„Wo sind wir
denn. zu
Hause?“,
diesen Titel
trägt eine
Erzählung
von Horst
Lange in
seinem Buch
„Am
kimmerischen
Strand“ und
er fragt
darin
weiter: „Bin
ich in
meinen
Träumen zu
Hause, in
meinen
Hoffnungen,
in meinen
Enttäuschungen?
Oder werde
ich, da mir
das Leben so
oft seine
Unzulänglichkeiten
dartut, in
meinem Tode
zu Hause
sein? Daran,
daß ich im
Willen und
in den
Fügungen
Gottes, mit
dem er mein
Dasein
gelenkt hat,
zu Hause
sein könnte,
wage ich
nicht zu
denken ...“
Er fühlt
sich
zwischen
Osten und
Westen und
bekennt:
„Der Westen
wiederum lag
für
unsereinen
durch eine
Verschiebung
der
politischen
Windrose
nicht dort,
wo Preußen
begann,
sondern im
Süden,
jenseits der
Sudeten,
woher vor
der
Annektion
alles
gekommen
war, was das
Wesen des
Landes und
seiner
Bewohner
geformt
hatte; Prag
und Wien
gehören für
den
Schlesier
zum Westen,
ja, sie
markieren
das
Westliche
auf eine
bedeutende
Art.“
Horst Lange
wurde am 6.
Oktober 1904
in Liegnitz
geboren. In
dem großen
Bruch- und
Sumpfgebiet
am Rande der
Stadt wuchs
er heran.
Hier mag er
entscheidende
Eindrücke
für seine
späteren
Arbeiten in
sich
aufgenommen
haben. An
der
Oberrealschule
in Liegnitz
legte er
1925 sein
Abitur ab.
Eigentlich
wollte er
Maler
werden. Er
besuchte das
Weimarer
Bauhaus und
nahm aber
bald an den
Universitäten
in Berlin
und Breslau
das Studium
der
Germanistik,
der Kunst-
und
Theatergeschichte
sowie der
Philosophie
auf. Auch
diese
Laufbahn
brach er ab,
um sich ab
1931 in
Berlin als
freier
Schriftsteller
zu
versuchen.
Lange
gehörte dem
Kreis der
Literarischen
Zeitschrift
„DIE
KOLONNE“ an
und schrieb
vor allem
für die „Vossische
Zeitung“,
die
„Deutsche
Allgemeine
Zeitung“ und
das
„Berliner
Tagblatt“.
Durch die
Lyrik Heyms,
Trakls und
Benns fand
er früh zum
Expressionismus.
In ihm
verbindet
sich aber
das Denken,
wie es etwa
dem
schlesischen
Barockdichter
Johann
Christian
Günther zu
eigen war,
mit dem der
Moderne zu
einer
Synthese.
1932 erhält
er den
Lyrikpreis
der
„KOLONNE“.
Seine
heimatliche
Welt an der
Oder
gestaltet er
in seiner
ersten
Erzählung
„Die
Gepeinigten“
(1933) und
man kann sie
das
Präludium zu
einem seiner
wichtigsten
Werke
ansehen:
„Schwarze
Weide“
(1937). Zum
Schauplatz
wird darin
die
versumpfte
Hügellandschaft
jenseits der
Oder, in der
sich ein
dämonisches
Geschehen
abspielt.
Ein
ungeklärter
Mord und
eine Sühne
für eine
eigenartige
Liebe
offenbaren
Tiefen und
Abgründe der
Seele. Die
sich
aufdrängenden
Mächte der
Natur werden
auch in den
Erzählungen
„Auf dem
östlichen
Ufer“ (1939)
und „Das
Irrlicht“
(1942)
spürbar.
1940
erschien
sein zweiter
Roman
„Ulanenpatrouille“
– Die
Geschichte
einer Liebe.
Bei einem
herbstlichen
Mannöverritt
begegnet der
Leutnant
Friedrich
von G. noch
einmal der
Gräfin
Bronislawa,
deren Zauber
er sich nie
entziehen
konnte, und
statt einen
Befehl
auszuführen,
gibt er sich
diesem
Abenteuer
hin, ehe er
gelassen in
den Tod
reitet. Im
Laufe der
Jahre
erscheinen
weitere
Erzählungen
in den
Bänden „Die
Leuchtkugeln“
(1944) und
„Windsbraut“
(1947).
Verheiratet
war Horst
Lange seit
1933 mit der
ebenfalls
bekannt
gewordenen
Schriftstellerin
Oda Schäfer.
Zum
Kriegsdienst
wurde er
1940
einberufen
und im
Winter 1941
erlitt er
vor Moskau
schwere
Verwundungen.
