Heinrich
Kühn oder
Kuehn war
ein
angesehener
Mathematiker
und
Naturwissenschaftler
am
Akademischen
Gymnasium in
Danzig, der
die
europäische
Verbundenheit
der
damaligen
Gelehrten
untereinander
beispielhaft
verkörperte.
Er wurde am
19. November
1690 in
Königsberg
geboren, wo
er auch ab
1707 die
Universität
besuchte. Er
ging
anschließend
zum
juristischen
Studium nach
Halle, das
er am
18.3.1717
mit der
Promotion
abschloß. Im
gleichen
Jahr reiste
er wieder
nach
Königsberg
zurück und
studierte
dort
Mathematik
und Physik.
Seit 1733
war er als
Professor
für
Mathematik
an dem
bedeutenden
Danziger
Akademischen
Gymnasium
tätig, das
bereits 1558
gegründet
worden war
und fast den
Rang einer
Universität
inne hatte.
Seine ersten
Veröffentlichungen
lagen auf
dem Gebiet
der Physik,
der
physikalischen
Geographie
und der
Astronomie.
In Danzig
entfaltete
Kühn eine
rege und
langjährige
wissenschaftliche
Tätigkeit.
Von
1735 bis
1770 war er
Herausgeber
und Autor
des Danziger
Haus- und
Geschichtskalenders.
Für seine
viel
diskutierte
Schrift
„Vernünftige
Gedanken
über den
Ursprung der
Quellen und
des
Grundwassers"
erhielt er
schon 1741
den Preis
der Sozietät
der
Wissenschaften
von
Bordeaux,
sie wurde
fünf Jahre
später in
lateinischer,
deutscher
und
französischer
Sprache
gedruckt.
Heinrich
Kühn gehörte
mit Klein,
Gralath und
Hanow zu den
neun
Gründungsmitgliedern
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig am
2. Januar
1743. In
dieser
Tatsache
zeigt sich
seine
moderne
Einstellung
und sein
wissenschaftsorganisatorischer
Weitblick,
denn die
Danziger
Sozietät war
eine der
ältesten
ihrer Art.
Im Band I
der
„Versuche
und
Abhandlungen"
dieser
Gesellschaft
veröffentlichte
er fünf
Arbeiten
über
physikalische
und
astronomische
Themen,
darunter
beschrieb er
die
Konstruktion
einer Waage
mit
besonders
großer
Empfindlichkeit
und einen
über 300 m
langen
Apparat, um
das Gefälle
eines
Flusses
genau zu
messen. Er
war einer
der ersten
Operatoren
einer Klasse
der
Naturforschenden
Gesellschaft,
d. h. er
mußte
Vorträge
halten und
Versuche
vorführen,
und im Jahre
1748 ihr
vierter
Direktor,
zog sich
dann aber
mehr und
mehr zurück.
In seiner
eher
obskuren
Abhandlung
über die
Entstehung
von Ebbe und
Flut setzt
er sich in
Gegensatz
zur
Mondanziehungstheorie
von Newton.
Seine drei
letzten
Arbeiten
erweisen ihn
als
bedeutenden
Mathematiker.
Im Jahre
1756
veröffentlichte
er in den
Schriften
der
Petersburger
Akademie der
Wissenschaften
eine
Methode, um
die
Multiplikationsregeln
für reelle
und
imaginäre
Zahlen
geometrisch
zu erklären.
Kühn fand
mit dieser
geometrischen
Darstellung
zunächst
wenig
Zustimmung,
doch
erkannte der
Italiener
Ferroni
seine
Bedeutung,
und seit den
Arbeiten
eines Gauss
(1777-1855)
und Argand
gilt Kühn
als
Entdecker
dieser
Darstellung
in der
Geschichte
der
Mathematik.
Heinrich
Kühn war
Auswärtiges
Mitglied der
Petersburger
Akademie der
Wissenschaften.
Er starb am
6. August
1769 (einige
Quellen
nennen auch
den 8.
Oktober) in
Danzig. Acht
Jahre später
gedenkt
Johann
Bernoulli
dieses
Mannes
anläßlich
seiner Reise
nach Danzig,
um die
dortigen
Naturwissenschaftler
kennenzulernen
und ihre
Sammlungen
zu
besichtigen.
Schriften
von Heinrich
Kühn
(1690-1769)
in Danzig:
1717 Diss.
sust.
emendationem
administrationis
justitiae.
Halle
(Salfeld),
78 Seiten;
1746
Meditationes
de origine
fontium, et
aquae
putealis,
aliisque
affinis
argumenti
problematibus,
oder
Vernünftige
Gedanken
über den
Ursprung der
Quellen, und
des
Grund-Wassers,
auch von
anderen
damit
verknüpften
Sachen. Den
Liebhabern
der Wahrheit
mitgetheilet.
Aus der
Lateinischen
in die
deutsche
Sprache
übersetzt,
und mit
dienlichen
Beysätzen
vermehret...
vom
Verfasser.
Berlin,
Leipzig und
Danzig. l
Abb., 2
Tab. (Haude
u. Spener);
1747
Versuche und
Abhandlungen
der
Naturforschenden
Gesellschaft:
Band l:
Ausführliche
Beschreibung
einer neuen
und
vollkommeneren
Art von
Waagen.
Beschreibung
einer neuen
Maschine zum
Wasserwägen.
Gedanken von
Subtilität
und
Sichtbarkeit
der Luft.
Von der
eigentlichen
Beschaffenheit
der
Sonnen-Flecken,
und wie ihre
Entfernung
von der
Sonnen-Fläche
zu finden.
Von dem
wahren
Ursprung der
Cometen-Schweife;
1756 Band 3:
Untersuchung
der
natürlichen
Ursachen von
der Ebbe und
Fluth.
Danzig,
1756; 1756
Meditationes
de
quantitatibus
imaginariis
construendis
et radicibus
imagmariis
exhibendis.
In: Novi
commentarii
Ac. sc.
Petropolitanae,
3.
Band, 1756
(20 Bände,
1750/76);
1771
Tentamen de
aequationibus
cubicis
quibuscunque
perfecte
resolvendis.
Posthum,
Danzig.
Annotationes
ad Euleri
institutiones
calculi
differentialis.
Lit.:
Poggendorf,
Handwörterbuch,
Band l,
Spalten
1324/25.
(1863).
Altpreußische
Biographien,
Band l S.
373. Johann
Bernoulli:
Reisen
durch..., 1.
Band.
Leipzig
1779. E.
Schumann:
Festschrift
zur Feier
des
150-jährigen
Bestehens
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig.
Danzig,
1893.
Hans-Jürgen
Kämpfert