Im
Goethe-Museum
in Weimar
ist das
bekannte
Liszt-Bild
von A.
Scheffer
ausgestellt,
und der in
Raiding bei
Ödenburg
geborene
Künstler hat
in der
„Hauptstadt
der
deutschen
Klassik“
lange Zeit
gelebt und
gewirkt.
Ebenso wie
Nikolaus
Lenau,
dessen „Faust“-Dichtung
Liszt
faszinierte
(seinem
Mephisto-Walzer
liegt eine
Szene aus
Lenaus
Dichtung
zugrunde),
hat sich
Liszt zu
seiner
Geburtsheimat
Ungarn
bekannt, die
ungarische
Sprache aber
nie
gesprochen
und in
Europa eher
ein Zuhause
gefunden als
in Budapest.
Seine 15
„Ungarischen
Rhapsodien“
sind
gleichwohl
ein beredtes
Zeugnis der
Verbundenheit
mit dem
Land, dem
auch Lenau
seine
vielbeachteten
Verse
gewidmet
hat; daß
Liszt dabei
nicht, wie
er annahm,
alte
Volksmusik
der
ungarischen
Zigeuner zum
Ausgangspunkt
nahm,
sondern
Kaffeehausmusik,
ändert an
seiner
Absicht
nichts, den
Geist der
temperamentvollen
Pußtabewohner
in Töne zu
fassen.
Von Busoni
stammt der
Ausspruch:
„Bach ist
der Grund
des
Klavierspiels;
Liszt ist
die Spitze.“
Es ist
bekannt, daß
im Jahre
1831 bei
einem
Aufeinandertreffen
der
renommiertesten
Klaviervirtuosen
der Zeit,
Franz Liszt
und
Sigismund
Thalheim,
Liszt der
Sieg
zugesprochen
wurde. Als
Pianist
hatte er in
seiner Zeit
keinen
ebenbürtigen
Konkurrenten.
Als
Komponist
war – und
zum Teil
bleibt –
Franz Liszt
umstritten;
während ihn
die einen
bewundern
und
verehren,
finden
andere seine
Musik
salonhaft,
unecht,
allzu auf
Effekt
bedacht.
Fest steht,
daß Liszt
unaufhörlich
versuchte,
Neues zu
entdecken,
daß er nicht
die
ausgetretenen
Bahnen
wählte.
„Seine
Phantasie
entzündet
sich an
einem
knappen,
äußerst
plastischen
Motiv oder,
besser
gesagt,
einer Formel
(in extremen
Fällen kann
es sogar nur
ein
Intervall
oder ein
Rhythmus
sein), die
aber im
Moment des
Entstehens
schon einer
bestimmten
Klangvorstellung
zugeordnet
und sofort
verarbeitet
wird. Das
ist kein
Bauen im
klassischen
Sinn, kein
Formen und
Abwägen der
Proportionen,
sondern ein
quasi
improvisatorisches
Gestalten
aus der
Fülle
innerer
Vorstellungen“
(Klaus
Wolters).
Liszts Vater
war Amtmann
der
Schäferei
des Fürsten
Esterházy in
Raiding,
sein
Großvater
war Organist
in
Pottendorf
gewesen; die
Familie
seiner
Mutter
stammte aus
Krems. Den
ersten
Klavierunterricht
erhielt
Franz Liszt
von seinem
Vater. 1822
übersiedelt
die Familie
nach Wien,
wo Carl
Czerny
(Klavier)
und Antonio
Salieri
(Komposition)
das
Wunderkind
betreuen,
das schon
mit acht
Jahren
eigene
Kompositionen
vorgetragen
hatte. 1823
wird Liszt
beim Pariser
Konservatorium
abgewiesen,
unternimmt
anschließend
lange und
erfolgreiche
Konzertreisen
durch
Frankreich
und England.
Als 1827
sein Vater
stirbt, muß
er für den
Unterhalt
der Familie
sorgen. In
ganz Europa
ist sein
Namen
bekannt,
seine
Konzertreisen
bringen ihn
überall zu
Ansehen.
1834 flieht
er mit der
Gräfin Marie
d‘Agoult,
die unter
dem
Pseudonym
Daniel Stern
als
Schriftstellerin
hervorgetreten
war. Von den
drei
Töchtern
wird die
1837
geborene
Cosima am
bekanntesten
(als Gattin
Richard
Wagners).
Liszt, der
sich sehr
gründlich
mit
zeitgenössischer
französischer
Literatur
beschäftigt
hatte
(Victor
Hugo,
Lamartine),
widmet sich
jetzt
Bearbeitungen
von Schubert
(der durch
diese
Klavierparaphrasen
einem
breiteren
Publikum
bekannt
wird),
Beethoven,
Bach.
