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KOrn,

Arthur

Physiker und Erfinder

* 20.5.1880
Breslau

† 22.12.1945
Jersey (USA)

                                                                             

 

Arthur Korn, Sohn des Sanitätsrates Moritz Korn und dessen Frau Malwine, geb. Schottlaender, begann mit 15 Jahren das Studium der Mathematik und Physik, das ihn von Freiburg i. Br. über Leipzig und Berlin schließlich bis nach Paris führte. Im Anschluß an die Promotion über ein mathematisch-physikalisches Thema 1890 bei C. Neumann in Leipzig habilitierte er sich 1895 an der Technischen Hochschule München für theoretische Physik. Auf die Ideen seiner Lehrer Neumann und H. Poincaré aufbauend und die Arbeiten Bjerknes' weiterführend, entwickelte Korn aus Gesetzmäßigkeiten der Hydrodynamik eine Theorie der Schwerkraft und der elektromagnetischen Erscheinungen, die auch in seinem vielbeachteten Lehrbuch der Potentialtheorie enthalten ist.

Seit 1901 beschäftigte sich Korn mit der elektrooptischen Übermittlung von Photoaufnahmen - und zwar so intensiv, daß er sich genötigt sah, seinen seit 1903 an der Technischen Hochschule München ausgeübten Lehrberuf aufzugeben. Den ersten Höhepunkt seiner technischen Entwicklungen erlebte Korn wohl 1907 bei der Übermittlung von Bildern über weite Strecken in Europa. In diesem Jahr ehrte ihn auch die Académie FranSYMBOL 231 \f "Times New Roman CE"aise mit dem Prix Vaillant für außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre.

Von 1914 bis 1939 lehrte Korn an der Technischen Hochschule in Berlin. Da er jüdischer Abstammung war, verlor er 1939 seine Stellung. Es gelang ihm, über Mexiko in die USA zu flüchten, wo er bis zu seinem Tod 1945 lebte. Korn hatte die für eine akademische Lehrtätigkeit unentbehrliche Gabe der Veranschaulichung auch komplizierter Sachverhalte. Das beweist sein Buch über die Potentialtheorie, zumal es vieles Neue bot.

Korn ist vor allem der ideenreiche Erfinder der Bildübertragung. Bildtelegraphen, z. B. im Geber mit isolierender Zeichnung auf einer Metallfolie, über die ein Pendel glitt, und chemischer Verfärbung von Papier im Empfänger waren schon um die Jahrhundertmitte entwickelt worden. Und bereits 1881 war mit S. Bidwell die Phototelegraphie, also die Übermittlung von Zeichnungen und Nachrichten mit optischer Abtastung, prinzipiell möglich. Mit Selenzellen, die er an einer Strichzeichnung vorbeiführte und die im Takt der empfangenen Lichtstärke ihren Widerstand änderten, wurden schwarze und weiße Punkte in elektrische Stromwerte umgesetzt. Geber und Empfänger waren über eine mechanische Welle gekoppelt. Auch das Prinzip der Abtastführung, in der Hin-Richtung langsam, beim Rücklauf schnell, ist eine Entwicklung aus Bidwells Zeit. Die Verbesserungen Korns lagen unter anderem darin, daß er im Empfänger eine trägheitslos arbeitende Glimmlichtröhre benutzte, die nicht nur auf schwarze und weiße Punkte reagierte, sondern auch Halbtöne nachzeichnete. Geber und Empfänger waren Zylinderwalzen: das auf die Glaszylindertrommel am Sendeort gespannte durchsichtige Bild wurde von außen punktförmig durchleuchtet und im Inneren abgetastet; auf der Trommel des Empfängers in einem dunklen Kasten befand sich Photopapier, das punktweise belichtet wurde. Zum Vorteil gereichten Korn die mittlerweile weit besseren Selenzellen, die er von Giltay in Delft bezog. Später benutzte Korn auch Photozellen.

1904 gelang die Sendung eines Photos von München über Nürnberg zurück nach München. 1906 führte Korn anstelle der Gasentladungslämpchen das Saitengalvanometer ein, dessen schwingende Dreiecksblende einen Lichtspalt mehr oder weniger abdeckte, wodurch nur 10 mA Strom benötigt wurden und so die Übertragungsgeschwindigkeit wesentlich wuchs. Ab 1907 brachte der Daily Mirror regelmäßig in seiner Morgenausgabe Bilder, die man erst am Vorabend aus Paris nach London über eine Freileitung eines Telephonkabels durch den Kanal gedrahtet hatte. 1908 faßte man erstmals in der Kriminalgeschichte anhand eines aus Paris nach England übermittelten Porträts einen lang gesuchten Juwelendieb. 1911 äußerten Korn und sein Mitautor Glatzel noch resigniert, daß bei den langen Übertragungszeiten nie eine Übertragung lebender Bilder möglich sein würde.

1917 kam eine Übertragung nach Konstantinopel zustande, und 1923 wurden erstmals von Rom nach Bar Harbout (USA) nach Korns System drahtlos Bilder übermittelt, ab 1928 bediente sich die deutsche Polizei des Kornschen Verfahrens zur Übermittlung von Fahndungsunterlagen, und wenige Jahre danach gab es Fernsehen mit laufenden Bildern.

1930 erhielt Korn die Ehrendoktorwürde der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau verliehen. In den späteren dreißiger Jahren nahm Korn Kontakt mit der von dem Funkphysiker Dr. Georg Seibt neu gegründeten Fabrik für elektrische und mechanische Apparate in Berlin auf, um an die Weiterentwicklung des Fernsehen zu gehen. Doch die Judenverfolgungen im Deutschland jener Tage setzten diesem Aufbruch ein jähes Ende.

Werke: Lehrbuch der Potentialtheorie, I und II, Berlin 1899, 1901. - (zus. mit B. Glatzel) Handbuch der Phototelegraphie und Teleautographie, Leipzig 1911. - Bildtelegraphie (Sammlung Göschen 873), Berlin, Leipzig 1923. - (zus. mit E. Nesper) Bildrundfunk, Berlin 1926.

Lit.: Bruch, Walter: Die Fernseh-Story. Stuttgart 1969. - Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft Bd. I, 1930, S. 992 f. - Weiher, Sigfrid von: Arthur Korn. In: Neue Deutsche Biographie 12 (1980) 588.

 

                                                                                             Karl Röttel

 

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