Allein der
brillante
Nachruf
Einsteins
zeigt, daß
man die
Bedeutung
Ernst Machs
recht bald
erkannt hat.
Waren
Urgroßvater
und
Großvater
Weber von
Beruf, so
wollte der
Vater
studieren.
Der Drang
nach
Unabhängigkeit
veranlaßte
diesen
jedoch, die
Gelehrtenlaufbahn
aufzugeben
und ein
Bauerngut in
Untersiebenbrunn
östlich von
Wien zu
bewirtschaften.
Die Arbeit
bei einem
Tischler,
die
Bibliothek
des Vaters
und das
Erleben der
Landwirtschaft
kennzeichnen
die Jugend
von Ernst
Mach. Nach
einem Anlauf
bringt Ernst
die
Gymnasialzeit
hinter sich,
in der er
unter
Abneigung
zum
Auswendiglernen
von Sprachen
und unter
dem
Unverständnis
einzelner
Lehrer für
seinen
naturwissenschaftlich
geprägten
Erkenntnisdrang
viel litt.
Die
Begegnung
mit der
Lamarckschen
Entwicklungslehre
und der
Kant-Laplaceschen
Kosmologie
sowie das
Mühlenerlebnis,
als eigenen
Worten
zufolge nach
dem Blick in
das
Räderwerk
sein
kindliches
Denken vom
Niveau des
wundergläubigen
Wilden zum
kausalen
Denken
erhoben
wurde,
prägten
weite
Bereiche von
Machs
späterem
Schaffen.
Beim Studium
in Wien
lernte er u.
a. Doppler,
Petzval und
Brücke
kennen. Um
nicht die
aufreibende
Laufbahn
eines
Gymnasiallehrers
ergreifen zu
müssen,
habilitierte
er sich.
Dank seiner
vielfältigen
Fähigkeiten
hätte Mach
fast eine
Anstellung
an der
Chirurgischen
Anstalt in
Salzburg
erlangt,
doch zog er
eine
Berufung
nach Graz
vor, um dort
gleichsam
fachfremd
Mathematik
zu lehren.
Die in Wien
gewählte
Sinnesphysiologie
und
Psychophysik
blieben auch
in Graz das
Experimentiergebiet.
1867 erhielt
Mach als
Nachfolger
Dopplers den
Lehrstuhl für
Experimentalphysik
in Prag, den
er 28 Jahre
innehatte.
Die Prager
Zeit ist in
jeder
Hinsicht die
eigentliche
Lebens- und
Wirkungszeit
Machs.
Vier Monate
nach der
Ankunft in
Prag
heiratet er.
Im Kreis
mehrerer
Kinder und
vieler
Diener fühlt
er sich
wohl. In
Prag
entwirft er
physikalische
Experimentiergeräte,
die der
begabte
Mechaniker
Franz Hajek
fertigt und
die in ganz
Mitteleuropa
nachgebaut
werden. Prag
ist der Ort
seiner
klassischen
Arbeiten:
stroboskopische
Methoden,
die
Darstellung
von
Luftschwingungen,
das Studium
der
Explosionswellen,
die Theorie
der
Gleichgewichtsempfindung,
die
Formulierung
der
Erkenntnistheorie
usw. Prag
ist
schließlich
die Stätte,
wo die
Nationalitätenstreite
des
ausgehenden
19.
Jahrhunderts
besonders
heftig
ausgetragen
werden. Hier
stehen sich
die
Deutschen,
die
Tschechen
und die
Juden
gegenüber.
Mach ist vom
ersten Tag
seiner
Prager Zeit
mit
hineingezogen.
Er gibt sich
vorurteilsfrei
und weist
später in
einem
Aufsatz
nach, daß
Werturteile
über Rassen
schon mit
Milchmädchenrechnungen
widerlegt
werden
können. Er
wendet sich
auch gegen
den
habsburgischen
Klerikalismus.
In seine
Zeit als
Rektor der
Prager
Universität
fällt die
Teilung der
Universität
in eine
deutsche und
eine
tschechische.
Zwar
befürwortet
Mach diese
Teilung,
doch schwebt
ihm eher die
Neugründung
einer
tschechischen
Universität
vor Augen.
Rufen
nach Jena
und München
folgt er
nicht, um
den
Ausgleich
zwischen den
nationalen
Lagern in
Prag
fortsetzen
zu können.
