Lorinsers
Vater war
herrschaftlicher
Wundarzt,
die Mutter,
Magdalena
Schorss,
stammte aus
Reichstadt.
Der Sohn
besuchte die
Grundschule
in Niemes,
dann in
Rzepin bei
Melnik,
schließlich
- in
den Jahren
1806 bis
1808 - in
Neu-Reichstadt.
Vom
Pfarrvikar
Lehmann in
Hennersdorf
bei
Wartenberg
wurde er in
den
Anfangsgründen
der
lateinischen
Sprache
unterrichtet
und für das
Gymnasium
vorbereitet.
Das
Gymnasium
besuchte er
in Prag. Im
Herbst 1813
wurde er bei
der
Philosophischen
Fakultät an
der
Universität
zu Prag
immatrikuliert,
um sich
schließlich
aber für das
medizinische
Studium an
der
Universität
in Berlin zu
entscheiden.
Hier erwarb
er aufgrund
seiner
Dissertation
De
functione
hepatis sana
et laesa
am 30.
August 1817
sein
Doktordiplom.
Nach dem
Studium
bemühte er
sich
vergebens um
eine
Anstellung
im
österreichischen
Gesundheitswesen.
Am 2. Juli
1813 hatte
er die
Stelle eines
Pensionärs
und
Repetenten
bei der
Königlichen
Tierarzneischule
in Berlin
angenommen.
1820
veröffentlichte
er in Berlin
den
Entwurf
einer
Encyklopädie
und
Methodologie
der
Tierheilkunde.
Seine
Heiratsabsichten
verhinderten
jedoch eine
vorgesehene
wissenschaftliche
Reise an die
vorzüglichsten
Tierarzneischulen
Europas. Der
Geheime
Ober-Medizinal-Rat
Langermann
akzeptierte
junge
verheiratete
Lehrer
nicht, so
daß Lorinser
am 16.
September
1819
kündigte. Er
trat bei
Professor
Wolfart als
Assistent in
dessen
magnetische
Heilanstalt
ein, wofür
ihm ein
Honorar von
jährlich 100
Talern
gewährt
wurde.
Anfang 1821
vervollständigte
Lorinser auf
Veranlassung
von
Langermann
die Kataloge
der
Bibliothek
der
Tierarzneischule
und erhielt
dafür vom
Ministerium
eine kleine
Remuneration
bewilligt.
Bemühungen
um eine
Stelle an
der Berliner
Universität
brachten
kein
Ergebnis.
Am 2. Juli
1822 wurde
Lorinser auf
Empfehlung
Langermanns
der Posten
des zweiten
Rates am
Medizinal-Kollegium
in Stettin
anvertraut.
Neben seinen
dienstlichen
Aufgaben
arbeitete
Lorinser an
seiner
nächsten
Publikation
über
Lungenkrankheiten
(Die
Lehre von
den
Lungenkrankheiten
nach ihrem
gegenwärtigen
Standpunkte
und mit
vorzüglicher
Rücksicht
auf
pathologische
Anatomie,
Berlin
1823), in
welcher er
die neuesten
Errungenschaften
im Bereich
der
Pathologie
und Anatomie
wie auch die
neueingeführten
physikalischen
Untersuchungen
des
Atmungssystems
berücksichtigte.
Diese
Veröffentlichung
hatte einen
günstigen
Einfluß auf
seine
berufliche
Laufbahn.
Nach Meinung
Langermanns,
dem diese
Schrift
gewidmet
war, gehörte
Lorinser an
eine
Universität,
während der
Oberpräsident
von Pommern
ihn für die
Medizinalratsstelle
in Köslin in
Aussicht
nahm. Die
Redaktionen
vieler
Journale und
die
gelehrten
Gesellschaften
suchten ihn
als
Mitarbeiter
zu gewinnen,
die
praktischen
Ärzte sahen
den jungen
Kollegen mit
vermehrter
Achtung an,
das
Ministerium
berief ihn
zur
Abhaltung
der
Staatsprüfungen.
Im März 1824
siedelte
Lorinser mit
seiner
Familie nach
Köslin über,
wo er auf
dem Posten
des
Medizinalrates
in der
Kösliner
Regierung
das
Gesundheitswesen
verwaltete.
Sein
jährliches
Gehalt war
auf 800
Taler
gestiegen.
