Der am 13.
März 1887 in
Wien
Geborene
empfand
Schlesien,
woher die
Familie
stammte, als
seine
Jugendheimat,
wie er in
der
biographischen
Skizze „Ad
me ipsum“ in
der
Zeitschrift
Schlesien
1965
bekennt, aus
der wir auch
von dem
Zusammensein
mit dem
„Frühgefährten“,
dem Dichter
Georg Heym,
erfahren.
Berlin,
wohin die
Eltern aus
geschäftlichen
Gründen
zogen, und
Greifswald
wurden dem
Studenten
der
Germanistik
und dem
jungen
Lehrer zur
prägenden
Umwelt.
Seine
Dissertation
und frühen
Schriften
beschäftigen
sich mit
Georg
Büchner.
Rudolf
Majuts
bleibendes
Verdienst
ist die
Einführung
des Begriffs
„Biedermeier“
in die
deutsche
Literaturgeschichte
1932.
Mitten in
das
fruchtbare
Schaffen des
jungen
Gelehrten
fiel die
Machtübernahme
Hitlers; als
„Volljude“
wurde Rudolf
Majut
bereits
Ostern 1933
aus dem
Schuldienst
entlassen.
Der fast
50jährige
begann, von
Lörrach aus,
ein Studium
der
evangelischen
Theologie in
Basel, wohin
er 1938
rechtzeitig
und
„rechtmäßig“
mit seiner
Frau
emigrierte,
so konnte er
seine Habe,
vor allem
seine große
Bibliothek,
mitnehmen.
Doch die
Aufenthaltsgenehmigung
in Basel
galt nur für
den
Studenten
Dr. Rudolf
Majut; als
Pfarrer
bewarb er
sich um eine
Stelle im
Elsaß, was
die Pariser
Behörden
ablehnten.
Die Rettung
kam von
England; der
Bischof von
Chichester,
Dr. Bell,
nahm sich
des
christlichen
Pfarrers
jüdischer
Abstammung
an; Majuts
wanderten
noch vor
Ausbruch des
Zweiten
Weltkriegs
nach England
aus und
erlebten
„eine
überwältigend
großzügige
Gastfreundschaft“.
Gleichwohl
konnte man
nicht
erwarten,
daß eine
presbyterianische
Gemeinde
einen
Deutschen
sich zum
Pfarrer
wählte.
Rudolf Majut
und seine
Frau, Dr.
Käthe Majut,
Mathematikerin,
fanden
Aufnahme in
den
Schuldienst.
Bald begann
der Gelehrte
in
englischen
Zeitschriften
zu
veröffentlichen,
die
Universität
Leicester
ernannte ihn
zum „honorary
lecturer“,
den viele
Schüler zum
Freund
gewannen.
Ohne sich
nach dem
Ende des
Krieges zu
einer
Rückkehr
nach
Deutschland
entschließen
zu können,
knüpfte er
doch bald
Kontakte zu
früheren
wissenschaftlichen
Freunden,
besonders
intensive zu
Wolfgang
Stammler, in
dessen „Aufriß
der
deutschen
Philologie“
Rudolf Majut
den ungemein
kenntnisreichen
Beitrag „Der
deutsche
Roman vom
Biedermeier
bis zur
Gegenwart“
schrieb.
Beide
Gelehrte
fühlten sich
noch für die
Einheit der
Germanistik
verantwortlich:
für Sprach-
und
Literaturwissenschaft.
Rudolf
Majuts
namen- und
wortgeschichtliche
Untersuchungen
gehören in
den
originellsten
Beiträgen
dieser Art,
erinnert sei
an „Nazi,
Bazi und
Konsorten“
(Zs. f. dt.
Philologie
77, 1958)
oder an
Studentenausdrücke
wie
„Spritzen
und seine
Sippe“ (Zs.
f. dt.
Philologie
96, 1977).
Majuts
kontinuierliche
Beschäftigung
mit
deutscher
Literatur
des 19.
Jahrhunderts,
auch ihrer
Rezeption in
England,
verdankt die
Rückert-Gesellschaft
die Studie
„Ein
englischer
Besucher
Rückerts.
Mit einem
Ausblick auf
die Aufnahme
Rückerts in
England und
Amerika“.
1973 als
erweiterte
Ausgabe
eines 1966
erschienenen
Aufsatzes
von der
Rückert-Gesellschaft
veröffentlicht,
enthält de
zahlreiche
Anregungen
für
weiterführende
komparatistische
Forschungen.
