In der
von
Kaiser
Josef
II. nach
der
ersten
Teilung
Polens
in
Galizien
angelegten
und mit
Pfälzern
besiedelten
Kolonie
Dornfeld
wurde
Krämer
geboren.
Zeitlebens
war er
geprägt
von der
bäuerlichen
Kultur
und
Mundart
seines
deutschen
Heimatortes
im
Osten.
Gleich
anderen
Bauernsöhnen
begann
sein
Bildungsweg
mit der
Absolvierung
der
deutschen
Dorfschule.
Danach
ging er
auf die
Lehrer-Präparandie
in
Alt-Tschau
(Preuss.
Schlesien)
und die
Lehrerbildungsanstalt
Bielitz.
Bis 1925
versah
er eine
Lehrerstelle
in Biala,
um
nachher
ein
Studium
der
Pädagogik,
Philologie
und
Psychologie
in Jena,
Lemberg
und
Krakau
aufzunehmen.
In
seiner
Lemberger
Magisterarbeit
im Jahre
1930
behandelte
er die
Lautlehre
der
Mundart
seines
Heimatdorfes
Dornfeld
und
wurde –
nach
Erweiterung
der
Arbeit
um den
Einfluß
des
Slawischen
auf
diese
Mundart
– 1936
an der
Lemberger
Universität
zum Dr.
phil.
promoviert.
Fortan
fesselte
ihn „das
Wort“
fast 60
Jahre
lang,
und nach
kurzfristigen
Unterbrechungen
kehrte
er immer
wieder
zu ihm
zurück.
So
erschien
zwischen
1930 und
1936
seine
Arbeit
„Die
schwäbischen
Mundarten
in
Galizien“,
in der
er
nachwies,
daß in
fast
allen
deutschen
Siedlungen
nicht
schwäbisch,
sondern
pfälzisch
gesprochen
wurde.
1936
erwarb
er noch
den
Magisterabschluß
in
Pädagogik
an der
Krakauer
Universität,
um diese
Qualifikation
bei der
in
Aussicht
genommenen
Leitung
des
Pädagogischen
Lyzeums
in
Bielitz
nachweisen
zu
können,
wozu es
aber
nicht
mehr
kam, da
die
polnischen
Behörden
die
Genehmigung
versagten.
Nach
einer
Zwischenstation
als
Leiter
der
Städtischen
Mittelschule
in
Bielitz
wurde
Krämer
1941
Schulrat
über
vier
Aufsichtskreise
des
damaligen
Regierungsbezirks
Kattowitz.
Ende des
Krieges
noch zur
Wehrmacht
eingezogen,
geriet
er in
russische
Gefangenschaft.
Schließlich
– nach
vielen
Wirren –
erhielt
er 1952
eine
Anstellung
im
Schuldienst
der
Pfalz.
Dort
fand er
1954
wieder
Anschluß
an seine
geliebte
Arbeit,
die
Erforschung
der
heimatlichen
Mundart:
„Das
Wort“
ging nun
wie ein
roter
Faden
durch
sein
weiteres
Leben.
Im
August
1954
wurde
Krämer
mit der
Leitung
der
Arbeiten
am
„Pfälzischen
Wörterbuch“
betraut,
das von
der
Akademie
der
Wissenschaften
und der
Literatur
in Mainz
betreut
wurde.
Die
ersten
Fragebögen
für
dieses
umfangreiche
Forschungsvorhaben
waren
bereits
1914 an
Lehrer
in
pfälzischen
Schulorten
versandt
worden,
danach
wurde
die
Arbeit
ab 1925
von
Prof.
Dr.
Ernst
Christmann
fortgesetzt.
Als
dessen
Nachfolger
trug
Krämer
nun 27
Jahre
lang mit
nie
ermüdendem
Interesse
an der
Sprache
die
Verantwortung
für
dieses
Projekt.
Wörterbücher
brauchen
einen
langen
Atem und
fordern
vom
Bearbeiter,
sich
bescheiden
in den
Dienst
des
Werkes
zu
stellen.
