Hans Kohnert
wuchs in
Bromberg
auf. Nach
seinem
Abitur 1923
am deutschen
Privatgymnasium
erlernte der
spätere
politische
Vertreter
der
deutschen
Minderheit
in Polen auf
zwei Gütern
die
praktische
Landwirtschaft.
1927
leistete er
seine
Dienstpflicht
beim
polnischen
Militär ab.
Danach
absolvierte
er an der
Technischen
Hochschule
in Danzig
ein
agrarwissenschaftliches
Studium, das
er 1930 mit
der Prüfung
als
Diplomlandwirt
abschloß. Er
blieb dort
als
Assistent im
Institut für
landwirtschaftliche
Betriebslehre,
wo er 1931
promoviert
wurde.
Danach
wechselte er
zur
Landwirtschaftlichen
Bank in
Danzig, für
die er als
Sachverständiger
für das
Kreditwesen
und Berater
für
Betriebswirtschaft
in
Pommerellen
und dem
Kulmer Land
tätig wurde.
Der Abschluß
des
deutsch-polnischen
Nichtangriffspaktes
im Jahre
1934 bot die
Voraussetzung
zur Gründung
der
”Deutschen
Vereinigung
für
Westpolen”
(DV). Sie
sollte die
einheitliche
Volkstumsorganisation
für Posen
und
Pommerellen
mit Sitz in
Bromberg
sein. Auf
deren
Gründungsversammlung
am 24. Mai
1935 wurde
der kaum
30jährige
Kohnert zum
Hauptgeschäftsführer
berufen und
schon ein
Jahr später
geschäftsführender
Vorsitzender
der DV. In
seiner
offenen und
geraden Art,
pflichtbewußt
und
einsatzfreudig,
mit einem
ansprechenden
Rednertalent
und
geschickter
Verhandlungsgabe
versehen,
wurde er von
seinen
Landsleuten
verehrt und
von
politischen
Gegnern
geachtet.
Mit großem
Einsatz
widmete er
sich dem
organisatorischen
Aufbau der
DV,
entwickelte
eine reiche
Versammlungstätigkeit
und betrieb
Jugendarbeit.
Nach
Gründung von
280
Ortsgruppen
erreichte er
die
Rekordzahl
von 70.000
Mitgliedern.
Zu den
Aufgaben
seiner
Geschäftsstelle
gehörten
insbesondere
die
Rechtsberatung,
die
Schulabteilung,
die
Erarbeitung
von
Interpellationen
und
Beschwerden.
Mit Vehemenz
vertrat er
die Anliegen
der
bedrängten
Volksgruppe
gegenüber
dem
polnischen
Staat.
Zudem
arbeitete
Kohnert in
dem 1934 vom
Senator
Ervin
Hasbach
gegründeten
”Rat der
Deutschen in
Polen” mit
und
gewährleistete
damit die
Zusammenarbeit
aller
Gruppen der
Deutschen im
damaligen
Polen. Die
Wirkungen
der
polnischen
Entdeutschungspolitik
bereiteten
der
Volksgruppe
erhebliche
Sorgen,
zumal Polen
den
Minderheitenschutzvertrag
einseitig
gekündigt
hatte
(13.9.1934)
und dadurch
der -
wenn auch
schwache -
Rückhalt
durch den
Völkerbund
entfiel. So
konnte
Kohnert nur
noch auf den
diplomatischen
Weg Berlin -
Warschau und
die
internationale
europäische
Minderheitenbewegung
setzen. Er
nahm an
deren
Kongressen
teil und
entwickelte
in Wort und
Schrift
aufgrund
seiner
Erfahrungen
programmatische
Vorschläge
und
Forderungen
und
arbeitete an
Resolutionen
mit.
Da die
Anwendung
des
sogenannten
Grenzzonengesetzes
sich auf den
Besitz und
den Erwerb
von
Grundstücken
durch
Angehörige
der
deutschen
Minderheit
auswirkte
und deren
Lage
zunehmend
verschärfte,
veröffentlichte
Kohnert 1938
eine
Sammlung der
Eingaben der
DV. Das
Grenzzonengesetz
galt in
einem
breiten
Grenzstreifen,
so im
gesamten
“Korridor”
ohne
Bromberg und
Thorn; es
machte
Aufenthalt,
Zuzug und
Grunderwerb,
auch im
Erbfall, von
Genehmigungen
abhängig,
die
vorwiegend
versagt
wurden, und
ermöglichte
Ausweisungen
ohne Angabe
von Gründen.
Die Sammlung
der Eingaben
verdeutlichte
das Ausmaß
der
Bedrückung
und Nöte,
denen die
Deutschen
ausgesetzt
waren. Die
Veröffentlichung
einer
weiteren
Ausgabe im
Februar 1939
wurde durch
Beschlagnahmung
seitens der
polnischen
Behörden
verhindert.
