Sehr viele
Menschen
dürften
schon Musik
von Erich
Wolfgang
Korngold
gehört
haben, ohne
dass ihnen
indessen der
Name oder
gar der
Lebensweg
des
Komponisten
bekannt
wären. Wer
achtet schon
im Abspann
der auch
heute noch
vielfach im
Fernsehen
wiederholten
Hollywood-Filme
aus den
1930er und
1940er Jahre
auf den
Schöpfer der
jeweiligen
Filmmusik?
Korngold hat
seit 1935
für mehr als
20 große
Produktionen
der
amerikanischen
Traumfabrik
die
zugehörige
Szenenmusik
geschrieben.
Zwei Mal
erhielt er
dafür einen
Academy
Award (Oscar)
(für
Anthony
Adverse,
1936, und
The
Adventures
of Robin
Hood,
1938).
Die
Tätigkeit
als
Filmkomponist
gehörte
allerdings
gewissermaßen
schon zu
Korngolds
zweitem
Leben. Als
er 1934
erstmals in
die USA kam,
war er
längst ein
weltbekannter
Komponist.
Nicht von
ungefähr
bezeichnete
ihn ein
Biograph als
„das
letzte
Wunderkind“.
Als Korngold
13 Jahre alt
war, wurde
erstmals ein
Werk von ihm
an der
Wiener
Hofoper
aufgeführt (Der
Schneemann,
1910). Durch
seine
familiäre
Herkunft kam
er schon in
jüngsten
Jahren in
enge
Berührung
mit der
Musik, seit
1905 schuf
er erste
eigene
Kompositionen.
Sein Vater,
Julius
Korngold,
war
promovierter
Jurist,
hatte aber
nebenher am
Wiener
Konservatorium
Musiktheorie
studiert. In
seiner
Heimatstadt
Brünn war
Julius
Korngold
zusätzlich
zu seinem
juristischen
Hauptberuf
als
Musikkritiker
der
örtlichen
Presse
tätig. 1901
übernahm er
als
Nachfolger
des
gefürchteten
Eduard
Hanslick die
Musikkritik
bei der
Wiener
Neuen Freien
Presse
und wurde
damit eine
ungemein
einflussreiche
Persönlichkeit
in einer der
wichtigsten
Musikmetropolen
Europas.
Die
phänomenale
Begabung von
Julius
Korngolds
Sohn Erich
Wolfgang
offenbarte
sich
frühzeitig.
Nach erstem
Klavierunterricht
noch im
Vorschulalter
empfahl
Gustav
Mahler,
damals k.u.k.
Hofoperndirektor,
Alexander
von
Zemlinsky
als
musikalischen
Mentor des
„Wunderkindes“.
Zemlinsky
war bereits
ein
arrivierter
Komponist
und hatte
zuvor schon
Arnold
Schönberg
unterrichtet.
Mit
Zemlinskys
Hilfe kam
auch 1910
Korngolds
musikalische
Pantomime
Der
Schneemann
an der
Hofoper
heraus.
Seither
machte der
junge
Komponist
eine steile
Karriere und
arbeitete
mit den
bedeutendsten
Musikern
seiner Zeit
zusammen.
Seine ersten
beiden
einaktigen
Opern wurden
mit großem
Erfolg 1916
durch Bruno
Walter in
München
uraufgeführt.
Seine
zwischenzeitliche
Einberufung
zum
Kriegsdienst
(1917/18)
hinderte
Korngold
nicht am
Komponieren,
denn er
wurde bei
der
Militärmusik
eingesetzt.
Zuvor noch
hatte er in
Wien als
Dirigent
debütiert.
Somit konnte
er als
22-Jähriger
1919 eine
Stelle als
Musikdirektor
an der
Hamburger
Oper
antreten. Im
Folgejahr
brachte er
dort sein
erfolgreichstes
Werk heraus,
nämlich die
Oper Die
tote Stadt,
zu der sein
Vater das
Libretto
beigesteuert
hatte.
Die tote
Stadt
wurde in den
folgenden
Jahren von
mehr als 80
Opernbühnen
weltweit
übernommen.
Um die Mitte
der 1920er
Jahre stand
Korngold
bereits im
Zenit seines
Ruhms als
Komponist
und
arbeitete
abwechselnd
als Dirigent
in Hamburg
und Wien.
Seine
folgenden
Bühnenwerke
konnten
allerdings
den Erfolg
von Die
tote Stadt
nicht mehr
erreichen.
Besonders
folgenreich
war für
Korngold die
Zusammenarbeit
mit Max
Reinhardt,
der ihn
erstmals
1929 für
eine
Berliner
Inszenierung
von Die
Fledermaus
engagierte.
Reinhardt
war es
nämlich
auch, der
Korngold
1934 zum
ersten Mal
in die
Vereinigten
Staaten von
Amerika
holte, um
die
Mendelssohnsche
Musik zu
seiner
Inszenierung
von
Shakespeares
Ein
Sommernachtstraum
zu
arrangieren.
Nach diesen
ersten
Erfahrungen
in den USA
erhielt
Korngold
bereits im
folgenden
Jahr einen
Exklusivvertrag
von Warner
Bros., einem
der
mächtigsten
Filmkonzerne
Hollywoods.
