Im Alter von
17 Jahren
wurde Franz
Kumher,
Schüler des
Deutschen
Gymnasiums
in
Temeschvar
im
rumänischen
Banat, von
den Russen
verschleppt
und zur
Zwangsarbeit
im Lager
Saporoshje/Ukraine
verurteilt.
Grund
hierfür war
allein, dass
er, wie
seine
Landsleute,
die Banater
Schwaben,
der
deutschen
Minderheit
in Rumänien
angehörte
und sich zur
deutschen
Muttersprache
bekannte. Er
überstand
die schwere
Arbeit, den
Hunger und
die
unsäglichen
Strapazen im
Lager, wurde
nicht wie
viele seiner
Kameraden
deren Opfer
und kam –
Glück im
Unglück – im
Herbst 1946
mit einem
Krankentransport
zwar nicht
in seine
Heimat
zurück, aber
immerhin in
die
Freiheit.
Nach
Heiligenstadt
in der
damaligen
sowjetischen
Besatzungszone
wurde er
entlassen.
Nach wenigen
Monaten
übersiedelte
er in die
britische
Besatzungszone
(Kreis
Einbeck).
1948-1950
studierte
Kumher an
der
Pädagogischen
Hochschule
zu
Alfeld/Leine
das Wahlfach
Bildende
Kunst bei
Prof. Kurt
Schwerdtfeger,
Absolvent
des
Bauhauses in
Weimar. In
den
folgenden
Jahren
setzte er
seine
Studien an
der
Werkkunstschule
Hannover und
an der
Hochschule
für Bildende
Künste in
Hamburg
(Professoren
Heinz Trökes,
Paul
Wunderlich
und Karl
Kluth) fort.
Nebenbei
belegte er
an der
dortigen
Universität
Kunstgeschichte,
Germanistik
und
Pädagogik.
Seine
berufliche
Tätigkeit
begann nach
Episoden als
Assistent an
der
Pädagogischen
Hochschule
sowie Lehrer
an
Volksschulen
und
Gymnasien
1963 als
Professor an
der
Pädagogischen
Hochschule
Hildesheim
und endete
1992 mit
seiner
Emeritierung.
Neben diesen
Berufen
blieb ihm
genügend
Zeit für
sein
künstlerisches
Schaffen,
für
Studienaufenthalte
in
Österreich,
Italien, der
Schweiz, den
Niederlanden,
England,
Spanien,
Portugal und
Frankreich.
Auch seine
Einzelausstellungen
und
Beteiligungen
an
Gruppenausstellungen
sind
zahlreich;
in
Deutschland
von Hamburg
und Cuxhaven
bis München,
im übrigen
Europa in
England,
Italien,
Frankreich,
Litauen,
Ungarn,
Griechenland
bis nach
Rumänien in
seiner alten
Heimat, dem
Banat:
Temeschvar,
Reschitza
und Orawitza,
wo Kumher am
16. Juli
1927 das
Licht der
Welt
erblickt
hatte.
Im Jahre
2005 stellte
er zum
zweiten Mal
im
Gehart-Hauptmann-Haus
in
Düsseldorf
aus. Nach
der
Begrüßungsrede
des
Direktors
des Hauses,
Dr. Walter
Engel,
ergriff der
Künstler das
Wort und
erläuterte:
„In
meiner
Ausstellung
geht es um
die
Entwicklung
neuer
BILD-ZEICHEN,
welche die
Vergangenheit
mit der
Gegenwart
und der
Zukunft
verbinden.
Zu meinen
Anliegen –
die sich
auch in
meinen
Bildern
zeigen –
gehören die
Erinnerungen
an meine
alte Heimat,
die
Spurensuche
nach der
Vergangenheit,
die
Auseinandersetzung
mit den
Problemen
der
Gegenwart –
im Rahmen
der
deutschen
und
europäischen
Kultur – und
die
Weichenstellung
für die
Zukunft. …
Es geht
darum, die
Weichen für
eine bessere
Zukunft, für
eine Zukunft
voller
Hoffnung zu
stellen.“
Franz Kumher
wurde als
Künstler des
technischen
Zeitalters
bezeichnet.
Seine Jugend
verbrachte
er im
Banater
Eisen- und
Industriegebiet.
Die Technik
– so Kumher
– sei immer
bestimmend
für sein
Leben
gewesen und
er finde
alle
industrieellen
Erscheinungsformen
interessant,
z.B.
Automaten,
Apparaturen,
Raumschiffe,
Schrifttafeln,
Radios,
Maschinen,
Roboter.
Diese sind
Motive
seiner
Kunst.
Freilich
handelt es
sich nicht
um
realistische
Abbildungen,
sondern um
Kompositionen
meist
symbolischen
Charakters.
Vor
Industrielandschaften
entstehen
Skizzen, die
er in
Malerei
(Acryl,
Tempera,
Mischtechnik)
und Grafik
(Radierung,
Lithographie)
umsetzt. Wie
der Künstler
bekennt, ist
seine alte
Heimat in
viele seiner
Bilder
integriert.
