
gelegentlich
auch
deutliche
Worte
gebrauchte.
1951 hatte
er ein hohes
Maß an
Popularität
bei der
Wiener
Bevölkerung
und in ganz
Österreich
gewonnen. Er
kandidierte
nach dem
Tode von Dr.
Karl Renner
für das Amt
des
Bundespräsidenten
und gewann
die
Stichwahl
gegen den
Kandidaten
der ÖVP,
Heinrich
Gleißner. Da
sein
Vorgänger,
Karl Renner,
auf Wunsch
der
Alliierten
eingesetzt
und erst
nachträglich
durch die
österreichische
Bundesversammlung
bestätigt
worden war,
wurde Körner
der erste
direkt vom
Volk
gewählte
Bundespräsident
Österreichs.
In seine
Amtszeit
fällt die
Unterzeichnung
des
Österreichischen
Staatsvertrages
am 15. Mai
1955.
Nun war der
General, dem
in seinem
Leben so
viele
Kränkungen
zuteil
geworden
waren,
Präsident
einer freien
und
unabhängigen
Republik
Österreich
und
Oberbefehlshaber
des
Österreichischen
Bundesheeres.
Er erlebte
noch die
erste
Bewährungsprobe
für seine
Truppe, die
vorsorgliche
Mobilmachung
anlässlich
des
Ungarn-Aufstandes
im Oktober
1956. Im
Dezember
1956 erlitt
er einen
Schlaganfall,
von dessen
Folgen er
sich nicht
mehr
erholte. Er
starb im Amt
am 4. Januar
1957.
Theodor
Körner ist
in der Gruft
der
Österreichischen
Bundespräsidenten
auf dem
Wiener
Zentralfriedhof
beigesetzt.
Lit.:
Rolf Bauer,
Österreich.
Ein
Jahrtausend
Geschichte
im Herzen
Europas,
München
1970. –
Gustav K.
Bienek, Ein
Leben für
Österreich,
Wien 1953. –
Ilona
Duczynska,
s. Körner,
Theodor. –
Hans
Hautmann/Rudolf
Kropf, Die
österreichische
Arbeiterbewegung
vom Vormärz
bis 1945,
Wien 1974. –
Theodor
Körner,
Denkschrift
über das
Heerwesen
der
Republik,
Wien 1924. –
Theodor
Körner, Auf
Vorposten.
Ausgewählte
Schriften
1928-1938,
hrsg. u.
kommentiert
von Ilona
Duczynska,
Wien 1977. –
Eric C.
Kollmann,
Theodor
Körner.
Militär und
Politik,
Wien 1973. –
Thea
Leitner,
Körner aus
der Nähe,
Wien 1951. –
Thea
Leitner,
Hühnerstall
und
Nobelball,
Wien 2004. –
Otto Naderer,
Der
bewaffnete
Aufstand:
der
Republikanische
Schutzbund
der
österreichischen
Sozialdemokratie
und die
militärische
Vorbereitung
auf den
Bürgerkrieg
(1923-1934),
Graz 2005 =
Diss.
Unversität
Salzburg
2003. – M.
Rauchensteiner,
Krieg in
Österreich
1945, Wien
1970.
Bild:
Theodor
Körner, „Auf
Vorposten“,
Europa-Verlag
Wien 1977.
Johann
Frömel