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„Ein interessanter deutscher Expressionist ... Aus seinem
temperamentvollen Pinsel kommen Figuren, Kompositionen und visionäre
Landschaften aus Norwegen, alles ästhetische Höhepunkte
temperamentvoller Farbe und eines temperamentvollen Pinsels. Es sind
einzelne Gegenstände dargestellt, starke, fugenhaft geformte Formen, die
eine Note feierlicher Poesie anschlagen, die eine besondere Stärke von
Krauskopfs Werk ist.“ Dis schrieb 1948 die „New York Times“ über den
kurz vorher aus Norwegen als unerwünschten Ausländer ausgewiesenen
deutschen Künstler. Vorausgegangen war die Enteignung seines Vermögens,
die Beschlagnahme von Bildern, ja sogar Verhaftung und Gefängnis. Die
Alliierten waren es, die für seine Entlassung in Norwegen sorgten und
die Einwanderung nach Amerika ermöglichten. Das war des Künstlers zweite
Emigration. Die erste fand bereis 1933 statt, als er von einem
Norwegenbesuch nicht nach Deutschland zurückkehrte, wo er von den neuen
Herren zu den Malern der „Entarteten Kunst“ gezählt wurde. Das war nach
dem 30. Januar existenz- und sogar lebensbedrohend. Bruno Krauskopf war
damals in der Berliner Kunstszene kein Unbekannter. Rund 60 Jahre später
gehört er zu den Malern der „Verschollenen Generation“ und wird wieder
entdeckt. Ein Jahr vor der Wiederkehr seines Geburtstages vor 100 Jahren
fanden in Frankfurt und Düsseldorf Ausstellungen seiner Werke statt, und
für 1992 sind weitere Präsentationen in Norwegen und in Deutschland
sogar in Zusammenarbeit mit norwegischen Museen geplant.
Die Wiege des Künstlers stand in Marienburg, im Schatten der ehemaligen
Hochmeisterresidenz an der Nogat. Dies war zwei Jahre nach dem Tode des
Vincent van Gogh, der nachträglich auch auf den Marienburger Krauskopf
Einfluß ausübte, ihm wohl auch zum Vorbild wurde. Aber zunächst
absolvierte er von 1906-1908 in Berlin eine Chromo-Lithographielehre.
Daran schloß sich von 1910-1915 ein Studium am Berliner Königlichen
Kunstgewerbemuseum an. Krauskopf trug Semmeln aus, was ihm das Studium
erst ermöglichte. Doch bald erhielt der begabte Kunststudierende ein
Stipendium, Bruno Krauskopf wurde Schüler von Professor Doeppler. Er
verließ 1912 seine verwitwete Mutter, deren Wohnzimmer er zum Atelier
gemacht hatte. Er mietete im bescheidenen Berliner Hotel „Zum schmalen
Handtuch“ ein Zimmer. Seine erste Schaffensperiode und damit seine große
Berliner Zeit, die 1933 abrupt beendet wurde, begann noch während des
Studiums. In der Galerie Caspar fand 1912 die erste Ausstellung seiner
Bilder statt, andere folgten in der Galerie Hugo-Moses und fanden den
Beifall der Besucher. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte den
Maler zum Schippeinsatz nach Rußland. Bereits 1912 war er in die „Freie
Sezession“ als Mitglied berufen worden, zu der Beckmann, Feininger und
Kirchner gehörten. Der Ostpreuße Lovis Corinth gewann seinen
westpreußischen Landsmann 1916 für die „Berliner Sezession“, die ihm von
1917 bis 1933 alljährlich die Ausstellung seiner Arbeiten ermöglichte.
Schon 1918 wurde er mit erst 25 Jahren in den Vorstand gewählt, dem
damals Max Pechstein und andere bekannte Maler angehörten. Krauskopf
wurde sogar Vizepräsident und Jurymitglied. Im letzten Weltkriegsjahr
1918 nahm er an der ersten Sitzung der „Novembergruppe“ teil, und 1919
stellte er seine Arbeiten in der Kestner-Gesellschaft in Hannover aus.