Er arbeitete
wissenschaftlich
weiter und
veröffentlichte
die Arbeit
Versuche
und
Beobachtungen
über die
Wirkung des
Mutterkorns
auf den
menschlichen
und
thierischen
Körper,
Berlin 1824,
welche auf
wertvollen,
in den Akten
der
preußischen
Behörden
befindlichen
amtlichen
Verzeichnissen
der in
Oberschlesien
in den
Jahren 1817
bis 1821
aufgetretenen
Mutterkorn-Vergiftungen
sowie auf
den
Ergebnissen
der in der
Berliner
Königlichen
Tierarzneischule
mit dem
Mutterkorn
durchgeführten
Experimente
beruhte.
Diese
Schrift war
im Blick auf
die
Bedürfnisse
der
Gesundheitspolizei
geschrieben.
Am 14.
November
1825
vertauschte
Lorinser auf
Befehl des
Kultusministers
seine
Stellung mit
einer
entsprechenden
in Oppeln,
wo er bis
1851
verblieb.
Oberschlesien
war in
dieser Zeit
ein Gebiet,
welches für
einen
Pathologen
lehrreich,
als
Lebensraum
aber
unangenehm
und nicht
ohne
Gefahren
war.
Lorinser,
auch in
Oppeln
Medizinalrat,
kam es
trefflich
zustatten,
daß er durch
seine
frühere
Beschäftigung
mit der
Veterinärkunde
auch zur
vergleichenden
Pathologie
befähigt und
instande
war, seine
wissenschaftliche
Aufmerksamkeit
zugleich auf
Menschen und
Tiere zu
richten.
1827 mußte
er zum
ersten Mal
die
Rinderpest (pestis
bovum)
bekämpfen.
Infolge
seines
Vorgehens
konnte man
1828 die
Seuchenherde
in
Oberschlesien
abtöten. Im
Januar 1831
erschien
Lorinsers
Schrift
Untersuchungen
über die
Rinderpest
(Berlin
1831),
welche
konkrete
Vorschläge
für die
Bekämpfung
der
Seuchenherde
- auch
aufgrund
eigener
Beobachtungen
der in
Oberschlesien
in den
Jahren 1827
bis 1828
hervorgetretenen
Epizootie -
enthielt.
Die
Publikation
wurde von
Kennern, so
von
Kultusminister
Karl von
Altenstein,
mit Lob
aufgenommen;
man hat
dieses Werk
sogar als
ein
"klassisches"
bezeichnet,
und alle,
die sich
späterhin
wissenschaftlich
mit diesem
Gegenstand
beschäftigten,
haben es
ausziehen
oder
abschreiben
müssen.
Als im
Herbst 1829
infolge des
russisch-türkischen
Krieges sich
die
Rinderpest
auf eine
beunruhigende
Weise in den
unteren
Donauländern
verbreitete,
erhielt
Lorinser vom
Staatsministerium
den Auftrag,
eine Prüfung
der Sachlage
an Ort und
Stelle
vorzunehmen.
Trotz
außergewöhnlich
schwieriger
Reiseumstände
endete die
Mission
erfolgreich,
und ihre
Ergebnisse
schlugen
sich in
einem
Bericht über
die
Seuchenherde
der
Rinderpest
und in einer
Beschreibung
der
untersuchten
Kontumazanstalten
nieder. Die
Reise
brachte auch
Informationen
und neue
Erfahrungen
über die
Epidemie,
was nach
siebenjähriger
Arbeit in
der Schrift
Die Pest
des Orients
(Berlin
1837)
festgehalten
wurde. Von
Lorinsers
zahlreichen
Publikationen
erweckte
besonders
ein Aufsatz
in der
Staatszeitung
vom 4., 5.
und 6.
Oktober 1831
Aufmerksamkeit,
in welchem
er die
Unersprießlichkeit
der
Anwendung
von
Grenzketten
bei der
Bekämpfung
der Cholera
bewies.
Lorinser,
der in
medizinischen
Kreisen
einen guten
Ruf genoß,
hatte mit
diesem
Aufsatz bei
der
Regierung
Mißfallen
erregt, weil
man dort die
Schrift als
äußerst
kompromittierend
empfand.
