Arthur Korn,
Sohn des
Sanitätsrates
Moritz Korn
und dessen
Frau
Malwine,
geb.
Schottlaender,
begann mit
15 Jahren
das Studium
der
Mathematik
und Physik,
das ihn von
Freiburg i.
Br. über
Leipzig und
Berlin
schließlich
bis nach
Paris
führte. Im
Anschluß an
die
Promotion
über ein
mathematisch-physikalisches
Thema 1890
bei C.
Neumann in
Leipzig
habilitierte
er sich 1895
an der
Technischen
Hochschule
München für
theoretische
Physik. Auf
die Ideen
seiner
Lehrer
Neumann und
H. Poincaré
aufbauend
und die
Arbeiten
Bjerknes'
weiterführend,
entwickelte
Korn aus
Gesetzmäßigkeiten
der
Hydrodynamik
eine Theorie
der
Schwerkraft
und der
elektromagnetischen
Erscheinungen,
die auch in
seinem
vielbeachteten
Lehrbuch
der
Potentialtheorie
enthalten
ist.
Seit 1901
beschäftigte
sich Korn
mit der
elektrooptischen
Übermittlung
von
Photoaufnahmen
- und zwar
so intensiv,
daß er sich
genötigt
sah, seinen
seit 1903 an
der
Technischen
Hochschule
München
ausgeübten
Lehrberuf
aufzugeben.
Den ersten
Höhepunkt
seiner
technischen
Entwicklungen
erlebte Korn
wohl 1907
bei der
Übermittlung
von Bildern
über weite
Strecken in
Europa. In
diesem Jahr
ehrte ihn
auch die
Académie
FranSYMBOL
231 \f
"Times New
Roman
CE"aise mit
dem Prix
Vaillant für
außergewöhnliche
Leistungen
auf dem
Gebiet der
Elektrizitätslehre.
Von 1914 bis
1939 lehrte
Korn an der
Technischen
Hochschule
in Berlin.
Da er
jüdischer
Abstammung
war, verlor
er 1939
seine
Stellung. Es
gelang ihm,
über Mexiko
in die USA
zu flüchten,
wo er bis zu
seinem Tod
1945 lebte.
Korn hatte
die für eine
akademische
Lehrtätigkeit
unentbehrliche
Gabe der
Veranschaulichung
auch
komplizierter
Sachverhalte.
Das beweist
sein Buch
über die
Potentialtheorie,
zumal es
vieles Neue
bot.
Korn ist vor
allem der
ideenreiche
Erfinder der
Bildübertragung.
Bildtelegraphen,
z. B. im
Geber mit
isolierender
Zeichnung
auf einer
Metallfolie,
über die ein
Pendel
glitt, und
chemischer
Verfärbung
von Papier
im Empfänger
waren schon
um die
Jahrhundertmitte
entwickelt
worden. Und
bereits 1881
war mit S.
Bidwell die
Phototelegraphie,
also die
Übermittlung
von
Zeichnungen
und
Nachrichten
mit
optischer
Abtastung,
prinzipiell
möglich. Mit
Selenzellen,
die er an
einer
Strichzeichnung
vorbeiführte
und die im
Takt der
empfangenen
Lichtstärke
ihren
Widerstand
änderten,
wurden
schwarze und
weiße Punkte
in
elektrische
Stromwerte
umgesetzt.
Geber und
Empfänger
waren über
eine
mechanische
Welle
gekoppelt.
Auch das
Prinzip der
Abtastführung,
in der
Hin-Richtung
langsam,
beim
Rücklauf
schnell, ist
eine
Entwicklung
aus Bidwells
Zeit. Die
Verbesserungen
Korns lagen
unter
anderem
darin, daß
er im
Empfänger
eine
trägheitslos
arbeitende
Glimmlichtröhre
benutzte,
die nicht
nur auf
schwarze und
weiße Punkte
reagierte,
sondern auch
Halbtöne
nachzeichnete.
Geber und
Empfänger
waren
Zylinderwalzen:
das auf die
Glaszylindertrommel
am Sendeort
gespannte
durchsichtige
Bild wurde
von außen
punktförmig
durchleuchtet
und im
Inneren
abgetastet;
auf der
Trommel des
Empfängers
in einem
dunklen
Kasten
befand sich
Photopapier,
das
punktweise
belichtet
wurde. Zum
Vorteil
gereichten
Korn die
mittlerweile
weit
besseren
Selenzellen,
die er von
Giltay in
Delft bezog.
Später
benutzte
Korn auch
Photozellen.
1904 gelang
die Sendung
eines Photos
von München
über
Nürnberg
zurück nach
München.
1906 führte
Korn
anstelle der
Gasentladungslämpchen
das
Saitengalvanometer
ein, dessen
schwingende
Dreiecksblende
einen
Lichtspalt
mehr oder
weniger
abdeckte,
wodurch nur
10 mA Strom
benötigt
wurden und
so die
Übertragungsgeschwindigkeit
wesentlich
wuchs. Ab
1907 brachte
der Daily
Mirror
regelmäßig
in seiner
Morgenausgabe
Bilder, die
man erst am
Vorabend aus
Paris nach
London über
eine
Freileitung
eines
Telephonkabels
durch den
Kanal
gedrahtet
hatte. 1908
faßte man
erstmals in
der
Kriminalgeschichte
anhand eines
aus Paris
nach England
übermittelten
Porträts
einen lang
gesuchten
Juwelendieb.
1911
äußerten
Korn und
sein
Mitautor
Glatzel noch
resigniert,
daß bei den
langen
Übertragungszeiten
nie eine
Übertragung
lebender
Bilder
möglich sein
würde.
1917 kam
eine
Übertragung
nach
Konstantinopel
zustande,
und 1923
wurden
erstmals von
Rom nach Bar
Harbout
(USA) nach
Korns System
drahtlos
Bilder
übermittelt,
ab 1928
bediente
sich die
deutsche
Polizei des
Kornschen
Verfahrens
zur
Übermittlung
von
Fahndungsunterlagen,
und wenige
Jahre danach
gab es
Fernsehen
mit
laufenden
Bildern.
1930 erhielt
Korn die
Ehrendoktorwürde
der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Breslau
verliehen.
In den
späteren
dreißiger
Jahren nahm
Korn Kontakt
mit der von
dem
Funkphysiker
Dr. Georg
Seibt neu
gegründeten
Fabrik für
elektrische
und
mechanische
Apparate in
Berlin auf,
um an die
Weiterentwicklung
des
Fernsehen zu
gehen. Doch
die
Judenverfolgungen
im
Deutschland
jener Tage
setzten
diesem
Aufbruch ein
jähes Ende.
Werke:
Lehrbuch der
Potentialtheorie,
I und II,
Berlin 1899,
1901. -
(zus. mit B.
Glatzel)
Handbuch der
Phototelegraphie
und
Teleautographie,
Leipzig
1911. -
Bildtelegraphie
(Sammlung
Göschen
873),
Berlin,
Leipzig
1923. -
(zus. mit E.
Nesper)
Bildrundfunk,
Berlin 1926.
Lit.:
Bruch,
Walter: Die
Fernseh-Story.
Stuttgart
1969. -
Reichshandbuch
der
Deutschen
Gesellschaft
Bd. I, 1930,
S. 992 f. -
Weiher,
Sigfrid von:
Arthur Korn.
In: Neue
Deutsche
Biographie
12 (1980)
588.
Karl Röttel