Hans
Lukaschek
wurde als
Sohn eines
Schulrektors
geboren und
katholisch
getauft. In
Breslau und
Patschkau,
wo er 1906
die
Reifeprüfung
ablegte,
besuchte er
die Schule,
zwischenzeitlich
wegen einer
Lungenkrankheit
auch
zweieinhalb
Jahre die
Lehranstalt
Fridericianum
in Davos in
der Schweiz.
Danach
studierte er
in Breslau
und Berlin
Jura sowie
Staatswissenschaften
und
Volkswirtschaft
– in Berlin
auch bei
Gustav
Schmoller.
Die
Zugehörigkeit
zur
farbentragenden
katholischen
Studentenverbindung
CV bekundete
er bis zum
Lebensende.
Er wurde
1910 mit
einer Arbeit
über Die
Organisation
und die
rechtliche
Natur der
Reichsbank
promoviert,
nachdem er
ein Jahr
zuvor in
Breslau die
erste
juristische
Staatsprüfung
abgelegt
hatte. Im
Jahr darauf
heiratete er
Magdalena
König aus
Breslau; die
Ehe blieb
kinderlos.
Lukascheks
öffentliche
Laufbahn
begann 1916
als
Bürgermeister
der stark
industriell
geprägten
oberschlesischen
Kreisstadt
Rybnik,
nachdem er
zuvor – nach
dem zweiten
juristischen
Staatsexamen
– zunächst
für einige
Monate im
Kaiserlichen
Patentamt in
Berlin und
als
Magistratsassessor
im Dienst
der Stadt
Breslau
tätig
gewesen war.
1919 wurde
Lukaschek
auch Landrat
in Rybnik.
In beiden
Ämtern
gelang ihm
der
Ausgleich
zwischen der
schmalen
deutschsprachigen
Oberschicht
und der
breiten,
sozial
schwachen
polnischsprachigen
Bevölkerung.
Gerade bei
den
einfachen
Leuten war
er wegen
seiner
ausgeprägten
sozialen
Ader, die
eine feste
Verankerung
in der
katholischen
Soziallehre
hatte, sehr
beliebt.
Unter den
zahlreichen
Ämtern und
Funktionen,
die Hans
Lukaschek in
seiner
Heimat
Schlesien
innehatte,
waren die in
den Jahren
des
oberschlesischen
Abstimmungskampfes
1920/21 von
besonderem
Gewicht. Es
war eine
Zeit
heilloser
Wirren in
der
zweitgrößten
preußischen
Provinz.
Sollte nach
dem Beschluß
der
Siegermächte
des Ersten
Weltkriegs
ursprünglich
ganz
Oberschlesien
ohne
weiteres an
Polen
fallen,
wurde am 28.
Juni 1919
nach
massiven
Protesten im
Reich,
insbesondere
in
Oberschlesien
selbst,
schließlich
die
Durchführung
einer
Volksabstimmung
zugestanden.
Sofort
setzten im
oberschlesischen
Abstimmungsgebiet
massive
Bemühungen
sowohl von
polnischer
als von
deutscher
Seite ein,
die
Bevölkerung
zum Votum
für den
Anschluß an
Polen bzw.
für den
Verbleib im
preußischen
Staat zu
bewegen. Der
35jährige
Lukaschek
wurde vom
Breslauer
Volksrat zum
Chef der
deutschen
Propaganda
für den
Abstimmungskampf
berufen,
ließ sich
als Landrat
beurlauben
und schlug
sein
Hauptquartier
im
niederschlesischen
Breslau,
also
außerhalb
des
Abstimmungsgebietes
auf, um dort
ungestört
von der
französisch-englisch-italienischen
„Interalliierten
Regierungs-
und
Plebiszitkommission“
(IK) agieren
zu können,
die am 11.
Februar 1920
die
Landeshoheit
in
Oberschlesien
übernommen
hatte und
die
Propagandaaktionen
im Vorfeld
der
Abstimmung
überwachte.
