Oskar
Kokoschka
gehört, auch
im
internationalen
Ansehen, zu
den
hervorragendsten
Künstlerpersönlichkeiten
des 20.
Jahrhunderts.
Dem Maler
war nie
Theorie,
künstlerische
oder
politische
Ideologie,
modernistische
Ansprüchlichkeit
zu eigen,
wohl aber
ein
individueller,
humanistisch
geprägter,
kompromißloser
Stil, der
viele
zunächst
befremdete,
ja abstieß,
bis sich die
Faszination
seiner
revolutionär
wirkenden,
doch aus
großer
Tradition
kommenden
ästhetischen
Botschaft
durchsetzte.
Aus
Altersweisheit
und der
Kompetenz
des
kritischen
Abstands
schrieb Max
Liebermann
1931 – den
übrigens
Kokoschka
seinerseits
hoch achtete
–:
„Kokoschka
ist der
geborene
Maler!“ Und
in einem
fingierten
„Brief an
einen
Nachahmer“
(Max O. – es
dürftesich
um Max
Oppenheimer
handeln)
formulierte
die
genialische
Else
Lasker-Schüler
(Kokoschka
hat sie wie
eine Reihe
anderer
Künstler-Genossen
für die
Zeitschrift
„Der Sturm“
ihres Gatten
Herwarth
Waiden
porträtiert):
„Kokoschka
ist ein
alter
Meister,
später
geboren, ein
furchtbares
Wunder.“ Der
in Pöchlarn
als Sproß
eines Prager
Goldschmiedegeschlechts
geborene
wird vom
zeitgenössischen
Wien in der
Breite und
Tiefe seiner
Erscheinungen
geprägt –
vom Meister
Gustav Klimt,
den über die
„Secession“
vermittelten
Maßstäben
des
Jugendstils,
den Bildern
van Goghs,
ostasiatischen
Elementen,
der
Pychoanalyse
Sigmund
Freuds. In
der „Wiener
Werkstätte“
findet er
erste
Betätigung.
Erste
dramatische
Versuche und
der
Geniestreich
der
Farblithos
zu seiner
eigenen
Dichtung
„Die
Träumenden
Knaben“
stehen am
Anfang
seines
expressiven
Schaffens.
Er wird von
dem
Architekten
Adolf Loos
gefördert,
dem er wie
dem
Sprachkritiker
und
scharfzüngigen
Moralisten
Karl Kraus
die
bedeutendsten
seiner
frühen
Porträts
widmet,
Werke, denen
man so etwas
wie eine
seelische
Röntgenologie
zuschreiben
kann, ganz
abgesehen
von ihrer
ästhetischen,
farbintensiven
Wirkung. Die
Jahre vor
dem Krieg,
einschließlich
eines
Schweizer
Aufenthalts,
stehen im
Zeichen
einer Reihe
gemalter,
gezeichneter
und
lithographierter
Bildnisse,
die allein
schon
Kokoschkas
Weltruhm
rechtfertigen.
Unter den
Dichtungen
jener Zeit
ist das
unter allen
Begleitumständen
eines
Skandals
uraufgeführte
expressionistische
Drama
„Mörder,
Hoffnung der
Frauen“ die
berühmteste.
Im Jahr 1913
setzt die
ekstatische
und
apokalyptische
Landschaftsmalerei
(„Tre Croci“)
ein. Es
entstehen
die ersten
großen
Lithographiereihen
(„Die
chinesische
Mauer“, zu
Karl Kraus,
„Der
gefesselte
Kolumbus“,
zur eigenen
Dichtung),
1914 folgt
die
„Bachkantate“.
Der Krise
nach der
Trennung von
Alma Mahler,
die er u. a.
in einem
Doppelselbstbildnis
festgehalten
hat, folgt
die lange,
sich
schöpferisch
auswirkende
Krise aus
der
Verwundung,
die der
Kriegsfreiwillige
1915 erlitt
(Kopfschuß
und
Lungenverletzung).
Im Jahr
darauf kommt
es zu
Begegnungen
mit Dichtern
wie Rainer
Maria Rilke
und Hugo von
Hofmannsthal.
Er malt
großartige
Frauenporträts,
u.a. das der
Schriftstellerin
Mechtild
Fürstin von
Lichnowsky,
der Gattin
des
deutschen
Botschafters
in London
bis zum
Kriegsausbruch.
