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Politische, religiöse und soziale Freiheit waren das Ziel jener
Schriftsteller, Publizisten und Journalisten, die um 1830 mit ihren
politischen Ideen als „Junges Deutschland“ besonders in Zeitschriften
auftraten. Neben Heinrich Heine und Ludwig Borne (eigentlich Lob
Baruch), neben Karl Gutzkow und Theodor Mundt gehörte der Schlesier
Heinrich Laube zu den führenden Köpfen dieser Bewegung. Seine kritische
Natur hatte ihn in diesen Kreis geführt, aus dem er auch den Antrieb zu
seiner bedeutenden zeitkritischen Romantriologie „Das junge Europa“
bekam, dessen erster Teil unter dem Titel „Die Poeten“ (1833) von der
Literaturgeschichte als „Schlüsselroman“ in die Nähe von Gustav Freytags
„Soll und Haben“ gerückt wird. Die weiteren Teile tragen die Titel „Die
Krieger“ (1834/37) und „Die Bürger“ (1837). Heinrich Laube wurde am 18.
September 1806, dem Jahr der preußischen Niederlage in der
Doppelschlacht von Jena und Auerstädt, als Sohn eines Maurermeisters in
der kleinen niederschlesischen Stadt Sprottau am Bober geboren, aus der
auch der um sechs Jahre ältere Robert Heinrich Göppert, der Begründer
der Paläontologie und Professor der Medizin und Botanik an der
Universität Breslau, stammte (1800-1884). Nach dem Besuch des Gymnasiums
in Oberglogau beginnt Laube ein Theologiestudium in Halle, muß die
Universität dort aber bald wieder verlassen, da er „burschenschaftlicher
Umtriebe verdächtig“ ist. Er setzt sein Studium in Breslau fort,
schreibt dort nebenbei seine ersten Theaterkritiken (1829), wird
Redakteur der literarischen Zeitschrift „Aurora“ und beendet seine
Studien schließlich mit der theologischen Examensarbeit „Über die
Erbsünde“. Aus theologischer Sicht entsteht hier 1830 auch sein erstes
Schauspiel „Gustaf Adolf“.
Die Pariser Märzrevolution und der Aufstand in Polen im Jahre 1830 sind
dann der Anlaß für ein unruhiges Wanderleben, das ihn nach Mittel- und
Norddeutschland, nach Tirol und Oberitalien, schließlich nach Wien und
Prag führt. Seine liberale Publizistik, der er sich nun verschreibt,
bringt ihm zunächst eine Untersuchungshaft im Staatsgefängnis der
Berliner Hausvogtei und dann 1838 eine Festungshaft ein, die er aber auf
dem Gnadenwege in der Residenz seines Freundes, des Grafen Pückler, in
Muskau verbringen darf. Hier schreibt er seine „Geschichte der deutschen
Literatur“, die als bedeutende Literaturkritik jener Zeit gelten darf.
Dann ist er wieder unterwegs im Rheinland, in den Niederlanden und
Belgien, in Frankreich und Spanien, schließlich in Nordafrika, um sich
endlich in Leipzig mit seiner Frau, der Witwe eines Leipziger
Professors, niederzulassen.
Nun entfaltet Laube eine reiche literarische Tätigkeit, die ihr wohl
wichtigstes Zeugnis 1846 in dem literarischen Schauspiel „Die
Karlsschüler“ findet, das er zwei Jahre später, im Revolutionsjahr 1848,
in Wien, wo er nach seiner Abwendung von Preußen eine neue Heimat zu
finden hofft, inszeniert. Er wird 1849 Direktor des von ihm inzwischen
reformierten Burgtheaters, wo er 1856 die Tragödie „Graf Essex“
herausbringt, die als sein bestes Bühnenwerk gilt. Im folgenden
Jahrzehnt entsteht hier seine neunbändige Romantrilogie „Der Deutsche
Krieg“ (1866), eine Handlungshistorie aus dem Dreißigjährigen Krieg, die
ihren literaturgeschichtlichen Platz unmittelbar neben Gustav Freytags
kulturhistorischem Roman „Die Ahnen“ (1872/81) hat.
Im Jahre 1867 muß Laube als Opfer von Intrigen aus dem Burgtheater
ausscheiden, geht wieder nach Leipzig, um dort 1869 die Direktion des
Stadttheaters zu übernehmen, kehrt aber 1872 wieder nach Wien zurück und
wird dort Direktor des Wiener Stadttheaters, das er mit seinem
„Demetrius“, der Vollendung des Schillerschen Trauerspiels, eröffnet.
Aber schon acht Jahre später entsagt er ganz dem Theater und stirbt am
1. August 1884 in Wien.
Laubes letzte Dichtung, die in Paris spielende Theaternovelle „Louison“
(erschienen 1881), geht auf die Schauspielerin Katharina Schratt zurück,
die schon als Naive am Wiener Burgtheater ein Liebling des Publikums und
später die Altersfreundin des Kaisers Franz Joseph I. war. Von Bedeutung
sind auch seine Beiträge zur deutschsprachigen Theatergeschichte, wie
„Das Burgtheater“ (1868), „Das norddeutsche Theater“ (1872) und „Das
Wiener Stadttheater“ (1875). Angaben zum Theaterwesen in Schlesien
finden sich auch und vor allem in seinen „Erinnerungen“ (1875-1880).
Lit.:
Heinrich Laube: Gesammelte Werke, hrsg. v. H. H. Houben, 50 Bände
(1908ff.) – Neue Deutsche Biographie, Band 13 (1982).
Abb.:
Gemälde von Friedrich Pecht, Laube-Museum, Sprottau
Heinz
Rudolf Fritsche
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