Der von
Lukaschek in
Breslau für
die
Abstimmungspropaganda
eingerichtete
„Schlesische
Ausschuß“
umfaßte
Vertreter
aller in
Schlesien
vertretenen
Parteien und
Gewerkschaften
und
arbeitete
eng mit den
„Vereinigten
Verbänden
heimattreuer
Oberschlesier“
(VVHO) und
anderen
deutsch-patriotischen
Organisationen
zusammen,
die er auch
finanziell
unterstützte.
Seine
Hauptaufgabe
war es, für
den Verbleib
Oberschlesiens
beim Reich
mit allen
erdenklichen
Mitteln,
insbesondere
im Bereich
der Medien,
zu werben,
Finanzmittel
dafür zu
beschaffen
und die
einflußreichen
Kräfte in
Berlin und
Breslau für
das deutsche
Anliegen zu
gewinnen.
Entscheidender
Gegenspieler
der
deutschen
Propaganda
und damit
vor allem
Lukascheks
war auf
polnischer
Seite
Adalbert
(Wojciech)
Korfanty.
Einer
oberschlesischen,
polnisch
sprechenden
Familie
entstammend,
wurde der
frühere
Reichstagsabgeordnete
zum
einfalls-
und
einflußreichen
Wortführer
aller den
Anschluß
Oberschlesiens
an Polen
erstrebenden
Kräfte. Der
führende
Kopf der IK,
der
französische
General
Henri Le
Rond,
unterstützte
im Auftrag
seines
Ministerpräsidenten
Clemenceau
massiv die
polnische
Sache, um
Deutschland
durch den
Verlust der
wirtschaftlich
so
bedeutenden
oberschlesischen
Region zu
schwächen.
Korfanty
setzte bei
der tief im
Katholizismus
verwurzelten
Bevölkerung
Oberschlesiens
auf die
Parole
„Deutscher =
Protestant,
Pole =
Katholik“,
und er
versprach
der
verarmten
ländlichen
Bevölkerung
eine
Bodenreform,
die ihr zu
Haus, Land
und Vieh („Korfanty-Kuh“)
verhelfen
sollte. Er
war auch der
wesentliche
Initiator
zweier
polnischer
Aufstände in
Oberschlesien
(August
1919/August
1920), die
die
oberschlesische
Bevölkerung
mit Terror
und
militantem
Druck zu
einer
Abstimmung
für Polen
bewegen
sollten; die
polnische
Seite wußte,
daß sie in
der
Volksabstimmung
unter
normalen
Bedingungen
nicht
obsiegen
konnte.
Lukaschek
enthielt
sich dagegen
aller
gewalttätigen
Aktionen und
betonte
stattdessen
die
geschichtliche,
wirtschaftliche,
nationale,
politische,
kulturelle
und
religiöse
Verbundenheit
Oberschlesiens
mit dem
Deutschen
Reich. Auch
sah er die
oberschlesische
Frage eher
als ein
soziales als
ein
nationales
Problem an.
Die ohnehin
verworrenen
und
spannungsgeladenen
nationalen,
sozialen und
wirtschaftlichen
Verhältnisse
in
Oberschlesien
wurden
dadurch noch
komplizierter,
daß sich die
Abstimmungsfrage
in
Oberschlesien
mit
separatistischen
Bestrebungen
gegenüber
dem
preußischen
Staat unter
der Parole
„Oberschlesien
den
Oberschlesiern“
verband. Das
zu 90
Prozent
katholische
Oberschlesien
fühlte sich
vom
protestantischen
Preußen
hinsichtlich
seiner
sprachlichen,
schulischen
und
kirchlich-religiösen
Interessen
vernachlässigt,
durch
landfremde
und zudem
protestantische
Beamte und
Führungskräfte
in der
Wirtschaft
bevormundet.
Im Oktober
1919 stimmte
die
Preußische
Landesregierung
der
Errichtung
einer
eigenständigen
Provinz
Oberschlesien
zu.
Lukaschek
war ein
entschiedener
Befürworter
dieser
Lösung,
erhoffte er
sich doch
von der
oberschlesischen
Provinzialautonomie
eine bessere
Ausgangsposition
für die
deutsche
Sache im
Abstimmungskampf
und darüber
hinaus. Vor
allem
versprach er
sich durch
den Akt der
Emanzipation
von Preußen,
den Klerus
für die
deutsche
Position zu
gewinnen.
