In dem
1782
gegründeten
deutschen
Dorf
Ruda
Bugaj
bei
Alexandrow
– unweit
von Lodz
–
geboren,
war
Eugen
Oskar
Kossmann
schon
von
seinem
Elternhaus
und der
Dorfgemeinschaft
her mit
der
Siedlungsgeschichte
der
deutschen
Einwanderer
in Polen
eng
verbunden.
Sein
Vater
Leo
Kossmann
war im
Jahre
1908 als
Lehrer
einem
Ruf nach
Lodz
gefolgt,
als hier
die
ersten
städtischen
deutschen
Schulen
eingerichtet
wurden.
Bis zum
Zweiten
Weltkrieg
erfüllte
Leo
Kossmann
als
Rektor
einer
deutschen
Volksschule
in Lodz
mit
Besonnenheit
und
Umsicht
die
verdienstvolle
Aufgabe
der
Erziehung
deutscher
Kinder
in
polnischen
Land.
Eugen
Otto
Kossmanns
Lebensweg
war bis
zum
Jahre
1914
durch
die
russische,
von 1915
bis 1918
durch
die
deutsche
und
danach
durch
die
polnische
Verwaltung
in allen
Phasen
seiner
Entwicklung
als
Knabe,
Student
und
junger
Wissenschaftler
schicksalshaft
geprägt.
Insbesondere
bestimmten
Kossmanns
Wesen
eine
zurückhaltend
geübte,
aber
feste
Verankerung
im
deutschen
Volkstum
wie auch
das
Wissen
um die
Grenzen
deutschen
nationalen
Lebens
und
Wollens
in
Polen.
Zu dem
vom
Elternhaus
vorgezeichneten
Bildungsweg
gesellte
sich ein
in
späterer
Zeit
hervorgetretenes
Bemühen
Kossmanns,
es nicht
bei der
Erforschung
deutschen
Lebens
in Polen
bewenden
zu
lassen,
sondern
auch der
polnischen
Wissenschaft
durch
eigene
Forschung
im
Bereich
des
Landes
zu
dienen.
Nach dem
bestandenen
Abitur
am
Lodzer
Deutschen
Gymnasium
1922
studierte
Kossmann
Geschichte
und
Geographie
an den
Universitäten
Tübingen,
Krakau,
Warschau
und
Wien.
Mit
seiner
an der
Universität
Krakau
eingereichten
Dissertation
„Geographie
der
Stadt
Lodz“ (Geografia
miasta
Łodzi)
promovierte
er im
Jahre
1932.
Einen
Höhepunkt
in der
bis
dahin
unproblematischen
Entwicklung
der fast
gleichermaßen
in der
deutschen
wie in
der
polnischen
Sprache
schreibenden
Wissenschaftlers
bedeutete
für
Kossmann
die
Anstellung
als
Geographielehrer
am
Lodzer
Deutschen
Gymnasium
im Jahre
1928.
Doch
jetzt
geriet
er
zwischen
die
durch
Zwangsmaßnahmen
polnischer
Stellen
gegen
deutsche
Einrichtungen
entstandenen
politischen
Mühlsteine.
Zusammen
mit vier
anderen
Lehrern
des
Gymnasiums
wurde
ihm die
Lehrerlaubnis
entzogen.
Als
Grund
wurde
sein
Studium
an
deutschen
Universitäten
angegeben.
Damit
hatte
Kossmann
die
Existenzgrundlage
in Polen
verloren.
Er
siedelte
nach
Deutschland
über.
Schon
seit
Mitte
der 20er
Jahre
trat der
junge
Forscher
mit
zahlreichen
Veröffentlichungen
zur
Geschichte
der
Fabrikstadt
Lodz und
ihrer
Einwohner
hervor.
Auch
beschäftigte
ihn
schon
damals
die
Frage
nach der
Heimat
im
allgemeinen,
die er
u.a. in
Aufsätzen
in der
Lodzer
„Freien
Presse“
im April
1928
behandelte.
Neuland
auf dem
Gebiet
der
deutschen
Siedlungsforschung
in Polen
betrat
Kossmann,
als er
die
Eigenarten
der in
Polen
seßhaft
gewordenen
Stammesgruppen
aufspürte
und
dabei
auch
bisher
nicht
bekannt
gewordene
Gruppen,
so die
hessischen
Siedler
bei
Lodz,
entdeckte.
Wie kein
anderer
deutscher
Geschichtsforscher
aus
Mittelpolen,
war der
aus dem
Lodzer
Raum
stammende
Historiker
und
Geograph
prädestiniert,
die im
19.
Jahrhundert
so
besonders
geprägten
Mittelpolen,
aber
auch das
sich
daraus
ergebende
Zusammenleben
von
Deutschen
und
Polen
darzustellen.
