Herzogs Karl
V. von
Lothringen
und Bar hat
für die
Besiedlung
des
pannonischen
Raumes die
wesentlichen
Voraussetzungen
auf
militärischem
Gebiet
geschaffen.
Er bereitete
nicht nur
den Türken
vor Wien
eine
entscheidende
Niederlage,
sondern er
konnte für
sich auch in
Anspruch
nehmen, Ofen
zurückerobert
und den
größten Teil
Ungarns,
aber auch
Siebenbürgens,
vom
Türkenjoch
befreit zu
haben.
Karl von
Lothringen
und Bar
wurde jedoch
durch die
Leistungen
seiner
„Schüler“
und
Nachfolger,
nämlich des
eigenwilligen
Kurfürsten
Max Emanuel
von Bayern,
des
ehrgeizigen
Ludwig von
Baden, des „Türkenlouis“,
und vor
allem von
Prinz Eugen
in den
Schatten
gestellt.
Karl war es,
der
maßgeblich
Anteil an
der
Niederlage
der Türken
vor Wien
(1683)
hatte. Diese
Schlacht
wird meist
dem
Polenkönig
Johann II.
Sobieski
zugeschrieben,
dabei
berücksichtigt
man aber den
Anteil, den
Karl von
Lothringen
hatte, viel
zu wenig.
Man kann ihn
mit gutem
Recht als
den
Wegbereiter
für die
Ansiedlung
der
Donauschwaben
im
pannonischen
Becken
bezeichnen.
Auf seinen
Erfolgen bei
der
Zurückdrängung
und Abwehr
der Türken
haben seine
Nachfolger
aufgebaut.
Herzog Karl
V. von
Lothringen
wurde am
3.4.1643 als
Sohn des
Herzogs
Nikolaus
Franz von
Vaudemont
und der
Claudia von
Lothringen
in Wien
geboren.
Karls Onkel
war der
regierende
Herzog Karl
IV. von
Lothringen.
1661 schloß
Karl IV. von
Lothringen
mit Ludwig
XIV. einen
Geheimvertrag
ab, in
welchem er
für sich und
seine Erben
gegen eine
Abfindung
und eine
jährliche
Rente auf
die
Souveränitätsrechte
von
Lothringen
verzichtete.
Karl, der
Erbe seines
Onkels, war
zu diesem
Handel nicht
bereit. Er
floh über
Burgund,
Florenz, Rom
und München
schließlich
zu seinem
Paten, dem
Kaiser
Leopold I.
nach Wien,
der ihn wie
einen Bruder
aufnahm.
Am 22. Juli
1664
erfolgte an
der Raab
Karls erster
militärischer
Einsatz. Er
ritt zum
ersten Mal
an der
Spitze eines
Regiments
siegreich
gegen die
das Reich
bedrohenden
Türken. Er
erkrankte
nach dem
Feldzug an
den Blattern
(Pocken),
überstand
diese
Krankheit,
aber im
Gesicht
blieben
Narben
zurück.
Seit 1681
drohte dem
Reich ein
Zweifronten-Krieg.
Im Westen
fielen die
Truppen von
Ludwig XIV.
in Straßburg
ein, und im
Osten
begannen die
Türken mit
der
Aufrüstung
ihres
Heeres. Die
Aufgaben an
der
Westgrenze
des Reiches
mußten
gegenüber
der aus dem
Osten
drohenden
Gefahr
zurückgestellt
werden. Die
religiöse
und
politische
Aufgabe des
Kaisers war
nun, die
Verteidigung
des Reiches,
ja des
ganzen
Abendlandes
an der
Ostgrenze zu
sichern. Zu
Ostern 1683
wurde
zwischen
Kaiser
Leopold und
König
Sobieski von
Polen ein
Defensiv-
und
Offensivbündnis
abgeschlossen.
Durch
Bereitstellung
entsprechender
Geldmittel
seitens der
Kurie wurde
die
Anwerbung
von Truppen
ermöglicht.
Außerdem
half
Kurfürst
Emanuel von
Bayern durch
Bereitstellung
von Truppen.
Von Esseg
aus wälzte
sich in der
Zwischenzeit
das
türkische
Heer
unaufhaltsam
in Richtung
Wien. Am
16.7.1683
war die
Stadt
eingeschlossen.
Daraufhin
zog sich
Karl, der
inzwischen
zum
Oberbefehlshaber
des
kaiserlichen
Heeres
ernannt
worden war,
mit seinen
Truppen auf
das linke
Donauufer in
Warteposition
zurück,
wohlwissend,
ohne
Anwesenheit
seiner
Verbündeten
in offener
Schlacht
unterlegen
zu sein.
Nachdem die
Verbündeten
Polen,
Bayern,
Kreistruppen
und Sachsen
von Wien
eingetroffen
waren,
durchquerten
sie auf
Karls Rat
den
unwegsamen
Wienerwald.