Nach der
Rekonvaleszentenzeit
bleibt
Kokoschka in
Dresden, hat
dort Umgang
mit
bedeutenden
Dichtern
(Hasenclever),
Schauspielerinnen
(Käthe
Richter),
die er
porträtiert.
Während
seiner
Akademieprofessur
von 1919 bis
1924 (er
verläßt die
Schule, um
ganz seinem
Werk zu
leben)
erwachsen
neben
Bildnissen
(darunter
eines der
fulminantesten
Selbstbildnisse)
Dresden- und
Elblandschaften.
In den
folgenden
Jahren ist
er zumeist
unterwegs,
schafft im
Frankreich,
London,
Berlin,
Nordafrika,
Irland,
dazwischen
in der
Pariser
Wohnung,
eine Reihe
von
Städteporträts,
Landschaftsbildern,
Bildnissen,
Figuralem.
1934 folgt
die erste
Emigration
(Kokoschka
wollte mit
Diktaturen,
gleich
welcher Art,
keine
Kompromisse
schließen)
aus Wien
nach der
Väterheimat
Prag, wo er
seine
spätere
Gattin Olda
Palkovská
kennenlernt,
und die in
der nächsten
Emigration
London (1938
bis l952)
fortgesetzte
Reihe der
expressiven
Prager
Stadtlandschaften
malt – ein
danach in
England
entstandenes
Gemälde
heißt „Prague-Nostalgia“
– und sich
besonders in
Wort und
Bild mit dem
Humanisten
und
Pädagogen,
dem
Exulanten
Comenius (Comensky)
beschäftigt.
Er engagiert
sich als
Schreibender,
Maier und
Zeichnender
ebenso für
die
spanischen
Sozialisten
und die
deutschen
Emigranten
wie 1945 für
die
hungernden
Kinder von
Wien – wie
später für
die
Budapester
Freiheitskämpfer
von 1956.
1947 wird er
britischer
Staatsbürger,
übersiedelt
aber nach
Österreich
und in die
Schweiz, wo
er sich bis
zu seinem
Tode in
Villeneuve
am Genfer
See
niederläßt.
Die 1956
gegründete
„Schule des
Sehens“ zog
jeden Sommer
unter seiner
Leitung
künstlerische
Lehrer-Prominenz
und viele,
zumeist
junge
Schüler,
darunter
aber auch
gestandene
Künstler,
auf die
Festung
Hohensalzburg.
Einmonatige
Kurse
erhalten da
den Rang von
Akademie-Jahrgängen.
Kaum
überschaubar
ist das
mittlere und
das
Spätwerk,
auch im
Thematischen.
Breiten Raum
nehmen
Zeichnungen,
Aquarelle,
Lithographiefolgen
ein (z.B.
aus dem
antiken
Bereich,
Früchte
einer
Griechenlandreise,
großformatige
Bilder zur
Olympiade).
Begehrter
sind die
Städteporträts
(Berlin bis
Wien,
Hamburg bis
Stuttgart).
Kokoschka
kann sich
der Aufträge
kaum
erwehren,
das gilt
auch für die
Prominentenporträts
(Bundespräsident
Körner,
Theodor
Heuss,
Konrad
Adenauer,
Max Brauer,
Ludwig
Erhard).
Theodor
Heuss hat
Kokoschka in
den wieder
installierten
Orden „pour
le mérite“
berufen.
Viele
internationale
Auszeichnungen
werden dem
streitbaren,
gegen
Despotie und
gegen
Kunstdiktatur,
gleich
welcher Art,
ankämpfenden
Maler,
Schriftsteller
und
Moralisten
zuteil.
Er gibt
Beispiel und
ist für sich
eine
künstlerische,
geistige und
ethische
Macht. So
bekennen
sich auch
die Künstler
aus seiner
Herkunftslandschaft
und aus dem
ganzen Osten
zu ihm, als
sie ihm 1970
den
Lovis-Corinth-Preis
verleihen.
Er nimmt ihn
zustimmend
an und gibt
die Summe –
wie er es
bei
verschiedenen
Anlässen aus
gleicher
Gesinnung
ähnlich
getan hat –
der Amnesty
International.
Abb.:
Selbstbildnis
1914
(Lithographie)
Ernst
Schremmer