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Unter
den ermutigenden und ermunternden Urteilen, die dem Lyriker Fritz Kudnig
zuteil wurden, seien zwei hervorgehoben. Richard Dehmel bescheinigte ihm
„nicht nur die sittliche, sondern
auch die künstlerische Kraft“. Walter Jens schrieb ihm Jahrzehnte
später: „Ihre Gedichtbände habe ich mit großem Interesse und wirklicher
Anteilnahme gelesen, ich bin durchaus der Meinung, daß Verse, wie die
Ihren, in unserer Zeit sehr wohl Daseinsberechtigung haben, gerade weil sie ein direktes Anliegen vortragen. Sie
wollen heilen und helfen ...“
Heilen
und helfen wollte er vor allem, aus eigener Leiderfahrung und an der
Zeit leidend, nach dem Verlust der ostpreußischen
Heimat, die ihm Entscheidendes bedeutete und derer er bis ins hohe Alter
hinein gedachte. Von seinen oft gefühlsbetonten Gedichten steht hier ein
besonders intensives Beispiel:
Nidden
Mein
schönstes Dorf im weiten
Erdenrund!
Wie wenn ein Gott aus leuchtender Palette,
Berauscht von Farben bis zum Herzensgrund,
Dich wie im Traume hingezaubert hätte,
So liegst Du da; nun selbst ein Farbentraum;
Daß sich des Wandrers trunkne Augen feuchten,
Wenn er dich an des Waldes dunklem Saum
Aufglühen sieht im Morgensonnen-Leuchten.
Auch deine Hohe Düne, die in Licht
Und hellem Himmelsblau sich selig badet,
Ist wie ein wundersames Traumgesicht,
Das jeden Schauenden zutiefst begnadet.
Du schönstes Dorf im weiten Erdenrund,
Umkränzt von Dünenlicht und dunklen Bäumen,
Oft singt von dir, berauscht, mein Herz und Mund –
Und nachts noch muß ich manchmal von dir träumen.
Kudnig
war bis 1925 Justizbeamter am Oberlandesgericht seiner Heimatstadt Königsberg,
dann freier Schriftsteller. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg war er
Mitarbeiter an einer Reihe führender, dabei sehr unterschiedlich
strukturierter Zeitschriften geworden, von den „Ostdeutschen
Monatsheften“ über „Reclams Universum“, „Westermanns Monatshefte“, „Velhagen
und Klasings Monatshefte“ bis zur Münchner „Jugend“.
Bereits in den Titeln seiner Gedichtbände
sind Lebensbekenntnisse ausgedrückt. „Das Lied der Kurischen Nehrung“
wurde von dem Maler und Königsberger Akademieprofessor Eduard Bischoff
illustriert, Paul Graener hat es vertont. „Flucht und Einkehr /Die
ostdeutsche Passion“ und „Gottes Lautenspiel“ heißen die späten
Gedichtbände, Aussagen zu Zeit- und Heimatschicksal und Aussagen seiner
Gottgläubigkeit, die mit Recht als die eines Mystikers gekennzeichnet
wurde. Das hat seinen Niederschlag gefunden in seiner
Studie über „Meister Eckehart –
gestern – heute – morgen. Eine Deutung aus mystischer Sicht“.
Daneben gibt es eine Reihe von Prosageschichten, vor allem den Band
„Herz in der Heimat“, und – der
verschmitzte Humor war ein Charakteristikum seines sonst sehr ernsten
Gemüts – die von ihm herausgegebene Sammlung ost- und westpreußischer
Schmunzelgeschichten „Heitere Stremel von Weichsel und Memel“. Kudnigs
Frau, eine Dithmarscher Bauerntochter, begleitete seit 1920,
gesinnungsverwandt, selbst schreibend, oft auf gemeinsamen Lesereisen,
sein Leben. Sie wurde auch eine getreue Mentorin seines Werks, das u.a.
1959 durch die Verleihung der ersten Agnes-Miegel-Plakette, die die
Dichterin selbst überreichte, 1964 mit dem Kulturpreis der
Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet wurde.
Als
unerbittlicher Moralist hat sich Kudnig durch die Systeme erwiesen, von
der späten Kaiserzeit über die
Abstimmungskämpfe, die Reglementierung der in Deutschland gebliebenen
Schriftsteller unter dem Nationalsozialismus bis zu seiner Stellungnahme
gegen die Ost-Denkschrift der EKD.
Lit.: Durch Leid und Licht, G. 22; Das Lied der Kurischen Nehrung, G. 24;
Das Wunder am Meer, G. 24, 59; Land der tausend Seen, G. 35, 56; Gottes
Lautenspiel, G. 52; Seliges Gotteslied. Ein Ruf in die Zeit, 56; Herz in
der Heimat, Erzn. 56; Flucht u. Einkehr. Die ostdt. Passion, 58; Wenn
die Heide blüht, G. 63; Land
meiner Liebe, G. 63; Fahrt in die Sonne, Erz. 65; Meister Eckehart –
gestern – heute und morgen. Eine Deutung aus mystischer Sicht, 68;
Mensch zwischen Himmel und Erde, G. 76.
Ernst Schremmer
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