Ende August
2001 öffnete
im Schloß
der
Pommerschen
Herzöge in
Stettin eine
Ausstellung
mit Werken
des Malers
Julo Levin
ihre
Pforten. In
den
folgenden
Wochen gab
es auch in
Deutschland,
in Dorsten
im Jüdischen
Museum
Westfalen,
in Viersen
in der
Städtischen
Galerie und
im
Stadtmuseum
Düsseldorf
weitere
Ausstellungen.
Im Frühjahr
2002 schloß
sich eine
umfassende
Werkschau im
Kunst-Museum
Ahlen an.
Wer ist
dieser 1901
in Stettin
geborene
Maler, dem
sich in
seiner
Geburtsstadt
und in
Nordrhein-Westfalen
anläßlich
seines 100.
Geburtstags
gleich
mehrere
Ausstellungen
widmeten?
Julo Levin
gehört einer
Generation
von
Künstlern
an, die als
Juden und
oft auch
wegen
unliebsamer
politischer
Betätigung
von den
Nationalsozialisten
mit Mal- und
Berufsverbot
belegt
wurden.
Viele
Künstler
dieser so
genannten
„verschollenen
Generation“
fielen
ungeachtet
ihrer
künstlerischen
Qualitäten
und Talente
auch nach
1945
weiterhin
dem
Vergessen
anheim.
Julius „Julo“
Levin wurde
am 5.
September
1901 in
Stettin als
drittes und
jüngstes
Kind
geboren. Die
Eltern, Emma
und Leo
Levin,
entstammten
in Stettin
ansässigen
jüdischen
Familien.
Schon früh
machte sich
bei Julo ein
zeichnerisches
Talent
bemerkbar.
Die Familie
wünschte
allerdings,
daß er
Kaufmann
werde und
die Kunst
nur in
seiner
Freizeit
betreibe.
Diesem
Wunsch
entsprechend
begann Levin
bei einer
Stettiner
Firma eine
kaufmännische
Ausbildung.
Da sein
Drang zum
Zeichnen
blieb,
besuchte er
abends die
Kunstgewerbeschule.
Im Frühjahr
1919
entschied
sich Levin
endgültig
für die
Kunst und
schrieb sich
an der
Essener
Kunstgewerbeschule
(1928 in
Folkwangschule
umbenannt)
ein. Die
Schule stand
damals im
Mittelpunkt
der
aufblühenden
modernen
Kunst im
Rheinland.
Starken
Einfluß übte
Jan Thorn
Prikker, der
Leiter der
Malklasse,
auf Levin
aus. Als
dieser 1920
an die
Kunstgewerbeschule
in München
wechselte,
folgte Levin
dem
verehrten
Professor
ein Jahr
später nach.
Im März 1923
ging Levin
mit Jan
Thorn
Prikker nach
Düsseldorf
an die
Kunstakademie.
Zu seinen
Lehrern
gehörten nun
auch
Heinrich
Campendonk
und Heinrich
Nauen, bei
dem Levin
ein Atelier
als
Meisterschüler
hatte.
1926 schloß
Levin sein
Kunststudium
ab. Die im
gleichen
Jahr in
Düsseldorf
stattfindende
„Große
Ausstellung
für
Gesundheitspflege,
soziale
Fürsorge und
Leibesübungen“,
kurz „Gesolei“
genannt,
verschaffte
ihm einen
seiner
ersten
großen
Aufträge.
Seine
Wandgemälde
fielen durch
ihre streng
vereinfachten
geometrischen
Linien und
Flächen auf
und zeigen
den Einfluß
des
Expressionismus
im
rheinischen
Stil.
Die ersten
Honorare
ermöglichten
Levin 1926
einen
mehrwöchigen
Aufenthalt
in Paris,
dem
damaligen
Zentrum der
modernen
Kunst. Eine
weitere
Frankreichreise
führte ihn
im Sommer
1931 mit
finanzieller
Unterstützung
seiner
Mutter für
mehrere
Monate nach
Marseille.