Schließlich
war
nirgendwo im
Reich der
Einfluß der
katholischen
Geistlichkeit
auf das
öffentliche
Leben und
die
Selbstverwaltung
so groß wie
in
Oberschlesien.
Auf beiden
Seiten
wurden
Zeitungen,
Broschüren,
Flugblätter
oder
sonstige
Propagandamaterialien
massenhaft
und mit
erheblichem
finanziellen
Aufwand
unters Volk
gebracht. In
Oberschlesien
nicht mehr
wohnhafte,
aber dort
geborene
Personen
durften am
Plebiszit
teilnehmen –
etwa 180.000
ließ die
deutsche
Propaganda
dorthin
transportieren.
Am Sinn für
politische
Realitäten –
dessen
Mangel man
ihm später,
als
Vertriebenenminister,
oft
unterstellte
– fehlte es
Lukaschek
hier gewiß
nicht. Bei
der
Abstimmung
am 20. März
1921
entschieden
sich knapp
60 Prozent
der
Oberschlesier
für den
Verbleib bei
Preußen und
Deutschland.
Lukaschek
verdankte
seinen Sieg
im
Abstimmungskampf
seiner
festen
Verwurzelung
im Zentrum,
der
oberschlesischen
Herkunft
seiner
Eltern und
der
Tatsache,
daß er mit
seinem
Freund und
entfernten
Verwandten
Carl Ulitzka
einen
wortgewaltigen
und im Volk
außerordentlich
beliebten
Mitstreiter
hatte. Er
war Pfarrer
in
Ratibor-Altendorf,
Vorsitzender
des Zentrums
in
Oberschlesien,
Mitglied des
Reichstages
seit Juni
1920 und
stellvertretender
Landeshauptmann
von
Oberschlesien.
Der
Volksmund
nannte ihn
den
„ungekrönten
König von
Oberschlesien“
(über ihn
siehe OGT
1998, S.
219-225). Er
rangierte an
Einfluß und
politischem
Ansehen noch
vor Hans
Lukaschek.
Mit dem
Abstimmungsergebnis
war der
Kampf in
Oberschlesien
nicht
beendet.
Korfanty und
seine
polnische
Partei
riefen ihre
Landsleute
zum offenen
Kampf für
ein
polnisches
Oberschlesien
auf,
verliehen
ihrer
Forderung
durch einen
dritten
Aufstand
Anfang Mai
1921
Nachdruck
und
erreichten
schließlich,
gestützt vor
allem auf
Frankreich,
die
Aufteilung
der Provinz
durch die
Alliierten
am 20.
Oktober
1921: Das
starke
oberschlesische
Industrierevier
wurde
zerschnitten,
die
wirtschaftlich
wertvollsten
Gebiete in
Ostoberschlesien
mit fast
einer
Million
Menschen
fielen an
Polen.
Lukaschek
wurde
Mitglied der
„Gemischten
Kommission“
mit Sitz in
Kattowitz,
die die
Einhaltung
der
Bestimmungen
des
Teilungsvertrages
garantieren,
dabei vor
allem
Grenzfragen
und Fragen
des
Minderheitenschutzes
regeln und
zwischenstaatliche
Konflikte
minimieren
sollte.
Anfang 1927
legte er
wegen des
Vorwurfs, in
eine
Spionageaffäre
verwickelt
zu sein,
dieses Amt
nieder.
Nicht
zuletzt
wegen seiner
Erfolge als
Propagandachef
in der
Abstimmungszeit
wurde Hans
Lukaschek im
Frühjahr
1929 von der
preußischen
Staatsregierung
zum
Oberpräsidenten
von
Oberschlesien
und in
Personalunion
zum
Regierungspräsidenten
in Oppeln
ernannt,
nachdem er
zuvor zwei
Jahre lang
das Amt des
Oberbürgermeisters
von
Hindenburg,
damals die
größte Stadt
Oberschlesiens,
innegehabt
hatte. Er
setzte sich
in diesen
Ämtern
intensiv für
die Rechte
der
polnischen
Minderheit –
insbesondere
im
Schulwesen –
ein, ließ
aber
gleichwohl
eine
deutliche
Präferenz
für das
deutsche
Volkstum in
dieser
schwierigen
Grenzregion
erkennen.
