Zu den
deutschen
Persönlichkeiten,
die die
moderne
Kunst
weitgehend
mitgeprägt
haben und
deren Werke
heute von
beiden
Teilen
Deutschlands
anerkannt
sind, gehört
die
Ostpreußin
Käthe
Kollwitz.
Das ist
keineswegs
so
selbstverständlich,
wenn man
bedenkt, wie
gegensätzlich
sich die
Kunstströmungen
nach dem
Krieg in Ost
und West
entwickelt
haben und
wie die
zeitgenössische
Kunstgeschichte
der
Bundesrepublik
Deutschland
etwa durch
Josef Beuys,
jene der DDR
durch Werner
Tübke
etikettiert
sind. Dabei
stand das
Oeuvre der
vor 120
Jahren
geborenen
Zeichnerin,
Grafikerin
und
Plastikerin
bis zur
Liquidierung
des Dritten
Reiches
wechselvoll
in der Gunst
sowohl der
Offiziellen
wie des
Volkes. Kein
Geringerer
als der
große Adolph
von Menzel,
der Berliner
aus
Schlesien,
schlug die
junge
Künstlerin
1898 für die
Goldene
Medaille der
Großen
Kunstausstellung
Berlin vor,
was
allerdings
von Kaiser
Wilhelm II.,
der ihre
Werke als
„Rinnstein-Kunst“
apostrophierte,
vereitelt
wurde. 1907
weilte Käthe
Kollwitz als
Stipendiatin
des
Villa-Romana-Preises
in Florenz,
1929 erhält
sie den
Orden „Pour
le Mérite“.
Jedoch kurz
nach der
Machtübernahme
durch die
Nationalsozialisten
verliert sie
die Leitung
des
Meisterateliers
für Graphik
an der
Berliner
Akademie,
wird aus der
Preußischen
Akademie der
Wissenschaften
ausgeschlossen,
und 1936
erfolgt das
„inoffizielle
Ausstellungsverbot“.
Einer ihrer
Söhne fiel
als
Kriegsfreiwilliger
schon in den
ersten
Kriegsmonaten
(1914), ihr
Enkel 1942
an der
sowjetischen
Front. Ein
Jahr danach
wird die
Berliner
Wohnung mit
dem
Künstleratelier
von Bomben
zerstört,
ein großer
Teil ihres
Werkes
vernichtet.
Am 22.
April, wenig
Tage vor
Kriegsende,
stirbt die
bedeutende
Künstlerin
in
Moritzburg.
Sie hat ihr
Schicksal
tapfer
ertragen und
sich stets
mit ihrer
Kunst und
mit Rat und
Hilfe für
die
Benachteiligten
und
Bedürftigen
eingesetzt.
Das begann
1893 mit der
Radierfolge
„Ein
Weberaufstand“,
die unter
dem Eindruck
von Gerhart
Hauptmanns
Drama „Die
Weber“ in
Angriff
genommen
wurde. Nicht
zufällig
stand die
Künstlerin
auf der
Seite der
Armen,
obwohl sie
als
Professorin
und durch
ihre Heirat
mit dem Arzt
Dr. Karl
Kollwitz zur
„akademischen
Schicht“
gehörte.
Doch gerade
durch den
Beruf ihres
Mannes,
dessen
Praxis im
Norden
Berlins lag,
lernte sie
Not und
Elend der
Menschen
kennen. Mit
sozialen
Fragen war
sie freilich
schon in
ihrer Jugend
in Berührung
gekommen:
Ihr Vater,
Maurermeister,
hatte die
Stelle eines
Predigers in
der
Freireligiösen
Gemeinde in
Königsberg
bekleidet.