Die
Rezension
der Briefe
Friedrich
Rückerts,
die Rudolf
Majut 1978
nach
schwerer
Krankheit
schrieb, ist
die letzte
Publikation
des
Verstorbenen
(Zs. f. dt.
Philologie
98, 1979).
Es erscheint
bezeichnend,
daß Majut
den
„Reichtum
edelster
Menschlichkeit“
in den
Briefen
hervorhebt
und – das
nationale
Bekenntnis
Rückerts vom
13.12.1835
zitiert:
„Ich habe
das deutsche
Reich zu
vertreten,
das eben ein
bloß ideales
ist, ohne
Wirkung und
Bedeutung in
den
Königreichen
und
Fürstentümern.“
Diesem
idealen
Deutschland
bewahrte der
Gelehrte
zeitlebens
die Treue,
für dessen
geistige
Werte wirkte
er, unbeirrt
von
politischen
Strömungen
und trotz
persönlichem
Ausgesetztsein.
Die
Bundesrepublik
dankte es
ihm durch
Verleihung
des
Bundesverdienstkreuzes
anläßlich
seines 70.
Geburtstages.
Mit Rudolf
Majut starb
am 7.
Februar 1981
ein
deutscher
Germanist in
England, ein
national
gesinnter
Jude, ein
gütiger,
edler
Mensch.
Seine Witwe,
Dr. Käthe
Majut, hütet
nicht nur
getreu das
Erbe des
Gatten, sie
erachtet es
als Pflicht,
auch dessen
unveröffentlichte
oder längst
vergriffene
Dichtung vor
dem
Vergessenwerden
zu bewahren,
denn „Rudolf
Majut war
Gelehrter –
und
Dichter“,
schreibt sie
mit gutem
Recht in der
Einführung
zur
„Gedichtsammlung“,
die sie 1984
herausgab.
Der 354
Seiten
umfassende
Band enthält
die Ernte
dichterischen
Schaffens
durch
viereinhalb
Jahrzehnte.
In
ausdrucksstarken
Wortschöpfungen,
sehr
persönlichen
Bekenntnissen
und in
Gestaltungsprinzipien
belegen sie
das
Bekenntnis
Rudolf
Majuts zum
Expressionismus
als
„gemeinsame
Zeitluft“.
Trotz der
prägenden
Kraft der
20er Jahre
verflüchtigt
sich sein
Schreiben
nicht in die
Abstraktion;
möglicherweise
verbot ihm
seine
literaturwissenschaftliche
Forschung
den Ausbruch
aus festen
Formen;
daher drängt
es ihn
ebenso zum
strengen Bau
der Sonette
wie zur
Gestaltung
von
liedhaftem
Klang oder
gelegentlich
zur Elegie.
Die Sammlung
„Kleine
Prosaschriften“
von 1983
enthält
Erinnerungen
an tragende
Persönlichkeiten
und eine
Novelle aus
dem Geist
des
Mittelalters.
Im gleichen
Jahr
erschien die
„Reimchronik“;
dem
Manuskript
hatte Thomas
Mann 1945
„den vollen
Wert eines
dichterischen
Zeitdokuments“
bescheinigt.
Rudolf
Majuts
gereimte
Schilderung
der
leidvollen
Wegstationen
seiner
„Wanderschaft“
in die
Schweiz, zu
mehreren
Orten in
England
entbehren
nicht
seltsam-humorvoller,
auch
sarkastischer
Töne zu
Alltag und
Feier in
Internierungslager
oder Schule,
endlich zu
Leicester im
eigenen Haus
und Garten,
„Poggfred“
genannt,
nach Detlef
von
Lilienkrons
Dichtung.
Die geistige
Brücke zum
Land seiner
Herkunft
blieb
tragfähig,
zu ihm
bekannte
sich Rudolf
Majut auch
in der
Fremde, wie
mehrere
zwischen
1945 und
1950
entstandene
Gedichte
bezeugen.
Werke:
Nach dem Tod
erschienen,
hrsg. von
Käthe Majut:
Reimchronik
1930—1950,
Köln 1983;
Kleine
Prosaschriften
1983;
Gedichtsammlung,
Köln 1984.
Lit.:
Kürschners
Deutscher
Gelehrten-Kalender
1961.
Elisabeth
Roth