Werner
Kolhörster
war Sohn des
Kaufmanns
Gustav
Kolhörster
und seiner
Frau Berta,
geb. Gärtig.
Wie er
stammte auch
die
Fabrikbesitzerstochter
Editha Minke,
die er 1921
heiratete,
aus
Schwiebus.
Ausbilden
ließ sich
der junge
Student an
den
Universitäten
Berlin,
Marburg und
Halle. In
Halle, wo er
als "Schüler
der
radioaktiven
Schule" von
E. Dorn das
Rüstzeug für
die
einschlägige
Forschung
mitbekam,
erwarb er
1911 den Dr.
phil. mit
der Arbeit
Beiträge
zur Kenntnis
der
radioaktiven
Eigenschaften
des
Karlsbader
Sprudels.
Als Mitglied
des
Halleschen
Aerophysikalischen
Forschungsinstituts
arbeitete er
anschließend
über die
Ionisation
in
geschlossenen
Gefäßen.
Von 1911 bis
1914 war
Kolhörster
Assistent am
Physikalischen
Institut der
Universität
Halle, 1914
siedelte er
in das
Laboratorium
Hans Geigers
an der
Physikalisch-Technischen
Reichsanstalt
(PTR) nach
Berlin-Charlottenburg
um;
begonnenen
Arbeiten
setzte der
Ausbruch des
Weltkrieges
ein Ende.
Bei einer
Militärmission
in
Konstantinopel
von 1916 bis
1918 fand er
Gelegenheit,
luftelektrische
Messungen in
Waniköi am
Bosporus
durchzuführen,
wodurch sein
Interesse an
geophysikalischen
Fragen
geweckt
wurde, die
er sodann
zeitlebens
im Auge
behielt.
Ab 1918
arbeitete
Kolhörster
zunächst als
Physiker
beim
Seeflugzeugversuchskommando
in
Warnemünde.
In der
schweren
Nachkriegszeit
fand er
schließlich
eine Stelle
als
Studienrat
an der
Friedrich-Werderschen
Oberrealschule
und am
Sophien-Realgymnasium
in Berlin.
1922 wurde
er als
"ständiger
Gast" in die
PTR
aufgenommen.
Im Jahre
1928 wurde
Kolhörster
Observator
am
Geophysikalischen
Observatorium
in Potsdam.
1930
richtete ihm
die
Preußische
Akademie der
Wissenschaften
in Potsdam
ein eigenes
Laboratorium
ein, wo sich
der zum
Privatdozenten
der
Geophysik
Arrivierte
sogleich an
die
Entwicklung
moderner
Zählgeräte
machte. 1935
wurde
Kolhörster
Professor in
Berlin und
Direktor des
Instituts
für
Höhenstrahlenforschung
an der
Universität
in
Berlin-Dahlem.
Nach
Beendigung
des Zweiten
Weltkrieges
war
Kolhörster
mit der
Rückführung
des
ausgelagerten
Instituts
nach Berlin
befaßt.
Dabei erlitt
er auf der
Autobahn
zwischen
Frankfurt
und
Darmstadt im
Juni 1946
einen
Unfall, an
dessen
Folgen er
starb.
Wie einige
der Späteren
die
Erscheinung
der
Kernspaltung
faszinierte,
so
bestimmten
die
Entdeckung
der
Radioaktivität
und der
Röntgenstrahlen
in
Kolhörsters
jungen
Jahren und
insbesondere
das Phänomen
der
Höhenstrahlung
bei dessen
Studienabschluß
seinen
Lebensweg.
Th. Wulf
forschte mit
seinem 1907
ersonnenen
Elektroskop
auf dem
Eiffelturm,
1911 wurden
die später
so häufig
eingesetzten
Kernspurplatten
zum
Aufzeichnen
von
Teilchenereignissen
entwickelt,
und der
Wiener
Victor Franz
Hess machte
bei
Ballonaufstiegen
SYMBOL 150
\f "Times
New Roman
CE" im Jahre
1912 bis auf
fünf
Kilometer
SYMBOL 150
\f "Times
New Roman
CE" eine
"stark
durchdringende
ionisierende
Strahlung"
in der
Atmosphäre
aus, die
nicht aus
den
Gesteinen
der Erde,
sondern aus
dem Weltall
kam.
Kolhörster
erweitere
die
Aufstiegshöhe
1913 auf
über sechs
und später
auf zehn
Kilometer
und
bestätigte
die
Hess'sche
Feststellung,
daß die
gemessene
Strahlung zu
einem
verschwindend
kleinen Teil
von der
Sonne kommt
und im
übrigen
eindeutig
extraterrestrischen
Ursprungs
ist. Selbst
unter Wasser
überprüfte
Kolhörster
die
Absorption
der
Höhenstrahlen.
Für seine
Messungen in
den Alpen -
1923
untersuchte
er die
Abnahme
kosmischer
Strahlung in
Gletscherspalten
-, deren
Weiterführung
einigen
Berufskollegen
den
Nobelpreis
einbrachte,
erhielt
Kolhörster
die Silberne
Leibniz-Medaille
der
Preußischen
Akademie der
Wissenschaften.
Gleichfalls
von
entscheidendem
Wert für die
nachfolgende
Forschung
war die
Entwicklung
der
Koinzidenzmethode
durch
Kolhörster
zusammen mit
Walter
Bothe. Mit
ihrer Hilfe
kann man
Höhenstrahlung
aus einer
bestimmten
Richtung zur
Beobachtung
herausfiltern.
Zu
Kolhörsters
Verdiensten
gehören
weiterhin
seine
Beiträge zur
Aufklärung
der
"Luftschauer",
die aus
einer
Höhenstrahlungspartikel
durch
Umwandlungen
entstehen
und sich in
der
Atmosphäre
über
quadratkilometergroße
Flächen
erstrecken.
Sie wurden
während des
Erscheinens
der Nova
Herculis
sowie bei
einem
gewaltigen
magnetischen
Sturm am 1.
März 1943
von
Kolhörster
umfassend
registriert.
Kolhörsters
Zählmethoden
erbrachten
immer
genauere
Ergebnisse,
und immer
umfangreicher
wurden die
Registrierungen
von
Teilchenereignissen,
die er
sowohl in
Potsdam als
auch in
Berlin
durchführte.
Der Krieg
ließ die
Auswertung
all dieser
Daten jedoch
nicht mehr
zu.
Um den Bau
der Materie
im Labor zu
entschlüsseln,
baut man
seit den
fünfziger
Jahren
weltweit
Teilchenbeschleuniger
- die
Energie der
gigantischen
Maschinen
unserer Tage
erreicht
aber gerade
ein
Hundertmillionstel
jener der
kosmischen
Strahlung,
deren
Erforschung
sich
Kolhörster
gewidmet
hatte.
Lit.:
Braunbek,
Werner und
Röttel,
Karl:
Forscher an
den Wurzeln
des Seins,
Düsseldorf -
Wien 1981. -
Leprince-Ringuet
Louis: Les
Rayons
Cosmiques,
Paris 1945.
-
Flügge
Siegfried:
Kolhörster,
in: Neue
Deutsche
Biographie.
- Kolhörster,
Editha: Mein
Leben an der
Seite eines
Wissenschaftlers
und
Forschers,
1977. -
Kürschner:
Gelehrten-Lexikon
1940/41.
Die
Veröffentlichungen
Kolhörsters
(in
Fachzeitschriften)
sind bei
Kürschner
und Flügge
verzeichnet.
Karl Röttel