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Aus einem seit Jahrhunderten im Netzegau ansässigen evangelischen
Bauerngeschlecht pommerscher Herkunft in Kolmar (bis 1877 Chodziesen;
poln. Chodziez) geboren, fühlte sich Lück schon mit 18 Jahren durch die
politischen Veränderungen im deutsch-polnischen Grenzbereich zum Einsatz
für Volkstum und Heimat herausgefordert. Er kämpfte als Freiwilliger im
Grenzschutz, wurde verwundet und mit dem EK II ausgezeichnet. Gleichwohl
auch nach dem Versailler Vertrag zum Verbleib auf vormals preußischem
Boden, der zum neuen polnischen Staat geschlagen worden war,
entschlossen, beendete er sein Studium der Slawistik in Breslau mit der
Dissertation Der Bauer im polnischen Roman des 19. Jahrhunderts
(1926). Es war ein Thema, das ihn zu Fragen der deutsch-polnischen
Nachbarschaft hinführte. Während eines Nebenstudiums der Volkswirtschaft
an der polnischen Universität Posen gründete er 1924 den ersten „Verein
Deutscher Hochschüler in Polen“, womit seine politisch-organisatorischen
Bestrebungen deutlich wurden.
Durch beide Studienrichtungen vorbereitet, war ein Aufenthalt in Luzk in
Wolhynien im Auftrage des Posener Genossenschaftsverbandes
richtungsweisend – außer für Lück auch für eine Reihe von jüngeren
volkskundlich von Bielitz her angeregten Kräften des Deutschtums in ganz
Polen; es war der Brückenschlag zwischen den preußisch geprägten Gruppen
in Posen, Pomerellen und Ost-Oberschlesien sowie dem „österreichischen"
Bielitz und Galizien hiüber nach dem vormals russischen Kongreßpolen und
Wolhynien. Hier war nach dem Ersten Weltkrieg, nach Verbannungen und
Zerstörungen, dringend wirtschaftliche Organisationsarbeit im Sinne der
Volkstumserhaltung nötig. Die Gründung der Genossenschaft „Kredit", vor
allem aber Lücks grundlegende Monographie über Die deutschen
Siedlungen in Wolhynien (1931 gemeinsam mit Alfred Karasek) sowie Die deutschen Siedlungen im
Cholmer und Lubliner Land (1933) waren Hilfeleistungen für
Siedlungsgruppen, die nicht nur dem deutschen Muttervolk, sondern den
Deutschen in Posen bis dahin vollständig unbekannt waren.
Durch Lücks Entdeckung längst untergegangener Siedlungen im
Karpatenvorland und archivalische Forschungen entstand die Konzeption
des Werkes Deutsche Aufbaukräfte in der Entwicklung Polens
(1934), welches die „deutsch-polnische Nachbarschaft im
ostmitteleuropäischen Raum" in Zeiten der – vorübergehenden –
politischen Entspannung förderte sowie die wissenschaftliche Diskussion
belebte. Breite, auch polnische Zustimmung fand das zweite Standardwerk
Der Mythos vom Deutschen in der polnischen Volksüberlieferung und
Literatur (1938,1943), das durch die Anwendung der
ethno-soziologischen Methode der Markierung der deutsch-polnischen
kulturgeschichtlichen Berührungszone bahnbrechend wurde.
Von Posen aus begann Lück seit der Übernahme der Leitung des „Deutschen
Büchereivereins" (1934) eine ausgedehnte Herausgebertätigkeit im Kreise
namhafter deutscher Wissenschaftler der Volksgruppe (Lattermann, Kauder,
Kühn, Schneider, A. Breyer u.a.), vornehmlich in Verbindung mit der
„Deutschen Historischen Gesellschaft für Posen" (seit 1935 „für Polen"),
mit der Deutschen Wissenschaftlichen Zeitschrift und den
Deutschen Monatsheften in Polen. In der mit Lattermann begründeten
Schriftenreihe Unsere Heimat steuerte er die Geschichte des
Deutschtums in Kolmar und Umgebung (1937) bei, auch des
„Holländerdorfes" Karwenbruch an der Ostsee (1939). In diese Zeit
fallen die Verleihung des Herder-Preises der Goethe-Stiftung durch die
Universität Königsberg sowie der Ehrenplakette des Deutschen
Auslands-Instituts in Stuttgart an ihn.
Seiner aktiven politischen Einstellung entsprechend war Lück in der
Volkstumsorganisation „Deutsche Vereinigung" für Posen und Pomerellen
tätig, bis der Kriegsausbruch die Existenz der Volksgruppe in Frage
stellte und die deutsch-polnischen Beziehungen ungeheuer belastete. Im
Schatten des leidvollen Schicksals der Deutschen in Polen im September
1939 standen die Publikationen Marsch der Deutschen in Polen
(1940) und Volksdeutsche Soldaten unter Polens Fahnen; auch die
Broschüre Der Lebenskampf im deutsch-polnischen Grenzraum ist im
Zwielicht der Kriegszeit zu sehen. Das Sammelwerk Deutsche Gestalter
und Ordner im Osten (1940; 1957) knüpfte an die „Aufbaukräfte" an.
Auch den Umsiedlungen der Wolhyniendeutschen widmete Lück seine
organisatorisch-publizistische Aufmerksamkeit. Auf seine Initiative ging
die Gründung der „Gräberzentrale für ermordete Volksdeutsche in Posen"
zurück.
Da sich die Verhältnisse in den „eingegliederten Ostgebieten" (Reichsgau
Wartheland) gegen alle historischen Erfahrungen und Überzeugungen von
Lück entwickelten, bot sich für ihn in kritischer Betroffenheit nur der
Ausweg zur Front an. Am 5. März 1942 ist er als Sonderführer-Dolmetscher
im Mittelabschnitt der Ostfront bei Partisanenkämpfen gefallen. Die
Erinnerung an Kurt Lück lebt in der „Historisch-Landeskundlichen
Kommmission für Posen und das Deutschtum in Polen" sowie in der von der
„Landsmannschaft Weichsel-Warthe" getragenen „Dr. Kurt-Lück-Stiftung"
fort.
Werkverzeichnis:
zus. gest. v. Annegrete Lück, in: Dt. Wiss. Zs. im Wartheland 3 1941, H.
5/6.
Lit.:
W. Kohte in: Dt. Wiss. Zs. im Wartheland 3. Jg., H. 5/6, 1942. – A.
Lattermann in: Dt. Mhh. 8 (18) 1942. – W. Kühn in: Zs. f. Ostforschung
l, 1952, H. 3. – V. Kauder in: Jb. Weichsel-Warthe 8,1962. – R. Breyer
in: Neue Dt. Biographie 15, 1987.
Richard Breyer
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