Hauptsächlich
war es ihm
um den
Ausgleich
der
nationalen
Gegensätze
und der
sozialen
Spannungen
in dem
hochindustrialisierten
und
verarmten
Gebiet zu
tun. Auch
die zuvor in
Oberschlesien
stark
vernachlässigten
kulturellen
Belange
lagen ihm am
Herzen.
Unter seiner
Ägide
gelangen
unter
anderem die
Errichtung
der
Oberschlesischen
Landesbibliothek
in Ratibor
1931 und die
Gründung
einer
Pädagogischen
Akademie in
Beuthen. Es
ging
Lukaschek
überhaupt
darum, den
besonders im
Zusammenhang
mit der
Weltwirtschaftskrise
hinter den
Westen
zurückgefallenen
Osten
wieder
aufzurichten
und
lebensfähig
zu machen.
Er erkannte,
„daß das
Ostproblem
die
Schicksalsfrage...
für das
ganze Reich
und damit
schließlich
für Europa“
sei.
In der
Rückschau
hat Hans
Lukaschek
gelegentlich
die Zeit als
Oberpräsident
und als
Regierungspräsident
als die
erfüllteste
seines
Lebens
bezeichnet.
Anfang Mai
1933 war sie
abrupt
vorbei. Die
Reichstagswahl
vom 5. März
1933 sowie
die weiteren
Wahlen im
März
desselben
Jahres –
Preußischer
Landtag,
Provinziallandtage,
kommunale
Parlamente –
hatten der
NSDAP
überall in
Schlesien
klare
Mehrheiten
eingebracht,
in
Niederschlesien
sogar die
absolute
Mehrheit.
Rasch wurden
Repräsentanten
der Weimarer
Demokratie
aus
leitenden
Ämtern in
Staat und
Verwaltung
entfernt –
schon Ende
März war die
Gleichschaltung
der
Verwaltungsspitze
in der
Provinz
Niederschlesien
praktisch
vollzogen.
In
Oberschlesien,
wo sich das
Zentrum
zweifellos
um die
nationale
Frage und um
die
Präponderanz
des
Deutschtums
verdient
gemacht
hatte und
mit
Lukaschek
eine
außerordentlich
beliebte
Persönlichkeit
an der
Spitze der
Verwaltung
stand, mußte
man
vorsichtiger
sein und
wollte
zumindest
vor den
Wahlen die
führenden
Köpfe des
Zentrums
„noch
ungeschoren
lassen“, wie
es der
NSDAP-Gauleiter
von
Niederschlesien
formulierte.
Doch am 19.
Mai 1933
wurde
Lukaschek in
den
vorzeitigen
Ruhestand
versetzt
bzw. seinem
„Urlaubsgesuch“
offiziell
stattgegeben.
Nicht nur
daß er
Zentrumsmann
war, seine
offensiv
ablehnende
Haltung
gegenüber
der NSDAP
war bekannt.
Sehr zum
Mißfallen
der Nazis
hatte er
gegen deren
Intention
zahlreiche
auf die
Weimarer
Verfassung
vereidigte
Beamte in
ihren
Positionen
belassen.
Eine auf
seinem
Amtssitz in
Oppeln
heimlich
aufgezogene
Hakenkreuzfahne
hatte er
kurzerhand
entfernen
lassen.
Schließlich
hatte er
sich Anfang
Mai dem
dringenden
Wunsch des
Ministerpräsidenten
Göring
widersetzt,
die in
Gleiwitz
erscheinende
Zentrumszeitung
Oberschlesische
Volksstimme
zu
verbieten.
Als er sich
nach seiner
Entlassung
als
Rechtsanwalt
in Breslau
niederließ,
verteidigte
er vor allem
jüdische
Mitbürger
und auch
katholische
Geistliche,
was ihn bei
den
Machthabern
weiter
mißliebig
machte.