Warner Bros.
hatte 1927
den ersten
abendfüllenden
Tonfilm
produziert
und
verpflichtete
nun als
erstes
Großstudio
mit Korngold
einen
Komponisten,
der im
Bereich der
„ernsten
Musik“
bereits
weltbekannt
war. Dieser
hatte jedoch
trotz seiner
intensiven
Zusammenarbeit
mit der
Filmindustrie
– bis 1938
komponierte
er acht
Filmmusiken
– keineswegs
vor, sich
ständig in
den USA
niederzulassen.
Korngold war
weiterhin
auch in
Europa, vor
allem in
Österreich
tätig. Der
Weg nach
Deutschland
war ihm
freilich
nach der
Installierung
des
NS-Regimes
aufgrund
seiner
jüdischen
Abstammung
verschlossen.
Dauerhaft
zur
Emigration
gezwungen
wurde
Korngold
erst infolge
des
„Anschlusses“
Österreichs
an den
NS-Staat im
März 1938.
Die erste
Filmmusik,
die er als
Emigrant in
Hollywood
herausbrachte,
trug ihm
indessen den
zweiten
Oscar
ein.
Korngold
avancierte
rasch zum
„unbestrittenen
Star unter
den
Filmkomponisten“,
wie ihn eine
jüngere
Untersuchung
apostrophierte.
Aufgrund
seiner
einträglichen
Beschäftigung
bei Warner
Bros. ging
es Korngold
im
Unterschied
zur großen
Mehrzahl der
anderen
Exilierten
in den
folgenden
Jahren
materiell
gut. Er
nutzte dies
vielfach zur
Unterstützung
weniger
begünstigter
Schicksalsgenossen.
Im Jahre
1943 erhielt
er die
US-Staatsbürgerschaft.
Nach dem
Ende des
Zweiten
Weltkrieges
versuchte
Korngold,
sich von der
Filmmusik zu
lösen und
sich wieder
ganz der
„ernsten
Musik“
zuzuwenden.
Außerdem
plante er
frühzeitig
eine
Rückkehr
nach Europa,
die
allerdings
erst 1949
zustande
kam. Die
Wiederkehr
nach
Österreich
geriet
jedoch zur
Enttäuschung,
obwohl kein
Geringerer
als Wilhelm
Furtwängler
mit den
Wiener
Philharmonikern
Korngolds
neue
Symphonische
Serenade,
op. 39,
zur
Uraufführung
brachte.
Auch später
konnte er
nicht mehr
an seine
früheren
Erfolge
anknüpfen.
Desillusioniert
kehrte
Korngold
nach
Hollywood
zurück.
Vorübergehend
noch einmal
als
Filmkomponist
tätig, schuf
Korngold mit
der
Symphonie,
op. 40,
sein letztes
großes
Orchesterwerk.
Es war
zugleich mit
einem
politischen
Bekenntnis
verbunden,
denn er
widmete es
dem Andenken
des 1945
verstorbenen
US-Präsidenten
Franklin D.
Roosevelt,
der die USA
in den
crusade for
democracy
gegen Japan
und
NS-Deutschland
geführt
hatte.
Der schon
längere Zeit
herzleidende
Korngold
erlitt 1955
einen ersten
Schlaganfall,
von dem er
sich nicht
mehr
vollständig
erholte. Er
starb am 29.
November
1957, wenige
Monate nach
seinem 60.
Geburtstag
in
Hollywood.
Erich
Wolfgang
Korngold war
eine der
bedeutendsten
Komponistenpersönlichkeiten
des 20.
Jahrhunderts.
Schönbergs
Wendung zur
atonalen
Musik hat er
jedoch nie
mitvollzogen,
ja sie
entschieden
abgelehnt.
Er hat
wesentlich
dazu
beigetragen,
die
symphonische
Filmmusik zu
einer
ernstzunehmenden
Kunstgattung
zu machen.
Nach seinem
Tod längere
Zeit mehr
oder weniger
vergessen,
erlebt sein
Werk
neuerdings
eine
bemerkenswerte
Renaissance.
Lit.:
Brendan G.
Caroll, The
Last
Prodigy.
A
Biography of
Erich
Wolfgang
Korngold,
Portland/Oregon
1997. – Die
Korngolds in
Wien. Der
Musikkritiker
und das
Wunderkind.
Aufzeichnungen
von Julius
Korngold,
Zürich, St.
Gallen 1991
(mit
umfassendem
Werkverzeichnis
von E. W.
K.). –
Jessica
Duchen,
Erich
Wolfgang
Korngold
(20th
Century
Composers),
London 1996.
– Albrecht
Dümling,
Zwischen
Außenseiterstatus
und
Integration.
Musiker-Exil
an der
US-amerikanischen
Westküste,
in:
Hanns-Werner
Heister u.a.
(Hrsg.),
Musik im
Exil. Folgen
des Nazismus
für die
internationale
Musikkultur,
Frankfurt/M.
1993, S.
311-337. –
International
Biographical
Dictionary
of Central
European
Emigrés
1933-1945,
Vol. II,
Part 1, eds.
Herbert A.
Strauss,
Werner
Röder,
München u.a.
1983, S.
652. – Neue
Deutsche
Biographie,
hrsg. v.
Walter Killy
u. Rudolf
Vierhaus,
Bd. 6,
München
1997, S. 46.
– Helmut
Pöllmann,
Erich
Wolfgang
Korngold.
Aspekte
seines
Schaffens,
Mainz u.a.
1998. –
zahlreiche
Musiklexika.
–
www.korngold-society.org.
Bild:
Kulturstiftung.
Winfrid
Halder