Der
Eichsfelder
Georg Kopp
dankte
seinen Weg
aus einer
Weber-,
Hirten- und
Nachtwächtersfamilie
bis auf den
Stuhl des
Breslauer
Fürstbischofs
und zu
Kardinalswürden
seiner
zielbewußten
Willenskraft,
seinem
taktischen
Geschick und
seinem
preußisch-deutschen
Patriotismus.
Nach dem
Besuch des
Gymnasiums
in
Hildesheim,
dessen
Kosten sich
seine Eltern
hatten vom
Munde
absparen
müssen, und
einem
zweijährigen
Dienst als
hannoverscher
Eisenbahnbeamter
absolvierte
er ein
theologisches
Studium und
empfing 1862
die
Priesterweihe.
Zehn Jahre
später war
er bereits
Domkapitular
und
Generalvikar
des Bistums
Hildesheim.
Die Vakanz
des
Hildesheimer
Bischofsstuhles,
die durch
die
Verweigerung
großer Teile
der
Geistlichkeit
im Gefolge
des Kirche
und Staat
entzweienden
Kulturkampfes
verursacht
worden war,
fand erst
1881 mit
seiner Wahl
ein Ende.
Kopp hatte
sich durch
seine im
Konflikt mit
der
preußischen
Regierung
jeglicher
Schärfe
abgeneigten
Haltung in
Berlin
empfohlen.
Bereits seit
1872 war er
mit Bismarck
in
Verbindung
gewesen. So
wurde er,
seit der
Kanzler den
mißlungenen
Kulturkampf
zu beenden
suchte, zu
seinem
Gewährsmann
und Mittler
zu Papst Leo
XIII., der
ein Ende des
verheerenden
Kampfes
ersehnte und
daher
gleichfalls
verständigungsbereit
war. Damit
geriet Kopp
aber in
einen
Gegensatz zu
den
rheinischen
Bischöfen
und der
Zentrumspartei,
die eine
restlose
Rücknahme
der
Kulturkampfgesetze
erstrebten.
Mit der
Annahme
zweier
sogenannter
Friedensgesetze
durch den
preußischen
Landtag in
den Jahren
1886 und
1887 wurde
jedoch der
von Kopp
empfohlene
Weg des
Kompromisses
zu Ende
gegangen.
Danach
suchten die
Unterlegenen
den
Hildesheimer
„Staatsbischof“,
wie ihn die
Zentrumspresse
nannte,
wenigstens
an der
Besteigung
des
Breslauer
Fürstbischofsstuhles
zu hindern,
den ihm der
Papst aber
schließlich,
mit seinem
Breve vom 9.
August 1887,
in Erfüllung
eines
preußischen
Wunsches und
unter
Zurückweisung
anderslautender
Wahlvorschläge
des
Breslauer
Domkapitels,
zuwandte.
Kopp, der
1884 in den
preußischen
Staatsrat
und 1886 in
das
preußische
Herrenhaus
berufen
worden war,
regierte als
Fürstbischof
von Breslau
die größte
und reichste
Diözese im
Deutschen
Reich. Zu
ihr gehörten
über vier
Millionen
Katholiken,
998
Pfarreien
und
Seelsorgestellen
sowie 1718
Welt- und
Ordensgeistliche.
Da ihr auch
Österreichisch-Schlesien
unterstellt
war, gehörte
Kopp dem
österreichischen
Herrenhaus
und dem
Landtag von
Troppau an.
Er widmete
sich mit
großer
Energie der
Reorganisation
und dem
Ausbau
seines
Bistums. Bis
zu seinem
Tode im
Jahre 1914
entstanden
mehr als 650
Kirchen,
Klöster und
kirchliche
Anstalten.
Ernst nahm
er die
Fürsorge für
die seiner
geistlichen
Verantwortung
unterstellten
Polen:
Hinsichtlich
Oberschlesiens
befürwortete
er den
Gebrauch der
Muttersprache
in Kirche
und
Religionsunterricht,
wie er 1908
ein
antipolnisches
Enteignungsgesetz
bekämpfte.
Daneben
erwies er
sich als ein
tatkräftiger
Freund der
Wissenschaft
und der
Kunst:
Diözesanarchiv
und
Diözesanmuseum
zu Breslau
waren sein
Werk;
zahlreiche
wissenschaftliche
Unternehmungen
hatten in
ihm einen
großzügigen
Förderer. Er
betrieb auch
die
Restaurierung
seiner
römischen
Titelkirche
sowie der
Dome zu
Fulda und zu
Breslau;
dieser trug
seitdem die
spitzen
Turmhelme,
die die
Silhouette
der Stadt
bis 1945
mitprägten.
Mit seiner
Erhebung zum
Kardinal am
14. Januar
1893 hatte
der Weg
Kopps seinen
äußeren
Höhepunkt
erreicht.
Auch die
Tatsache,
daß er seit
1900 die
Fuldaer
Bischofskonferenzen
leitete,
konnte nicht
darüber
hinwegtäuschen,
wie sehr
sein Einfluß
nach
Bismarcks
Abgang
zurückgegangen
war. Sein
kurzsichtiger
Widerstand
gegen eine
interkonfessionelle
christliche
Gewerkschaftsbewegung
fand in der
Kirche nur
wenig
Rückhalt und
kostete ihn
das
Wohlwollen
der
preußischen
Regierung.
Zudem
verdüsterte
eine schwere
Krankheit
die letzten
Jahre seines
Lebens.
Lit.: Norbert Conrads, Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 570ff. Dort
die weitere
Literatur.
Peter Mast