Konrad war
der vierte
Sohn
Hermanns I.
Landgrafen
von
Thüringen.
Der Vater
starb 1217.
Ihm folgte
als Regent
der älteste
Bruder
Konrads,
Ludwig,
Gemahl
Elisabeths
von Ungarn,
ein enger
Parteigänger
Kaiser
Friedrichs
II. Ludwig
wollte mit
dem Kaiser
am Kreuzzug
teilnehmen,
wurde jedoch
1227 von der
Seuche
dahingerafft,
die den
Kaiser den
Kreuzzug
abbrechen
ließ, was
ihm den Bann
des Papstes
einbrachte.
Daraufhin
übernahmen
Konrad und
sein älterer
Bruder
Heinrich
(Raspe) die
Vormundschaft
für ihren
unmündigen
Neffen
Hermann II.,
ab 1231
verwaltete
Konrad den
hessischen
Besitz des
Landgrafenhauses.
Ludwigs
Witwe
Elisabeth
schloß sich
der
franziskanischen
Idee des
besitzlosen
Dienens an
Armen und
Kranken an
und gründete
aus ihrem
Witwengut
ein Hospital
in Marburg,
ein Ergebnis
harter
Auseinandersetzungen
im
landgräflichen
Hause:
Territorialerwerb,
-arrondierung
und
-sicherung,
letztlich
Ausdehnung
weltlicher
Macht in der
noch offenen
thüringisch-sächsisch-hessischen
Grenzsituation,
vertrugen
sich nicht
mit
großzügiger
Unterstützung
Armer aus
landgräflichem
Besitz –
zwei
Extremansichten
trafen
aufeinander.
Der durch
die
Hospitalgründung
geschaffene
Ausgleich
zerbrach
beim Tode
Elisabeths
1231, da sie
ihr
Marburger
Hospital den
Johannitern
übertragen
hatte, die
mit dem
Mainzer
Erzbischof
verbündet
waren, dem
schärfsten
Gegner der
Landgrafen
in jener
Territorialauseinandersetzung.
Hinzu kam
ein
geistliches
Umfeld.
Elisabeth
stand unter
der Leitung
Konrads von
Marburg, der
als
Geistlicher
bemüht und
wegen seiner
Ketzerverfolgung
berüchtigt
war; er
dürfte auch
an der
Erziehung
des jungen
Landgrafen
Konrad
beteiligt
gewesen
sein. Konrad
von Marburg
führte das
Hospital
Elisabeths
weiter und
betrieb ihre
Heiligsprechung,
doch wurde
er 1233
erschlagen.
Damit trat
mitten in
den
kriegerischen
Auseinandersetzungen
der
Thüringer
mit Mainz,
bei der zwei
mainzische
Städte
zerstört
worden
waren, ein
plötzliches
Vakuum für
Marburg ein
und die
Gefahr, daß
die
Johanniter
sich
wirklich
mitten im
thüringischen
Gebiet
festsetzten.
Hinzu kam
die
Kirchenbuße,
der Konrad
von
Thüringen
verfallen
war, da er
bei
Zerstörung
des
mainzischen
Fritzlar
1232 auch
die dortige
Stiftskirche
verwüstet
hatte, sowie
ein Stocken
der
Heiligsprechung
Elisabeths –
eine
insgesamt
für
Thüringen
sehr
nachteilige
Situation.
Hier führte
Konrad von
Thüringen
sein Haus in
geradezu
genialer
Weise aus
der
politischen
Sackgasse.
Bis zu
seiner
Mitbelehnung
durch Kaiser
Friedrich
II. erfahren
wir wenig
über ihn,
doch dann
trug er die
Verwaltung
des
hessischen
Besitzes des
Landgrafenhauses
und damit
auch die
Auseinandersetzungen
mit Mainz.
Zwar kam
1233 ein
Vertrag
zwischen
Thüringen
und Mainz
zustande,
doch bot er
eher ein
Stillhalteabkommen
für kurze
Zeit denn
eine Lösung
der
Probleme;
diese
erfolgte in
Rom. Bei
einem
Aufenthalt
an der Kurie
1234
erwirkte
Landgraf
Konrad im
Juli 1234,
daß Papst
Gregor IX.
das
Marburger
Hospital dem
Deutschen
Orden
übertrug.
Die
Beziehungen
zwischen
Thüringen
und dem
Orden waren
seit Ende
des l2.
Jahrhunderts
sehr gut;
ein
Ministeriale
der
Landgrafen
von
Thüringen,
Hermann von
Salza,
derzeit
Hochmeister
des Ordens,
hatte 1230
Kaiser und
Papst wieder
miteinander
versöhnt;
die
Beziehungen
Thüringens
wie des
Ordens zum
staufischen
Kaiserhaus
waren
bestens –
die Rechnung
ging zu
aller
Zufriedenheit
auf.
Friedrich
II.
bestätigte
ebenfalls
den Übergang
des
Marburger
Hospitals an
den
Deutschen
Orden. Wenig
später
erhielt der
Orden von
den
Landgrafen
zusätzlich
reiche
Schenkungen
in Thüringen
und Hessen,
und am 18.
November
1234 trat
Landgraf
Konrad
selber in
den Orden
ein.
Gleichzeitig
lief das
Heiligsprechungsverfahren
für
Elisabeth
wieder an
und wurde
1235
abgeschlossen.