Aus seinen
Briefen
spricht die
große
Begeisterung,
mit der er
auf die ihm
fremde Welt
reagierte.
Im Hafen
begegneten
ihm unter
anderem
Afrikaner
und Araber,
von denen er
viele
porträtierte.
Levin
entdeckte in
Südfrankreich
eine
kraftvolle,
farbige
Welt, wie er
sie in
seiner
Düsseldorfer
Heimat
niemals
finden
konnte. In
diesen sechs
Monaten
entstanden
zahlreiche
Aquarelle,
Ölbilder und
Zeichnungen.
Julo Levin
gehörte der
1919
gegründeten
Künstlergruppe
„Das junge
Rheinland“
und deren
Nachfolgeorganisation
„Rheinische
Sezession“
an.
Diese
Gruppen
organisierten
in erster
Linie
Ausstellungen
für ihre
Mitglieder,
um sie auf
diesem Wege
einem
breiteren
Publikum
bekannt zu
machen. Auch
Levin hatte
in den
Jahren 1927
bis 1933
eine rege
Ausstellungstätigkeit.
Auf den
Jahresausstellungen
des „Jungen
Rheinland“
von 1927 und
1928
präsentierte
er jeweils
sieben
Werke. Auch
nahm er 1928
an der von
der
„Rheinischen
Sezession“
organisierten
Ausstellung
„Deutsche
Kunst“ in
Düsseldorf
teil. Es
folgten
Ausstellungen
in Berlin
und in
Nürnberg. Im
Jahr 1930
trat Levin
der in
seiner
Heimatstadt
Stettin neu
gegründeten
Künstlergruppe
„das neue
Pommern“
bei. An der
ersten
Ausstellung
beteiligte
er sich mit
zwei
Ölbildern
und drei
Aquarellen.
Nach 1933
sahen sich
jüdische
Künstler ins
Ghetto
abgedrängt.
Nur noch
drei Mal
konnte Levin
seine Werke
präsentieren.
Im Herbst
1933 stellte
er mit
anderen
Künstlern in
Düsseldorf
aus. Im
Frühjahr
1936 gab es
eine
Gemeinschaftsausstellung
im Jüdischen
Museum in
Berlin und
im Winter
1936/37
konnten
einige
seiner
Arbeiten im
Berliner
Kulturbundtheater
besichtigt
werden.
Die meisten
seiner
Freunde
charakterisierten
Julo Levin
als einen
eher scheuen
und
zurückhaltenden
Menschen.
Auch wenn er
mit dem
Judentum und
seinem
Jüdischsein
nicht viel
gemein
hatte, war
er schon vor
1933 durch
persönliche
Kontakte und
Freundschaften
mehr oder
weniger in
die
jüdischen
Kreise
Düsseldorfs
eingebunden.
Julo Levin,
obwohl nie
einer
politischen
Partei
beigetreten,
war kein
unpolitischer
Mensch. Die
Anfänge
seines
politischen
Engagements
liegen
bereits in
den 1920er
Jahren.
Seine
Sympathien
galten der
Kommunistischen
Partei. So
gehörte er
seit 1928
der im
selben Jahr
gegründeten
„Assoziation
Revolutionärer
Bildender
Künstler
Deutschlands“,
kurz ASSO
genannt, an.
Seine
politischen
Aktivitäten
bis 1933
fanden
seinem
Charakter
entsprechend
ohne großes
Aufsehen
statt.
Die im
Januar 1933
erfolgte
Machtergreifung
der
Nationalsozialisten
brachte für
Levin in
vieler
Hinsicht
einen tiefen
Einschnitt.
Seine Nähe
und
Sympathie zu
politisch
links
stehenden
Oppositionellen
und zur KPD
führte im
Juni 1933
zur ersten
Verhaftung.
Mit ihm
wurden
weitere
Künstler aus
seinem
Freundeskreis
verhaftet,
darunter
Franz und
Mieke Monjau.