Zwei Jahre
durfte Mach
noch an der
Universität
Wien auf
einem eigens
für ihn
geschaffenen
Lehrstuhl
wirken.
Krankheit
des bereits
als Kind
schwächlichen
Mach waren
Anlaß für
die
Emeritierung.
1913 zog er
zu seinem
Sohn nach
Vaterstetten.
Das
Lebenswerk
Machs füllen
mehrere
Buchbände,
Institute in
den USA und
das
Ernst-Mach-Institut
in Freiburg
bewahren
sein Erbe.
An den
physikalischen
Werken ist
zu erkennen,
daß
die in der
Abhandlung
„Die
Geschichte
und die
Wurzel des
Satzes von
der
Erhaltung
der Arbeit“
ausgesprochenen
Gedanken in
drei Büchern
über
Mechanik,
Wärmelehre
und Optik
eine
Ausweitung
dadurch
erfahren,
daß hier
nicht nur
eine
Geschichte
dieser
Teilgebiete
gegeben
wird,
sondern auch
die
Grundlagen
ihrer
Erkenntnis
aufgewiesen
werden. Die
Kritik an
den
physikalischen
Grundbegriffen
Newtons hat
u.a. auf
Einstein
Einfluß
ausgeübt. An
Einzelheiten
der
vielfältigen
Forschung in
der Physik
erinnern
etwa die
Mach-Zahl,
der
Mach-Kegel,
die Machsche
Wellenmaschine
oder das
gekippte
Stangenpendel.
Von nicht
geringer
Bedeutung
waren die
Bestätigung
des
Doppler-Effektes
und dessen
Übertragung
auf die
Rotverschiebung
in den
Sternspektren.
Dem
philosophischen
Standpunkt
gemäß,
daß nur das
mit den
Sinnen
Wahrnehmbare
oder
sonstwie
Nachweisbare
Wirklichkeit
ist, lehnt
Mach die
Annahme von
Atomen ab („Ham‘s
ans gsehn?“),
wodurch er
auch die so
fruchtbare
mechanistische
Wärmetheorie
verwirft.
Die
Philosophie
vermehrt er
um den
Begriff der
Denkökonomie,
wonach
Naturgesetze
nicht Regeln
für den
Naturablauf
sind,
sondern
energiesparende
Erfindungen
unseres
Denkens. Mit
Machs
Empiriokritizismus,
in seinem
Standardwerk
„Analyse der
Empfindungen“
dargelegt,
setzt sich
Lenin in
einer
eigenen
Streitschrift
auseinander.
Die
zahlreichen
Nacharbeiten
zu Machs
psychologischen
Büchern
weisen aus,
daß er auch
diese
Wissenschaft
befruchtete
und auf
Freud
einwirkte.
In der
Wahrnehmungspsychologie
befaßte sich
Mach mit den
Arbeiten
Fechners,
die
Gestaltpsychologie
bereicherte
er neben den
theoretischen
Erkenntnissen
durch sein
„Dach“ bzw.
„Buch“ als
Kippfigur.
Nicht nur
intellektuelles
Vergnügen
und Freude
am guten
Stil, wie
Einstein
sagt, machen
alle seine
Schriften
und Bücher
so anziehend,
sondern auch
die gütige,
menschenfreundliche
und
hoffnungsfrohe
Gesinnung,
die oft
zwischen den
Zeilen
hervorschimmert.
Werke: Opt.-akustische Versuche, 1873; Die Mechanik in ihrer Entwickelung,
1883; Beiträge
zur Analyse
der
Empfindungen,
1886, u.d.T.
Die Analyse
der
Empfindungen,
21900;
Die
Principien
der
Wärmelehre,
1896;
Erkenntnis
und Irrtum,
1905; Die
Prinzipien
der physikal.
Optik, 1921.
Lit.:
John Th.
Blackmore:
Ernst Mach,
His Work,
Life and
Influence,
Berkeley/Los
Angeles/London
1972; J.
Bradley:
Ernst Mach's
philosophy
of science,
London 1971;
Machs
Philosophie
der
Naturwiss.
Dt. Übers.
Stg. 1974;
K.D. Heller:
Ernst Mach,
Wegbereiter
der modernen
Physik,
Wien/New
York 1964;
Joachim
Thiele:
Ernst
Mach-Bibliographie,
in:
Centaurus 8
(1963) 189.