Friedrich
Kunitzer, am
9. Februar
1907 in
Przedecz/Krs.
Konin im
damaligen
Russisch-Polen
geboren,
stellte ein
Multitalent
dar, weil er
Maler,
Grafiker,
Schriftsteller
und
Organisator
zugleich
war. Seine
Kindheit
verbrachte
er vor allem
in Jaroslawl
in
Nordrußland,
wo sein
Vater seit
1909 als
Deutschlehrer
beim
zaristischen
Kadettencorps
unterrichtete.
Die
russische
Revolution
verschlug
die Familie
Kunitzer
1918 nach
Lodz, wo
Friedrich
das Deutsche
Gymnasium
besuchte.
Der begabte
junge Mensch
ging 1926
nach Krakau,
wo ihn das
Studium an
der Akademie
der
bildenden
Künste bei
F. Pautsch
und W.
Jaraocki dem
Spätimpressionismus
der national
gesinnten
polnischen
Künstler
nahebrachte.
Es folgten
1929 ein
kurzes
Studium an
der Berliner
Akademie für
freie und
angewandte
Kunst, ein
längerer
Aufenthalt
in der
Künstlerkolonie
Worpswede
bei Bremen
und 1930 ein
Studium in
Paris an der
dortigen
Filiale der
Krakauer
Akademie bei
J.
Pankiewicz.
Seinen
Pflichtdienst
leistete er
1932 beim
polnischen
Militär in
Wolhynien.
1933 stellte
er seine
ersten
Bilder in
Posen, Lodz,
Bromberg und
Kattowitz
aus. Seit
1935
studierte er
mit einem
Stipendium
des VDA an
der
Münchener
Akademie und
war
Meisterschüler
Prof. Karl
Caspars.
1937 bildete
er in
München eine
Ateliergemeinschaft
mit Eugen
Nell.
Zwischendurch
malte er
eifrig in
den
deutschen
Siedlungsgebieten
Mittel- und
Ostpolens
und in der
Weichselniederung.
Dabei drang
er tief in
die Seele
sowohl
seiner
Landsleute
als auch der
Slawen jenes
Mischgebiets
von Polen,
Ukrainern
und
Weißrussen
ein und
erlebte die
vielfältige
kulturelle
Situation
des
ostmitteleuropäischen
Raumes.
1942 wurde
Kunitzer
Soldat und
erlebte den
Krieg in den
Weiten
Russlands.
Zeichenfeder
und Papier
waren immer
griffbereit.
Und so
entstanden
hunderte von
Zeichnungen,
von denen
ein Teil den
Krieg
überstanden
hat. Aus der
Fülle dieser
Zeichnungen
schuf
Kunitzer auf
Anraten und
Drängen
seiner
späteren
Frau seine
erste
Nachkriegsveröffentlichung,
der er den
Titel
Ikonen im
Pulverrauch.
Eine
Zeichenfeder
erlebt den
Russlandfeldzug
gab. Mit
knappen
Texten
erläutert
der Künstler
seine etwa
80
Federstrichzeichnungen,
die er
retten
konnte.
Bereits in
der Heimat,
vor allem im
Lodzer
Deutschen
Schul- und
Bildungsverein,
hatte
Kunitzer
großartige
Ölbilder
ausgestellt,
die das
Leben
deutscher
Bauern in
Mittelpolen
darstellten.
Die meisten
dieser
Bilder sind
in Polen
geblieben,
lediglich
eine Mappe
mit 12
Reproduktionen
aus jener
Zeit hat
sich bis in
unsere Tage
in wenigen
Exemplaren
erhalten.
Gleichfalls
vorhanden
sind – als
kleine
Kostbarkeit
von ihren
Besitzern
gehütet –
Briefe mit
Randillustrationen,
die Kunitzer
einst von
Reisen an
seine
Freunde und
Bekannten zu
senden
pflegte und
die –
zusammen mit
den Texten –
eine
großartige
Dokumentation
deutschen
Volkslebens
und zugleich
guten
nachbarlichen
Zusammenlebens
mit anderen
Völkern
darstellen.