Unter den
Juden hatte
er
zahlreiche
Freunde, war
ihnen
überhaupt
zugetan –
wohl auch
deshalb,
weil sie in
der
Abstimmungszeit
in
Oberschlesien
überwiegend
die
deutschen
Interessen
vertreten
hatten.
Vor diesem
Hintergrund
war es nicht
verwunderlich,
daß
Lukaschek
bald den Weg
in den
Widerstand
gegen den
Nationalsozialismus
fand. Helmut
James Graf
von Moltke,
den er aus
seiner Zeit
als
Oberpräsident
persönlich
kannte,
hatte ihn um
Mitarbeit im
„Kreisauer
Kreis“
gebeten, der
die
politische
Neuordnung
Deutschlands
nach der
Ausschaltung
Hitlers und
seiner
Clique
vorbereitete.
Lukaschek
war für
diesen Fall
als
Reichskommissar
für die
Ostprovinzen
vorgesehen.
Seine Rolle
im „Kreisauer
Kreis“ ist
schwer zu
rekonstruieren,
weil seine
in Schlesien
gemachten
Aufzeichnungen
nicht
erhalten
sind und er
seinen
Briefwechsel
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
vernichtet
hat. Einen
führenden
Part spielte
er dort
zweifellos
nicht, doch
hat er nach
den Worten
Ger von
Roons „sehr
intensiv
mitgewirkt“.
Auch zu den
führenden
Männern des
20. Juli
1944 hatte
er engen
Kontakt.
Nach dem
gescheiterten
Attentat
wurde er
sofort
verhaftet,
gefoltert
und
zeitweilig
ins KZ
Ravensbrück
verbracht.
Dank der
Hilfe eines
einflußreichen
Freundes im
Umkreis
Görings kam
es erst am
19. April
1945, kurz
vor
Kriegsende,
zum
Verfahren
vor dem
Volksgerichtshof,
wobei
Lukaschek
freigesprochen
wurde –
offiziell,
weil er
gefoltert
worden war,
tatsächlich
wohl
deshalb,
weil das
Kriegsende
und damit
die
potentielle
Strafe für
Blutrichter
so nahe
bevorstand.
Am 22. April
1945 wurde
er aus dem
Gefängnis in
der Lehrter
Straße in
Berlin
entlassen.
Nach dem
Kriege
gehörte Hans
Lukaschek zu
den
Mitgründern
der CDU in
Berlin.
Viele von
ihnen
entstammten
zwar dem
alten
Zentrum –
aus dem
Berliner
Kreis etwa
Andreas
Hermes,
Jakob
Kaiser,
Heinrich
Krone,
Heinrich
Vockel,
Eduard
Bernoth,
Emil Dovifat
oder Johann
Baptist
Gradl – doch
war man sich
einig, nun
eine
überkonfessionelle,
christliche
Volkspartei
anstreben zu
sollen.
Lukaschek
ging im
Dezember
1945 nach
Thüringen,
wo er seinen
in großer
Zahl dorthin
geflüchteten
schlesischen
Landsleuten
am besten
glaubte
helfen zu
können. Er
übernahm in
der
Regierung
das Ressort
für Land-
und
Forstwirtschaft
und hatte
außerdem das
Amt eines
dritten
Vizepräsidenten
der
thüringischen
Landesverwaltung
inne. Rasch
kam es in
Fragen der
Bodenreform
und des
Ablieferungssolls
für
landwirtschaftliche
Güter zu
Zerwürfnissen
mit der
sowjetischen
Besatzungsmacht.
Am 16.
September
1946 folgte
die
Entlassung
aus seinen
Ämtern. Nur
durch Flucht
nach Berlin
konnte sich
Lukaschek
vor jenen
Repressalien
retten,
denen in
diesen
Jahren
„bürgerliche“
Politiker
durch die
Sowjets und
die SED
ausgesetzt
waren.
In Berlin
war
Lukaschek
wieder für
einige
Monate als
Anwalt
tätig, fand
im Frühjahr
1948 eine
Anstellung
als
Amtsrichter
in
Königstein
im Taunus,
ging aber
schon im
Sommer
desselben
Jahres als
Vizepräsident
des wenig
effektiven
Obergerichts
der Bizone
nach Köln.
