Heinrich Laakmann ist in einem kleinen Ort in Livland
geboren, einer der „Ostseeprovinzen“ des Zarenreiches,
deren Gebiet später teils an Estland, teils an Lettland
(so auch Rause) fiel. Seine Heimatstadt wurde aber das
estländische Pernau/Pärnu, wo sein Vater eine Druckerei
besaß. Nach dem dortigen Schulbesuch nahm der künftige
Forscher 1910 das Studium der Geschichte in Dorpat/Tartu
auf, das er infolge der besonderen Bedingungen des
Ersten Weltkrieges erst 1918 beendete. Danach trat er in
das Baltenregiment ein, das als Truppe der Deutschen aus
Estland am Freiheitskampf gegen die Bolschewisten
mitwirkte.
Anschließend war Laakmann als Gymnasiallehrer in Pernau
und Dorpat tätig, in letzterem zugleich auch als
Zeitungsredakteur. In diese Zeit gehört das Erscheinen
seiner „Geschichte Liv-, Est- und Kurlands, der jetzigen
Republiken Eesti und Latwija“ (Reval 1924), bei der es
sich primär um ein Lehrbuch für deutsche Schulen in
Estland handelte, die aber als zuverlässige Darstellung
im Sinne des traditionellen deutschbaltischen
Geschichtsbildes auch darüber hinaus Leser fand.
Nachdem Laakmann in den 1930er Jahren als
Privatgelehrter in Pernau gelebt hatte und dann
Mitarbeiter des deutschen „Instituts für
wissenschaftliche Heimatforschung“ in Dorpat geworden
war, nahm er nach dem Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes,
der die Baltischen Länder den Sowjets überließ, im
Herbst 1939 an der Umsiedlung der Deutschbalten teil,
die ihn wie viele andere zunächst nach Posen führte. In
der Folgezeit war Laakmann in Berlin und Bautzen tätig,
und zwar als Referent und Bibliothekar an der
„Publikationsstelle“, die 1932 beim Geheimen
Staatsarchiv Berlin-Dahlem zwecks Erarbeitung und
Verbreitung von Kenntnissen über Ostmitteleuropa
geschaffen worden war. Nach dem Kriege lebte er in
Soltau und Bad Hersfeld, ohne noch eine feste Anstellung
finden zu können.
Die Forschungstätigkeit Laakmanns bezog sich vor allem
auf die Stadt Pernau und auf Probleme des alten Livland,
zugleich war er ein guter Kenner der Geschichte des
Baltikums in ihrem Gesamtverlauf. Was seine Heimatstadt
betrifft, veröffentlichte er zahlreiche Beiträge in den
Sitzungsberichten der Altertumsforschenden Gesellschaft
zu Pernau, deren Präses Laakmann von 1930 bis 1939 war.
Zu diesen Publikationen gehören eine Ratslinie der
einstigen Hansestadt und ein Bürgerbuch. Ihren
bedeutenden Abschluß erhielt Laakmanns Arbeit auf diesem
Gebiet mit der „Geschichte der Stadt Pernau in der
Deutsch-Ordenszeit“, einer Monographie, die posthum im
Jahre 1956 erschien.
Als Mediävist hatte sich Laakmann schon zuvor durch
quellenkritische Untersuchungen u. a. zur estnischen und
lettischen Siedlung, zu den vordeutschen Fürstentümern
an der Düna und zu den Anfängen der deutschen Herrschaft
in Livland einen Namen gemacht. Seine umfangreichen
Aufsätze „Zur Geschichte Heinrichs von Lettland und
seiner Zeit“ (1933) und „Estland und Lettland in
frühgeschichtlicher Zeit“ (1939) werden in einschlägigen
wissenschaftlichen Arbeiten bis heute sehr oft zitiert.
Als besonders originell seien außerdem zwei weitere
Arbeiten hervorgehoben: ein fein differenzierender
adels- und gütergeschichtlicher Beitrag über den älteren
Großgrundbesitz im Erzstift Riga (1936) und ein
kulturgeschichtlich interessanter Aufsatz über „Altlivländische
Rufnamen“ und den Wandel in ihrer Verbreitung (1954/55).
Unbedingt erwähnt werden muß ferner eine in ihrem
Anspruch einmalige Folge von historischen Karten mit
Erläuterungen, die 1954 unter dem Titel „Die Baltischen
Lande“ erschien und seitdem vielfach benutzt wird.
Was die neuere Zeit betrifft, hat Laakmann nicht nur
seine historische Gesamtdarstellung und sein Kartenwerk
bis ins 20. Jahrhundert geführt, sondern u. a. auch
Treffendes über die Bedeutung der Universität Dorpat
gesagt und eine illusionslose Analyse der Lage des
bedrohten Deutschtums in den Republiken Estland und
Lettland geboten.
Vor allem war er aber Mediävist. Zwar tritt sein Werk
hinter demjenigen seiner Zeitgenossen Leonid Arbusow und
Paul Johansen zurück (vgl. zu diesen OGT 2001/2002, S.
40-42 und 1990, S. 75-77), doch trug auch Laakmann
wesentlich zur Fortsetzung der großen deutschbaltischen
Tradition auf dem Gebiet der Mittelalterforschung bei,
und seine quellenorientierten, sorgfältigen Arbeiten
wurden und werden in der Fachwelt hoch geschätzt.
Lit.:
Wilhelm Lenz (Hrsg.), Deutschbaltisches biographisches
Lexikon 1710-1960, Köln/Wien 1970, S. 497. – Albert
Bauer, Heinrich Laakmann, in: Zeitschrift für
Ostforschung 39 (1990), S. 423-425. – Bibliographie
Heinrich Laakmann, bearb. von Peter Wörster, ebenda, S.
426-431. – Klaus Neitmann: Der Nachlaß Heinrich Laakmann,
ebenda, S. 418-422. – Georg von Rauch (Hrsg.),
Geschichte der deutschbaltischen Geschichtsschreibung,
Köln/Wien 1986.
Bild: Geschichte der deutschbaltischen
Geschichtsschreibung, wie oben, nach S. 352.
Norbert
Angermann