In den
letzten
Monaten des
Zweiten
Weltkriegs
verwundet,
kehrte
Kunitzer
1945 aus
amerikanischer
Kriegsgefangenschaft
zurück und
fand
Aufnahme in
Alsfeld/Oberhessen,
wo er 1947
im
benachbarten
Lauterbach
den
Berufsverband
Bildender
Künstler
mitbegründete
und
ausstellte.
1949 zog er
zu seiner
Schwester,
einer
Chemikerin,
nach
Wiesbaden.
Kunitzer und
seine
spätere Frau
Tamara
Weiland, die
er in der
hessischen
Landeshauptstadt
kennenlernte,
schlossen
sich früh
der
Wiesbadener
Kreisgruppe
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
an und
bereicherten
das
kulturelle
Leben der
monatlichen
Zusammenkünfte
und viele
festliche
Veranstaltungen.
In Wiesbaden
beteiligte
sich
Kunitzer an
zahlreichen
Ausstellungen
oder stellte
selbst,
insbesondere
im Haus der
Heimat, aus.
Hier hat er
im Großen
Saal auch
ein
Wandfries
mit acht
deutschen
Trachtenpaaren
aus Mittel-
und
Osteuropa
geschaffen.
Auch in der
ersten
Dauerausstellung
über die
Heimatvertriebenen
im
Freilichtmuseum
Hessenpark
in
Neu-Anspach/
Taunus waren
zwei seiner
Werke
vertreten,
die das
Bundesinnenministerium
in Bonn zu
diesem
Zwecke
ankaufte.
1954 wurde
Kunitzer
Mitglied der
Künstlergilde
Esslingen,
einer
Selbsthilfeorganisation
der
geflüchteten
und
vertriebenen
deutschen
Künstler. Er
und Tamara
Weiland
beteiligten
sich mit
zahlreichen
Kulturreferenten
anderer
Landsmannschaften
an der
kulturellen
Lagerbetreuung,
die der
hessische
Landesverband
des Bundes
der
Vertriebenen
mit
Unterstützung
des
Hessischen
Innenministeriums
organisiert
hatte. Beide
wirkten in
zahlreichen
Theateraufführungen
mit, u.a.
auch in dem
Märchen von
den
deutschen
Flüssen,
gestaltet
nach einer
Erzählung
des
schlesischen
Dichters
Paul Keller.
1957
heirateten
Friedrich
Kunitzer und
Tamara
Weiland. Sie
zogen ins
Jammertal,
das Tamara
einmal als
das Traumtal
an der Lahn
bezeichnete.
Der Künstler
fand auch
hier zur
Bevölkerung
und zu den
Künstlern
dieses
Raumes
schnell
Zugang. 1970
gründete er
die
Künstlergemeinschaft
Westerwald-Taunus-Lahn
mit und
wurde
bereits 1971
für viele
Jahre deren
erster
Vorsitzender.
Auf einem
Wiesengrundstück
mit starker
Hanglage,
etwa
zweihundert
Meter von
den nächsten
Häusern der
damals
geschlossenen
Ortschaft
Kördorf
entfernt,
schufen sich
Friedrich
und Tamara
ein neues
Zuhause.
Das unter
großen Mühen
mit eigener
Kraft
errichtete
Blockhaus
nach
ostdeutscher
Kolonistenart
strahlte
Wärme und
Leben aus.
Bei jedem
Besuch dort
spürte man
mehr, wie
sich beide
in der neuen
Umgebung
einlebten
und neue
Freundschaften
schlossen
mit Menschen
und Tieren.
Man
beobachtete
zugleich,
dass das
Traumtal vor
allem
Friedrich
Kunitzer
immer wieder
zu neuen
Zeichnungen
und Bildern
anregte.
Nachdem
weitere
Baulichkeiten
errichtet
waren und
das Ehepaar
gemeinsam
eine kleine
Landwirtschaft
mit Vieh-
und
Fischzucht
aufbaute,
schuf sich
Kunitzer ein
eigenes
Atelier, das
nach und
nach
erweitert
wurde und
viele Jahre
als ständige
Ausstellung
für
Zeichnungen
und Bilder
diente.
Kunitzer
malte alles,
was sein
waches Auge
und Ohr für
wichtig
erachtete.