Seine
nächste
Station war
Bad Homburg
v.d.H., wo
der
Frankfurter
Wirtschaftsrat
das Hauptamt
für
Soforthilfe
eingerichtet
hatte, das
den
Lastenausgleich
für die
Kriegsgeschädigten
in den
Westzonen
durchführen
sollte;
Lukaschek
übernahm im
Mai 1949 die
Präsidentschaft.
Er glaubte,
in diesem
Amt den
Vertriebenen
in
besonderer
Weise helfen
zu können.
Gleichzeitig
legte er den
erst im
April 1949
übernommenen
Vorsitz im
„Zentralverband
der
vertriebenen
Deutschen“ (ZvD)
nieder.
Schon im
September
desselben
Jahres mußte
Lukaschek
die Leitung
des
Hauptamtes
wieder
aufgeben,
denn Konrad
Adenauer
berief ihn
als
Bundesminister
für
Vertriebene,
Flüchtlinge
und
Kriegsbeschädigte
in die von
ihm
gebildete
erste
Regierung
der
Bundesrepublik
Deutschland.
In diesem
Amt machte
Lukaschek
keine
glückliche
Figur –
nicht
zuletzt
aufgrund der
Tatsache,
daß er dem
Bundestag
nicht
angehörte
und von
daher wenig
Rückhalt in
der Fraktion
hatte.
Lobten ihn
bei
Amtsantritt
die
Vertriebenen
noch als
„Vater der
Vertriebenen“,
so sprach
ihm schon im
Januar 1952
der Vorstand
des „Bundes
der
vertriebenen
Deutschen“ (BvD),
des
vormaligen
ZvD, das
Mißtrauen
aus und
forderte
statt seiner
den
Bundestagsabgeordneten
und
BvD-Vorsitzenden
Dr. Linus
Kather als
Vertriebenenminister.
Lukascheks
Gegner
vermißten an
ihm
Durchsetzungsvermögen
und
kämpferische
Entschlossenheit
für die
Interessen
der
Vertriebenen.
Für ein
Ministeramt,
das per se
das
‚Feilschen‘
um Gunst und
Geld für die
jeweilige
Klientel
einschließt
– hier vor
allem beim
Lastenausgleichsgesetz
– war
Lukaschek zu
grüblerisch,
altruistisch,
redlich und
gottergeben
– womöglich
eine
(sympathische)
Hypothek
seiner
schlesischen
Natur.
Typisch für
ihn war –
wie aus
seiner Rede
zum „Tag der
Heimat“ im
August 1952
in
Königstein/Ts.
hervorgeht –
daß er
verantwortungslosen
und
unerfüllbaren
Forderungen
aus Kreisen
der
Vertriebenen
mit
Rücksicht
auf die
Finanzen des
Staatsganzen
nicht
nachgab. Mit
den
Vertriebenenverbänden,
die bereits
seit Sommer
1951 Front
gegen
Lukaschek
machten,
hielt auch
Konrad
Adenauer
dessen
Zurückhaltung
hinsichtlich
der
Forderungen
der
Vertriebenen
für
politische
Schwäche,
ließ ihn
seine
Unzufriedenheit
spüren und
forderte ihn
am 17. Juli
1952 durch
Globke zum
freiwilligen
Rücktritt
auf;
zugleich bot
er ihm das
Amt des
deutschen
Botschafters
im Vatikan
an.
Lukaschek
lehnte ab.
In einem
Gespräch mit
Theodor
Heuss in
diesen Tagen
äußerte
Adenauer,
Lukaschek
sei ein
schwacher
und
unbedeutender
Mann, der
das
Vertrauen
der
Vertriebenen
verloren
habe, weil
er sich den
Restriktionen
von
Finanzminister
Schäffer
gegenüber
den
Vertriebenen
gebeugt
habe. Doch
ließ
Adenauer
Lukaschek
auch gegen
das Drängen
Kathers
schließlich
bis zum Ende
der
Legislaturperiode
im Amt.