Daß
Kossmann
zudem
die
Geschichte
des
Landes
unter
dem
Aspekt
seines
Studienfaches
als
Geograph
untersuchte,
erhöht
die
Bedeutung
seiner
Arbeit
besonders.
Seine
siedlungsgeschichtlichen
Forschungen
dehnte
Kossmann
bald
über den
Lodzer
Raum
hinaus
auf das
ganze
Gebiet
Mittelpolens
aus.
Zunächst
behandelte
er im
Jahre
1935 in
einem in
der
„Deutschen
wissenschaftlichen
Zeitschrift
für
Polen“
abgedruckten
Beitrag
den
Siedlungsgang
im
Lodzer
Urwald.
1938
erschien
bei S.
Hirzel
in
Leipzig
in der
Reihe
der
Ostdeutschen
Forschungen
das
grundlegende
Werk
„Die
deutschrechtliche
Siedlung
in
Polen,
dargestellt
am
Lodzer
Raum“.
Bereits
in den
20er
Jahren
trat
Kossmann
mit
Aufsätzen
auch in
der
polnischen
Fachliteratur
hervor.
Die
Zeitschrift
„Czasopismo
Przyrodnicze“
(Naturkundliche
Zeitschrift)
in Lodz
brachte
in den
Jahren
1929 bis
1934 in
großer
Zahl
seiner
Beiträge,
u.a.
über die
Bebauung
der
Stadt
Lodz in
landeskundlicher
Hinsicht,
geographische
Skizzen
der
Umgebung
von
Lodz,
über
geographische
Ursachen
der
Entstehung
der
Textilindustrie
in Lodz.
1926
legte
Kossmann
im
Geographischen
Institut
der
Universität
Warschau
eine
Arbeit
zur
Entstehung
der
Lodzer
Textilindustrie
vor.
Weitere
Autographien
in
polnischer
Sprache
in jener
Zeit
waren
u.a. die
Karte „Łódź-Stara
Wieś,
Widzew,
Zarzew i
Wólka“
im Jahre
1929 und
die
Broschüre
„Śladami
dawnej
Łódźi“
(Auf den
Spuren
des
alten
Lodz)
1934.
Gleichzeitig
mit
diesen
polnischen
Aufsätzen
veröffentlichte
Kossmann
aber
auch
siedlungsgeographische
Aufsätze
in den
Zeitschriften
der
„Historischen
Gesellschaft
für
Posen“,
bei
deren
Jubiläumstagung
im Mai
1935 er
einen
viel
beachteten
Vortrag
hielt.
Es war
die Zeit
der
deutsch-polnischen
Annäherung.
Reichsdeutsche
Gäste
konnten
in
größerer
Zahl an
der
Posener
Tagung
teilnehmen,
so daß
Kossmanns
Arbeiten
auch in
Berlin
bekannt
wurden.
Die
Folge
war, daß
er 1936
zunächst
Stipendiat
der
„Nord-
und
Ostdeutschen
Forschungsgemeinschaft“
in
Berlin,
dann
fester
Mitarbeiter
der
Publikationsstelle
beim
Preußischen
Staatsarchiv
wurde,
die in
engem
Kontakt
zur NOFG
stand.
Dieser
Zeit
entstammen
neben
seinem
ersten
großen
Buch
„Die
deutschrechtliche
Siedlung
in
Polen,
dargestellt
am
Lodzer
Raum“
(Leipzig
1938)
zahlreiche
siedlungs-geographische
Aufsätze
in den
Zeitschriften
„Jomburg“
und
„Deutsches
Archiv
für
Landes-
und
Volksforschung“,
durchweg
zur
Siedlungsgeschichte
der
Deutschen
in Polen
und zu
deren
geographischen
Vorbedingungen.
Die
ganze
Kriegszeit
über war
Kossmann,
den ein
gütiges
Schicksal
vor
Wehrdienst
und
Gefangenschaft
bewahrte,
als im
Stillen
wirkender
Mitarbeiter
der
Publikationsstelle
sozusagen
der
ruhende
Pol in
der
wirren
Zeit.
Mit
Bibliothek
und
Archiv
der
Publikationsstelle
wurde
Kossmann
aus
Berlin
evakuiert,
die
abenteuerliche
Odyssee
endete
schließlich
in
Coburg.
Kossmanns
Sprach-
und
Sachkenntnisse
ermöglichten
ihm sehr
bald
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
eine
Mitarbeit
im
Stuttgarter
„Büro
für
Friedensfragen“,
der
Keimzelle
des
Auswärtigen
Amtes,
in das
er 1949
eintrat.
Zwanzig
Jahre
war er
nun im
diplomatischen
Dienst,
zunächst
in der
Ostabteilung
in Bonn,
dann in
Kopenhagen,
Wien und
seit
1964 in
Paris.
