In Willy
Lütckes Biographie spiegelt sich Danzig. In dieser seiner
Geburtsstadt trat er 1919 in die Lehre der Bildhauerei ein. Es
folgten Studienjahre an der
Kunstgewerbeschule sowie der Technischen Hochschule Danzig.
Seine erste Einzelausstellung hatte er bereits als
Sechsundzwanzigjähriger in der „Kunstkammer der Freien
Stadt Danzig“. Für die Ausmalung der Danziger Marienkirche
erhielt er 1937 den Ersten Preis. Seine künstlerische Karriere
schien vorgezeichnet. Doch dann erreichte die
nationalsozialistische Gesinnung mit dem diffamierenden Begriff
„entartet“ auch Danzig; Lütckes freie Malerei wurde als
„ostisch“ gebranntmarkt und seine „abstrakte“ Kunst nicht mehr
akzeptiert. In einem Architektur-Team erhielt er Arbeit und war
auch auf den Gebieten der Angewandten Kunst tätig, ebenso als
Restaurator. Schulgebäude in Danzig, Bromberg, Posen, Graudenz,
Dirschau tragen seine Handschrift. Von 1941 bis 1945 leistete er
Kriegsdienst; die Abrüstung erfolgte in Südtirol.
Von dort
aus begab sich Lütcke nach Langenberg, heute zu Velbert
gehörend. Hier hatten seine Ehefrau, die gleichfalls aus Danzig
stammte, und seine Tochter nach der Flucht eine Bleibe gefunden:
für den freien Bildhauer, Maler und Grafiker ein schwieriger
Anfang. So verdiente er sich den Lebensunterhalt als Lehrer an
der Berufsschule in Hattingen und als Dozent an der
Volkshochschule in Langenberg. Lütcke trat der Künstlergilde
Eßlingen bei; eine Großplastik steht an der Eingangsfront des
Museums Ostdeutsche Galerie Regensburg. 1979 erwarb auch
Velbert-Langenberg eine seiner Stelen, die inmitten der Stadt
Aufstellung fand. Auf seine neue Heimat angesprochen, entgegnete
Lütcke: „Wurzeln habe ich in Langenberg eigentlich nicht
geschlagen. Ich bin Danziger geblieben.“ Mit Blick auf seine
Vergangenheit und Würdigung seiner Kunst wurde er mit dem
„Kunstpreis der Vertretung der Freien Stadt Danzig“
ausgezeichnet.
Gefragt
nach seinem künstlerischen Schaffen und seinem Stil erinnerte
sich Lütcke: „1924 sah ich im Städtischen Museum Danzig eine
Ausstellung deutscher Bildhauer der Gegenwart. Sie erregte mich
sehr und ließ mich in meiner persönlichen Arbeit nach neuen
Formen suchen. Doch ich lebe in all meinem Tun aus der Tradition
und möchte auch meine Werke aus der Tradition verstanden
wissen.“
Lit.
(Auswahl): Ernst Schremmer/Willy Lütcke, Willy Lütcke –
Skulpturen – Zeichnungen. Ausstellungskatalog des Museums
Ostdeutsche Galerie Regensburg 1975. – Günther Ott,
Künstlerprofile – Im Osten geboren – Im Westen Wurzeln
geschlagen, hrsg. von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat,
Düsseldorf 1980. – Silke Osman, „Ich lebe aus der Tradition“
(Zum Tode Willy Lütckes), in: Das Ostpreußenblatt, Hamburg 1982.
Bild:
Privatarchiv des Autors.
Günther Ott