Gleichzeitig
verweigerte
der Starost
Kohnert ein
das
Ausreisevisum.
Die
Verbindung
nach Berlin
sollte
unterbunden
werden.
Vergeblich
ersuchte er
in
Vorsprachen
bei
Repräsentanten
des
polnischen
Staates
angesichts
polnischer
Übergriffe
auf die
Deutschen um
Schutz der
deutschen
Minderheit.
Um nicht von
sich aus zur
Verschärfung
der Lage
beizutragen
und damit
die eigene
Situation
weiter zu
erschweren,
stellten die
DV und die
anderen
Organisationen
ihre ohnehin
eingeschränkte
Arbeit ein.
Als in den
Frühjahrs-
und
Sommermonaten
1939 die
Bedrückung
durch die
polnischen
Behörden in
eine offene
Verfolgung
überging und
eine große
Fluchtbewegung
nach Danzig
und in das
Reich
einsetzte,
blieb
Kohnert
trotz
persönlicher
Gefährdung
bei seinen
Landsleuten
in Bromberg.
Er lehnte
eine Flucht
ab, weil er
befürchtete,
Polen würde
später eine
Rückkehr
nicht
erlauben und
den Besitz
einziehen.
Als am 1.
September
1939 der
verhängnisvolle
Krieg
ausbrach,
wurden er
und tausende
anderer
”verdächtiger”
Deutsche
verhaftet
und unter
drangvollen
Begleitumständen
in das
Innere
Polens
verschleppt.
Vor
Warschau,
bei
Lowitsch,
von
deutschen
Truppen
befreit,
wurde er
durch einen
Unfall
schwer
verletzt und
nach Berlin
überführt.
Der bekannte
Berliner
Chirurg
Professor
Sauerbruch
rettete zwar
sein Leben,
aber ein
Bein war
verloren.
Währenddessen
wurden alle
maßgebenden
Funktionen
in der
Heimat an
NS-Parteigänger
vergeben.
Kohnert
wurde am
Krankenbett
mit dem von
Hitler
verliehenen
Goldenen
Parteiabzeichen
und von
Himmler mit
einem
höheren
SS-Rang
”ehrenhalber”
abgefunden.
Nach
Rückkehr in
die Heimat
wollte sich
Kohnert
jeglicher
politischer
Arbeit
enthalten
und ging zur
Wehrmacht.
Doch die
enttäuschten
Landsleute
setzten
seine
Ernennung
zum
Landesbauernführer
im
Wartheland
durch. Diese
Tätigkeit
übte er bis
zum
Kriegsende
zum Wohle
des Landes
aus, allen
Widerständen
zum Trotz,
auch zum
Wohle des
polnischen
Bevölkerungsteiles.
Nachdem ihn
die
Engländer
nach dem
Kriege in
Haft
genommen
hatten,
wurde er
bald wieder
entlassen,
weil die
Polen auch
in jenen
haßerfüllten
Jahren nicht
seine
Auslieferung
forderten
und weil
bekannt
wurde, daß
Kohnert
Beziehungen
zum
Widerstand,
vor allem
zur Abwehr
(Admiral
Canaris)
unterhalten
und sich in
mehreren
Fällen für
verfolgte
Personen
eingesetzt
hatte.
Im folgenden
wurde
Kohnert zum
Geschäftsführer
des
”Niedersächsischen
Landvolks”
berufen.
Einige Jahre
später
übernahm er
die
Hauptgeschäftsführung
des
”Verbandes
deutscher
Fleischwarenfabriken”
in Bonn. Dem
Ruf seiner
Landsleute
folgend, war
er von 1956
bis 1960
Sprecher der
Landsmannschaft
Westpreußen.
Aus seiner
1932 mit Eda,
geb.
Schlubach,
eingegangenen
Ehe stammen
zwei Töchter
und drei
Söhne.
Kohnert
lebte
zuletzt bei
München, wo
er vor
seinem 67.
Geburtstag
unerwartet
verstarb. Er
trug
Verantwortung
in schwerer
Zeit und
erwies sich
als Kämpfer
für die
deutsche
Minderheit
in Polen.
Quellen
und Lit.:
Angaben
seines
Sohnes Hans
K. –
Westpreußen-Jahrbuch
1990 Bd. 40
S. 68. – Zs.
Kulturwart
Nr. 183/1991
S. 24. –
Altpreußische
Biographie
S. 1408 (mit
Angabe
weiteren
Quellenmaterials).
Bild:
Bidegast-Vereinigung,
Wilhelmshaven.
Hugo Rasmus