In Wien hat
es so
mancher
Siebenbürger
Sachse zu
Ehren und
Ruhm
gebracht.
Abgesehen
von Martin
Capinius,
genannt der
Siebenbürger,
der aus
Hermannstadt
stammen soll
und 1521 zum
Bürgermeister
der
österreichischen
Metropole
ernannt
wurde, ist
kein
Siebenbürger
Sachse
gewissermaßen
über Nacht
in Wien so
volkstümlich
geworden wie
Carl Maager
im Jahre
1860.
Nachdem sich
das nach der
Revolution
von 1848/49
errichtete
neuabsolutistische
Regierungssystem
Österreichs
als
unhaltbar
erwies,
berief
Kaiser Franz
Joseph im
Jahre 1860
den
sogenannten
verstärkten
Reichsrat
ein, um
Reformvorschläge
für die
Umgestaltung
der
Monarchie
einzuholen.
Höchste
Würdenträger
des Staates
sowie 38
Vertreter
sämtlicher
Kronländer,
davon drei
aus
Siebenbürgen
(1 Magyare,
l Rumäne und
l Sachse),
waren
vertreten.
Unter den 60
Mitgliedern
des
Reichsrates
gab es nur
acht
Bürgerliche,
darunter
zwei
Protestanten:
einer von
ihnen war
Carl Maager.
Carl Maager
hat in den
zehn
wichtigsten
Sitzungen
des
Reichsrates
25mal das
Wort
ergriffen
und zu
wichtigen
Fragen der
reformbedürftigen
Donaumonarchie
Stellung
genommen. Zu
erwähnen
sind
insbesondere
seine Reden
über die
notwendige
Gleichstellung
der
protestantischen
Kirche in
Österreich,
die
Pressefreiheit,
die
Notwendigkeit
einer
Reichsverfassung,
die
Organisation
des
Kaiserreiches,
den Bau
einer
Eisenbahnlinie
für
Siebenbürgen,
die
Urbarialgerichte,
die Sammlung
statistischer
Daten, die
Militärbildungsanstalten
und die
Verwendung
des Militärs
zu
öffentlichen
Arbeiten,
über Zölle,
Kopfsteuer
u.a. Seine
Plädoyers
für eine
demokratische
Reichsverfassung
und die
konstitutionelle
Gleichheit
aller
Nationen,
Religionen
und
Konfessionen
des
habsburgischen
Vielvölkerstaates
machten ihn
schlagartig
zum
populärsten
Manne Wiens.
Die
Zeitungen
berichteten
täglich über
sein
Auftreten.
Zahlreiche
Ehrungen
wurden ihm
zuteil. Vier
Städte
(Brunn,
Krems,
Salzburg,
Znaim)
verliehen
ihm die
Ehrenbürgerschaft.
In
zahlreichen
Auslagen der
Kunst- und
Buchhandlungen
hingen seine
Porträts.
Selbst die
Mode
bemächtigte
sich seines
Namens:
Maager-Hüte,
-Krawatten,
-Anzüge und
-Uhren
wurden
plötzlich
angeboten.
Es wurde
sogar eine
Sammlung für
ein
ansehnliches
Ehrengeschenk
veranstaltet.
Neugierige
Menschen
drängten
sich in
Gasthäusern,
Theatern
oder an
anderen
Orten, wo
Maager
auftrat, um
ihn zu
sehen. Auch
auf den
Kaiser, der
ihn in einer
Privataudienz
empfing,
machte
Maager
Eindruck.
Nach seiner
Rückkehr in
die Heimat
bereiteten
ihm
verschiedene
Städte,
allen voran
seine
Vaterstadt
Kronstadt,
feierliche
Empfänge.
Zu einem
„Senkrechtstarter“
wurde Maager
nach dieser
Sternstunde
seines
Lebens
allerdings
nicht. Man
hat sich an
höchster
Stelle zwar
gelegentlich
seiner
erinnert,
seinen Rat
in
Wirtschaftsfragen
eingeholt,
auch gehörte
er seit 1863
dem
siebenbürgischen
Landtag als
Abgeordneter
an, sein
Betätigungsfeld
blieb aber
nach wie vor
hauptsächlich
auf
Kronstadt
beschränkt.
In dieser am
Fuße der
Karpaten, an
der Grenze
zur Walachei
gelegenen
Stadt war
Carl Maager
am 15. März
1813 als
Kaufmannssohn
geboren
worden. Nach
dem Tode des
Vaters
führte er
mit dem
Bruder das
geerbte
Geschäft
weiter. Im
Jahre 1844
wurde er in
die
Hundertmannschaft
der Stadt
gewählt, was
ihm die
Möglichkeit
eröffnete,
sich mit
öffentlichen
Angelegenheiten
zu
beschäftigen.
Während der
Revolution
von 1848/49
wurde er
politisch
tätig und
führte
Verhandlungen
sowohl mit
der
russischen
Heeresleitung
in der
Walachei als
auch mit der
ungarischen
Revolutionsführung.
Nach den
Wirren der
Revolution
wählte ihn
die wieder
errichtete
Handels- und
Gewerbekammer
von
Kronstadt zu
ihrem
Präsidenten.
Im Jahre
1857
überließ
Maager die
Familienfirma
seinem
Kompagnon
und übernahm
hauptberuflich
andere
Aufgaben:
zunächst war
er
Filial-Direktor
der
Kronstädter
Privilegierten
Österreichischen
Kreditanstalt
für Handel
und Gewerbe,
ab 1864
Sekretär der
Handels- und
Gewerbekammer
Kronstadt
und ab 1869
Leiter der
ungarischen
Eisenbahn-Ministerial-Buchhaltung
in Budapest.
Maager hat
sich auf
diese Weise
vor allem
Verdienste
um die
Entwicklung
von Gewerbe
und Handel
als auch
beim Bau der
Eisenbahnlinie
in
Siebenbürgen
erworben.
Mehrere von
ihm
veröffentlichte
Arbeiten
legen dafür
ebenfalls
Zeugnis ab.
Lit.:
Joseph
Trausch und
Friedrich
Schuller:
Schriftsteller-Lexikon
der
Siebenbürger
Deutschen.
Bd. 2,
Kronstadt
1870, S.
377-382; Bd.
4,
Hermannstadt
1902, S.
272; 2.
Aufl.
Köln-Wien
1973;
Heinrich
Neugeboren:
Ein
Gedenkblatt
für Carl
Maager.
Kronstadt
1887;
Österreichisches
biographisches
Lexikon.
Hrsg. von
der
österreichischen
Akademie der
Wissenschaften.
Bd. 5,
Graz-Köln
1972, S.
383-384;
Otto
Folberth:
Ein gar
nicht „circumspekter“
Siebenbürger
Sachse,
Reichsrat
Carl Maager.
In:
Südostdeutsche
Vierteljahresblätter,
15. Jg.,
München
1966, Folge
2, S. 78-83;
Rotraut
Sutter:
Siebenbürger
Sachsen in
Österreichs
Vergangenheit
und
Gegenwart.
Innsbruck
1976, S.
104-106.
Michael
Kroner