Später
lähmte vor
allem die
Kopfverletzung
seine
Arbeitskraft.
Nach dem
Verlust der
Heimat im
Jahre 1945
lebte er
zunächst in
Mittenwald/Obb.,
danach ab
1952 in
München.
Bereits 1946
wurde der
Dichter
Präsident
der
„Münchner
Kulturliga“,
später des
deutschen
PEN-Clubs
der
Bundesrepublik,
der Akademie
für
Wissenschaft
und
Literatur.
1956 erhielt
Lange den
Literaturpreis
der
Deutschen
Industrie,
1963 den
Literaturpreis
der
Bayerischen
Akademie der
Schönen
Künste und
1960 den
Ostdeutschen
Literaturpreis
der
Künstlergilde
Esslingen.
„Der Traum
von
Wassilowka“
(1946) war
das erste
deutsche
Kriegsschauspiel
nach 1945.
Im gleichen
Jahr kam das
Einpersonenstück
„Die Frau,
die sich
Helena
wähnte“
heraus. Der
Roman „Ein
Schwert
zwischen
uns“ (1952)
spiegelt die
Hoffnungslosigkeit
der Liebe in
der
fragwürdigen
Nachkriegszeit.
Der Roman
„Verlöschendes
Feuer“
(1956) hat
die Liebe
einer
Studentin zu
einem
Verwundeten
zum Thema.
„Gedichte
aus zwanzig
Jahren“
erschienen
1949 und ein
weiterer
Gedichtband
„Aus dumpfen
Fluten kam
der Gesang“
wurde 1958
veröffentlicht.
Sie haben
„den Atem
echter
Visionen ...
und sind
mitunter von
einer
ziehenden,
hypnotischen
Gewalt
erfüllt, von
einem herben
Dunkel“
sagte Karl
Krolow zu
diesen
Gedichten.
Wie bekannte
Horst Lange
sich zu
seiner
Aufgabe als
Schriftsteller:
„Wenn man,
gleich mir,
der Meinung
sein sollte,
daß die
Dichtung bei
uns heute
vor allem
eine
ethische und
moralische
Aufgabe zu
erfüllen
hat, so
wird
man es
nicht als
eine
Übertreibung
hinnehmen,
daß ich
behaupte, es
sei noch nie
so sehr wie
in diesem
Augenblick
auf jedes
Wort
angekommen,
das in
unserer
Sprache
geschrieben
wird.“
Als
bedeutsamstes
literarisches
Ereignis der
jüngeren
schlesischen
Literatur
wird sein
Roman
„Schwarze
Weide“
gewertet,
und Werner
Bergengruen
spricht
davon, daß
man nur
wenige
Bücher der
letzten
Jahre an
seine Seite
stellen
könnte. Und
Grenzmann
führt aus:
„Die
Erzählungen
von Horst
Lange
verweilen im
Grenzland
zwischen
Wachen und
Traum; er
ist einer
der
bedeutendsten
Gestalter
der
seelischen
Zwischenschichten.“
Vor seinem
jähen Tod am
6. Juli 1971
äußerte sich
seine Gattin
Oda Schäfer
einmal so
über ihn:
„Horst
Lange, der
Mensch,
hatte einen
Wahlspruch,
den er gern
zitierte: er
meinte, es
käme immer
darauf an,
wo es auch
sei,
jemanden
,aus der
Feuerlinie‘
zu holen. Er
trauerte
seinen
Kameraden
nach, die
alle
gefallen
waren bei
Stalingrad,
bis auf zwei
außer ihm;
er konnte
die
Leidenden
des Krieges
nicht
vergessen,
denn er
besaß die
Fähigkeit zu
trauern.“
Lit.:
Ernst Lange:
Schwarze
Weide.
Roman.
Hamburg 1979
(Erstausgabe
Goverts
1937). –
Ders.:
Tagebücher
aus dem
Zweiten
Weltkrieg,
hrsg. von
kommentiert
von H. D.
Schäfer.
Mainz (1979)
(= Die
Mainzer
Reihe Band
46), darin:
S. 261 ff.
O. Schäfer,
Ernst Lange.
Ein
Lebensbild;
S. 291 ff.
H.D.
Schäfer,
Horst Langes
Tagebücher
(eine
profunde
Würdigung
mit weiteren
Literaturverweisen).
– Oda
Schäfer: Die
leuchtenden
Feste über
der Trauer.
München
1977. – Arno
Lubos:
Geschichte
der
Literatur
Schlesiens.
III. Band.
München –
Eintrag:
Horst Lange,
in: KLG
1988.
Bild:
Privatarchiv
des Autors
Konrad
Werner