Johann Adam
Kulmus lebte
als
promovierter
Mediziner,
praktischer
Arzt und
außerordentlich
ertragreicher
Schriftsteller
in Danzig.
In seinen
medizinisch-naturwissenschaftlichen
Büchern und
kleineren
Veröffentlichungen
setzte er
sich für die
Hebung der
medizinischen
Bildung
allgemein
ein,
insbesondere
aber für die
der
Chirurgen,
Bader und
wandernden
Jahrmarktsheiler,
die oft mehr
Schaden als
Nutzen
stifteten.
Mit diesen
Forderungen
und seinem
schriftstellerischen
Beitrag zu
ihrer
praktischen
Umsetzung
zählte
Kulmus zu
den
fortschrittlichsten
studierten
Medizinern
seiner Zeit.
Sein Vater,
der
Bäckermeister
Adam Kulmus,
und seine
Mutter
Maria, geb.
Flegel,
müssen früh
gestorben
sein, denn
zwischen
1704 und
1706, noch
als
Gymnasiast,
zog Johann
Adam mit
seiner
jüngeren
Schwester
Maria zu
seinem
älteren
Bruder
Johann Georg
Kulmus (1680
bis 1731).
Dieser lebte
seit 1704
als
studierter
praktischer
Arzt in
Danzig und
begründete
hier eine
jener
bekannten
Mediziner-Familien
über drei
Generationen.
Johann Adam
Kulmus
setzte
zunächst
(nach dem
Besuch des
Breslauer
Magdalenengymnasiums)
seine
Ausbildung
am bekannten
Akademischen
Gymnasium in
Danzig fort
und
studierte
dann ab 1711
in Halle
(bei
Christian
Wolff)
Medizin und
Naturwissenschaften.
Als weitere
Studienorte
werden
Frankfurt/Oder,
Leipzig,
Altdorf,
Straßburg
und Basel
genannt, wo
er 1715 mit
der Arbeit
De
harmonia
morum et
morborum
(Über den
Einklang
zwischen
Charakter
und
Krankheit)
zum Doktor
der Medizin
promoviert
wurde. Auf
einer
anschließenden
Bildungsreise
durch
Holland
lernte er in
Leyden den
berühmten
Professor
Boerhave
(1668-1738,
Mediziner
und
Chemiker)
kennen und
vielleicht
auch den
dort
lebenden
Danziger
Physiker
Daniel
Gabriel
Fahrenheit.
Nachdem sich
Kulmus als
praktischer
Arzt in
Danzig
niedergelassen
hatte,
heiratete er
am 4.
November
1721 in der
Kirche St.
Johann die
Krämerswitwe
Concordia
Leuschner,
geb. Ebeling,
die ihn um
28 Jahre
überlebte,
da sie 90
Jahre alt
wurde; die
Ehe blieb
offenbar
kinderlos.
Doch war
Kulmus
wesentlich
bei der
Erziehung
seiner
Nichte Luise
Adelgunde
Kulmus (1713
bis 1762)
beteiligt,
zumal sein
Bruder
bereits mit
51 Jahren
verstarb.
Diese
Nichte, bald
eine
gebildete
junge Frau,
wurde nach
ihrer
Hochzeit
(1735) mit
Johann
Christoph
Gottsched
aus Juditten
als "Gottschedin"
eine
bekannte
Schriftstellerin.
Im Jahre
1725 trat
Johann Adam
Kulmus in
der
Nachfolge
Glosemeyers
die
Professur
für Medizin
und
Naturwissenschaften
(vertretungsweise
auch für
Mathematik)
am
Akademischen
Gymnasium in
Danzig an
und vertrat
auch in
seinen
Vorlesungen
die Ansicht,
daß
naturwissenschaftliche
Forschungen
die
Grundlagen
jeder
medizinischen
Praxis zu
sein hätten.
Auf Grund
seiner
zahlreichen
Veröffentlichungen
und seines
Ansehens
wurde er in
Danzig
Stadtphysikus
(1736?),
also eine
Art Amtsarzt
in heutiger
Sprechweise.
Wohl Kulmus´
bedeutendstes
Werk, mit
Sicherheit
aber sein
bekanntestes
war:
Anatomische
Tabellen,
nebst
dazugehörigen
Anmerkungen
und Kupfern,
daraus des
ganzen
menschlichen
Körpers
Beschaffenheit
und Nutzen
deutlich zu
ersehen ...
Das Buch
erfuhr
mindestens
ein Dutzend
Auflagen in
Danzig,
Leipzig,
Augsburg und
Amsterdam;
es erschien
in
deutscher,
lateinischer,
französischer,
italienischer,
niederländischer
und 1771 in
japanischer
Sprache.
1740 war in
Augsburg ein
Raubdruck
herausgekommen.
Fast 45
Jahre nach
Kulmus´ Tod
hat Karl
Gottlob Kühn
dieses Buch
noch einmal
völlig
umgearbeitet
und in
mehreren
Auflagen
herausgebracht.