Doch
milderte der
Oberpräsident
von
Schlesien
die
entsprechenden
beschwerlichen
Vorschriften,
indem die
Quarantäne
aufgehoben
und bei der
Einreise
nach
Schlesien
nur noch
eine
Bestätigung
verlangt
wurde, daß
man aus
einem Ort
kam, der
nicht von
der
Epidemie
betroffen
war. Das
Jahr 1833
brachte
Lorinser den
Roten
Adlerorden
IV Klasse
mitsamt
einer
außerordentlichen
Gratifikation
sowie den
Auftrag, an
dem Gesetz
über die
Quarantänezeit
mitzuarbeiten.
1835 wurde
ihm die
Stelle des
Direktors
der
Hebammenschule
in Oppeln
übertragen.
Von seinen
weiteren
Publikationen
verursachte
seine
medizinisch-pädagogische
Abhandlung
Zum
Schutz der
Gesundheit
in den
Schulen,
welche in
der Nr. 1
vom 8.
Januar 1836
der
Medizinischen
Zeitung
erschien,
größeres
Aufsehen.
Wie stark
Lorinsers
Äußerung zur
Körperpflege
in den
Schulen
wirkte,
zeigen die
vielen
Stimmen von
Ärzten und
Lehrern (das
Brockhaus-Lexikon
zählt mehr
als 70
Wortmeldungen),
die sich zu
diesem Thema
äußerten.
Die Schrift
wurde durch
Vermittlung
des
Regierungspräsidenten
von Oppeln,
Theodor
Gottlieb von
Hippel, auch
dem
preußischen
König
Friedrich
Wilhelm III.
vorgelegt.
Dem
Eintreten
Lorinsers
für das
Turnen ist
es zu
verdanken,
daß in den
Schulen
Turnräume
eröffnet
wurden und
von den
Schulen aus
die Idee des
Turnens sich
in den
Sportvereinen
verbreitete.
(Die
öffentlichen
Turnvereine
waren in
Deutschland
seit 1819 -
da man von
ihnen
revolutionäre
Umtriebe
befürchtete
- verboten.)
Bedeutung
für
Oberschlesien
hatte seit
1844 der
unter der
Schutzherrschaft
des
Priesters
Alois Ficek
geführte
Kampf gegen
den
Alkoholismus.
Lorinser,
der
Augenzeuge
des ersten
großen
Mobilisierungsversuches
der
schlesischen
Bevölkerung
im Kampf
gegen den
Alkoholismus
war, widmete
dem die
Schrift:
Der Sieg
über die
Branntweinpest
in
Oberschlesien,
historisch,
medizinisch
und mystisch
beleuchtet
(Oppeln,
1845). In
ihr traten
religiöse
Gesichtspunkte
hinter
Werten wie
Patriotismus,
Mut,
Arbeitsamkeit
und
Erdgebundenheit
zurück.
In den
Jahren 1846
bis 1847,
als infolge
Teuerung und
schlechter
Ernährung
der unteren
Volksklassen
Oberschlesiens
hier erneut
der Typhus
ausbrach,
erkannte der
preußische
Gesundheitsdienst
durchaus den
Zusammenhang
zwischen dem
sich
vertiefenden
Elend und
den
verhängnisvollen
sanitären
Zuständen in
diesem
Gebiet
einerseits
sowie der
Verschlechterung
des
Gesundheitszustandes
der
Oberschlesier
andererseits.
Er verfügte
jedoch nicht
über
ausreichende
Mittel zur
Verhütung
einer
Ausbreitung
der
Infektionskrankheiten.
Eine
zusätzliche
Erschwerung
bildeten die
geringen
medizinischen
Kenntnisse
in dieser
Hinsicht. In
dieser Lage
brachten
auch die
Bemühungen
Lorinsers,
den
epidemiologischen
Zustand zu
verbessern,
nicht die
erwünschten
Ergebnisse.
Lorinser
unternahm
viele
Inspektionsreisen
und schrieb
für das
Ministerium
und für den
Oberpräsidenten
der Provinz
Schlesien
Berichte.
Daraufhin
entsandte
der
preußische
Gesundheitsdienst
in die am
stärksten
bedrohten
Gebiete
Ärzte aus
anderen
Regionen
Deutschlands,
um den
Bauchtyphus
durch
Verbesserung
der
sanitären
Lage, durch
Isolierungseinrichtungen
für die
Kranken und
durch die
Errichtung
neuer
Krankenhäuser
entgegenwirken.
Am 29.