Krämer
hatte
diese
Eigenschaften
und
schuf
die
ersten
drei
Bände
und
Teile
des 4.
Bandes
der auf
sechs
Bände
und ein
Beiheft
ausgelegten
umfangreichen
Publikation.
Er
verfaßte
Wortartikel
und
bereitete
diese
mit über
zweihundert
Wort-,
Laut-
und
Formenkarten
für die
Veröffentlichung
vor,
wobei
die
Karten
die
verwirrende
Vielfalt
der
Wortbelege
zusammenfassen.
Um das
Ziel
einer
möglichst
vollständigen
Erfassung
des
pfälzischen
Wortschatzes
zu
erreichen,
waren
ihm die
Wortbelege
im
Kontext
sprachlicher
Äußerungen
des
Alltags
sowie
Redensarten,
Sprichwörter,
Rätsel
und
Kinderreime
besonders
wichtig.
Aber
Krämer
sah auch
eine
vordringliche
Aufgabe
darin,
das
Wortgut
der
Auslandspfälzer
zu
sammeln
und in
das
Pfälzische
Wörterbuch
einzugliedern.
Unter
den
Donau-,
Galizien-,
Buchenland-
und
Rußlandpfälzern
gewann
er
zahlreiche
Mitarbeiter,
die ihm
die für
die
Auslandspfälzer
ausgegebenen
Fragebögen
bearbeiteten
und
außerdem
eigenes
Sprachgut
beisteuerten.
In
Zusammenarbeit
mit dem
Deutschen
Spracharchiv
stellte
er auch
180
Tonbandaufnahmen
mit
Mundartsprechern
der
verschiedenen
Generationen
in 44
Orten
der
Pfalz
sowie 22
Orten
der
Galizien-
und
Donaupfälzer
zusammen,
die ihm
wertvolles
Wortgut
und eine
genaue
Vorstellung
von der
Aussprache
des
Pfälzischen
in
diesen
Gebieten
vermittelten.
Neben
der
Arbeit
am
Pfälzer
Wörterbuch
befaßte
sich
Krämer
auch mit
verschiedenen
Teilfragen
der
Dialektologie
und
Volkskunde
der
deutschen
Siedlungen
in
Galizien,
so in
seiner
Arbeit
„Die
Mundarten
der
schwäbisch-alemannischen
Siedlungen
in
Galizien“
(1960).
Die
vorgenannten
Tonbandaufnahmen
nutzte
er 1961
zu einer
Darstellung
des
volkskundlichen
Bestands
und der
Mundart
seines
Heimatdorfes
Dornfeld.
Das von
ihm
erarbeitete
Sprachgut
fand
seinen
Niederschlag
im 1961
erschienenen
Büchlein
„Sprichwort-Wohrwort.
Ausgewählte
Sprichwörter
und
sprichwörtliche
Redensarten
der
Pfälzer
im
Ausland“
und in
seinem
bedeutenden
Werk
„Unser
Sprachschatz.
Wörterbuch
der
galizischen
Pfälzer
und
Schwaben“
(1979).
Er sagte
damals,
er
möchte
damit
seinen
Landsleuten
ein
Stück
der
durch
die
Umsiedlung
von
1939/40
und die
Flucht
1944
aufgegebenen
Heimat
wiedergeben.
In den
„Zeitweisern
der
Galiziendeutschen“,
herausgegeben
vom
Hilfskomitee
der
Galiziendeutschen,
erschienen
aus
seiner
Feder
auch
andere
Mundartaufsätze,
so 1955
„Unsere
Muttersprache“,
1958
„Über
das
slawische
Fremdwort
in
unserer
Mundart“,
1959
„Was die
Wenkersätze
über
unsere
Mundarten
aussagen“,
1962
„Die
Mundarten
der
galizischen
Schwabensiedlungen“,
1963
„Auf den
Spuren
der
Josefsberger
Mundart“,
1964
„Einiges
über die
Brigidauer
Mundart“,
1969
„Die
Mundart
der
Hartfelder“,
1971 „Beckersdorf
und
seine
Mundart“
und 1973
„Zusammenstellung
alter
Mundartwörter
aus
unseren
pfälzischen
Siedlungen“,
außerdem
1956
„Vom
Frohsinn
und
Kurzweil
bei uns
daheim“.