Auch in
dieser
Zeit
diplomatischer
Beanspruchung
entstanden
weitere
Arbeiten,
deren
Thematik
sich nun
zunehmend
von Lodz
und der
deutschen
Siedlung
löste.
Sein
besonderes
Augenmerk
widmete
Kossmann
zunächst
dem
Zustand
Europas
in
seiner
Gesamtheit:
„Warum
ist
Europa
so? –
Eine
Deutung
aus Raum
und
Zeit“
(Stuttgart
1950)
war ein
großer
Wurf,
der
leider
in der
damals
noch
kaum
organisierten
deutschen
wissenschaftlichen
Welt zu
wenig
beachtet
wurde.
Doch
schon
bald
wandte
er sich
wieder
seinen
alten
Themen
zu. In
dem 1966
erschienenen
Buch
„Lodz –
eine
historisch-geographische
Analyse“
faßte
Kossmann
früher
erarbeitetes
Material
zu einer
historisch-geographischen
Untersuchung
der
Entstehung
und
Entwicklung
dieser
von
deutschen
Einwanderern
so
entscheidend
geprägten
Stadt
zusammen.
Früher
erschienene
Zeitungsaufsätze
des
Forschers
wurden
in einem
Lodzer
Heimatbuch
abgedruckt.
Zur
polnischen
Sozialgeschichte
des
Mittelalters
und der
Ausdeutung
verschiedener
sozialgeschichtlicher
Begriffe
sind von
Kossmann
zwei
bedeutende
Werke
erschienen:
„Polen
im
Mittelalter.
Beiträge
zur
Sozial-
und
Verfassungsgeschichte“
(Marburg
1971)
und
„Polen
im
Mittelalter.
Staat,
Gesellschaft,
Wirtschaft
im
Bannkreis
des
Westens“
(Marburg
1985).
Außerdem
ist
Kossmann,
angeregt
durch
den Fund
verloren
geglaubter
Abschriften
aus
Warschauer
Archiven,
auch in
der
Forschung
zu
seinem
alten
Thema,
der
deutschen
Siedlung
in
Polen,
zurückgekehrt,
gelegentlich
auch
über
Mittelpolen
hinausgreifend.
Ergebnis
dieser
Arbeiten
ist das
dritte
große
Buch:
„Die
Deutschen
in Polen
seit der
Reformation.
Historisch-geographische
Skizzen“
(Marburg
1978).
Dr.
Eugen
Kossmann
war
nicht
nur der
hervorragende
und
verdienstvolle
Forscher
auf dem
Gebiet
der
deutschen
Siedlungsgeschichte
in
Mittelpolen.
In
gleichem
Maße hat
er sich
mit
wissenschaftlichen
Erkenntnissen
um
Fragen
der
Landeskunde
Mittelpolens
verdient
gemacht.
Werke:
(Auswahl):
Śladami
dawnej
Łodzi
(Auf den
Spuren
des
alten
Lodz),
1934. –
Die
deutschrechtliche
Siedlung
in
Mittelpolen.
Dargestellt
am
Lodzer
Raum,
1938. –
Die
Anfänge
des
Deutschtums
im
Litzmannstädter
Raum.
Hauländer
und
Schwabensiedlungen
im
östlichen
Wartheland,
1942. –
Warum
ist
Europa
so? Eine
Deutung
aus Raum
und
Zeit,
1950. –
Lodz –
eine
historisch-geographische
Analyse,
1966. –
Ein
Lodzer
Heimatbuch.
Geschichte
und
Geschichten
aus
Stadt
und
Land,
1967/1995.
– Polen
im
Mittelalter.
Beiträge
zur
Sozial-
und
Verfassungsgeschichte,
1971. –
Die
Deutschen
in Polen
seit der
Reformation.
Historisch-geographische
Skizzen.
Siedlung,
Sozialstruktur,
Wirtschaft,
1978. –
Polen im
Mittelalter.
Staat,
Gesellschaft,
Wirtschaft
im
Bannkreis
des
Westens,
1985. –
Deutsche
mitten
in
Polen.
Unsere
Vorfahren
am
Webstuhl
der
Geschichte,
1985. –
Es
begann
in
Polen.
Erinnerungen
eines
Diplomaten
und
Ostforschers,
1995. –
Deutsche
in
Polen.
Siedlungsurkunden
16.-19.
Jahrhundert,
1996. –
Das
Ostdeutsche
Jahrtausend,
1997. –
Das neue
Polen.
Seine
Wirtschaft
nach dem
I. und
II.
Weltkrieg,
1997.
Bild:
Archiv
der
Deutschen
aus
Mittelpolen
und
Wolhynien
Edmund
Effenberger