Ihre
zeichnerischen,
plastischen
und
grafischen
Werke
(Radierung,
Holzschnitt,
Litho) sind
dem Menschen
gewidmet,
dem Porträt,
vor allem
aber dem
leidenden
Menschen
(„Deutschlands
Kinder
hungern!“,
Litho,
1924), der
Arbeiterschaft
(„Solidarität“),
den
Trauernden,
dem Tod. Der
Krieg hat
ihr ja
selbst
schmerzliche
Verluste
beschert,
begreiflich,
daß sie in
die Welt
schreit:
„Nie wieder
Krieg!“ Es
sind
eindringliche
Zeichnungen
und Grafiken
von
expressionistisch-realistischer
Ausdrucks
weise. 1932
stellt sie
ihr
„Totenmal“
der
trauernden
Eltern für
ihren
gefallenen
Sohn auf den
Soldatenfriedhof
in
Roggeville
bei
Dixmuinden
auf, das auf
Entwürfe
während der
Jahre im
Ersten
Weltkrieg
zurückgeht;
das von
Ewald Matare
in Stein
nachgebildete
Werk
befindet
sich in der
Ruine von
St. Alban in
Köln und
wurde in
dieser
Gedächtnisstätte
1959 von
Prof.
Theodor
Heuss
eingeweiht.
Ernst
Barlach,
Freund der
Kollwitz,
hat seinem
Schwebenden
Engel in
Bronze
(Güstrow/
Mecklenburg
und Köln)
ihre Züge
verliehen.
Seit zwei
Jahren
befindet
sich in Köln
auch ein
Käthe-Kollwitz-Museum.
Rund 250
Blätter und
15 Plastiken
wurden von
der
Kreissparkasse
Köln
erworben und
der
Öffentlichkeit
zur
Verfügung
gestellt.
Hier und da
werden
kritische
Stimmen
laut, diese
wertvollen
Kunstschätze
gehörten
nicht in ein
Geldinstitut,
sondern in
kommunalen
oder
staatlichen
Besitz. Doch
mit Recht
fragt die
Enkelin der
Künstlerin,
Frau Jördis
Erdmann:
„Wäre es
denn
richtiger,
die Blätter
weitere
Jahre oder
Jahrzehnte
lang in den
Archiven der
einzelnen
Museen zu
verstecken?
Sie nur ein-
bis zweimal
jährlich für
interessierte
Besucher
hervorzuholen?
Wäre das
vielleicht
im Sinne der
Käthe
Kollwitz,
deren
Aussage wohl
vielen
bekannt sein
dürfte: ,ICH
WILL WIRKEN
IN DIESER
ZEIT!“
Lit.:
H.W. Singer,
1908; J.
Sievers, Die
Radierungen
u.
Steindrucke,
1913; A.
Kühn, 1921;
A. Wagner,
die
Radierungen,
Holzschnitte
u.
Lithographien,
1927; Das
K.K.Werk,
1930; W.
Worringer,
1931; F.
Schmalenbach,
1948; Ders.,
1965; A.
Heilborn,
41949;
H. Isenstein,
1949; G.
Strauss,
1951. A.
Klipstein,
1953; B.
Bonus-Jeep,
1963.
Ausst.-Kat.
Handzeichn.
u. Graphik,
Hannover
1967; O.
Nagel,
Handzeichn.
1972;
Ausst.-Kat.
Frankfurt
1973;
Schmalenbach,
F.: K.K.,
Königstein
im Taunus
31979;
K.K.,
Zeichnungen.
Ausstellungskat.
Wallraf-Richartz-Museum,
Köln 1973;
„Käthe-Kollwitz-Sammlung
der
Kreissparkasse
Köln –
Katalog der
Handzeichnungen“,
208 Seiten
mit 112
meist
ganzseitigen
Abbildungen
und einer
ausführlichen
Bibliographie
(auch
autobiografische
Schriften).
Mit Texten
von Dr. H.
J. Möhle,
Dr. E.W.
Kornfeld,
Dr. Jutta
Bohnke,
Prof. Dr. G.
Thiem u.a.,
Köln 1985.
Günther Ott
(1987)