In dem
von ihm
als
Hauptschriftleiter
veröffentlichten
Heimatbuch
I der
Galiziendeutschen
„Heimat
Galizien“
(1965)
publizierte
er eine
Gesamtdarstellung
der
Mundarten
der
Galiziendeutschen
nach dem
Stand
von 1939
(„Sprachgebrauch
und
Mundarten
in
unseren
Siedlungen“),
dazu
auch
„Das
slawische
Fremdwort
in
unseren
Mundarten“,
„Lebensweisheit
und
Lebenserfahrung
in
unserem
Sprachgut“,
„Kinderreime
aus
unseren
Siedlungen“,
„Heimatdichtung
der
Galiziendeutschen“
sowie
„Hausform
und
Hofanlage
in
unseren
Siedlungen“.
Krämer
redigierte
auch das
im Jahre
1977
erschienene
Heimatbuch
II der
Galiziendeutschen
„Aufbruch
und
Neubeginn“.
In
diesem
berichtet
er u.a.
„Von der
Arbeit
am
Pfälzischen
Wörterbuch“,
weiter
über
seine
Erlebnisse
Ende
1939/Anfang
1940 als
verantwortlicher
Ortsbevollmächtigter
bei der
Umsiedlung
von
Galiziendeutschen
„ins
Reich“
und über
„Neues
Schrifttum
der
Galiziendeutschen“.
Der
Bezirksverband
Pfalz,
die
Mainzer
Akademie
der
Wissenschaften
und
Literatur
sowie
die
Heimatorganisationen
der
Galiziendeutschen
und der
Amerika-Pfälzer
würdigten
mehrfach
Krämers
überragende
Verdienste
um die
pfälzische
Mundart
und die
Bewahrung
der
Sprachkultur
des
untergegangenen
Auslandspfälzertums.
Hochbetagt
äußerte
er sich
einmal
so: „Es
scheint,
als sei
ich von
einer
unsichtbaren
Hand
geführt
worden,
die mich
im
letzten
Teil
meines
Lebens
in das
Land
meiner
Vorfahren
geführt
hat, an
eine
Aufgabe,
wie ich
sie mir
nie
erträumt
hätte“.
Seinen
Kindern
schrieb
er als
Widmung
in sein
Buch
„Unser
Sprachschatz“
den
Vers:
„Mitte
des
Lebens
bist Du
mir, /
geliebtes
Wort, /
Forderndes
und
Lohnendes,
/
Mahnendes
und
Tröstendes.
/ Du
geleitest
mich
hin, /
wo es
beginnt:
/ das
letzte
Schweigen.“
Lit.:
W.
Anthony
Green:
Der
Dialektologe
Julius
Krämer.
Z. f.
Dialektologie
und
Linguistik
XLVIII
(1981),
S.
333–340
mit
einer
Auswahl
von
Krämers
Veröffentlichungen,
übersetzt
publiziert
auch in
der
Pennsylvanisch-deutschen
Zeitschrift
Historic
Schaefferstown
Record
16
(1982),
S.
14–28. –
Ingrid
Guentherodt:
Ein
Mundartwörterbuch
als
Lebensarbeit
und
Dokument
sozialen
Wandels.
Z. f.
Dialektologie
und
Linguistik
LI
(1984),
S.
212–221.
– Rudolf
Mohr:
Prof.
Dr.
Julius
Krämer
zum 80.
Geburtstag.
Das
heilige
Band –
Der
Galiziendeutsche
38
(1981),
Heft 12.
– Rudolf
Mohr:
Prof.
Dr.
Julius
Krämer
29.12.1901–28.05.1987.
Das
heilige
Band –
Der
Galiziendeutsche
41
(1987),
Heft 9.
Bild:
Galiziendeutsches
Heimatarchiv.
Erich
Müller