So hatten
sie beim
Angriff auf
das
türkische
Heer den
Vorteil, den
Feind zu
überraschen.
Karls
größtes
Verdienst in
diesen
Stunden der
Entscheidung
um das
Schicksal
der
kaiserlichen
Haupt- und
Residenzstadt
beruhte
demnach
nicht nur
auf der mit
kluger
Umsicht
durchgeführten
Vorbereitung
des
Entsatzes,
sondern
gipfelte in
der Planung
des
Aufmarsches
und der
Schlacht
selbst. Daß
er hinter
diesen
einmal als
richtig und
einzig
möglich
erkannten
Plan das
ganze
Gewicht
seiner
Feldherrenpersönlichkeit
stellte und
ihn, allen
Widerständen
zum Trotz,
durchsetzte,
war nur der
zweite, wenn
auch gleich
wichtige
Schritt zur
Befreiung
der
Donaustadt.
Vom rein
menschlichen
und
charakterlichen
Standpunkt
aber war der
Verzicht auf
den
faktischen
Oberbefehl,
d. h. die
Unterordnung
seines
persönlichen
Ruhmes unter
das zu
erreichende
Ziel, wohl
das Moment,
welches am
meisten für
ihn sprach.
Aber dem
Wortlaut des
Bündnisvertrages
zufolge
stand der
nominelle
Oberbefehl
über das
Entsatzheer
zweifellos
dem
Polenkönig
zu,
wenngleich
dieser in
Unkenntnis
der
Örtlichkeit
und der
militärischen
Gruppierungen
notgedrungen
dem Wort des
Lothringers
folgen mußte.
Der Sieg am
12.
September
1683 über
das
Türkenheer
Kara
Mustaphas
bedeutete
die Wende in
der Abwehr
der
Türkengefahr
gegenüber
dem
Abendland.
Die
christlichen
Heere
befanden
sich ab
diesem
Zeitpunkt in
der
Offensive.
Ab jetzt
konnten die
Osmanen
schrittweise
aus Europa
verdrängt
werden. In
den
Feldzügen
des Jahres
1685 konnten
Gran und das
linke
Donauufer
besetzt
werden. Die
Eroberung
Budas im
Jahr 1686
bedeutete
einen
weiteren
Sieg für
Europa und
die
Christenheit.
Jetzt war
der Weg nach
Südungarn
frei!
Szegedin und
Arad wurden
noch 1686
erobert. Das
Jahr 1687
ließ sich
für Karl
ungünstig
an. Ein
Vorstoß zur
Festung
Esseg mußte
wegen
Futter- und
Wassermangels
und
fehlenden
Nachschubs
aufgegeben
werden.
Trotz dieser
Schwierigkeiten
wurden die
Türken am
12. August
1687 in der
Schlacht von
Berg Harsan
(Nagyharsany)
vernichtend
geschlagen.
Somit waren
die Türken
aus der
ungarischen
Tiefebene
vertrieben
worden; der
Weg nach
Serbien
stand offen.
Während Karl
anschließend
gegen
Siebenbürgen
marschierte,
reisten Max
Emanuel und
Ludwig von
Baden wegen
Streitigkeiten
mit ihrem
Oberbefehlshaber
nach Wien
zurück. Die
Einnahme
Siebenbürgens
bereitete
weniger
Schwierigkeiten
als der Weg
dorthin, der
der Theiß
entlang
durch
versumpftes
Gebiet
führte.
Der ohnehin
angegriffene
Gesundheitszustand
des Herzogs
von
Lothringen
verschlechterte
sich während
des Marsches
nach
Siebenbürgen
zusehends.
Karl konnte
an den
weiteren
Feldzügen in
Ungarn 1688
nicht mehr
teilnehmen,
da er noch
an den
Folgen
seiner
Krankheit
litt. Trotz
angeschlagener
Gesundheit
war Karl
seit 1689
einige
Monate als
Oberbefehlshaber
an den
Kriegsschauplätzen
am Rhein im
Einsatz. Er
starb am
18.4.1690,
erst 47
Jahre alt,
an seinem
alten Hals-
und
Lungenleiden.
Lit.:
Wentzcke,
Paul:
Feldherr des
Kaisers,
Leipzig
1943, S. 221
ff und
Klopp, Onno:
Das Jahr
1683 und der
folgende
große
Türkenkrieg
bis zum
Frieden von
Carlowitz
1699, Graz
1882, S. 206
ff;
Sturminger,
Walter, in:
Gestalter
der
Geschicke
Österreichs.
Hrsg. von
Hugo Hantsch,
2. Bd.,
Innsbruck,
Wien,
München
1962, S. 185
ff;
Braubach,
Max in:
Gebhardt,
Handbuch der
dt.
Geschichte,
Bd. 10,
Stuttgart,
1976, S. 69
ff (dort
Schriftenverzeichnis).
Rudolf Fath/
Sigrid Fath