Seine
Freunde und
Bekannten
besuchten
ihn immer
häufiger,
weil der
Lebensstil
und die
Werke des
Künstlers
dem
aufmerksamen
Besucher
neue
Eindrücke
und
Einsichten
vermittelten.
Das einfache
Leben, das
Kunitzer
gewählt
hatte, auf
Papier
bannte und
einer
künstlerisch
interessierten
Umwelt mit
seinen Augen
sichtbar
machte, fand
immer neue
Bewunderer.
Einer von
ihnen war
Peter
Nasarski,
der darüber
berichtete,
dass
inzwischen
in Kunitzers
neuer
Heimat, bis
hin zur
hessischen
Landeshauptstadt
und bis
Bonn, wo
1973 in der
Parlamentarischen
Gesellschaft
eine
Ausstellung
seiner Werke
stattfand,
immer
weitere
Kreise auf
das
„Malerparadies
an der Lahn“
aufmerksam
geworden
waren. Das
Blockhaus
und
Friedrich
Kunitzers
Atelier, das
er zum
Heimatmuseum
ausgestaltete
und das er
auch so
nannte,
wurde zum
Anziehungspunkt
vieler
Kunstfreunde
und vieler
Landsleute.
Rundfunk und
Fernsehen
haben über
Kunitzers
Schaffen
berichtet,
Bundes- und
Landespolitiker
dankten ihm
für die oft
in
unglaublich
kurzer Zeit
entstandenen
Porträts.
Der Künstler
ist vor
allem durch
seine
schriftstellerische
Tätigkeit
weit über
seine Heimat
hinaus
bekannt
geworden.
1973
veröffentlichte
er das Text-
und Bildwerk
Wo die
Füchse
Kaffee
kochen,
das zuvor
ein
preisgekröntes
Werk eines
Wettbewerbs
des
Ostdeutschen
Kulturrates
unter dem
Motto
Fremd in
Deutschland?
gewesen war.
Im Jahre
1983 brachte
er im
Westkreuz-Verlag
Berlin/Bonn
ein weiteres
Buch über
das Leben an
der Lahn und
im Jammertal
mit dem
Titel
Menschen-Mühlen-Märchen
heraus. In
annähernd
200
Zeichnungen
zeigt der
Maler die
Menschen und
Mühlen vor
dem
Hintergrund
ihrer
Schicksale,
die an der
Lahn oder im
mitteleuropäischen
Osten ihren
Ursprung
haben und
ihre
Fortsetzung
finden.
1987 wurde
Kunitzer der
Dr.
Kurt-Lück-Preis,
der
Kulturpreis
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe,
verliehen.
Im gleichen
Jahr
erschien
ebenfalls im
Westkreuz-Verlag,
für den er
in den
siebziger
und
achtziger
Jahren des
vergangenen
Jahrhunderts
zahlreiche
Aufträge
ausführte,
sein Band
Unterwegs –
am Rande
unseres
Jahrhunderts.
Hier
schreibt er
über seine
Zeit in
Wolhynien:
„Während
einigen
meiner
Skizzen und
Illustrationsreihen
aus der
Zwischenkriegszeit
erst
kürzlich in
Erzähler-
und
Bildbänden –
so in Hilda
Brost-Kliners
‚Geschichten
– wie aus
einer
anderen
Welt‘ und in
einem
Dokumentationswerk
‚Zwischen
Ostsee und
Waldkarpaten‘
– zu einem
für mich
unerwarteten
Wiederauferstehen
verholfen
werden
konnte,
fanden meine
Kreuz- und
Querfahrten
durch
Wolhynien in
einem
Sammelband
‚Wege zum
Nachbarn‘
einen
Niederschlag
eigener Art.
Ich hatte
vorher im
Rahmen eines
Erzählerwettbewerbs
des
‚Ostdeutschen
Kulturrats‘
und dann
auch in
einer
Rundfunksendung
über meine
Wanderungen
durch
Ostpolen
berichtet.
