Sieht man
von wenigen
Ausnahmen ab
(Franz Bornmüller:
Biographisches
Schriftsteller-Lexikon
der
Gegenwart,
Leipzig,
1882), dann
ist die
literarische
Tätigkeit
Wilhelms von
Kotzebue im
deutschen
Sprachgebiet
wenig
bekannt,
obwohl der
Sohn des
berüchtigteren
Vaters
(August von
Kotzebue,
1762-1819)
oft genug in
Periodika
und in
Buchausgaben
zu lesen
war.
Demgegenüber
ist die
numerische
und
qualitative
Rezeption
seines
Schaffens in
Rumänien
erstaunlich.
Persönlichkeiten
von Rang (Titu
Maiorescu,
Nicolae
Iorga,
Nicolae
Cartojan)
analysierten
die Werke
von
Kotzebue,
und für den
Germanisten
Patrascanu
ist der
deutsche
Estländer
sogar ein
„Tacitus
Rumäniens“.
In der
Literaturwissenschaft
hat man auch
in
Deutschland
immer wieder
Wilhelm von
Kotzebue
Beachtung
geschenkt
(zuletzt
Schroeder,
1971, und
Heitmann,
1986). Dabei
wurde vor
allem seine
Vermittlerrolle
zwischen der
deutschen
und der
rumänischen
Kultur
hervorgehoben.
Wie sein
älterer
Bruder Karl
wählte
Wilhelm
zunächst den
Beruf eines
Diplomaten.
Beide Brüder
traten in
die
Fußstapfen
des Vaters,
der für
Rußland auf
das
politische
Parkett
getreten
war. Als
Attaché beim
Generalgouverneur
in Kiew
begann
Wilhelm von
Kotzebue
seine
Laufbahn.
1840 wird er
Sekretär der
russischen
Gesandtschaft
in
Karlsruhe,
von wo er
sich zehn
Jahre lang
beurlauben
läßt, um auf
den Gütern
seiner Frau
in der
Moldau zu
leben. 1857
kehrt er
nach
Karlsruhe
zurück,
1869-1879
ist er
Gesandter in
Dresden.
Seinen
Lebensabend
verbringt
Kotzebue in
Dresden und
auf seinem
Gut Orrenhof
bei Reval.
Von
Bedeutung
waren die
zehn Jahre
in der
Moldau. 1847
kam Kotzebue
hier an,
erlebte die
48er
Revolution
an Ort und
Stelle und
begann auf
seinem Gut
in Balusesti
bei Roman
literarische
Produktivität
zu erproben.
Seine
dramatischen
Erstlinge
(„Ein unbarmherziger
Freund“,
„Zwei
Sünderinnen“)
waren in den
späten
dreißiger
Jahren
erfolglos
geblieben,
seine
Übersetzung
aus dem
Russischen
(1841) ist
auch heute
nur
Fachleuten
bekannt.
Aber dann
publizierte
Kotzebue
1841
Reiseeindrücke
aus der
Moldau, und
Reisebilder
und ein
Roman
gehören zu
dem Besten,
was seine
„Rumäniendichtung“
(Karl Kurt
Klein) in
der zweiten
Hälfte des
19.
Jahrhunderts
geschaffen
hat. Auch
ist Kotzebue
die erste
Anthologie
rumänischer
Volkspoesie
und
Kunstdichtung
in
Deutschland
zu
verdanken.
Seine
deutschen
Nachdichtungen
erschienen
1857 in
Berlin.
Auf die rumänische
Literatur
hat Wilhelm
von Kotzebue
eingewirkt:
Der
Entwicklungsroman
mit
zeitkritischer
Tendenz ist
von ihm
mitgeprägt
worden.
Nicolae
Filimon und
Duiliu
Zamfirescu
stehen im
Schatten von
Kotzebues
Roman „Laskar
Vioresku“
(1863). Und
auch seine
Reisebilder
blieben
nicht
unvermerkt.
Sie haben
die
Verquickung
ethnographischer
Sachinformation
mit
Fiktionen
begünstigt,
die
Bestrebungen,
Lokalkolorit
durch
Dokumentation
und
Einfühlsamkeit
zu
entdecken.
Es ist kein
Zufall, daß
noch 1920
Übersetzungen
der Werke
von Wilhelm
von Kotzebue
erschienen,
er als 41.
Mitglied in
die
Rumänische
Akademie
(1884)
aufgenommen
wurde. Sein
Brückenschlag
zwischen
zwei
Sprachen und
Kulturen hat
ein Echo
gefunden. An
die
Schwierigkeiten
bei der
Findung
einer
gemeinsamen
Sprache: der
Poesie oder
der
Wissenschaft,
ist heute zu
denken, wenn
man sich an
den
deutschen
Estländer
erinnert.
Werke: Wilhelm von Kotzebue: „Zwei
Sünderinnen“,
1838;
Rumänische
Volkspoesie,
1857; Aus
der Moldau.
Bilder und
Skizzen,
1860; Laskar
Vioresku,
1863; Kleine
Geschichten
aus der
großen Welt,
1863; Baron
Fritz von
Reckensteg,
1885.
Lit.:
N. Gr.
Stetcu:
Anmerkungen
über W. v.
Kotzebue; C.
Turcu: Ein
deutscher
Reisender im
vorigen
Jahrhundert
im Kreis
Neamt, 1942;
K. H.
Schroeder:
Ein
unbekannter
Bericht von
W. v.K. über
die Unruhen
1848 in der
Moldau; H.
Fassel: Ein
„Tacitus
Rumäniens“,
Neuer Weg,
Bukarest,
1976.
Horst Fassel