Heinrich
Heine
konstatiert
in den
dreißiger
Jahren eine
europäische
„Lisztomanie“.
1842 lädt
der
Großherzog
Carl
Friedrich
von
Sachsen-Weimar
Liszt an
seinen Hof.
1844
dirigiert
Liszt hier
Beethoven.
Etwas später
lernt er in
Kiew die
Fürstin
Caroline von
Sayn-Wittgenstein
kennen. Sie
veranlaßt
ihn, sich
fast
ausschließlich
dem
Komponieren
zu widmen.
In den
Jahren
1849-1858
dirigiert
Liszt als
Hofkapellmeister
in Weimar
Konzerte und
Opern. Als
wichtiger
Vertreter
der
neudeutschen
Schule
sammelt er
Schüler um
sich (Hans
von Bülow,
Carl Tausig).
Nachdem die
Aufführung
der
Cornelius-Oper
„Der Barbier
von Bagdad“
in Weimar
ausgezischt
wurde,
nachdem die
Fürstin von
Sayn-Wittgenstein
ihn 1860
verlassen
hatte, zieht
Liszt nach
Rom, wo er
sich der
geistlichen
Musik widmet
und 1865 die
niederen
Weihen
empfängt
(Abbé
Liszt). 1859
war der
Künstler als
Ritter von
L. in den
österreichischen
Adelsstand
erhoben
worden. Rom,
Weimar und
Budapest
sind die
hauptsächlichsten
Aufenthaltsorte
der letzten
Jahre. Sie
bringen ihm
die
Versöhnung
mit Richard
Wagner. 1876
und 1882
(bei der „Parsifal“-Aufführung)
ist Liszt in
Bayreuth.
Nach einer
Englandreise
hält er sich
auch 1886 in
Bayreuth
auf, wo er
am 31. Juli
stirbt.
Liszts
kompositorisches
Werk umfaßt
Sinfonische
Dichtungen
(Tasso,
1849, 1854;
Les préludes,
1848, 1854;
Prometheus,
1850, 1855;
Mazeppa,
1851;
Heldenklage,
1850, 1854;
Hungaria,
1854;
Hamlet,
1858; Die
Ideale,
1857);
Sinfonien
(Faust,
1854, 1857;
Dante, 1855,
1856),
Kammermusik,
Messen,
Psalmen,
Kantaten,
Oratorien
(Die Legende
von der
heiligen
Elisabeth
1865;
Christus,
1862). Von
herausragender
Bedeutung
sind die
Klavierwerke
(Klavierkonzert
in Es- und
A-Dur), die
brillante
„Spanische
Rhapsodie“
(1867) und
die
„Ungarischen
Rhapsodien“
(1851-1854).
Die
temperament-
und
glanzvolle
Spielmusik
Liszts soll
um 1850
ihren
Höhepunkt
erreicht
haben. Das
Spätwerk
soll dagegen
weniger
Schöpfungen
von
Eigenwert
umfassen.
Erwähnung
verdienen in
diesem
überreichen
Œuvre, das
in sechzig
Schaffensjahren
entstand,
die
musiktheoretischen
Schriften
der Weimarer
Jahre, die
Bekanntmachung
bedeutender
Komponisten
durch Liszts
Vermittlung
(Bearbeitungen
von Wagner-
und
Verdi-Opern
fürs
Klavier,
Bachbearbeitungen
für
romanische
Länder), die
enge
Verbindung
zwischen
Poesie und
Musik, wie
sie in
Liszts
Gesamtwerk
zu erkennen
ist.
Werke:
Gesamtausgabe
1907-1936;
Neuausgabe
seit 1970;
Gesammelte
Schriften
1880-1893 (6
Bde.);
Briefe
1893-1905 (8
Bde.).
Lit.:
Allg.
Deutsche
Biographie
(ADB),
1875ff., Bd.
52; Neue
Deutsche
Biographie (NDB),
1985, Bd.
14; J. Kopp:
F.L., 1909;
J.
Chantavoine:
F.L., 1931
(2 Bde.,
Werkverzeichnis),
21968;
Z. Gardonyi:
Die
ungarischen
Stileigentümlichkeiten
in den
musikalischen
Werken F.L.s,
1931; Z. v.
Harsányi:
Ungarische
Rhapsodien,
1936 (dt.),
21955;
H. Searle:
The music of
L., 1954,
21966;
B. Szabolcsi:
F.L. an
seinem
Lebensabend,
1959; J.B.
Klingohr:
Zur Herkunft
F.L.s, in:
Genealogie,
7,
1964/1965,
S. 422/428;
K. Wolters:
Handbuch der
Klavierliteratur,
1967, 21977,
S. 361/378.
Horst Fassel