Hatte
geschildert,
wie die
einfachen
Menschen
dieses
Raumes gute
und böse
Zeiten
erlebt
hatten. Und
so sehr
gerade auch
die
Deutschen
unter ihnen
von harten
Schicksalsschlägen
betroffen
worden
waren, so
wenig gaben
sie es auf,
den Gesetzen
ihrer
Nachbarschaft
auch Russen,
Ukrainern,
Polen und
Juden
gegenüber
treu zu
bleiben.“
1989 war
Kunitzer ein
zweites Mal
in
Worpswede.
Hier gelang
es ihm,
einige
seiner
Bilder
zurückzukaufen,
die den
Krieg
überlebt
hatten und
die er viele
Jahre vorher
aus
finanziellen
Gründen
hatte
veräußern
müssen.
Kunitzer
fand in
seinen
letzten
Lebensjahren
in Kuno
Kallnbach
einen
Förderer
seiner
Kunst.
Dieser
erwarb 150
Bilder des
Künstlers
und stellt
diese
seither in
seiner nach
der Wende
erworbenen
Hotelanlage
in
Engelsbach
bei
Friedrichroda
aus. Bei der
Eröffnung
dieser
Ausstellung
betonte der
Marburger
Kunsthistoriker
Dr. Rainer
Zimmermann,
dass
Friedrich
Kunitzer zu
den
hervorragenden
Vertretern
der
„heute
weitgehend
verschollenen
Generation
des
expressiven
Realismus“
gehöre.
Zimmermann
war es auch,
der das
Vorwort zu
einem 1996
im
Worpsweder
Verlag von
Bernd Küster
herausgegebenen
und
weitgehend
von Kuno
Kallnbach
finanzierten
Buch mit dem
Titel
Friedrich
Kunitzer –
Der Maler
und sein
Werk mit
den
Lebensdaten
und
zahlreichen,
meist
farbigen
Bildern
geschrieben
hat.
Am 28.
Februar 1998
– als
öffentliche
Geburtstagsfeier
für den
damals
91-jährigen
– hatte die
Tochter
Barbara noch
eine kleine
Ausstellung
seiner
restlichen
Ölbilder,
Aquarelle
und
Zeichnungen
im
Seniorenstift
in
Katzenelnbogen
ausgerichtet,
wo der
Künstler
nach dem
Tode seiner
Frau Tamara
im Herbst
1996 lebte.
Vierzehn
Tage später
– am 14.
März 1998 –
verstarb der
Künstler in
diesem
Seniorenstift
und mit ihm
versiegte
eine Quelle,
die einen
unerschöpflichen
Erzählungsfluss
und einen
malerischen
Erinnerungsdrang
besaß. Eine
große
Trauergemeinde
erwies
Friedrich
Kunitzer die
letzte Ehre.
Lit.:
Außer den
bereits
genannten
Veröffentlichungen
zahlreiche
Beiträge in
den
„Jahrbüchern
Weichsel-Warthe“,
so Friedrich
Kunitzer,
ein
Grimmelshausen
unserer Tage
(Peter
Nasarski,
Jahrbuch
1974). –
Mein Weg in
ein Traumtal
an der Lahn
(Tamara
Kunitzer/Jahrbuch
1980). –
Friedrich
Kunitzer
stellt in
Baku aus
(Jahrbuch
1985). –
Ergebnisse
einer
Skizzensammlung
(Friedrich
Kunitzer/Jahrbuch
1993). –
Friedrich
Kunitzer ein
Denkmal
gesetzt/Gemäldesammlung
aus Kördorf
jetzt in
Thüringen
(Karl
Bauer/Jahrbuch
1995). –
Eines Malers
Weg in die
Vergangenheit/Zur
Kunst
Friedrich
Kunitzers
(Rainer
Zimmermann/Jahrbuch
1997). – Von
mir über
mich
(Friedrich
Kunitzer/Jahrbuch
1997). –
Abschied von
Friedrich
Kunitzer –
Ein Leben im
Dienste der
Kunst (Peter
Nasarski/Jahrbuch
1999), Dem
Strom der
Geschichte
eine Insel
abgetrotzt –
Eine
Würdigung
zum 100.
Geburtstag
von
Friedrich
Kunitzer
(Karl
Bauer/Jahrbuch
2007).
Bild:
Privatarchiv
des Autors.
Karl Bauer