Kathers
fortdauernde
Polemik
gegen
Lukaschek
rührte vor
allem aus
der
enttäuschten
Hoffnung, im
ersten
Kabinett
Adenauer
nicht selbst
Vertriebenenminister
geworden zu
sein. Im
übrigen war
er mit fast
allen
maßgeblichen
Vertriebenenführern
zerstritten.
Dem Kanzler
warf er vor,
Lukaschek
nur
ausgewählt
zu haben,
weil bei
dessen
Nachgiebigkeit
der
Kabinettsfriede
nicht
gestört
werde. Auf
dem
Höhepunkt
der „Lukaschek-Krise“
im Sommer
1952 trug
vor allem
der in der
Fraktion
einflußreiche
CSU-Bundestagsabgeordnete
und
Vertriebenensprecher
Hans Schütz
dazu bei,
daß ein
Ministerwechsel
unterblieb.
Er wies
unter
anderem
darauf hin,
daß
Lukaschek
gerade in
ausländischen
Kreisen
einen sehr
starken
Vertrauenskredit
besaß; diese
waren aber
für die
Vorfinanzierung
des
Lastenausgleichs
wichtig. Ein
erfreulicher
Markstein
von
Lukascheks
Ministerzeit
war im Mai
1953 die
Verabschiedung
des
Bundesvertriebenengesetzes,
des „Grundgesetzes
der
Vertriebenen“,
das – anders
als das
Lastenausgleichsgesetz
–
maßgeblich
in seinem
Ressort
entstanden
war. Nach
der
Bundestagswahl
1953 wurde
Lukaschek
durch
Theodor
Oberländer
abgelöst.
Nach seinem
Abschied vom
Ministeramt
verzog Hans
Lukaschek
nach
Freiburg im
Breisgau, wo
er als
Vizepräsident
des
Deutschen
Caritasverbandes
und als
Präsident
des
Katholischen
Flüchtlingsrates
tätig war.
Weiter
arbeitete er
im
Zentralkomitee
der
Deutschen
Katholiken
mit und
führte den
Vorsitz in
der
Bundesversammlung
der
Landsmannschaft
der
Oberschlesier.
Orden und
Titulaturen
wurden ihm
zahlreich
zuteil. Seit
1953 trug er
das
Großkreuz
des
Verdienstordens
der
Bundesrepublik
Deutschland,
und er war
Magistralritter
des
Malteser-Ritter-Ordens
und Ritter
des Ordens
vom Heiligen
Grabe.
Werke:
Die
deutschen
Heimatvertriebenen
als
zentrales
deutsches
Problem.
Bonn 1951.
Lit.:
Hans-Ludwig
Abmeier:
Hans
Lukaschek.
In: Helmut
Neubach und
Ludwig Petry
(Hg.):
Schlesier
des 15. bis
20.
Jahrhunderts
(Schlesische
Lebensbilder,
5). Würzburg
1968, S.
228-236. –
Paul van
Husen: Hans
Lukaschek,
1885-1960.
In: Herbert
Hupka (Hg.):
Große
Deutsche aus
Schlesien.
München/Wien
31985,
S. 297-305.
– Markus
Leuschner:
Hans
Lukaschek.
Ein
deutscher
Politiker
aus
Schlesien.
Alfter o.J.
– Helmut
Neubach: Die
Verwaltung
Schlesiens
zwischen
1848 und
1945. In: G.
Heinrich/F.-W.
Henning/K.
Jeserich
(Hg.):
Verwaltungsgeschichte
Ostdeutschlands
1815-1945.
Stuttgart
u.a. 1992,
S. 877-941.
– Andrea
Schmidt-Rösler:
Autonomie-
und
Seperatismusbestrebungen
in
Oberschlesien
1918-1922.
In:
Zeitschrift
für
Ostmitteleuropa-Forschung
NF 48
(1999), Heft
1, S. 1-49.
– Ger van
Roon:
Neuordnung
im
Widerstand.
Der
Kreisauer
Kreis
innerhalb
der
deutschen
Widerstandsbewegung.
München
1967.
Ich danke
Herrn Guido
Hitze M.A.
für den
großzügig
gewährten
Einblick in
einige
Lukaschek
betreffende
Passagen
seiner im
Manuskript
abgeschlossenen
Dissertation
über Carl
Ulitzka.