Februar 1848
fand in
Nikolai
(etwa 15
Kilometer
südwestlich
von
Kattowitz)
eine von
Lorinser
einberufene
Konferenz
der auf dem
Gebiete des
Bauchtyphus
arbeitenden
Ärzte statt.
Teilnehmer
dieser
Konferenz
war auch
Rudolf
Virchow.
Lorinser
führte
seinen Kampf
gegen die
Infektionskrankheiten
auf einem
der
damaligen
Zeit
entsprechenden
niedrigen
Niveau der
Bakteriologie
und aufgrund
ungenügender
Kenntnis der
bakteriellen
Ansteckungen.
Nach dem
Erlöschen
der
Bauchtyphus-Epidemie
kam Lorinser
krankheitshalber
um seine
Entlassung
in den
Ruhestand
ein. Im März
1851 wurde
er
pensioniert.
Der
Regierungspräsident
von Oppeln,
Graf
Pückler,
verlieh ihm
im Namen des
Königs den
Roten
Adlerorden
II Klasse.
Die geringe
Pension bei
in Oppeln
hohen
Unterhaltskosten
zwang ihn
zum
Übersiedeln
nach
Patschkau in
Schlesien,
wo er seine
letzten
Lebensjahre
bei
fortschreitender
Altersschwäche
und unter
neurologischen
Störungen
verbrachte.
Seine letzte
Ruhe fand er
in Oppeln,
neben seiner
Gattin
Augustine.
Die
Autobiographie
Lorinsers
wurde von
seinem Sohn
vollendet
und 1864 in
Regensburg
herausgegeben.
In
polnischen
Darstellungen
der
Geschichte
Oberschlesiens
wird
Lorinser nur
beiläufig
erwähnt,
ohne seine
Verdienste
für die
Entwicklung
des
Gesundheitsdienstes
in dieser
Region zu
würdigen.
Doch mit der
Hingabe, mit
der er vor
144 Jahren
die hiesige
Bevölkerung
betreute und
die
Bauchtyphus-Epedemie
abwehrte,
hat sich
dieser
universelle
Arzt
bleibend in
die
Geschichte
Oberschlesiens
eingetragen.
Lit.:
W. Beck: Dr.
K.I.
Lorinser,
Regierungs-
und Geheimer
Medizinal-Rat.
Sein Leben
und seine
Verdienste
um das
Turnen,
Oppeln 1896.
- K.I.
Lorinser:
Eine
Selbstbiographie.
Vollendet u.
hrsg. von F.
Lorinser.
Bd. 1-2,
Regensburg
1864. -
R. Froehner:
Kulturgeschichte
der
Tierheilkunde.
Geschichte
des
deutschen
Veterinärwesens,
Bd. 2,
Konstanz
1954. -
K. Wurzbach:
Biographisches
Lexikon des
Kaisertums
Oesterreich,
Bd. 18, Wien
1867, S.
52-54. -
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Bd. 19,
Leipzig
1890, S.
197-198.
- K.G.
Nowack: Schl.
Schriftsteller-Lexikon...,
Breslau
1838, H. 2,
S. 94-99. -
J. Graetzer:
Lebensbilder
hervorragender
schlesischer
Ärzte...,
Breslau
1889, S.
175-176. -
Nouvelle
Biographie
générale...
publiée sous
la direction
de M. Hoefer,
t. 31, Paris
1850, S.
663.
-
Ottouv
slownik
naučny, t.
16, Praha
1900, S.
346. -
F.A. Simon:
Weg mit den
Kondons! in:
Preußische
Staatszeitung
1831, Nr.
265,
275-277,
307. -
Meyers
Konversations-Lexikon,
Bd. 11,
Leipzig
1896, S.
500. -
Brockhaus
Konversations-Lexikon,
Bd. 11,
Leipzig
1902, S.
286. -
K. Prus: Z
przeszłosci
Mikołowa
i jego
okolicy,
Katowice
1932. -
P.
Świerc:
Świathy
doktor
Lorinser,
in: Trybuna
Opolska,
1973, Nr:
275, S. 6. -
W.
Kaczorowski:
Karol Ignacy
Lorinser w
walce z
epidemią
duru
brzusznego
na Górnym
Śląsku
w latach
1846-1848,
in: Zeszyty
Naukowe WSP
w Opolu.
Historia, t.
31, Opole
1994, S.
31-37.
Włodzimierz
Kaczorowski