Aber auch in
den Gassen
Venedigs und
Amsterdams
wanderte er
mit offenen
Augen und
war von den
malerischen
Häuserfronten
sehr
beeindruckt.
Ein weiteres
Gebiet neben
seinen
Tätigkeiten
als
Professor
und als
freier
Künstler ist
sein
ehrenamtliches
Engagement.
Er hat die
Menschlichkeit,
die ihm
begegnete,
als er aus
der
russischen
Zwangsarbeit
entlassen
wurde und
nun
mittellos
fern der
Heimat
dastand,
nicht
vergessen,
gedenkt
immer noch
der Hilfe,
die ihm von
fremden
Menschen
zuteil
wurde. Aus
eigener
Erfahrung
kann er gut
nachfühlen,
wie es um
jene steht,
die ihre
Heimat
verloren
haben.
Genannt
seien einige
seiner
ehrenamtlichen
Tätigkeiten,
vorwiegend
im Dienste
seiner
Kollegen,
die aus dem
Osten
stammten:
Vizepräsident
im
Kulturverband
der Banater
Deutschen
(München),
Förderer des
Kulturforums
der Banater
Berglanddeutschen
in Reschitza,
Mitglied des
Stiftungsrates
des Museums
Ostdeutsche
Galerie
Regensburg,
Erster
Vorsitzender
des
Landesverbandes
Niedersachsen
der
Künstlergilde,
des
Verbandes
ostdeutscher
Kulturschaffender,
Mitglied des
Südostdeutschen
Kulturwerkes
(München),
Vorstandsmitglied
und
Schriftführer
des
Landesverbands
der
Niedersachsen
des Bundes
Bildender
Künstler
(Hannover),
Mitarbeiter
im
Gerhart-Hauptmann-Haus
zu
Düsseldorf
u.a.
Kumhers Werk
konnte man
in
ungezählten
periodischen
Ausstellungen
im In- und
Ausland
bewundern.
Im ständigen
Besitz
befinden
sich seine
Gemälde und
Grafiken in
Museen,
Universitäten,
Bibliotheken
und anderen
Kulturinstituten
von Paris (Nationabibliothek)
bis Salzburg
(Mozarteum)
und Wien
(Österreichische
Nationalbibliothek)
und dem
rumänischen
Temeschvar
(Adam
Müller-Guttenbrunn-Haus)
sowie in
Düsseldorf,
Cuxhaven,
Frankfurt/M.,
Lingen/Ems,
Clausthal,
Esslingen,
Hannover,
Regensburg,
Göttingen,
Hildesheim.
Natürlich
blieben die
Auszeichnungen
nicht aus.
Genannt
seien:
Donauschwäbischer
Kulturpreis
des Landes
Baden-Württemberg,
Preis
Municipal
Art Gallery
of Athens,
Preis für
Lithographie
des Landes
Salzburg,
Österreichischer
Rompreis,
Grand Prix
des
Argentinischen
National-Komitees,
Palme
d’Or des
Beaux Arts
von Monte
Carlo sowie
das
Bundesverdienstkreuz.
Wenn der
80-jährige
Professor
Franz Kumher
seine
Gedanken in
die ferne
Vergangenheit
lenkt, wird
er den
schwärzesten
Tag in
seinem
Leben, seine
Verschleppung
durch die
Russen,
nicht
vergessen.
Doch nach
seiner
Entlassung
aus dem
Lager
begleiteten
ihn „Glück
und
Gesundheit“,
der
sprichwörtliche
Wunsch
seiner
rumänischen
Landsleute,
sein
erfülltes
Leben bis zu
seinen
erfolgreichen
Tätigkeiten
als
beliebter
Pädagoge und
geschätzter
Künstler.
Und der Dank
seiner
ehemaligen
Studenten
und
Bewunderer
seiner Kunst
ist ihm
gewiss.
Die
Ausstellung
zum 80.
Geburtstag
des
Künstlers
aus dem
Banat
beherbergt
100 Exponate
(Malerei und
Grafik) und
findet in
Hildesheim
statt, wo
Prof. Franz
Kumher mit
seiner
Familie
lebt.
Lit.:
André
Ficus, Franz
Kumher,
Monografie
der
Künstlergilde,
München
1974. –
Günter Ott,
„Franz
Kumher“, in:
Künstlerprofile,
Düsseldorf
1980. –
Heribert
Heinrichs,
Zu den
Bildern von
Franz Kumher,
Haus des
Deutschen
Ostens,
Düsseldorf
1982. –
Manfred
Boetzkes/Dieter
Lüttge,
Franz Kumher
– Malerei –
Grafik –
Lichtkinetik,
Hildesheim
1992. –
Heribert
Heinrichs
(Hrsg.),
Malerei und
Grafik von
Franz Kumher,
Hildesheim
1999. –
Josef
Nolte/Klaus
Sliwka,
Franz Kumher
–
Bildzeichen,
Hildesheim
2002. –
Ulrich
Kumher
(Hrsg.),
Beträge zum
künstlerischen
Werk von
Franz Kumher,
Hildesheim
2005.
Bild:
Privatarchiv
des Autors.
Günther Ott