Die
Freundschaft
zu den
beiden
sollte sich
in den
kommenden
Jahren noch
sehr
bewähren.
Nach der
Haftentlassung
erhielt
Levin wie
auch andere
Künstler ein
Mal- und
Ausstellungsverbot
und damit
faktisch ein
Berufsverbot.
Da er
offiziell
nicht mehr
malen durfte
und somit
auch nicht
verkaufen
konnte, ließ
sich Levin
zum
Schreiner
ausbilden.
Die
Ausbildung
erfolgte
heimlich bei
einem
Schreinermeister.
Levin
glaubte, als
Facharbeiter
den
kommenden
wirtschaftlichen
Schwierigkeiten
und der
zunehmenden
gesellschaftlichen
Isolierung
besser
begegnen zu
können. Er
wird sich
der Gefahr,
die ihm als
jüdischen,
den
Kommunisten
nahestehenden
Künstler von
den
Nationalsozialisten
drohte,
sicherlich
bewußt
gewesen
sein.
Dennoch kam
für Levin
ein
Verlassen
Deutschlands,
die
Emigration,
nie in
Frage. Er
wollte in
seiner
Heimat
bleiben,
auch wenn
einige
Freunde und
selbst seine
Schwester
Else das
Land
verließen.
Ein
Abtauchen in
die
Illegalität
schied für
ihn
ebenfalls
aus. Er
fühlte sich
den
Belastungen,
die ein
Leben im
Untergrund
mit sich
brachte,
nicht
gewachsen
und wollte
keine
weiteren
Personen
gefährden.
Von 1936 an
arbeitete
Julo Levin
an der
jüdischen
Schule in
Düsseldorf
als
angestellter
Zeichenlehrer.
Auch wenn er
diesem Beruf
und der
Arbeit mit
Kindern seit
Jahren
großes
Interesse
entgegenbrachte,
bereitete
ihm der
Unterricht
viel
Kopfzerbrechen.
Statt der
kindlichen
Kreativität
und
Ausdruckskraft
freien Lauf
lassen zu
können,
mußte er
sich mit der
Einübung
technischer
Malpraktiken
befassen und
Schönschrift
sowie
technisches
Zeichnen
unterrichten.
Als man
Levin im
März 1938
als
Zeichenlehrer
verabschiedete,
atmete er
zwar auf,
brauchte
aber eine
neue Stelle
zur
Sicherung
seines
Lebensunterhalts.
So wandte er
sich an
seine
Schwester
Else. Sie
versuchte
seit
längerem
ihren Bruder
nach Berlin
zu holen. Im
April 1938,
mit Beginn
des neuen
Schuljahres,
zog Julo
dorthin.
In Berlin
unterrichtete
er bis zur
Schließung
aller
jüdischen
Schulen
1941/42
unter
anderem an
der privaten
Jüdischen
Waldschule
Grunewald
und der
Theodor-Herzl-Schule.
Auch wenn
die
Notwendigkeit
einer festen
Anstellung
für Levin
eine Last
war, so
zeigen doch
die vielen
hundert
Kinderzeichnungen,
die er
gesammelt
hat, daß er
den Kindern
kreatives
Arbeiten
nahebringen
konnte und
ihnen in
seinen
Unterrichtsstunden
Freiräume
für
Phantasien,
Freude und
Sehnsüchte,
aber auch
für Wut und
Ohnmacht
bot.
Die
Erlebnisse
in der
Pogromnacht
veranlaßten
Else Levin,
sofort ihre
Auswanderung
nach England
vorzubereiten.
Es war ein
Abschied für
immer. Julo
selbst
lehnte
weiterhin
eine
Auswanderung
ab. Er
kümmerte
sich nun
intensiv um
seine auf
Drängen der
Kinder
ebenfalls
nach Berlin
gezogene
Mutter. In
seinem
vermutlich
letzten
Ölbild
porträtierte
er sie in
ergreifender
Weise,
traurig und
ohne
Hoffnung.