Es ist
bewußt für
"Anfänger
der
Anatomie"
und zur
Unterstützung
seiner
Vorlesungen
am
Akademischen
Gymnasium
gedacht und
fast schon
in genialer
Einfachheit
und
Übersichtlichkeit
verfaßt. Das
Werk ist in
je 28
Tabellen,
Anmerkungen
und
Kupfertafeln
gegliedert,
die jeweils
streng
aufeinander
bezogen
sind. Die
Tabellen
wiederum
sind mit
Zahlen und
Buchstaben
durchnumeriert,
die sich in
den
herausklappbaren
Tafeln an
den
entsprechenden
zeichnerisch
dargestellten
Körperteilen,
Knochen,
Muskeln,
Gefäßen u.ä.
wiederfinden.
In den
Tabellen
findet man
als
strukturierende
Elemente
"Definitionen",
"Objekte",
"Einteilungen",
"Mittel zur
Erlernung"
oder
"Nutzen". So
erklärt die
erste
Definition
den Begriff
Anatomie als
"die
Zergliederkunst,
ist eine
künstliche
Zerlegung
der Körper,
wodurch alle
ihrer Theile
Wesen,
Zusammenfügung,
Lager,
Gestalt,
Verrichtung
und Nutzen
erlernet
wird".
Kulmus legt
besonderen
Wert auf die
genaue
Erklärung
der auf der
Universität
benutzten
lateinischen
Begriffe,
wozu auch
eine
alphabetische
Zusammenstellung
mit
zugehöriger
deutscher
Übersetzung
am Ende des
Buches
dient. Die
erste
Anmerkung
enthält als
Hilfe für
den Leser
ein
umfangreiches
Verzeichnis
weiterführender
Literatur.
In der
vierten
Auflage,
Leipzig 1742
(die
Lübecker
Stadtbibliothek
besitzt
einen
Nachdruck
von 1759),
schreibt
Kulmus -
bezeichnend
für seine
moderne
Einstellung
- am Ende
der ersten
Anmerkung:
"Es nutzet
die
anatomische
Wissenschaft
vornehmlich
den Ärzten
und
Wundärzten,
welche
selbiger
eben so
wenig als
ein
Seefahrender
des
Schiffcompasses
entrathen
können, als
ohne deren
gründliche
Einsicht sie
die ihnen
anvertrauten
Kranken auf
bloßes
Gutachten
eben so wohl
gewissenloser,
muthwilliger
Weise in
Lebensgefahr
setzen, als
ein
unverständiger
Steuermann
... denn wie
will einer
einem
schadhaften
Körper zur
Gesundheit
verhelfen,
wenn er
nicht vorher
weis, was
für Theile
im Leibe
Noth leiden?
welche
Verrichtungen
dadurch
gestöret
werden?
worinnen die
Gesundheit
bestehe? und
wie der
Körper von
Natur
beschaffen
seyn müsse?
... und ohne
zulängliche
Erkenntniß
der Muskeln
und Knochen
ist ein
Wundarzt ein
Wagehals,
wenn er auch
20 Jahre
Feldscherer
gewesen
wäre. Es
finden aber
auch
Gottesgelehrte,
Juristen und
Philosophen
und alle
anderen
Menschen
ihren Nutzen
bey der
Anatomie,
weil man
hieraus die
unbegreifliche
Weisheit und
Allmacht des
großen
Gottes zu
seinem Lobe
betrachten;
theils
gefährliche
und
tödtliche
Verletzungen
zur
Bestrafung
der
Boshaften
beurtheilen;
... kann."
Wegen seiner
wissenschaftlichen
Leistungen
wurde Kulmus
1722
Mitglied der
Kaiserlichen
Akademie der
Naturforscher
Leopoldina,
der ältesten
naturwissenschaftlich-medizinischen
Gesellschaft
in
Deutschland,
und 1725 der
Königlichen
Gesellschaft
der
Wissenschaften
in Berlin.
Johann Adam
Kulmus starb
mit 56
Jahren und
wurde in St.
Trinitatis
in Danzig
begraben.
Werke:
Elementa
philosophiae
naturalis,
Danzig 1722.
- De auditu,
Danzig 1728.
-
Exercitatio
de Insectis,
Danzig 1729.
Lit.:
Deutsches
Biographisches
Archiv. -
H.-J.
Kämpfert:
Danziger
Naturwissenschaftler.
In: Danzig
in acht
Jahrhunderten.
Hrsg. von B.
Jähnig und
P. Letkemann,
Münster
1985. -
Dorothea
Weichbrodt:
Patrizier,
Bürger,
Einwohner
der Freien
und
Hansestadt
Danzig in
Stamm- und
Namentafeln
vom 14. -
18.
Jahrhundert.
Klausdorf/
Schwentine
1986.
Bild:
Frontispiz
aus:
Anatomische
Tabellen,
Leipzig
1759.
Hans-Jürgen
Kämpfert