An der, im
Jahre 1236
erfolgenden
Erhebung der
Gebeine der
neuen
Heiligen
nahm neben
dem
Hochmeister
auch
Friedrich
II. teil:
Das
landgräfliche
Haus stand
auf dem
Gipfel
seines
Ansehens.
Es ist nach
den Motiven
für Konrads
Eintritt in
den Orden
gefragt
worden; die
Zeitgenossen
oder er
selber haben
sie nicht
genannt. Als
Bußleistung
für die
Zerstörung
Fritzlars
auf
päpstlichen
Befehl hieß
es –
letzteres
ist schon zu
Beginn
unseres
Jahrhunderts
mit Recht
abgelehnt
worden.
Fritzlar
spielte
gewiß eine
Rolle, wie
Konrads
Siegel mit
der
Darstellung
des
Paulus-Sturzes
vermuten
läßt, doch
das
dynastische
Moment gab
wohl den
Ausschlag.
Der Deutsche
Orden war in
seinen
ersten vier
Jahrzehnten
auf dem
besten Weg
zu einem
thüringisch-staufischen
Hausorden
(Boockmann).
Nun
verbanden
das
Landgrafenhaus
und der
Orden sich
in der
Person einer
Heiligen und
eines
(stellvertretend)
regierenden
Landgrafen –
für den
Orden ein
erheblicher
Ansehensgewinn,
für den
Landgrafen
Konrad, der
nicht
erbberechtigt
war und
dessen 1222
geborener
Neffe
Hermann II.
bald mündig
und damit
regierend
wurde, die
Möglichkeit
einer weit
über
Thüringen
hinausgreifenden
Karriere.
Das Vorbild
des Grafen
von
Hohenlohe,
der auf
ähnliche
Weise über
die Stiftung
einer
„Hauskommende"
–
Mergentheim
– in den
Orden
gekommen und
nunmehr
Deutschmeister
war, konnte
für den
ranghöchsten
Reichsfürsten
Konrad nur
ermunternd
wirken,
besaß doch
die
thüringische
„Mitgift"
eine
wesentlich
höhere
Bedeutung
für den
Orden.
Von daher
wundert es
eigentlich
kaum, Konrad
von
Thüringen
nach seinem
Ordenseintritt
nicht in
einem
nachgeordneten
Ordensamt zu
sehen, und
die höheren
Ämter –
Großkomtur,
Deutschmeister,
Landmeister
von Preußen
– waren
langfristig
mit
bewährten
Brüdern
besetzt. Die
ursprüngliche
Ernennung
Dietrichs
von
Grüningen,
eines mit
Konrad in
den Orden
getretenen
thüringischen
Ministerialen,
zum
Landmeister
von Livland
1237 macht
es sogar
wahrscheinlich,
daß für
Konrad
bereits
damals das
Hochmeisteramt
vorgesehen
war, das er
wohl im
Sommer 1239
nach dem
Tode
Hermanns von
Salza
antrat.
Dies war ein
Signal
hinsichtlich
der
Staufertreue
des Ordens,
auch nach
dem
päpstlichen
Bannfluch am
Todestag
Hermanns.
Gleichzeitig
setzte
Konrad die
Tradition
der
Ausgleichsbemühungen
zwischen den
obersten
Mächten des
abendländischen
Christentums
fort. Doch
bereits
während
seiner
ersten
Romreise als
Hochmeister
1240 starb
er. Damit
wurde der
Orden
endgültig in
die
Auseinandersetzungen
zwischen
Kaiser und
Papst
hineingerissen,
die in den
vierziger
Jahren auch
im Orden
ihren
Höhepunkt
bis zur
Hochmeisterabsetzung
erreichten.
Gleichzeitig
starb mit
Konrads
Bruder
Heinrich
(Raspe) 1247
das
thüringische
Landgrafenhaus
aus – die
Entwicklung
des
Deutschen
Ordens zum
thüringisch-staufischen
Hausen war
innerhalb
weniger
Jahre jäh
beendet,
auch die
Bedeutung
Marburgs im
Orden – Ort
zweier
Großkapitel
1236 und
1237 – trat
immer mehr
zurück, wenn
es auch ein
gewisses
Ansehen als
Grablege der
hl.
Elisabeth
bis in die
Reformationszeit
behielt. In
der dortigen
Elisabethkirche,
deren
Grundstein
er 1235
mitgelegt
und die er
entscheidend
gefördert
hatte, fand
Konrad von
Thüringen
die letzte
Ruhe. Sein
Grabstein
bietet das
früheste und
auf mehr als
ein
Jahrhundert
einzige
Beispiel
eines
Hochmeisterporträts;
darin folgte
ihm erst
wieder sein
ebenfalls
aus
Reichsfürstenhaus
stammender
Verwandter
und späterer
Nachfolger
Luther von
Braunschweig,
im Dom zu
Königsberg.
Lit.:
Ottomar
Schreiber,
Die
Personal-
und
Amtsdaten
der
Hochmeister...,
in:
Oberländische
Geschichtsblätter
III, 1913;
Hartmut
Boockmann,
Konrad von
Thüringen,
in: Die
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens 1190
bis 1990,
hg. v. Udo
Arnold
(Quellen und
Studien zur
Geschichte
des
Deutschen
Ordens 40),
Marburg
1990.
Udo Arnold