Emma Levin
wurde im
September
1942 nach
Theresienstadt
deportiert,
wo sie
Anfang 1944
starb.
Ab Mitte
1942
arbeitete
Julo als
Hilfsarbeiter
für die
Jüdische
Gemeinde.
Seine
Schreinerkenntnisse
kamen ihm
dabei
zugute. Zwar
hatte die SS
alle Häuser
der
Jüdischen
Gemeinde
beschlagnahmt
und in
Gebrauch
genommen,
doch
Reparaturen
mußten von
Arbeitern
der
Jüdischen
Gemeinde
ausgeführt
werden.
Levin
gehörte zu
diesen
Arbeitern,
die für die
SS nun
Fenster und
Türen
reparierten.
Zu dieser
Zeit gab es
wieder
Kontakte
zwischen
Julo Levin
und Mieke
Monjau. Mit
großem Mut
stand sie
Julo und
anfangs auch
seiner
Mutter zur
Seite. Ihrem
Einsatz ist
die Rettung
vieler
Bilder,
Aquarelle
und
Zeichnungen
zu
verdanken.
Levin hatte
sie nie um
Hilfe
gebeten,
schon
deshalb
nicht, weil
die Gefahr
für Mieke zu
groß war.
Sie ließ
Bilder unter
ihrem Namen
bei einem
Spediteur
aufbewahren,
brachte
andere zu
Freunden
nach
Thüringen
und zu
Fischern an
die Ostsee.
Doch manches
verschwand
durch
Diebstahl,
wurde von
Mäusen
angefressen
oder
verbrannte
bei
Luftangriffen.
Aber vieles
konnte
gerettet
werden.
Am 7. Mai
1943
verhaftete
die Gestapo
Julo Levin
in seiner
Wohnung.
Zehn Tage
später, am
17. Mai,
erfolgte
seine
Deportation
nach
Auschwitz.
Hier
verliert
sich seine
Spur.
Die bis auf
den heutigen
Tag
anhaltende
Erinnerung
an Julo
Levin
verdanken
wir in
erster Linie
Mieke Monjau.
Die
Schicksale
ihres in
Buchenwald
ermordeten
Mannes Franz
und des
gemeinsamen
Freundes
Julo sollten
Mieke Zeit
ihres Lebens
nicht mehr
loslassen.
Mit den nach
dem Krieg
verbliebenen
Werken der
beiden Maler
organisierte
sie seit
1946
zahllose
Ausstellungen.
Heute können
die
wichtigsten
Werke Julo
Levins im
Stadtmuseum
Düsseldorf
besichtigt
werden.
Lit.:
Verjagt,
ermordet.
Zeichnungen
jüdischer
Schüler
1936–1941.
Hg. vom
Stadtmuseum
Düsseldorf.
Ausstellungskatalog,
Düsseldorf
1988. – Julo
Levin
1901–1943.
Monographie
und
Werkverzeichnis.
Hg. von
Annette
Baumeister.
Mit
Beiträgen
von Annette
Baumeister
u.a., Köln
2001. –
Sigrid
Kleinbongartz:
Biographischer
Abriss, in:
Julo Levin
1901–1943.
Monographie
und
Werkverzeichnis.
Hg. von
Annette
Baumeister,
Köln 2001,
S. 8–32. –
Sybil
Milton: Julo
Levin und
sein
Düsseldorfer
Freundeskreis,
in: Verjagt,
ermordet.
Zeichnungen
jüdischer
Schüler
1936–1941,
Düsseldorf
1988, S.
38–50. –
Mieke Monjau:
Meine
Erinnerungen
an Julo
Levin und
Franz Monjau
und die
Geschichte
der
Schülerzeichnungen,
in: Verjagt,
ermordet.
Zeichnungen
jüdischer
Schüler
1936–1941,
Düsseldorf
1988, S.
33–34.
Bild:
Jüdisches
Museum
Westfalen.
Thomas
Ridder