Er schuf zahlreiche Buchillustrationen, Filmdekorationen für die UFA,
aber auch Kostüm- und Bühnenentwürfe für Film und Theater.
Bruno Krauskopf wurde vor allem als Künstler, als Maler
impressionistischer Ölgemälde und Gouachen bekannt und anerkannt. Neben
Preisen des Berliner Kunstgewerbemuseums erhielt er 1919 den Preis der
„Berliner Sezession“, 1920 den „Berliner Wertheimpreis“, 1921 den Preis
der Stadt Bordeaux, 1923 wurde er mit dem großen Preußischen Kunstpreis“
(Staatspreis) ausgezeichnet und 1930 in Nürnberg mit dem
Albrecht-Dürer-Preis geehrt, dem 1931 der Günter-Wagner-Preis des
Kunstvereins Hannover folgte. Der Bruno Krauskopf war in Kunstkreisen
bekannt und geachtet, seine Bilder waren gefragt. Zwischen 1923 und 1933
unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Italien und in die Schweiz.
Mit der Emigration nach Norwegen begann für Bruno Krauskopf die zweite
erfolgreiche Schaffensperiode. Er war in seinem Gastlande nicht allein.
Edvard Munch, Per Krogh, Axel Rewolt und Henrik Soerensen standen ihm
zur Seite. In Stavanger wurde 1934 die erste stark beachtete Ausstellung
seiner Bilder veranstaltet; der Maler aus Deutschland erhielt den
Stavanger Museumspreis. Andere Ausstellungen in Bergen und Oslo
schlossen sich an. Aber 1945 galt nur seine Herkunft; der deutsche
Emigrant war unerwünscht.
Seine dritte Schaffensperiode glückte in New York von 1948 bis zur
Heimkehr nach Berlin im Jahre 1957. Aber bereits seit 1953 stellte
Krauskopf wieder in Deutschland aus, zuerst in Düsseldorf, dann in
Bremen, Karlsruhe und mehrmals in Berlin. Eine vierte Schaffenperiode in
Deutschland gab es allerdings für den nicht mehr gesunden Bruno
Krauskopf nicht, wohl eine Reihe „Wiedergutmachungs-Ausstellungen“ und
1985 in Stavanger seine Rehabilitierung durch eine große Retrospektive.
Seine farbenreichen Bilder sind in Deutschland, Norwegen und Amerika in
großer Zahl erhalten geblieben: Träumende Mädchen, Felsen am Wasser oder
Brücken, New Yorker Motive, Liebespaare, Abend- und Morgensonne und
immer wieder Frauenbilder, Kompositionen, Figuren und Visionen.
Lit.:
Deutsche Kunst und Dekoration, Darmstadt, XXII./l l- 08.1919, XXVI./08-
05.1923, XXVIII./1108.1925. – Hans Sahl: Der Maler Bruno Krauskopf, in:
Die Kunst und das schöne Heim, 09.1954. — Bruno Krauskopf. Berlin.
Ausstellungsführer 1957. – Charlote Steinbrucher: Bruno Krauskopf, ein
Maler aus Marienburg. Der Westpreuße, Nr. 05/1958. – Bruno Krauskopf
1892-1960. Ausstellungsführer der galerie moderne kunst gmbh,
Frankfurt/M. 1990. – Dorit Marhenke: Bruno Krauskopf in der Galerie
Moderne Kunst in Frankfurt. Einführung in die Ausstellung. – Bruno
Krauskopf. Ölbilder. Gouachen. Zeichnungen. Katalog zur Ausstellung der
Galerie Norbert Blaeser, Düsseldorf, 1990.
Bild:
Westpreußisches Landesmuseum, Münster i. W.
Hans-Jürgen Schuch
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